Trees, Bears and a Rock

Nach einer ruhigen Nacht packen wir mal wieder unsere Sachen ins Auto, dann geht es zum Frühstück rüber in die Lodge. Heute werden wir Sequoia unsicher machen, unsere letzte Station im offiziellen Bear Country.

Erste Station ist das Lodgepole Center in der Nähe der Lodge. Obwohl es nicht so aussieht, ist es tatsächlich schon geöffnet, und wir haben einmal mehr die Gelegenheit, in den Souvenirs zu stöbern. Wir bleiben allerdings nicht lange, denn der größte Baum der Welt, der General Sherman, ruft nach uns.

Vom Parkplatz aus muss man einige hundert Meter den Berg hinabgehen, um an diesen Baum zu gelangen. Direkt am oberen Wegende entdecken wir einen der riesigen Mammutbaumzapfen total zerpflückt auf dem Weg liegen. „Die haben hier ganz schön große Eichhörnchen!“ frotzle ich noch zu Sandy.

Etwas weiter informiert uns eine Wegtafel, dass man von diesem Punkt aus die Spitze des Sherman sehen kann. Und tatsächlich, wir entdecken sie zwischen den anderen Bäumen.

Spitze des General Sherman

Man mag von den Amis halten, was man will, eines ist sicher: die Wege zu den Sehenswürdigkeiten sind zu 99,9% behindertengerecht und daher sehr bequem zu laufen. Auch hier ist der Weg den Berg hinab geteert und glatt. Hinweistafeln informieren über interessante Tatsachen oder weisen auf Besonderheiten hin.

Wir sind gerade an so einer Infotafel, von der aus man etwas entfernt den Sherman von der Seite sehen kann, da kommt eine kleine Halbasiatin ganz aufgeregt auf uns zu und ruft uns – immer in die Hände klatschend – lauthals zu: „Be careful. Make noise. There’s a Mama bear down there with two cubs.“ Sandy und ich sehen uns nur an: „Pssst. Leise, nicht dass wir sie verscheuchen!”.

Wir folgen also dem Weg nach unten, wo er sich teilt. Nach rechts geht es direkt zum General, nach links macht der Weg einen kleinen Schlenker in eine weniger besuchte Gegend. Diesem Weg folgen wir.

Wie fast überall sind auch hier die Mammutbäume eingezäunt, um damit die Besucher auf Abstand zu halten, damit die empfindlichen Wurzeln nicht zerstört werden. Irgendwie finde ich, dass es immer so aussieht, als würde man die Bäume wie Kühe in einem Gehege halten – bestimmt würden sie ohne Zaun weglaufen.

Jedenfalls ist die Annäherung an Mammutbäume sehr selten möglich, aber hier gibt es tatsächlich zwei dicht nebeneinander wachsende Sequoias, bei denen dies möglich ist. Denn der Weg führt direkt zwischen den „Tough Twins“ durch, eine ideale Gelegenheit für Größenvergleichsfotos.

Die Tough Twins mit Sandy als Zwerg.

Ein Traum wird wahr!

Nachdem ich Sandy fotografiert habe, ist sie dran, an gleicher Stelle von mir Bilder zu machen.

Während ich posiere, sehe ich plötzlich einen schwarzen Schatten… „Sandy, dreh dich um! Da ist die Bärin!“

Und tatsächlich, da kommt Mama Bear ganz gemütlich aus dem Gebüsch marschiert, gefolgt von erst einem und dann noch einem zweiten Jungen.

Sie klettern unter dem Zaun durch und kommen uns auf dem Weg langsam entgegen, um sich in etwa 10-15 m Entfernung auf dem Seitenweg mit etwas auf dem Boden zu beschäftigen. Um was es sich dabei handelt, können wir durch die Zäune nicht erkennen.

Während Sandy immer weiter fotografiert, beobachte ich das zweite Junge, das sich von Mama und Geschwisterchen entfernt hat und immer näher kommt. Schließlich möchten wir nicht gerade zwischen Kind und Mama geraten… Daher ziehen wir uns auch ein paar Schritte zurück näher an die Twins und stoppen dabei gleich noch ein paar Touristen „Quiet. There’s a Mama Bear with 2 cubs over there!“ Gott sei Dank sind auch diese Besucher keine Angsthasen, sondern genauso fasziniert von dieser Begegnung wie wir.

Schließlich zieht sich die Mama wieder zurück und Baby Nr. 1 folgt ihr direkt. Sein Geschwisterchen spielt derweil noch versunken auf dem Weg in unserer Nähe, bis es bemerkt, dass es plötzlich alleine ist, und dann ziemlich eilig der Familie folgt.

Das war ein wundervolles Erlebnis mit einer völlig lässigen Bärenmama. Wir hatten keinen Moment lang den Eindruck, es könne gefährlich sein, solange wir uns nur richtig verhalten.

Und nein, vor Schwarzbären muss man keine Angst haben. Man sollte sie nicht belästigen, also „do not approach, do not touch, do not feed“. Schwarzbären haben in der Regel kein Interesse an Menschen und sind auch nicht auf Ärger aus. Vor Grizzlys hätten wir deutlich mehr Angst (die gibt es in Yosemite/im Südwesten aber nicht mehr mehr), aber die Menschen sind da trotzdem meist selbst schuld, wenn sie verletzt werden, indem sie den Bären hinterherrennen, um das beste Foto zu kriegen und solche Scherze. Im Yellowstone NP (weiter nördlich in Wyoming) wurde vor nicht allzu langer Zeit ein Mann von einem Grizzly getötet. Sowas ist aber ein Einzelfall. Die meiste Angst hätten wir in Yellowstone allerdings vor den Bisons und Wapitihirschen. Die rammen auch gerne mal Autos… oder Touristen, die ihnen zu nah kommen. Da gibt es aber auch unfassbar dumme Leute, die aus dem Auto steigen, in eine Herde Bisons latschen, das größte am Kopf betatschen und ein Selfie machen. Oder noch schlimmer: Ein einsames Bisonkalb rumlaufen sehen und es in ihrem Auto mitnehmen! Im Südwesten, wo wir unterwegs sind, gibt es nicht wirklich gefährliche Tiere (mal abgesehen von Klapperschlangen). Pumas sind sehr scheu, da kann man von SEHR großem Glück reden, wenn man überhaupt einmal im Leben einen in weiter Ferne sieht. Kojoten ignorieren Menschen, die latschen einfach nur vorbei wie Straßenhunde. Und die Hirsche sind eher friedlich gestimmt, genauso wie die Bären. Das furchteinflößendste Wesen, das wir getroffen haben, war definitiv der chinesische Tourist in Gruppenformation.

Übrigens ist die asiatische Madame Hasenfuß auch in der Nähe, sie tauchte mit ihrem männlichen Begleiter am anderen Ende des Seitenwegs, auf dem die Bärin war, auf. Also so gut 30-35 m weit weg. Und was tat sie? Richtig, sie klatschte wieder wie wild in die Hände. Die Reaktion der Bärin darauf? Noch nicht mal ein Ohrzucken…

Nachdem der Weg für uns nun wieder frei ist, wollen wir natürlich wissen, was die Bärin dort so interessant fand. Tja, es handelte sich um einen der Mammutbaumzapfen, der nun in etwa so aussah wie der oben am Parkplatz. Immerhin wissen wir jetzt aus eigener Erfahrung, was für ein „Eichhörnchen“ sich an diesem vergnügt hatte.

Von den Begegnungen mit Tieren ist dieses wohl das, das uns am besten im Gedächtnis bleiben wird. Hatte Sandy doch am Morgen noch zu mir gesagt: „Ich geb den Bären jetzt noch eine Chance!“ Und stand doch „Bärin mit 2 Jungen“ auf ihrer Foto-Wunschliste.

Irgendwie fällt selbst der Gigant Sherman gegen diese Begegnung ab. Auch wenn er noch so beeindruckend ist.

Von der Entdeckung des Goldmantelziesels/Gold mantled squirrel/Callospermophilus lateralis mal abgesehen.

Gemütlich machen wir uns auf den Weg zurück zum Parkplatz. Von hier aus fahren wir wenige Meilen zum Giant Forest Museum. Hier stellen wir das Auto ab und laufen ein kurzes Stück durch den Wald, bis wir zum „Big Trees Trail“ kommen.

Der Big Trees Trail ist ein Weg um ein hübsches Meadow, das von vielen Sequoias gesäumt ist.

Es handelt sich um einen gemütlichen Spaziergang durch die Natur, nichts anstrengendes – also genau das Richtige für Sandy.

Während wir sonst beide darauf achten, möglichst keine fremden Menschen mit auf den Fotos zu haben, sind wir hier gar nicht böse, wenn uns welche vor die Linse hüpfen. Denn nur so kann man auf den Fotos auch nur einen kleinen Eindruck vermitteln, wie groß diese Bäume wirklich sind.

Alien: Baum frisst Fels.

Zurück am Parkplatz überqueren wir die Straße zum Museum. Denn hier steht an exponierter Stelle einer der bekanntesten Mammutbäume. „The Sentinel“ zählt nur als „Durchschnittsgröße“, aber durch seinen Standplatz wurde er zu einer Berühmtheit.

The Sentinel und das Museum im Hintergrund

Um ein wenig Natur abseits der Massen zu schnuppern, fahren wir auf einen Seitenweg und folgen diesem eine Weile. Hier ist es praktisch menschenleer, wir sehen nur ein Auto am Wegrand stehen, sicherlich ein Wanderer. Allerdings ist die Straße auch mehr als schlecht, sie fällt eher unter die Bezeichnung „geteerte Holperstraße“.

Daher drehen wir auch wieder um und fahren zurück. Nächster Programmpunkt: Moro Rock.

Moro Rock ist ein – wie könnte es anders sein – Granitfelsen hier im Park, den man besteigen kann. Allerdings ist beim Moro Rock der komplette Weg vorgegeben. Da der Weg aber schmal ist und zum Teil nur wenig bis gar nicht gesichert, ist die Besteigung sicherlich nichts für Menschen mit Höhenangst. Wir als trainierte „Lembert Dome Besteiger“ und „Panorama Trail Survivors“ können natürlich hier nur grinsen…

Sicherung? Fehlanzeige

Auch hier wie in Yosemite erschreckend viele abgestorbene Nadelbäume.

Andere Seite. Diese Straße werden wir heute noch fahren.

Zurück am Auto geht es weiter zum sogenannten „Tunnel Log“. Hierbei handelt es sich um einen umgefallenen Sequoia, durch den man durchfahren kann. Daher lasse ich Sandy aussteigen, umfahre den Baum wie alle anderen Autos, um dann sozusagen „von hinten“ hindurch zu fahren. Durch die Einbahnstraßenregelung gibt es hier netterweise keine Probleme, und Sandy kann in Ruhe fotografieren.

Inzwischen ist es Nachmittag geworden und wir haben noch eine Strecke vor uns bis zu unserem heutigen Übernachtungshotel. Die Straße ist gut, wie üblich sehr kurvig (bestes Arm-/Schultertraining), das Wetter lockt zum Offenfahren. Es macht Spaß.

Von Sequoia nach Porterville

Bald erreichen wir den Vista Point, den wir vom Moro Rock aus gesehen haben.

Da oben standen wir noch vor kurzem…

Die restliche Strecke bis nach Porterville, unserem Übernachtungsort, fahren wir ohne Anweisungen, dann aber aktiviert Sandy unsere Trulla wieder. Schließlich kostet sie Geld und kann nicht die ganze Zeit auf der faulen Haut liegen… Artig dirigiert sie uns zu unserem Hotel, dem “Holiday Inn Express & Suites“.

Das Hotel

Unser Zimmer

Das Bad

Hier erkundige ich mich gleich an der Rezeption, wo man denn in der Nähe Wäsche waschen kann, und – Bingo – man kann dies hier im Haus. Das passt uns prima, und daher suchen wir in unserem Zimmer gleich einige Wäschestücke zusammen. Waschmittelpods habe ich von Zuhause mitgebracht, daher müssen wir nur die Nutzung der Maschinen bezahlen. Waschen und Trocknen für 2 US-Dollar, damit können wir leben.

Da sich der Waschraum im Erdgeschoss direkt neben der Poollandschaft befindet, nutzen wir die Zeit für einen Besuch dort und ein Sonnenbad. So lässt es sich aushalten!

Bei 35 Grad Celsius lässt es sich hier gut aushalten.

Nachdem die Wäsche fertig ist, fahren wir mit Fury mal wieder zum Einkaufen. Unsere Getränke sind praktisch leer, und Obst haben wir auch keines mehr. Über Google informieren wir uns und stellen fest, dass sich gar nicht weit weg ein Walmart befindet. Und da dort direkt um die Ecke das Lokal ist, das das Hotel empfiehlt, bietet es sich ja an, dort einzukaufen.

Wir können es natürlich nicht lassen und stöbern durch die zahlreichen Halloween-Kostüme, die hier angeboten werden. Au weia, was da alles auf den Bügeln hängt…

Wir schaffen es gerade noch, uns wieder loszureißen, ohne was zu kaufen. Das klappt vermutlich nur, weil wir so hungrig sind…

Zwei Blocks weiter halten wir bei Applebee’s. Das ist für uns beide Neuland und wir sind gespannt auf das Essen. Wie üblich ist es im Lokal sehr „frisch“, die Klimaanlage dürfte wieder auf Mitte 60 Grad Fahrenheit stehen. Aber das Essen kommt schnell und es schmeckt. Mehr kann man nicht verlangen.

Draußen ist es nun völlig dunkel, deshalb übergeben wir wieder Trulla das Regiment und folgen brav ihren Anweisungen zum Hotel.

Morgen haben wir die meilenmäßig längste Etappe unseres Urlaubs vor uns – vom Flug mal abgesehen…

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