Rocks and Dunes

Nachdem unser Hotel ein Frühstücksbuffet anbietet, das im Zimmerpreis inkludiert ist, nutzen wir das aus. Es gibt diverse süße Teilchen, aber auch (Tüten-)Rührei, Bacon und Rösti, zusätzlich Joghurt und Müsli.

Leider fällt Sandy gleich unangenehm auf, denn ihr passiert ein mittleres Unglück und sie wirft ihr Morgengetränk um über Tisch, Stuhl und Teppichboden. Große Sauerei, die vom herbeieilenden Personal entfernt werden muss. Sandy ist das mehr als peinlich und sie bedankt sich wenig später mit einem Extra-Trinkgeld bei den Mädels.

Dann geht es los, Trulla lotst uns auf den Highway 65, auf dem wir gen Süden düsen. Denn einen Pass über die Berge, der die Wegstrecke abkürzt, gibt es nicht. Sicherlich mag es den einen oder anderen Schleichweg geben, aber dazu sollte man sich in der Gegend auskennen und sicherlich auch ein geländegängigeres Fahrzeug besitzen als ausgerechnet einen Ford Mustang.

Daher bleibt uns nichts anderes übrig, als die längere Strecke um die Südspitze der Gebirgskette zu nehmen. Das ist auch gar nicht schlimm, denn so kommen wir direkt an unsere ersten „roten Steine“, die am Highway liegen.

Vorbei  an der Weltstadt *hüstel* Tehachapi…

… betreten wir den „echten“ Wilden Westen.

Am Highway 14, der uns nach einem kurzen Schlenker nach Osten dann wieder nach Norden führt, liegt der „Red Rock Canyon State Park“. Und weil der eben so genial an der Straße liegt, bietet er sich prima für eine kleine Fahrpause an, um sich die Beine zu vertreten.

Wir fahren gleich beim ersten Vista Point ab auf den geschotterten Parkplatz am Fuße der „Red Cliffs“.

Es ist schon erstaunlich, was die Natur hier geschaffen hat. Der Kontrast der Felsen zum blauen Himmel ist wunderschön.

Ein paar Meter weiter überqueren wir den Highway – ja, man kann hier bei manchen Highways einfach so über die Gegenfahrbahn fahren (man stelle sich das hier in Deutschland vor….) – und parken an der Zufahrt zum Visitor Center.

Hier direkt an der Straße beginnt der Hagen Trail.

Diesen laufen wir ein Stück entlang, in Anbetracht von Sandys schmerzenden Füßen sowie der stechenden Sonne und der beginnenden Hitze zwischen den Felsen kehren wir aber doch recht schnell wieder zu unserem Auto zurück.

Ein par kleine Vertreter des Wildlife sind trotz der Hitze unterwegs.

Eidechsensuchbild

Der Red Rock State Park wäre sicherlich einen längeren Besuch wert, aber es zieht uns weiter.

Wir fahren also auf dem Highway 14/Highway 395, immer weiter nach Norden. Die Landschaft ist karg und nicht sehr abwechslungsreich. Die Fahrerei ist daher nicht gerade spannend, bis einige Meter rechts von der Straße eine schwarze „Steinmauer“ parallel zu unserem Fahrweg verläuft. Anhand unserer Vorbereitungen wissen wir, dass wir uns nun der „Fossil Falls Scenic Area“ nähern müssen.

Schon von weitem sehen wir den auffallenden roten Kegelberg, vor dem von unserer Richtung aus rechts die Zufahrt zur Area erfolgt.

Hier haben wir eine weitere Rast eingeplant. Trotz der Abgeschiedenheit und der schlechten Beschilderung der Area müssen wir feststellen, dass erstaunlich viele Autos (nämlich 3-4) auf dem Parkplatz stehen. Bevor wir loslaufen, essen wir noch etwas Obst, und als Sandy ein scheinbar einsames Chipmunk entdeckt, das in dieser Einöde unterwegs ist, gibt sie dem kleinen drolligen Kerlchen etwas von ihren Erdbeeren und Keksen ab (böse böse, ist doch verboten!).

Ich bin ja soooo allein.

Hmm, nur ein trockener Keks? Na ja, besser als nix.

Ui, DAS ist jetzt aber mal was Leckeres. Super!

Dann laufen wir auf einem schmalen Trampelpfad zwischen den schwarzen Lavafelsen hindurch bis zu den besagten „Fossil Falls“.

DA geht es hin!

Die Abbruchkante der Fossil Falls gibt einen Blick auf den rund 40 m tiefer gelegenen Boden frei. Rechts sieht man das Bett des Owens River.

Die zerklüfteten Lavafelsen ziehen sich über Meilen.

Eine scheinbar tote, wasserlose, schwarze, trostlose Landschaft. Und doch gibt es hier Leben. Als wir nämlich zum Parkplatz zurückkommen, entdecken wir …. zwei Chipmunks. Entweder handelt es sich um eine wundersame Blitz-Vermehrung, oder die Kerlchen haben uns vorhin vera***t.

Wir genießen die rasche Abkühlung unseres Fury, als wir losfahren. Denn entgegen „normaler“ Klimaanlagen bläst unser Pferdchen beim Losfahren – selbst wenn er lange Zeit in der Sonne stand – keine heiße Luft, sondern bietet gleich kalte Luft an. Bisher haben wir die Klimaanlage aber nur in wenigen Fällen benötigt, ansonsten reicht entweder das offene Dach oder die normale Lüftung völlig aus.

Jetzt aber testen wir noch ein Novum, das ich bisher noch bei keinem deutschen Mietauto hatte: Fury besitzt nämlich nicht nur die übliche Sitzheizung, sondern auch eine Sitzkühlung. Es ist schon ein seltsames Gefühl, aber nicht unangenehm. Man fühlt sich ein wenig so, als hätte man in nasser Badehose auf dem Autositz Platz genommen. Im Hinblick auf kommende Reiseziele kein schlechtes Gefühl.

Und wieder fahren wir auf der 395 nach Norden, bis wir an einer der wenigen Kreuzungen eine Chevron-Tankstelle und einen kleinen Supermarkt in der Einöde sehen. Hier tanken wir noch einmal voll, das müsste jetzt reichen für die nächsten eineinhalb Tage. Unser Pferdchen ist nämlich bisher erstaunlich genügsam.

Weiter geht es. Wenig später überqueren wir die beiden Los Angeles Aqueducts 1 + 2, in denen Schmelz- und Regenwasser von den Bergen bis nach Los Angeles geleitet wird. Aktuell allerdings sind die Wasserläufe leer und trocken.

Nun dauert es nicht mehr lange und wir können nach Osten abbiegen. Langsam aber stetig nähern wir uns unserem Ziel, dem „Todestal“.

Der Nationalpark des „Death Valley“ wirbt damit, der „heißeste, trockenste und am niedrigsten gelegene“ Park der USA zu sein. Er umfasst eine Fläche von fast 14.000 qkm (Quelle: wikipedia) und besteht aus 2 Haupttälern: dem eigentlichen Death Valley und dem Panamint Valley sowie vielen Canyons und Nebentälern.

Wir nähern uns über den nordwestlichen Zugang. Dazu müssen wir erst einige Meilen über einen Bergpass fahren, bis sich die Straße langsam immer mehr dem Talboden nähert.

Jetzt im September brennt die Sonne nicht mehr ganz so stark, aber es genügt uns schon, um für den Fahrtwind dankbar zu sein. Im Hochsommer möchte ich weder uns noch der Kühlung unseres Furys einen Trip ins Tal zumuten. Wobei die Hitze eine trockene Hitze ist und man gefühlt gar nicht richtig ins Schwitzen kommt. Was eigentlich bedeutet: was man rausschwitzt, verdunstet gleich wieder, so dass man den Feuchtigkeitsverlust gar nicht auf der Haut spürt – Achselflecken sind praktisch ausgeschlossen.

Je tiefer man fährt, desto heißer wird es. Das kann man der Temperaturanzeige von Fury klar entnehmen, alle paar Meter tiefer steigt die Anzeige um 1 Grad Celsius. Als wir in Stovepipe Wells, unserem heutigen Übernachtungspunkt, eintreffen, steht die Anzeige allerdings nur auf lächerlichen 42°.

Stovepipe Wells besteht aus einer Trading Post, einem Andenkenladen, einem Saloon und einem Restaurant, einigen einstöckigen Gebäuden mit Gästezimmern sowie einem Campingplatz auf der anderen Straßenseite. Idealerweise haben die Zimmer den Parkplatz direkt vor der Tür.

Als ich einchecken will erfahre ich, dass unser Zimmer noch nicht bezugsfertig ist. Als Alternative zum Check-in erhalte ich für uns beide Handtücher und eine Zugangskarte zum Poolgelände, „to cool off a little“. Also kurzentschlossen Badezeug angezogen und rein ins kalte Nass.

Etwa eine halbe Stunde später können wir dann unser Zimmer beziehen. Erste Amtshandlung ist – wie üblich – die Regulierung der Klimaanlage. Das Gebläse befindet sich nämlich direkt neben meinem Bett, und erstens ist es sehr sehr laut und zweitens sehr sehr kalt und drittens sehr sehr stark blasend. Also die Temperatur neu eingestellt, und somit ist unsere Anlage die einzige in der Reihe der Nachbarzimmer, die am frühen Abend keinen Krach macht.

Wie gewünscht haben wir Blick auf die Mesquite Flat Sand Dunes, die knappe 3 Meilen vom Hotel entfernt liegen.

Parkplatz direkt vor der Tür. Im Hintergrund in der Mitte des Bildes leicht zu erahnen: unser abendliches Fototourenziel.

Nachdem Fury entladen ist, besuchen wir zuerst die beiden Shops, den Andenkenladen auf der Suche nach Magneten und die Trading Post, um unsere Getränkevorräte aufzustocken. Denn obwohl wir – wie wir dachten – ausreichend Wasser und Tee eingepackt hatten, sind diese Vorräte erstaunlich stark geschrumpft in dem grad mal halben Tag Wüste. Und morgen haben wir ja fast einen ganzen Tag Wüste eingeplant. Allerdings lässt sich die Trading Post das dort zu kaufende Wasser wahrlich vergolden…

Inzwischen ist es Zeit für unser heutiges Abendziel: Sonnenuntergang an den Dünen. Die drei Meilen schafft unser Fury wie nix, und am Parkplatz finden wir trotz der vielen Besucher auch noch ein Plätzchen. Während wir zusammensuchen, was wir in die Dünen mitnehmen müssen/wollen, sehen wir einen Mann, der zwischen den Autos herumschleicht und alle scheinbar intensiv mustert.

Alarmglocken! Autodieb? Bandit? Wie wir noch grübeln, hören wir ihn quer über den Parkplatz schreien: „Eeeeeeelke! Indiäna! In-di-ääääää-na! Eeeeeelke!“ Es dauert einen Moment, bis wir registrieren: „Oh, Deutsche!“ Und einen weiteren: „Oh, peinlich!“, dieses Verhalten…

Wir verstehen dann, was hier passiert. Das Paar sammelt License Plates! In den Staaten werden die Autokennzeichen nicht von Städten/Bereichen, sondern von den Bundesstaaten herausgegeben. Diese Plates können auch noch unterschiedlich gestaltet sein (California z.B. hatte früher schwarze Schilder mit gelber Schrift, dann blaue Schilder mit gelber Schrift und heute weiße Schilder mit dunkelblauer Nummer und rotem California-Schriftzug darüber). Dazu gibt es noch die personalisierten Plates in gleicher Form. Und da also jedes Auto anzeigt, wo es zugelassen ist, gibt es Leute, die diese Kennzeichen „sammeln“, also versuchen, möglichst alle oder möglichst viele der Bundesstaaten zu „erwischen“. (Aktuelle Plates siehe auch HIER.)

Es wird nun bei uns zu einem geflügelten Wort, wenn wir eine neue License Plate entdecken: „Eeeeeeeelke!“ Und wir entdecken erstaunliche Kennzeichen, wer käme auf die Idee, dass man auf dem Festland einem Auto aus Hawaii begegnet?

Wir stapfen über den Sand der ersten Dünen in die Landschaft und versuchen, ein möglichst ruhiges Plätzchen zu finden. Das ist gar nicht so einfach, denn der Besucherandrang ist hoch.

Schließlich lassen wir uns auf einer der kleineren Dünen nieder, der Weg zur höchsten Düne ist uns mit 2 Meilen einfache Strecke durch den Sand zu beschwerlich und zu lang.

Blick zurück nach Südosten auf den Parkplatz und die Straße.

Blick nach Nordwesten auf die Dünen und die westliche Bergkette des Panamint Valley

Langsam nähert sich die Sonne dem Horizont.

Während wir schon im Schatten sitzen, leuchten die Berge noch in den letzten Sonnenstrahlen.

Da ich unsere Glaskugel mitgenommen habe, suchen wir noch ein passendes Plätzchen für ein Foto.

Irgendwie erinnert das Holz an das vordere Ende einer Wasserschildkröte…

Trotz der vielen Leute war dieser Sonnenuntergang sehr schön und wir sind froh, ihn erlebt zu haben. Jetzt aber meldet sich der Hunger, schließlich haben wir heute seit dem Frühstück nur Kleinigkeiten gegessen.

(Fast) die heutige Strecke (das Stückchen bis Stovepipe Wells fehlt)

Also fahren wir zurück zum Hotel und gehen auf gut Glück ins Restaurant, denn vorbestellt haben wir nicht. Aber da es noch recht früh ist, erhalten wir problemlos einen Ecktisch zugewiesen und können aus der Speisekarte auswählen. Ich gönne mir ein hauseigenes Bier, und das schmeckt gar nicht mal so schlecht.

Als wir nach dem Essen das Lokal verlassen, warten im Eingangsbereich ca. 10 Leute auf einen Tisch. Gut, dass wir so früh dran waren.

Auf dem Rückweg vom Restaurant bestaunen wir den inzwischen sternenübersäten Himmel. So viele funkelnde Pünktchen am Himmel haben wir noch nie gesehen. Was bedeutet, dass Sandy ihre Ausrüstung holt und mit Stativ und Berechnungstabellen auf dem Handy ihre ersten Nachthimmellangzeitbelichtungen schießt.

Ich begleite sie, staune den Himmel an (ich habe hier das erste Mal in meinem Leben ein Sternbild eindeutig erkannt!) und leuchte bei Bedarf mit der Taschenlampe.

Da entdecke ich in der Richtung, in die wir morgen fahren müssen, ein helles Licht hinter den Bergen. „Ob das Furnace Creek ist?“ frage ich Sandy, denn dieses Hotel mit Campingplatz liegt etwa in der Richtung des Lichts. Wobei ich mir das eigentlich nicht vorstellen kann, ist doch das Death Valley inzwischen ein sogenanntes „Lichtschutzgebiet“, und unser Hotel z.B. bittet seine Gäste, auf unnötige Lichtquellen zu verzichten. Und da soll Furnace Creek so leuchten?

Wie wir noch zweifeln, wird das Licht immer größer und heller… Und dann erkennen wir es: es ist der aufgehende (fast-) Vollmond! So groß und so leuchtend haben wir den noch nie gesehen. Wie eine kleine Sonne erscheint er hinter den Bergen.

Von diesem Moment ab heißt der Mond bei uns nur noch „Furnace Creek“.

Irgendwann hat auch Sandy genug vom Fotografieren und wir ziehen uns ins Zimmer zurück. Morgen klingelt der Wecker um 4:30 Uhr…

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