Auf auf nach Yosemite!

<– 15. September 2014 – San Francisco (Oder: Our epic fail)

Am Dienstagmorgen hieß es, nicht trödeln, sondern in die Gänge kommen. Schließlich lag heute eine längere Autostrecke vor uns, außerdem wollten wir noch an diesem Tag das erste Mal nach Yosemite fahren.Gepackt, ausgecheckt und zum Auto marschiert. Jetzt wurde es spannend: würden unsere Koffer mit offenem Verdeck in den Kofferraum passen? Laut der Berichte aus dem Internet wäre dies beim Chrysler 200 Convertible wohl nicht möglich gewesen. Also als allererstes das Dach geöffnet – das klappte mit Glück grade so, ohne die Garagendecke zu schrammen. Und dann in den Kofferraum geguckt. Juhu!

Kofferraum

Kofferraum

Durch das Faltdach wurde im Kofferraum keinerlei Stauraum extra benötigt, und unsere beiden Koffer passten prima nebeneinander rein. Und es blieb noch etwas Platz links und rechts und auch hinter den Koffern für Kleinigkeiten, z.B. das große Stativ. Hinter meinem Sitz fand die faltbare Kühltasche ihren Platz, die ich mit Eis in Beuteln gefüllt hatte (nachdem wir feststellen mussten, dass sie nicht wasserdicht ist, also kein Eis „ohne Hülle“ einlegen konnte) für unsere Trinkflaschen.

Unser Ford

Ein schniekes Autochen

Es konnte losgehen. Theoretisch. Reingesetzt, von Edeltraut gehörtst werden und Rückwärtsgang eingelegt. Wie gesagt: theoretisch. Wieder war das nix mit dem Rückwärtsgang. Wie hatte ich das am vergangenen Abend nur gemacht? Keine Ahnung. Und keine Erinnerung an meine Fahrstunden vor fast 40 Jahren… Was blieb mir also übrig? Ich rief bei Hertz an, arbeitete mich durch die Ansage („If you have any problems with your battery, please press 1…“ etc.), bis ich eine echte Person an der Strippe hatte. Der versuchte ich mit meinem unqualifizierten Untechnikenglisch klar zu machen, dass der Schritt von P nach R für uns aktuell unüberwindlich war. Es dauerte etwas, dann bekam ich meine sicherlich sehr laienhafte Frage in kurzem prägnanten und erstaunlich verständlichem Amerikanisch zusammengefasst an den Kopf geworfen. „Yes, Ma’am, that’s exactly my problem.“ Himmel, wie war ich stolz, erst mal diese Hürde des Verständlichmachens am Telefon überwunden zu haben!

Dann kam die Frage: „Do you push the break?“ Ähm, warum soll ich die Bremse drücken *vergeblichinErinnerungenanFahrstundekram*? „Nope.“ „Well, push the break and you can shift.“ Uups *rotwerd* Auf die Idee war ich ja gar nicht gekommen. Aber klar, beim Wechsel von R auf D stand ich ja auch auf der Bremse und deshalb ging’s! Reingesetzt, gezündet, gehörtst, Bremse getreten und – sauber geschaltet. Bingo! Mich herzlich bedankt und aufgelegt. Ich weiß nicht, wem ein größerer Stein vom Herzen gefallen ist, Sandy oder mir… Ein Autowechsel wegen technischer Probleme hätte schließlich unsere komplette Zeitplanung durcheinanderbringen können.

So aber konnten wir unser Auto vorsichtig wenden, (Bremse drücken, Drive rein) und dann ging es endgültig los Richtung Westen.

Karte bis Treasure Island

Als erstes mussten wir allerdings um den Block fahren. Denn wir wollten natürlich – brav unser Touriprogramm abarbeitend – die Lombardstreet runterfahren. Und dazu hätten wir vom Hotel aus nach links hochfahren müssen, was aber aufgrund des befestigten Mittelstreifens nicht möglich war. Aber wir wussten ja inzwischen – dank der vortäglichen Lauftrainingstunden -, wie wir fahren mussten, und arbeiteten uns mit unserem weißen Pferdchen schließlich die drei Hügel bis zur Spitze hoch – mit 3x Stop-Schild am Ende des Buckels. Automatik sei Dank war das aber echt kein Problem.

Mit wunderbarem Blick auf das TransAmerica Building ging es anschließend die Columbus Street entlang Richtung Financial District, von wo aus wir uns von den grünen Verkehrsschildern leiten ließen und über die (neue) Oakland Bay Bridge fuhren bis Treasure Island. Dort fuhren wir vom Freeway ab, um noch ein paar Fotos der Skyline von SF zu schießen. Mit der Sonne im Rücken konnten wir diesen Ausblick auch so richtig genießen.

Skyline San Francisco

Sidestep auf Treasure Island für einen letzten Blick auf San Francisco

Sandy schreibt: „“San Francisco has only one drawback—‘tis hard to leave.” – Rudyard Kipling

Die Bedeutung dieses Satzes habe ich am Dienstag ausgiebig zu spüren bekommen. So sehr ich mich auch auf Yosemite freute, alleine die Vorstellung, dass wir San Francisco verlassen und vor unserem Abflug auch nicht wieder zurückkommen, machte mir ganz schön zu schaffen. Aber erst stand nochmal die Lombard Street an, diesmal mit dem Auto, und anschließend die Fahrt durch Downtown SF mit Blick auf die ganzen Skyscraper inkl. der Transamerica Pyramid und die Fahrt über die Bay Bridge, die wir bis dahin ja nur von Weitem gesehen hatten. Auf Treasure Island hielten wir dann an und warfen bei bestem Wetter nochmal einen Blick auf „unser“ San Francisco und konnten uns verabschieden – natürlich mit dem Versprechen, dass wir wiederkommen!“

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Karte Strecke San Francisco – Oakhurst

Weiter ging es rüber nach Oakland, wo wir bzw. ich erstmal einen kleinen Verfahrer hatte(n), dessen Korrektur aber nicht lange dauerte. Immer auf der 580 Richtung Süden fuhren wir dem Hauptverkehrsstrom gegensätzlich. Himmel, was waren da Automassen unterwegs, die vier- bis fünfspurige Gegenspur war gut befahren, allerdings ohne „richtigen“ Stau, und das meilenweit! Auf unserer Seite ging es wesentlich flotter voran. Schließlich waren wir soweit, nach Osten abzudrehen und ins „innere“ Tal von California einzudringen.

Auf dem Highway

Auf der 580 Richtung Süden

Grün ist hier zur Zeit eine Fremdfarbe, die nur von kräftigen Büschen und Bäumen gezeigt wird. Vorbei am Wasserreservoir von San Luis kamen wir schließlich aufs flache Land. Hier ist der liebe Gott beim Erschaffen der Erde einmal mit der Bügeleisenspitze von Nord nach Süd drübergefahren, während er links und rechts die Falten gelassen hat. Von nun an war der Highway noch einfacher zu fahren als bisher, denn es ging einfach nur „immer geradeaus“. Allerdings wusste ich bis dahin nicht, wie das mit dem Tempomat funktioniert, und irgendwie kriegte ich das im ersten Go nicht hin. Später dann auf der Rückfahrt klappte es und ich fuhr ab da fast jede größere Strecke mit Tempomat – super Sache (wenn’s der Verkehr und die Straßen zulassen).

Blick zurück

Blick zurück auf den bereits zurückgelegten Weg und den wahnsinnig starken Verkehr…

Wir suchten uns unseren Weg weiter nach Osten und kamen schließlich nach Coulterville, von wo aus wir uns an den Bergen entlang Richtung Südost vorarbeiteten, bis wir schlussendlich auf den Highway 41 trafen. Das bedeutete, dass wir uns mitten in Oakhurst befanden, unserem Hotelort.

Sandy meint: „Irgendwann kam dann eine recht platte Gegend und alles sah total wüstenartig und westernmäßig aus. Als würde jeden Moment ein Cowboy um die Ecke kommen. Und dann bogen wir auf besagten Highway 49 ab und plötzlich ging es „den Buckel nuff“ und zwar für seeeeehr lange und das auch noch sehr kurvig und direkt am Abgrund und ziemlich einsam. Irgendwo weit oben fanden wir dann einen Vista Point und hielten an. Die Sonne brannte, die Aussicht war genial und weit und breit war kein Mensch (die zwei Deutschen, die für 2 Minuten auch dort waren, zählen nicht). Es war einfach geil! „

Pause

Ein bisserl Posing in der Pause…

Jetzt suchten wir als allererstes was zu essen. Frühstück hatte es keines gegeben – wir waren beide noch satt vom Abend vorher gewesen – und jetzt knurrte uns sehr deutlich der Magen. McDoof sei Dank konnten wir die beiden Raubtiere allerdings schnell besänftigen.

Da Oakhurst nur aus Highway 41 und Highway 49 (auf dem wir ankamen) besteht mit ein paar Sträßchen links und rechts in die Hügel, war unser Hotel, das Best Western Plus Yosemite Gateway Inn, schnell gefunden. Einchecken und unsere Koffer im Zimmer deponieren ging sehr schnell. Das Hotel befindet sich direkt an der Hauptstraße Highway 41, allerdings sind nur die sehenswerte Lobby und das angeschlossene Restaurant direkt an der Straße. Die Zimmer selber sind auf zweistöckige Gebäude verteilt, die sich den Hügel hoch verteilen, je Gebäude ca. 20 Zimmer. Wir hatten unseren Schlafraum im allerletzten Gebäude des Geländes, Parkplatz direkt vor der Tür und der Indoorpool direkt nebenan (leider wurde er nicht genutzt von uns).

Hotellobby

Hotellobby

Sandy: „Dann ging’s ins megacoole Hotel, was genau so war wie es mir gewünscht hatte. Mit Grizzly vor der Tür und Adler in der Lobby. Menschen mit Cowboyhüten. Einfach genial!

Hotellobby

Hotellobby

Unser Zimmer lag ganz hinten und oben in der Anlage und irgendwie hatte es Charme. Die Einrichtung, die Lage, die Natur außen rum (man macht den Balkon auf und steht im Gebüsch), es war die ganze Atmosphäre… wir haben uns dort superwohl gefühlt!“

Hotelzimmer

Unser Zimmer im Best Western Plus Yosemite Gateway Inn

Da ich mich vorher im Internet schlau gemacht hatte, wusste ich, dass die Tourist Information praktisch nur 3 Häuser weiter auf der anderen Straßenseite war und dass man dort schon die Eintrittstickets für den Nationalpark bekommen konnte. Also hielten wir dort noch einmal an und ich lief ins Office, Tickets kaufen und mich beim ansässigen Ranger nach dem Feuer erkundigen, das im Nebental „Little Yosemite Valley“ gewütet hatte und die Tage vorher auch die Luft im großen Yosemitetal beeinflusst hatte. Aber das war keine Gefahr mehr, die Wanderwege, die gesperrt gewesen waren, waren inzwischen alle wieder offen. Puh, das wäre ärgerlich gewesen, wenn wir angereist wären und hätten dann nicht unsere Pläne umsetzen können.

Karte Strecke Oakhurst - Glacier PointSo machten wir uns frohgemut auf, die knappen 20 Meilen bis zum Parkeingang hinter uns zu bringen.

Nun, kurz vor Ortsende kam die Vorwarnung im Rahmen eines Straßenschildes: Kurvige Strecke über 17 Meilen. Das konnte ja lustig werden. – Noch ahnten weder Sandy noch ich, was noch auf uns zukommen würde.

Wir fuhren also mit 35 – 55 Meilen (je nach Erlaubnis) Richtung Norden, brav ein Auto nach dem anderen, denn auf praktisch der ganzen Strecke ist Überholverbot, erkennbar am gelben Doppelstreifen in der Fahrbahnmitte! Und die Amis halten sich auch wirklich an diese Vorschrift – dank der Luftüberwachung, die überall und jederzeit möglich ist. Die Straße selbst ist ganz gut ausgebaut, wie eine größere zweispurige Landstraße bei uns. Von daher – und weil eben KEIN Drängler einem im Kofferraum saß – machte das Fahren eigentlich viel Spaß. Allerdings ging es in die Arme – eine Kurve nach der anderen. Die Warnung war nicht übertrieben gewesen.

Sandy schreibt dazu: „Nachdem wir uns häuslich eingerichtet und die Eintrittskarten für Yosemite gekauft hatten, fuhren wir also „rüber“ in den Yosemite National Park. Dieses „mal eben rüberfahren“, wie man es erwartet, wenn das Hotel „Yosemite Gateway“ heißt, gibt es aber nicht. Der Yosemite NP ist die Wildnis und die Wildnis liegt nicht am Highway oder in der Nähe der Zivilisation. Kurzum: Es war verdammt weit! Die kurvige Straße machte das auch nicht besser, denn rasen war da weder erlaubt noch möglich. Irgendwann kamen wir dann tatsächlich an einem Yosemite NP-Schild vorbei, doch da ahnten wir nicht, dass wir damit erst den kürzesten Teil geschafft hatten…“

Parkschild

Endlich! Ab hier sind wir in unserem ersten Nationalpark!

Aha, ab hier waren wir also im Yosemite National Park. Vom Parkeingang war allerdings noch nichts zu sehen. Erstmal ging es an der Yosemite Mountain Sugar Pine Railroad vorbei (ich war jetzt das 3. Mal im Park, aber angehalten haben wir da noch nie), dann durch den Miniort „Fish Camp“ und schließlich kamen wir doch noch an den Gates an. Zwei waren geöffnet und ich stellte mich natürlich prompt an dem an, wo es länger dauerte – Murphy’s law.

Strassenwchild

Und wohin jetzt zuerst?

Es war aber kein richtiger „Betrieb“, das hatte ich schon anders erlebt, und da wir ja unser Ticket schon hatten und nur vorzeigen mussten, wurden wir schnell mit einem freundlichen „Welcome back“ zum Weiterfahren gebeten.

Mariposa Grove

Mariposa Grove

Gleich hinter den Gates geht es rechts ab zum Mariposa Grove, da es nur 2 Meilen sind bis dorthin und Sandy ja unbedingt Mammutbäume umarmen wollte (was man nicht darf), war dieser Abstecher fix eingeplant, allerdings hatten wir nur ungefähr 1,5 Stunden Zeit. Und es gibt sooo viel zu sehen. Außerdem stehen die Bäume ja nicht alle auf einem Haufen, sondern man muss schon ein klein wenig laufen. Zusammengefasst: wir konnten in der geplanten Zeit nur einen kleinen Teil des Grove abgehen. Aber diese Bäume zu sehen, ist selbst beim 3. Mal noch immer sehr beeindruckend.

The Fallen Monarch

The Fallen Monarch

Wie geschrieben: umärmeln ist leider nicht mehr gestattet, da die Sequoias zu den Flachwurzlern gehören und die Wurzeln durch die tausenden von Menschen, die jedes Jahr den Grove besuchen, belastet bis zerstört wurden. Heute ist eine Art Sicherheitszone eingerichtet, die von 99% der Besucher auch beachtet und respektiert wird. Ein paar Unbelehrbare sind natürlich immer dabei, die auch die riesigen Sequoia-Zapfen einsammeln und mitnehmen, obwohl dies strikt verboten ist.

The Surviving Tunnel Tree

The Surviving Tunnel Tree

Schließlich war es Zeit, uns wieder auf den Weg zu machen. Denn wir wollten vor dem Sonnenuntergang am Glacier Point sein, und ich wusste, dass die Fahrt dorthin nicht gerade ein Grashüpfersprung ist. Dazu zeigte die Tankuhr inzwischen bedenkliche Mindermengen an. Na ja, eigentlich nur etwas weniger als die Tankhälfte, von daher hätte ich mich mit einem anderen Auto als dem Mustang noch weiter vorgewagt. Im Hinblick auf den mir unbekannten Verbrauch sowie der Tatsache, dass wir die Hinstrecke ja auch wieder zurück fahren mussten – und das geplant bei Dunkelheit -, gingen wir kein Risiko ein: Wir tankten an der letzten Tankstelle vor der Abzweigung und vor dem eigentlichen Tal (im Tal selber gibt es keine Tankmöglichkeit, geschweige denn auf dem Point).

Ergänzend ist folgendes zu sagen: wir hatten ja keine Bedienungsanleitung für die Karre. Und im Tankdeckel gab es nur den Hinweis, dass kein Biosprit getankt werden darf. Aber welcher Sprit passend war, das verriet unser Pferdchen leider nicht. Also Tankwart fragen – ich befürchtete ja schon, das teure 91er Oktan tanken zu müssen, aber er meinte, das 89er (entspricht unserem Super) würde reichen. Was es auch tat. Dann war die erste Tankerfahrung an einer amerikanischen Zapfsäule glücklich überstanden.

Es ist nämlich dort nicht so wie bei uns: hinfahren, Tankrüssel der gewünschten Qualität ziehen, tanken und dann bezahlen. Nee. Hinfahren ja. Tankrüssel ziehen, ja, aber da gibt es einen für 3 Benzinqualitäten (nur Diesel hat nen eigenen). Und vor Tankrüssel ziehen hat der amerikanische Benzingott noch das Zahlen gesetzt. Entweder, man tankt für einen bestimmten Betrag, den man vorab bezahlt, oder man hinterlässt seine Kreditkarte beim Tankwart zum Volltanken, der dann die Karte mit dem entsprechenden Betrag belastet. Oder es gibt die Self-payment-Tanksäulen. Die nehmen aber nicht unbedingt internationale Kreditkarten an, so dass man schlussendlich doch beim Tankwart landet. Die früher üblichen Full-Service-Stations gibt es leider praktisch gar nicht mehr, mit Glück findet man eine Tanke, bei der eine einzige Zapfsäule noch für Full-Service gerechnet wird.

Nun, die Chevron in Wawona war self-payment mit internationaler Kreditkarte, der Tankwart sehr nett, er erklärte uns alles, und so konnten wir mit vollgefülltem Tank ohne Bedenken Richtung Glacier Point losfahren.

Mariposa Grove

Mariposa Grove

35 Meilen bis dahin ab Abzweigung, erklärte uns das Hinweisschild. Und „Kurvenreiche Strecke die nächsten 35 Meilen“. Juchu, ich konnte mich vor Begeisterung kaum halten. Wir fuhren also. Und fuhren. Und fuhren. Und fuhren – weil es so schön war – noch ein Stückchen. Mal bergauf, dann wieder bergab. Und dann sogar ein paar hundert Meter geradeaus! Um dann mit 2 Hufeisenkurven zu kontern, bevor die nächsten „normalen“ Kurven kamen. Schlussendlich kamen wir aber am Ziel an und konnten kurz vor dem Parkplatz an der Hufeisenkurve des Washburn Points den ersten flüchtigen Eindruck von Half Dome und Umgebung erhaschen. Von dort aus waren es nur noch 3 Kurven, dann waren wir am Parkplatz unseres Zieles.

Noch war es hell, aber die Sonne war bereits deutlich „auf dem absteigenden Ast“, die Bäume warfen schon lange Schatten.

Wir hatten gerade unser Auto verlassen und uns auf den Weg zum eigentlichen Aussichtspunkt gemacht, als eine Bewegung aus dem Augenwinkel uns zum Anhalten brachte. Eine Ricke führte ihr Kitz direkt am Waldrand entlang, ohne sich an den Menschen im Geringsten zu stören. Unser 3. Wildtier!

Sandy schreibt: „Von der Mariposa Grove ging’s dann rauf auf den Glacier Point zum Sonnenuntergang. Gott, ist das ne Strecke! 36 Meilen können verdammt lang sein. Aber wir kamen irgendwann an. Ich war mir ja sicher, dass ich im Yosemite NP sicher nur mal ab und an ein verstecktes Squirrel und sonst wahrscheinlich eher gar keine Tiere sehen werde, aber bereits am Parkplatz vom Glacier Point kam es knüppeldicke, denn da schlappte eine Maultierhirschkuh (lat. Odocoileus hemionus) mit Kitz in absoluter Gemütlichkeit über die Straße, hüpfte über die Absperrung und spazierte in den Wald.“

Maultierhirschkuh

Maultierhirschkuh am Glacier Point

Half Dome

Half Dome vom Glacier Point aus gesehen

Wenige Schritte später begegnete uns neben dem Weg eine Art Rebhuhn, das sich ebenfalls weder durch uns noch durch andere Menschen irritieren ließ. Da wir nicht wussten, um was für einen Vogel es sich handelt, haben Sandy und ich das Tier kurzentschlossen zu einer neu entdeckten Art erklärt und als Glacier Point Huhn benamt. [Inzwischen wissen wir, dass es sich um ein weibliches Felsengebirgshuhn bzw. Englisch „Rock Ptarmigan“ (lat. Lagopus muta) im Sommerkleid gehandelt hat.]

Während wir mehr oder minder gute Fotoplätze suchten – es waren doch ein „paar“ Leute da, die irgendwie alle störten -, ging langsam, aber stetig die Sonne unter.

Yosemite Valley

Yosemite Valley vom Glacier Point aus

Das Valley, das wir direkt senkrecht unter uns hatten, lag bereits in vollem Schatten, die Berge und Felsen gegenüber – allem voran der unübersehbare und imposante Half Dome – strahlten dagegen noch im Sonnenlicht.

Es ist unmöglich, das ganze Spektakel zu beschreiben. Das muss man selber erleben. Während ein Ranger versuchte, den Besuchern etwas über Yosemite beizubringen (warum z.B. Brände für den Nationalpark sogar gut und gesund sind), ließen wir die Natur auf uns wirken, so gut dies in einem Pulk Touristen möglich ist.

Half Dome

Half Dome im letzten Sonnenlicht

Schließlich war es vorbei, die Sonne war weg und das Fotolicht mit ihr verschwunden. Außerdem wurde es verdammt frisch, schließlich waren wir ein paaaar Meter über Meeresspiegel (genauer gesagt 7,214 feet [2,199 m] hoch). Und da lag noch diese Strecke von 36 Meilen bis zur Abzweigung und dann nochmal etwa 20 Meilen bis zum Hotel vor uns. Auf unbeleuchteter kurvenreicher Straße. Wo ich doch bei Dunkelheit so gerne *hüstel* fahre. Mir graute davor.

Aber ich hatte es selber so ausgesucht, also nicht jammern, sondern fahren. Los ging’s. Wir waren nur wenige Kurven gefahren, als ich nach einer starken Rechtskurve voll in die Eisen stieg (GsD war kein Wagen direkt hinter uns): mitten auf der Straße stand ein Kojote (lat. Canis latrans), guckte uns strafend an, um dann äußerst gemütlich die Spur zu wechseln und uns vorbei zu lassen. Sandy hatte die Kamera leider nicht schussbereit (wer rechnet denn mit so was?) und das Ganze war auch viel zu schnell vorbei, als dass wir hätten reagieren können. Aber: juchu, Wildtier Nr. 4.

Weiter ging es die Straße lang, noch ganz aufgeregt von dem Kojoten. Das hätten wir nicht erwartet, so kurz unter dem stark belebten Parkplatz des Glacier Points…

Wieder ging es um eine Rechtskurve, und wieder musste ich bremsen. Da rannte ein Schwarzbär (lat. Ursus americanus) auf unserer Spur vor uns her, um sich dann nach rechts in die Büsche zu schlagen. Wir sahen nur die Pfoten und eine schwarze gedrungene Gestalt: es war ein Bär. Wohl kein ausgewachsener Schwarzbär, sondern ein junger Erwachsener, aber ein Braunbär war’s sicherlich nicht. Sandy dachte im ersten Moment, es sei ein Waschbär, doch die Pfoten und der fehlende lange Schwanz waren eindeutig.

Wildtier Nr. 5! Und das ein Tier, von dem wir nicht im Traum gedacht hatten, es wirklich „live“ zu erleben. Auch wenn der Fotobeweis leider fehlt. Wir schwören hiermit feierlich, dass es so war wie geschildert!

Sandy meinte dazu: „Das war für mich ein Waaaaaahnsinnserlebnis, ich habe nur noch an der Autoscheibe geklebt und hab den Mund nicht mehr zugekriegt! Das mit dem Kojoten war schon irre (es sollte am nächsten Tag noch besser kommen ), aber der Bär – DAS hätt ich NIE erwartet! Geeeeeenial! „

Der Rest der Strecke war anstrengend und wir waren nicht böse, als wir in Wawona ankamen. Jetzt nochmal knappe 20 Meilen… Schließlich sahen wir die erste Neonreklame und die erste Straßenbeleuchtung: die Zivilisation hatte uns wieder.

Abendessen

Abendessen bei Denny’s

Direkt neben unserem Hotel gab es einen Denny’s, den wir – da 7/24 geöffnet – nun heimsuchten. Anschließend schafften wir mit Mühe noch die letzten Meter in unser Zimmer. Unsere Tankanzeige zeigte nun in etwa auf Halb, es hätte also nicht gereicht ohne unser „Sicherheitstanken“.

Im Hotel wurde noch eine Grobauswahl der Handyfotos für Facebook gemacht, ein kurzer Status Quo getippt und mit den Fotos versehen, und dann waren wir auch „reif für die Schlafinsel“. Es war ja auch „erst“ kurz vor 22 Uhr.

 

–> 17. September 2014 – Yosemite National Park

 

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