Yosemite National Park

<– 16. September 2014 – Auf auf nach Yosemite!

Weil es so schön praktisch war, ging es am Morgen zu Denny’s um die Ecke zum Frühstück. Wie schon geschrieben – stark reduziert im Vergleich zum ersten Denny’s-Frühstück, aber irgendwie immer noch zu viel.

Und dann ging es wieder Richtung Nord, den Highway 41 entlang. Die ersten 20 Meilen bis zur Abzweigung der Straße zum Glacier Point waren uns ja inzwischen bekannt, die Tankstelle in Wawona hatten wir sicherheitshalber auch nochmal angefahren und unseren Mustang gefüttert. Das Hinweisschild „Kurvenreiche Strecke die nächsten 36 Meilen“, das auch an der Straße ins eigentliche Tal stand, konnte uns schlussendlich überhaupt nicht mehr schrecken.

Karte Strecke Oakhurst - Yosemite ValleyDurch eine sehr schöne Waldlandschaft fuhren wir mal bergauf, mal bergab Richtung Ziel. Leider konnte ich dadurch, dass ich auf die Straße und die Kurven achten musste (der Verkehr selber war das geringste Problem), nicht so recht die Umgebung genießen. Dann aber ging es sozusagen „ins Freie“, um eine größere Rechtskurve, und da war er: der erste Blick auf Yosemite Valley.

Vista Point

Halt am Vista Point

„Natürlich“ mussten wir am angebotenen Vista Point halten und die ersten Fotos machen. Wir waren relativ hoch, schauten also sozusagen schräg nach unten das Tal entlang. Zwischen uns und dem nächsten Berg schlängelte sich der Merced River entlang, und wir konnten die Nordzufahrt des Highway 140 sehen und die dort fahrenden Autos, deren Insassen allerdings nicht ganz so den Ausblick haben konnten wie wir.

Ich kannte das ja schon, aber imposant ist es immer wieder, da kann man sich echt nicht sattsehen. Sandy war total geflasht, sie hatte zwar von den Fotos im Internet eine Vorstellung, aber die kam an die Realität einfach nicht mal zur Hälfte ran.

Tunnel View

Ausblick vom Vista Point „Tunnel View“

Weiter ging es den Weg entlang bis zu DEM Tunnel auf der Südseite. Ich wusste, direkt danach befindet sich wieder ein Vista Point, der sehr viel angefahren wird, weil man dort den berühmten „Tunnel View“ (der heißt wirklich so!) hat – eigentlich fast der gleiche wie von obigem Vista Point, nur halt näher dran.

Im Tal selbst wird aus der zweispurigen Straße mit Gegenverkehr eine zweispurige Straße als Einbahnstraße. Ansonsten wären die Besuchermassen in den Sommerferien nicht mehr zu händeln. Bei unserem Besuch war zwar Betrieb, aber im Verhältnis war es angenehm „ruhig“.

Im Tal

Im Tal

An jedem wirklich sehenswerten Punkt kann man anhalten, entweder auf einem Parkplatz oder auf dem eingerichteten Seitenstreifen. Von dort aus gehen Wege ab, die dann an den Bergen selbst zu echten Wanderwegen oder Klettersteigen werden. Eigentlich klingt das alles nach einem riesigen bequemen Wander“spiel“platz, allerdings führen die Wanderwege ins Hinterland, wo es eben nix mehr gibt, was sich Zivilisation schimpft. Und in jedem Jahr müssen Wanderer von den Rangern gesucht und gefunden werden, sei es, dass sie sich verletzt haben, sei es, dass sie wegen Feuer evakuiert werden müssen, sei es, weil sie sich verlaufen haben. Daher ist es grundsätzlich verboten, einfach so auf Tour zu gehen. Wenn man die üblichen Touristenpfade verlässt, benötigt man eine sog. Trekking Permit und muss sich im Rangerbüro ab- und zurückmelden mit Angabe der geplanten Route und Wanderdauer.

El Capitan

El Capitan, der beliebte Kletterfelsen

Auch die Klettermaxen, die Half Dome, the Sentinel oder El Capitan besteigen, müssen angemeldet sein. Ich habe es bei einem meiner Parkbesuche selber mitbekommen, wie sich Kletterer leichtsinnigerweise bei Tageslicht und Sonnenschein relativ leicht bekleidet an die Wand von El Capitan machten. Diese stellt selbst für geübte Kletterer eine 2-Tage-Herausforderung dar, sprich, man muss in der Wand übernachten. Am ersten Klettertag hatte es um die 30 Grad. Allerdings traf in der Nacht eine Schlechtwetterfront ein mit Temperatursturz auf um den Gefrierpunkt. Und dafür waren die Kletterer nun gar nicht eingerichtet – wer rechnet im Hochsommer auch mit solchen Temperaturunterschieden? Sie mussten noch in der Nacht von der Bergwacht geborgen werden und landeten mit Unterkühlung im Krankenhaus.

Wir allerdings schauten vergeblich nach kleinen bunten Flecken im Fels aus, offensichtlich waren an diesem Tag keine Kletterer unterwegs. Schade.

Wenn man die Fotos so betrachtet, hat man gern den Eindruck, das Yosemite Valley sei breit und halt auf beiden Seiten von hohen Bergfelsen begrenzt.

3D Bronzedarstellung des Tals

Ein 3D-Bild aus Bronze des Yosemite Tals am Tunnel View Vista Point verdeutlicht die Größenverhältnisse des Tals.

Das täuscht aber! Das Tal ist – im Vergleich zur Berghöhe – eher ein Canon, also relativ schmal und nur stellenweise etwas breiter. Gerade das beeindruckt sehr.

Riesige Kiefernadeln

In Amerika ist halt alles „etwas“ größer, sogar die Kiefernnadeln

Denn von den berühmten Wasserfällen des Tals – den Yosemite Falls, dem Angel Fall, dem Horsetail Fall und all den anderen kleinen und größeren Wasserfällen – war per dato nur noch am Bridalveil Fall ein ganz kleines bisserl Wasser an der oberen Kante zu sehen, das im Prinzip auch nicht mehr bis zum Boden gelangte.

Bridalveil Falls

Bridalveil Falls

Von den Upper und Lower Yosemite Falls – dem zusammen höchsten Wasserfall des Tals – war gar nix mehr zu sehen, nur die dunkleren Stellen an der Felswand zeigten den normalerweise vorhandenen Fall an. September ist halt nun mal der trockenste Monat, und in diesem Jahr war es noch trockener als sonst gewesen. So trocken, dass sogar der Mirror Lake im Tal ausgetrocknet war und auch die anderen Seen am Tioga Pass und in der Umgebung stark zusammengeschrumpft sind.

Richtig beeindruckend sind die Fälle im Frühjahr, allerdings hat „Frühjahr“ das organisatorische Urlaubsproblem, dass der Winter sich bis in den Juni reinziehen kann. Der Tioga Pass ist oft bis Anfang Juni gesperrt und kann ab Mitte September bereits wieder geschlossen sein. Es ist immer ein kleines Glücksspiel, im Frühjahr den Park zu besuchen, man weiß nie, was man in welchem Zustand sieht bzw. ob man da überhaupt hinkommt.

im Tag

Ein wenig die Füße vertreten…

Wir fuhren also gemütlich die Straße entlang und hielten immer wieder an, um Fotos zu machen. An einem Rastplatz mit (Plumps-) Toiletten wagten wir den Schritt in die Wildnis *hihi*, nämlich über eine Brücke über den Merced River – der heuer eher ein gemütlicher Bach war denn ein „river“. Zu beachten war, dass man von der Brücke aus nicht in den (aktuell) vielleicht 50 cm hohen Fluss springen durfte! Darauf wies ein großes gelbes Schild extra gezielt hin (schade, wir hätten so gern einen Köpfer ins Wasser gemacht!). Wir liefen also in das Meadow hinaus auf El Capitan zu, am Bach/river entlang auf einem breiten asphaltierten Weg, den sich Fußgänger und Radfahrer teilen.

Schade

Schade…

Sandy schreibt: „Erst hab ich ja überlegen müssen, welcher Berg das ist, denn rein theoretisch wusste ich es, hatte schließlich so ziemlich ALLES über Yosemite gelesen und angeschaut vor dem Urlaub, aber irgendwie war ich irritiert… Half Dome war immer „der Große“ und El Capitan „der Kleine“ und da ich am Abend zuvor den Half Dome in seiner ganzen Pracht vom Glacier Point aus bewundern konnte und der El Capitan von da aus irgendwie gar nicht wirklich zu sehen war, hatte ich eine andere Vorstellung. Ich hab dann ein Schild mit Bergpanorama und Bergnamen gefunden und sagte nur zu Marika: „DAS ist El Capitan??? Also… irgendwie hab ich mir den kleiner vorgestellt!“ Was ein Brocken, das bringen die Fotos leider überhaupt nicht rüber.“

Merced River

Der Merced River war mehr ein Bach denn ein Fluss

Während Sandy gerade fotografierte, sah ich plötzlich in vielleicht 15 m Entfernung neben dem Weg einen kleinen Hund. Nee, kein Hund, ein Kojote! Vielleicht der von gestern Abend? Ich machte Sandy darauf aufmerksam, die prompt reklamierte, sie hätte die falsche Kamera aktiv und müsse erst tauschen. Während sie im Rucksack kramte und dabei langsam auf den Kojoten zu ging, schaute der nur kurz und verschwand im Gras. Nun, kniehohes Gras in gelbbraun plus Kojote ergibt einen mittelschweren Fotografenherzinfarkt, denn solange der Kerl den Kopf gesenkt hielt, war er fast nicht zu sehen. Volle Tarnfarbe. Sandy war endlich schussbereit und gab ihr Bestes, den Kerl zu erwischen. Ich behielt ihn im Auge und informierte sie (sie hockte und ich stand, ich hatte also den besseren Überblick), was passierte.

Kojote

Ein Kojote in greifbarer Nähe

Der Kojote lief in etwa 18 m Entfernung von rechts nach links durchs Gras, parallel zum Weg, an dessen Rand Sandy hockte. Fast auf Höhe von Sandy schlug er plötzlich einen Haken und lief genau auf sie zu! In etwa 3-3,5 m Entfernung blieb er vor ihr stehen, schaute sie an – quasi, als würde er sagen wollen: „Und, haste mich jetzt endlich geknipst?“ -, drehte nach (von seiner Seite aus) rechts ab und schlug einen Bogen um uns rum, bis er wieder auf dem Asphaltweg war. Dort schnupperte er kurz, ohne uns zu beachten, und lief dann den Weg entlang in die Richtung, aus der wir gekommen waren. Dann war er wieder verschwunden.
Kojote
Das war ein tolles Erlebnis gewesen, vor allem, da der Kojote so sichtlich entspannt und locker war. Ich hatte keinerlei Bedenken, dass er aggressiv werden könnte – schließlich hatten wir ihn nicht groß gestört, geschweige denn bedrängt – und auch Sandy fand das Ganze nur spannend und aufregend.

Auf eine solche Begegnung durch unserem Bären vom Abend vorher haben wir allerdings doch dankend verzichtet.

Wir machten nun einen Abstecher ins Yosemite Village, wo ein recht großer Laden nicht nur mit Souvenirs lockte, sondern auch mit dem täglichen Bedarf für Urlauber und Camper im Park. Direkt neben dem Shop befindet sich ein Restaurant (na ja, eher Schnellimbiss), und dort bemerkten wir  das erste Mal, dass wir offensichtlich verfolgt wurden. Allerdings nicht zum letzten Mal, denn von diesem Tag an standen wir offensichtlich auf seiner Liste: Stalky Grey Squirrel, das stalkende Grauhörnchen (lat. Sciurus carolinensis).

Grey Squirrel

Stalky Grey Squirrel: „Na Mädels, seid Ihr auch schon da?“

Ab diesem Zeitpunkt der ersten Begegnung tauchte Stalky immer und überall auf, wo wir Pause machten, selbst an Stellen, an denen wir nicht im Geringsten mit ihm rechneten. Und sollte er keine Zeit haben, dann schickte er seinen kleineren Kumpel los, uns zu beschatten: Stripes, das Streifenhörnchen (lat. Tamias var.).

Yosemite Falls

Ein kümmerlicher Rest Wasser an den Yosemite Falls

Nach einem kurzen Abstecher zu den enttäuschenden, da nicht vorhandenen Yosemite Falls (inkl. Stalky) vollendeten wir die Rundtour im Tal auf der nördlichen Straße, um von hier aus weiter Richtung Tioga Pass zu fahren. Dieser Pass führt von West nach Ost über die Berge bis ins Hinterland, und sollte landschaftlich sehr spannend sein. Auch für mich war es Neuland, die Straße dort zu befahren, so dass ich der Sache gespannt entgegen sah.

Leider stand einer völligen Durchquerung der Rockies auf dem Tioga Pass unser Zeitplan im Wege. Nach den Nachterfahrungen des Abends vorher hatte ich keine Lust, wieder bei Dunkelheit über lange Zeit Auto zu fahren (die 50 Meilen hatten sich wie 300 auf gerader Strecke angefühlt), daher setzte ich ein Zeitlimit, an dem wir dann umkehren wollten, um noch bei Tageslicht wieder im Hotel zu sein.

Souvenir?

Wir haben überlegt, dieses Steinchen als Souvenir einzupacken…

Yosemite Falls

Auf dem Weg zu den Yosemite Falls

Auch „El Portal“, die Felsöffnung am Highway 140 (der nordwestlichen Zugangsstraße, die wir vom ersten Vista Point unter uns auf der anderen Bergseite sehen konnten), fiel leider dem Zeitplan zum Opfer. Man kann halt nicht alles haben.

Allerdings reichte die Zeit nach Rückkehr ins Tal doch aus, noch eine Runde im Auto zu drehen, schließlich hatten sich inzwischen die Lichtverhältnisse geändert. Auch am Tunnel View Vista Point nahmen wir uns noch einmal einige Zeit, bevor wir weiterfuhren.

Immerhin kamen wir so mit Einbruch der Dunkelheit nach Oakhurst zurück. Noch Nachtessen und dann gemütlich im Hotel Bilder durchsehen, Whatsapp-Nachrichten bearbeiten und Facebookeinträge schreiben. Damit war auch dieser schöne Tag zu Ende.

 

–> 18. September 2014 – Auf nach Monterey

 

Weitere Bilder zum Tag