Ghosts and Devils

Die heutige Fahrstrecke wird nicht übermäßig lang sein. Aber „natürlich“ haben wir ein paar Programmpunkte eingeplant, damit es nicht so langweilig wird.

 

Unsere heutige Fahrstrecke

Nachdem wir unseren Fury wieder beladen haben, führt uns unser Weg auf einer ca. 2,5-stündigen Fahrt von South Lake Tahoe über Nevada in die Geisterstadt Bodie nach Kalifornien. Man fährt dabei mitten durch eine sehr einsame Gegend im Gebirge. Da müssen wir dann auch ab und an mal anhalten und Fotos machen.

Die Fahrstrecke ist nicht sehr anspruchsvoll: es gibt nur diese eine Straße. So müssen wir nur auf den Hinweis auf die Strecke nach Bodie achten. Entgegen der Beschreibung des Internets, dass diese Seitenstraße eine reine Schotterstraße ist, sind die ersten Meilen wunderbar zu fahren. Die Straße wurde sichtlich erst vor wenigen Monaten geteert, und es macht wirklich Spaß, durch diese menschenleere und fast verkehrsfreie Gegend zu düsen. Allerdings reichte das Geld wohl nicht, denn die letzten 3 Meilen nach Bodie sind nun doch diese angedrohte Schotterstraße, die nicht nur schwierig zu fahren ist, sondern auch Furys Stoßdämpfern und unseren Gebissen einiges abverlangt.

Schotterstraße

3 Meilen Schotterstraße

Aber wir drei halten fleissig durch und schaffen es tatsächlich, Bodie ohne Verluste zu erreichen.

Bodie Ghost Town

Angekommen in Bodie

Es ist sonnig mit ein paar Wölkchen, allerdings merken wir gleich beim Aussteigen: es ist a****kalt und verdammt windig. Hätten wir Wintermäntel dabei gehabt, wir hätten sie aus den Koffern gefriemelt. Aber wer nimmt Mitte September in Kalifornien schon einen Wintermantel mit?!

Tapfer machen wir uns auf, das ehemalige Goldgräberörtchen zu erobern.

Bodie wurde 1876 gegründet, nachdem dort Gold gefunden worden war. Der kleine Ort mitten im Nirgendwo entwickelte sich zum Goldgräberstädtchen und kurze Zeit später lebten bereits 10.000 Menschen in ihr. Zum Ende des kalifornischen Goldrauschs, als der Goldpreis sank und dazu 1932 auch noch ein Großbrand fast die ganze Stadt zerstörte, wurde Bodie aufgegeben und die Menschen zogen weg. Die Mine wurde noch bis in die 60er Jahre weiterbetrieben und dann ebenfalls stillgelegt.

Seit 1962 ist Bodie nun ein State Historic Park und gilt als die am besten erhaltene Geisterstadt (Ghosttown) der USA. Es sind noch etwa 170 Gebäude erhalten geblieben, darunter die Kirche, die Schule, eine Bar, Läden und das Minengebäude, sowie zahlreiche Wohnhäuser. Bei einigen hat es den Anschein, als wären die Bewohner gerade erst gegangen und würden vielleicht sogar gleich zurückkehren.

Es sei noch ergänzt, dass Bodie zu seinen Hochzeiten „65 Saloons entlang der Hauptstraße, ein Rotlichtviertel mit zahlreichen Bordellen, ein Chinesenviertel mit einem taoistischen Tempel und einer Opiumhöhle, eine Eisenbahn, mehrere Zeitungen, sieben Brauereien und Kirchen verschiedener Religionen (Quelle: wikipedia)“ besaß.

Von dieser Blüte ist heute nicht mehr viel zu sehen, der große Brand hat das meiste vernichtet. Von den verbliebenen 170 Gebäuden sind einige erstaunlich gut erhalten, andere dagegen verfallen oder am Zusammenbrechen.

Bodie

Gut erhalten

Bodie

Scheinbar bewohnbar

Bodie

Anlehnungsbedürftig

Bodie

Verfallen

Bodie

Nicht sehr vertrauenserweckend

Manche Gebäude darf man betreten – man tut es mit einem leicht mulmigen Gefühl – wird denn der Boden tragen? ;-D

Bei anderen Gebäuden gibt es doch das eine oder andere Hindernis, das ein Betreten verhindert oder zumindest stark erschwert.

Schließlich sind wir komplett durchgefroren, selbst der kurze Besuch im Museum kann uns nicht aufwärmen.

Bodie

Im Museum

Denn so schön die Sonne scheint, der Wind pfeift heftig über das Hochtal, und leider ist er weiterhin sehr kalt. So überhaupt nicht „kalifornisch“. Kein Wunder, dass keiner der Anwohner bereit war, nach Schließung der Mine vor Ort zu bleiben…

Bodie

Die alte Mine

Wir zwingen unseren Fury also wieder auf die Schotterstraße und schleichen die 3 Meilen zurück. In der Ferne sehen wir dunkle Wolken heranwehen, es sieht nach Unwetter aus.

Zurück auf der Straße

Und tatsächlich fängt es an zu nieseln, dann zu regnen, und kurz darauf hagelt es. Dann ist es wieder kurz trocken, dann regnet es wieder, alles immer schön abwechselnd. Mal ein kurzes Stückchen Sonne, dann wieder eine dicke Wolke über der Straße. So fahren wir über den Pass Richtung Mono Lake.

Mono Lake

Blick auf Mono Lake

Am ersten Vista Point mit Blick auf den See halten wir, und Sandy lässt sich trotz des Hagels nicht von ihrem Hobby abbringen.

Etwas weniger nass von oben und etwas weniger Wind wäre uns lieber gewesen, aber darauf haben wir nun einmal keinen Einfluss. Dass wir nicht nur 30 Grad haben würden, war uns schon klar, aber mit Hagelsturm und Gewitter haben wir nun einmal nicht unbedingt gerechnet.

Mono Lake

Den Besuch am Visitor Center nutzen wir für einen kurzen Toilettengang, dann fahren wir weiter an die South Tuffas. Auf dem Weg fahren wir am Panum Crater vorbei, einem der jüngeren Vulkane hier in der Gegend. Eigentlich hatten wir diesen besuchen wollen, aber die über dem Ort stehende Gewitterwolke hält uns mit Blitz und Donner davon ab.

Vom Besuch der Tuffas lassen wir uns aber nicht abschrecken. Der Geruch des Sees und der Tuffgebilde ist gewöhnungsbedürftig, aber auszuhalten.

Der See an sich hat durch die kalifornische Wasserpolitik sehr gelitten. Seine Zuflüsse wurden im letzten Jahrhundert umgeleitet, um die großen Städte (vor allem Los Angeles) in Südkalifornien mit Trinkwasser zu versorgen. Dadurch sank im Laufe der Zeit der Wasserspiegel dramatisch. Ende des Jahrhunderts wurde eine Regelung getroffen, dass ein Teil des Wassers in das Mono-Becken zurückgegeben wird. Allerdings hielt die Verbesserung nur kurz an, durch die aktuelle, seit Jahren bestehende Dürre hat sich die Lage weiter verschlechtert und es sieht momentan so aus, als würde der See schlussendlich von der Landkarte verschwinden.

Wir verlassen den Mono Lake für heute und fahren weiter Richtung Süden. Je näher wir Mammoth Lakes kommen, desto besser wird das Wetter. Wir fahren zur Talstation des Schilifts, um dort die Auskunft zu erhalten, dass der sommerliche Shuttleservice bereits eingestellt wurde und wir daher unser Ziel Devil’s Postpile selbst anfahren dürfen.

Mammoth

The Yodler

Mammoth

Wo Mammoth drauf steht…

Also fahren wir weiter, und die Straße ist so, wie ich sie von meinem letzten Besuch in Erinnerung habe: schmal und kurvig. Ich bin eigentlich sehr froh, dass wir wenig Gegenverkehr haben, denn Ausweichen ist hier nicht, und auf der einen Seite geht es hoch und auf der anderen Seite ziemlich abwärts…

Devils Postpile

Das erste Straßenstück zum Postpile ist noch angenehm zu fahren.

Devils Postpile

Wir parken unseren Fury und laufen den ausgewiesenen Weg zu den Postpiles.

Das letzte Mal war ich nur am Fuß der Formation unterwegs, dieses Mal nehmen wir den Trail aufwärts.

Devils Postpile

Da geht’s rauf.

Der Weg ist steinig und stellenweise ziemlich steil. Und leider ist oben ziemlich viel Publikum, das sich dort zum Teil recht häuslich niedergelassen hat. Ein Foto ohne fremde Menschen drauf ist gar nicht so einfach.

Devils Postpile

Es ist schon erstaunlich, an welchen „unmöglichen“ Stellen sich Pflanzen ansiedeln können.

Devils Postpile

Interessant ist der Blick nach unten auf den Boden. Ein Fliesenleger scheint hier am Werk gewesen zu sein, so gleichmässig sind die Sechsecke, die die Natur hier geformt hat.

Devils Postpile

Wir nehmen den Weg zurück zum Fußende. Dabei begegnet uns dieser kleine putzige Kerl, der es nicht lassen kann, vor Sandys Linse zu posieren.

Streifenhörnchen

Streifenhörnchen

Streifenhörnchen

In aller Ruhe beobachten wir am Fuß des Postpiles die anderen Besucher, es ist schon interessant, wie verschieden diese sind: gemütliche Spaziergänger, sportliche Wanderer, Familien mit Kindern etc.

Devils Postpile

Am Fuß des Postpile

Devils Postpile

Größenvergleich

Schließlich machen wir uns auf den Weg zurück in den Ort, wo wir im „Mammoth Creek Inn Hotel“ ein Zimmer gebucht haben.

Hotel

Unser Hotel in Mammoth

Zimmer

Unser Zimmer

Bad

Das Bad

Erste Aufgabe nach dem Check-in ist der Besuch im Grocery Store um die Ecke. Wir müssen unseren Obst- und Getränkevorrat aufstocken.

Dann suchen wir nach einem Lokal fürs Abendessen, aber für Mammoth-Verhältnisse sind wir wohl zu einer ungünstigen Zeit unterwegs. Entweder das Lokal ist noch nicht auf, oder es ist schon total überfüllt, oder es ist zu teuer. Gar nicht so einfach. Aber wir finden was und das Essen dort ist ganz lecker.

Abendessen

Abendessen: Makkaroni & Cheese / gegrillter Thunfisch mit Gemüse

Im Hotel sind wir nicht sehr aktiv, der Wellnessbereich mit Sauna und Spa wird heute nicht besucht. Morgen haben wir einiges vor…

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