Another Word for Magic: Yosemite

aka: Autsch Panorama Trail

Hinweis für alle „Mitreisenden“: zieht euch gute Schuhe an und macht euch auf was gefaßt. Heute wird es anstrengend!

Bereits um 6:30 Uhr wird das bestellte Frühstück geliefert – genau wie gewünscht. Am Couchtisch stärken wir uns mit Ei, Bacon und Sausage. Der Tag wird lang werden und wir werden unsere Kraft brauchen.

Sachen packen, runter zum Check-out, Auto beladen. Am Parkplatz müssen wir dann unsere lang und mühsam mitgeschleppte Chipstüte entsorgen, denn im Auto lassen ist keine Option. So ein Cabriodach ist nun wirklich nicht bärensicher. Mitnehmen wollen wir das riesige Ding aber auch nicht. Hier einer der bärensicheren Müllcontainer in Yosemite.

Eigentlich wollen wir den kostenlosen Shuttlebus nehmen, der laut Rezeptionsauskunft ca. 7:30 Uhr vom Hotel abfährt. Leider warten wir vergebens, daher entscheiden wir uns, doch mit Fury zur Lodge zu fahren und dort zu parken.

An der Lodge selbst können wir allerdings nicht parken, wie beim Majestic muss man Gast sein, um ein Parking permit zu erhalten, das sichtbar im Auto platziert sein muss. Daher muss ich etwas suchen, aber schließlich finde ich eine Stelle, wo ich Fury abstellen kann, ohne dass die Gefahr des Abschleppens bzw. eines Strafzettels besteht.

Da wir nicht genau wissen, wo das Glacier Point Shuttle abfährt, erkundige ich mich beim nächsten Valleyshuttle Busfahrer. Und natürlich stehen wir falsch, wir müssen direkt an den Eingang der Lodge. Dort gibt es schon eine Schlange von Parkbesuchern, die wie wir zum Aussichtspunkt Glacier Point wollen.

Noch schnell unsere vorbestellten Tickets abgeholt, dann kommt auch schon der Bus.

Yosemite Bus

Als erstes fahren wir die Nordstraße bis zum Taleingang, vorbei am „El Cap“,

El Capitan

dann folgen wir der Südstraße bis zur Ausfahrt auf den Highway 41.

Maultierhirsche am Straßenrand

Diese Strecke inklusive der Glacier Point Road ist uns ja von vor 2 Jahren noch wohlbekannt, und ich bin gar nicht böse, dass ich das dieses Mal nicht selbst fahren muss.

Die Busanfahrt zum Glacier Point / Panorama Trailhead

Unser Tourguide und Fahrer erzählt während der Fahrt einiges aus der Geschichte des Yosemite Valleys, und er macht dies auf interessante und amüsante Art und Weise. Zusätzlich zeigt er noch ein Video über Schwarz- und Grizzlybären (ok, Grizzlies gibt es ja nicht in Yosemite), und so geht die Fahrt doch recht schnell vorbei und wir sind am Point angekommen.

Wir nutzen noch einmal die Gelegenheit für einen Toilettengang und gehen anschließend die Aussicht bewundern.

Blick ins Tal. Die schwarze Fläche ist das gestern abgebrannte Meadow.

Das Yosemite Hotel. Unser Zimmer befand sich am hier rechten Flügel oben neben dem geöffneten grünen Sonnenschirm.

Blick auf Half Dome vom Glacier Point aus.

Dabei fällt uns auf, dass wir unsere Hüte im Auto haben liegen lassen. Na toll, da schleppen wir die extra mit aus Deutschland, und dann… Gott sei Dank gibt es am Point eine kleine Verkaufshütte, wo man sich mit vergessenen Notwendigkeiten eindecken kann.

Ein Hoch auf denjenigen, der auf die glorreiche Idee kam, hier eine Verkaufshütte zu platzieren.

Wir besorgen uns jeder ein Yosemite-Käppi, Sandy – die heute ihren Fotorucksack nicht mitgenommen hat – kauft noch einen kleinen Rucksack, in dem wir bei Bedarf unsere Jacken verstauen können.

Denn es ist strahlend blauer Himmel. Im Augenblick ist es noch angenehm, aber es ist zu erwarten, dass es später in der Sonne warm genug sein wird, um ohne Jacke unterwegs zu sein.

Immer diese Touristen…

8 mi/13,5 km Wanderweg liegen vor uns, vom Glacier Point über 3 Wasserfälle zurück ins Tal. Noch unsere Wasservorräte aufgefüllt, und los geht’s.

Unsere Wanderstrecke

Das erste Stück des Weges ist angenehm zu gehen. In Serpentinen geht es abwärts auf flachem Waldboden mit herrlicher Aussicht auf den Half Dome.

Half Dome, rechts daneben das „Little Yosemite Valley“ mit (in der Mitte, dieser „Zuckerhut“) Liberty Cap.

Little Yosemite Valley noch einmal beschriftet und aus etwas anderer Perspektive:
Dann wird der Weg steiniger und schwieriger zu begehen.

Immer noch geht es abwärts. Dies wird so sein bis zu den ersten Wasserfällen, den Illilouette Falls. Von dort an steigt der Weg an bis zu den Nevada Falls am Fuße der Liberty Cap, anschließend geht es wieder abwärts bis zum Talboden. Man kann sagen, der Panorama-Trail ist dreiteilig.

Leider stellt es sich heraus, dass Sandys Füße, ihre Strümpfe und Schuhe mit dem Weg nicht kompatibel sind. Während ich zwar den Weg abwärts in den Zehen spüre, aber keine Probleme habe, fangen Sandys Füße an zu brennen. Keine gute Voraussetzungen für die restliche Strecke.

Denn Umdrehen ist keine Alternative, und abbrechen ist nicht sinnig, es gibt keine „ich wart dann mal auf den Bus“-Möglichkeiten.

Nach über 2 Stunden erreichen wir die ersten Falls und machen hier am Fluss eine Rastpause mit Obst und Müsliriegeln.

Die Illilouette Falls

Blick auf den Fluss oberhalb der Brücke

Wir überqueren den Illilouette auf der Brücke im Hintergrund. Jetzt geht es stetig bergauf.

Inzwischen ist es ziemlich warm geworden, die Sonne scheint. Eigentlich wunderschönes Wetter. Nur: die Sonne scheint nun bei diesem Aufstieg direkt in unsere Nacken. Und der Weg liegt an vielen Stellen voll im Freien, also völlig ohne Schatten. Dazu die Höhe, in der wir uns befinden. Ergebnis: Sandy bekommt Probleme mit dem Kreislauf und muss sich einige Male ausruhen. Dazu kommen sich langsam aber sicher entwickelnde Blasen an den Füßen.

So kämpfen wir uns weiter, die paar Eidechsen und ab und an mal ein Squirrel lenken nicht so recht ab.

Die Aussicht ist zwar schön, aber aufgrund des Weges hat man gar nicht so den Blick dafür, da man die Augen stetig auf die Steine und Steinstufen vor einem richten muss, um nicht zu stolpern.

Trotzdem entdecken wir den versteckten Seitenpfad, von dem wir im Internet gelesen haben. Dieser führt an einen nicht offiziell ausgewiesenen Aussichtspunkt mit Blick auf den Glacier Point und das Little Yosemite Valley entlang zum eigentlichen Yosemite Valley.

Panorama Point. Links Glacier Point Range, der Wald in der Mitte quer ist der Talgrund des Yosemite Valleys.

 

Sandy am Panorama Point

Schließlich haben wir es geschafft. Eine Hinweistafel zeigt uns, dass wir gleich an den Nevada Falls sind.

Liberty Cap (rechts) und Mt. Broderick (links), dazwischen im Hintergrund Half Dome

Auf der Brücke oberhalb der Nevada Falls

Aussicht ohne Absicherung

Wir haben nun die Wahl: entweder wir überqueren die Falls und wandern auf der anderen Seite den Mist Trail entlang, oder wir laufen das kurze Stück zurück bis zur Hinweistafel und folgen dann dem Pfad auf dem John-Muir-Trail bis ins Tal.

Nun, der Mist Trail zählt zu den schwierigen Trails des Parks. Ich habe ihn mir per Street View angeschaut und im Hinblick auf Sandys Schmerzen und die Beschaffenheit des Trails mit sehr hohen Steinstufen und richtigen Kletteraktionen bei der Begehung ist klar, dass wir den (angeblich) angenehm zu laufenden John-Muir-Trail nehmen werden, auch wenn dieser etwas länger ist.

Blick vom John-Muir-Trail zurück auf Liberty Cap und Nevada Falls

Leider erweist sich auch dieser Trail als Quälerei für die Füße, denn er besteht nur aus großen und kleinen Steinen und Stufen, die zwar nicht so hoch sind wie beim Mist Trail, aber deshalb für uns nicht unter die Kategorie „angenehm zu laufen“ fällt.

Trotzdem heißt es: weiter, weiter. Denn es gibt nun einmal keine Alternative. Und es wird immer später. Ich befürchte, dass wir in die Dunkelheit geraten könnten, denn leider geht es Sandys Füßen immer schlechter, sie kommt nur noch mühsam voran. Mir graut bei der Vorstellung, diesen Pfad in Dunkelheit laufen zu müssen, denn „natürlich“ haben wir auch keine Taschenlampen dabei, die liegen brav im Koffer.

Aber nicht nur wir haben solche Probleme, auch andere vor uns scheinen mit dem Weg gekämpft zu haben.

In wie weit der ehemalige Träger dieser Wanderstiefel eventuell barfuß weitergelaufen ist, entzieht sich unserer Kenntnis.

Endlich, nach ewig langer Zeit, kommen wir an die Abzweigung zum 3. Wasserfall, den Vernal Falls. 0,8 mi bis zu den Fällen, zeigt das Hinweisschild. Das scheint nicht weit zu sein, aber rechnet man es in Kilometer um und bedenkt, dass man den Weg ja auch wieder zurücklaufen muss, dann kommt man auf ca. 3,2 km Gesamtstrecke. Und das wollen wir uns wirklich nicht mehr antun.

Daher bleiben wir auf dem Trail, der nun am Bachlauf unterhalb der Vernal Falls verläuft. Ab der Brücke über das Wasser bis zum Talgrund zählt der Weg als „behindertenfreundlich“, er ist geteert und glatt.

Auf der Brücke unterhalb der Vernal Falls

Schön, man muss nicht ständig auf den Boden gucken, aber Sandys Schmerzen lindert das nicht. Schließlich haben wir es geschafft. Wir sind zurück im Yosemite Valley an der Straße. Noch ein kurzes Stück bis zur Bushaltestelle „Happy Isles“. Der dort befindliche Shuttle gibt Zeichen, dass er gleich abfahren wird. Aber wir schaffen es nicht mehr zu rennen.

An der Haltestelle befinden sich Bänke. Oh, wie gut tut es, mal wieder zu sitzen und die Beine von sich zu strecken… Sandy setzt sich einfach nur hin und wartet auf den nächsten Bus.

Dann kommt eine Frau dazu, dreckig, mit riesigem Rucksack und Wanderstöcken. Eine andere Frau fragt sie, ob sie den John Muir Trail gelaufen ist und sie antwortet mit ja. Jaja, wir sind auch den John Muir Trail gelaufen – ein winziges Stückchen davon! Dieser Trail ist ein Fernwanderweg und 211 Meilen lang, das sind etwa 340 km. Sie hat sich Zeit gelassen und 30 Tage gebraucht. Ahahahaha. Wenn wir zu diesem Zeitpunkt vor einem Menschen niedergekniet wären, dann vor ihr.

Während wir auf das nächste Shuttle warten, wird es immer dunkler, und als der Bus da ist, ist es finstere Nacht. Keine Straßenlaternen, kein Licht. Wo sind wir gerade? Keine Ahnung… Gott sei Dank werden die Haltestellen angesagt, so dass wir rechtzeitig an der Lodge aussteigen.

Nun heißt es, Fury zu finden. Solange wir uns im Bereich der Lodge befinden, ist der Weg einigermaßen beleuchtet, aber kaum verlassen wir den Bereich, muss Sandy die Handylampe einschalten, damit wir nicht versehentlich gegen einen Baum laufen. Schließlich reagiert Fury aber auf den Schlüsselfunk und gibt mit Lichtzeichen an, wo er steht.

Als erstes ziehen wir beide nun die Schuhe aus. Ich schlüpfe in die bereitstehenden Sportschuhe, mit den Wanderschuhen könnte ich nicht Auto fahren. Und das muss ich ja nun noch, etwas länger als eine Stunde zu unserem Hotel in Oakhurst außerhalb des Nationalparks.

Weiterfahrt nach Oakhurst

Während ich also unseren Fury auf der Straße halte, streckt Sandy ihre Füße von sich und genießt das Nixtun. Eines steht fest: Sollten wir ein Shirt finden mit „I survived Panorama Trail“, dann kaufen wir das. Egal was es kostet.

Die Fahrt verläuft ereignislos. In Oakhurst habe ich uns in „unserem“ Hotel von 2014, dem „Best Western Yosemite Gateway Inn“, eingebucht. Hier erhalten wir ein Familienzimmer in der ersten Etage. Das bedeutet riesig viel Platz. Nach der Eingangstür befindet sich ein Zimmer mit einem Doppelbett, dann folgt ein Bereich mit Kitchenette, Schrank und Badezimmer und dahinter ein großes Zimmer mit 2 Queensize Betten. Dazu gibt es noch einen kleinen Balkon.

Das Doppelzimmer

Das Bad

Auf dem Balkon neben uns sitzt eine Truppe junger Männer gemütlich beisammen. Es stellt sich heraus, dass auch sie heute auf dem Trail unterwegs waren. Allerdings nur auf dem unteren Bereich bis zu den Vernal Falls.

Zum Abendessen weggehen oder -fahren, dazu sind wir nicht mehr in der Lage. Noch ins Bad, die Reste aus dem Rucksack futtern, und dann ab ins Bett.

zurück: 14. September 2016

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