Fire and Faith

Gegen 6 Uhr klingelt der Handy-Alarm, und ein Blick aus dem Fenster zeigt, dass unsere gestrige Entscheidung richtig war. Es liegt eine Wolkendecke über Las Vegas und der Wüste, der geplante Sonnenaufgang ist also sozusagen in den Wolken hängen geblieben. Dafür haben wir zwei Stunden länger geschlafen, das passt.

Wieder machen wir uns auf die Wanderung zur Rezeption, checken aus und legen dann die restlichen Meilen zum Parkhaus und unserem Fury zurück. Dann geht es auf die Straße, allerdings erst einmal den Strip entlang nach Süden. Denn noch fehlt ein „Must have“ in unserer Sammlung: das Bild vom Las Vegas Sign, das sich auf Höhe des Flughafens befindet. Trotz der morgendlichen Stunde stehen hier bereits Touristen und fotografieren, allerdings fehlen die sonst häufig geparkten Reisebusse. Daher dauert es nur kurz, bis sich Sandy positionieren kann.

Dann aber geht es endgültig auf die Piste Richtung Norden. Nachdem wir die verwirrenden Stadtautobahnen hinter uns gelassen haben, geht es mal wieder einfach nur geradeaus. Dabei bleiben die Wolken beständig über uns, in einiger Entfernung entdecken wir sogar Regen.

Schließlich kommen wir an die Abzweigung zum Valley of Fire. Jetzt ist es nicht mehr weit. Noch ist die Gegend eine typische Halbwüste mit Gebüsch und Gestrüpp, dazwischen auch mal ein Yuccatree, aber ansonsten recht öde gelblich.

Wir fahren auf die Berge zu. Und dann beginnen die Felsen und Steine rötlich zu werden.

Quelle Karte: http://parks.nv.gov/parks/valley-of-fire

Bei der ersten Gelegenheit fahren wir nach Passieren der Entrance-Häuschen links ab von der Straße. Denn hier befindet sich der sogenannte „Atlatl Rock“,

ein großer Sandsteinfelsen, auf dem sich die ursprünglichen Bewohner der Gegend, die „Basketmaker Indians“ und später die Anasazi, mit Felszeichnungen, sogenannten Petroglyphen, ein Denkmal gesetzt haben.

Um sich diese Felszeichnungen genauer ansehen zu können, muss man über eine Metalltreppe nach oben steigen. Leider haben ein paar Vandalen vor Jahren einen Teil der Zeichnungen verdorben, indem sie sich selbst dort verewigt haben. Trotzdem sind die übrig gebliebenen Petroglyphen immer noch sehr interessant zu betrachten.

Viel ist nicht los am Atlatl Rock.

Wir fahren den kleinen Rundweg um die Felsformation des Atlatl Rocks, da sich auf der Rückseite einer der schönsten und größten Arches des Parks befindet. Als wir an der Straße parken, um Bilder zu machen, sehen wir ein Pärchen, das es sich dort oben auf dem Felsen gemütlich macht. Neben uns wartet noch eine Gruppe von Amerikanern, die sich auf einer Fotosafari befinden, dass der Blick auf den Arch Rock wieder frei wird. Aber das Pärchen denkt nicht daran zu gehen, auch wenn eine der Amerikanerinnen sehr höflich darum bittet, den Felsen zu verlassen.

Schon allein, dass sie dort hochgeklettert sind, ist eine Frechheit und eigentlich verboten, schließlich zerstört jede Besteigung die Felsen ein klein wenig mehr. Überall stehen deswegen entsprechend Hinweisschilder. Aber die kann man ja ignorieren… (Es ist wie überall: wenn man die Polizei resp. hier die Ranger brauchen könnte, sind sie nirgends zu sehen.)

Da wir das Pärchen bereits bei den Petroglyphen gesehen haben, wissen wir, dass es sich um Deutsche (ja, man schämt sich!) handelt.

Schließlich platzt mir der Kragen und ich rufe den beiden auf Deutsch zu, dass sie gefälligst verschwinden sollen, weil es noch andere Menschen gibt, die gern etwas von dieser Formation hätten. Und die beiden? Er antwortet mit einem „ja ja!“, aber bleibt erst noch einen Moment demonstrativ stehen… Dann endlich machen beide den Abgang und verschwinden zu ihrem Auto, das ein Stück die Straße hoch steht.

Endlich. Freier Blick auf Arch Rock ohne störende Touristen.

Endlich können wir in Ruhe Bilder machen. Anschließend beenden wir den Loop Trail, was sich als Fehler erweist, denn kurz hinter dem Arch Rock wird der Weg zur Schotterpiste, und wir quälen unseren Fury mal wieder sehr.

Irgendwie bin ich durch das Geschüttel so durcheinander, dass ich bei Rückkehr zur Straße prompt nach rechts abbiege. Das ist allerdings nicht der Weg in den Park, sondern zum Eingang, bei dem wir reingekommen sind. Also heißt es wenden und zurückfahren bis zur eigentlichen Abzweigung ins Valley.

Am Visitor Center halten wir, und bei der Einfahrt auf den Parkplatz entdecken wir mal wieder eine Gruppe California Quails, die hier nach Futter suchen. Leider versuchen ein paar Besucher, Bilder zu machen, und verfolgen die kleinen Kerlchen, so dass diese sich im Gebüsch verkriechen. Schade.

Das Visitor Center ist klein, aber informativ. Es bringt uns aber nichts wirklich Neues, und die Aufregung, die hinter den Gebäuden bei den Besuchern entsteht wegen eines kleinen Chipmunks, finden wir dann doch etwas übertrieben.

Im Visitor Center

Während Sandy zurückbleibt, laufe ich die wenigen Meter über einen Trampelpfad zum „Balanced Rock“. Diese Felsformation wollten wir eigentlich beim Sonnenaufgang fotografieren.

Zurück im Auto geht es die Straße weiter ins Tal, zuerst geht es dazu über eine schmale Passstraße. Hierbei kommen wir direkt am Balanced Rock vorbei, der von der Straße aus besser zu fotografieren ist als von unten. Daher mache ich langsam und Sandy knipst aus dem fahrenden Auto heraus.

Balanced Rock

Nächster Halt sind die sogenannten „Bee Hives“, eine Gruppe von Felsen, die an Bienenkörbe erinnern. Hier machen wir unsere ersten Schritte ins Gelände. Diese roten Felsen in der ansonsten gelbbraunen Landschaft sind wirklich erstaunlich, schade, dass die Sonne nicht scheint, denn im entsprechenden Licht leuchten sie noch beeindruckender. Im Gegensatz zum Red Rock State Park, wo Wind und Wasser Felssäulen aus den Wänden gefressen haben, sind diese Felsen hier völlig anders geformt, zum Teil regelrecht „weich und wellig“ und mit vielen Löchern und Vertiefungen. Diesen sollte man sich tunlichst mit Vorsicht nähern, denn manchmal ziehen sich Skorpione oder Schlangen in diese Öffnungen zurück. Reinschauen oder gar reingreifen kann daher auch mal unangenehm werden.

Den Seitenweg zu Mouse’s Tank, dem einzigen Wasserloch der Gegend, lassen wir rechts liegen. Die Petroglyphen auf dem Weg sind nicht soooo spannend, wenn man den Atlatl Rock gesehen hat. Und das Wasserloch müsste um diese Jahreszeit eigentlich so ziemlich ausgetrocknet sein.

Nächster Halt ist daher der Parkplatz „Rainbow Vista“. Hier herrscht ein stetes Kommen und Gehen. Wir finden einen Platz für Fury und machen ein paar Bilder, dann geht es auch schon weiter.

Die Straße führt nach Norden, wobei sie einige Hochs und Tiefs hat. Kostenloses Achterbahnfahren kann man das auch nennen.

Schließlich kommen wir an den Parkplatz am Trailhead des Fire Wave Trails.

Es gibt ja eine „große“ Wave in den North Coyote Buttes in Arizona. Für diese benötigt man ein Permit, und diese Permits gibt es nur mit Glück per Lotterie. Daher müssen wir uns mit der Fire Wave, auch Rainbow Wave genannt, hier im Valley of Fire begnügen. Diese kann man nämlich ohne Zusatzkosten und ohne Permit anschauen. Wir folgen also dem ausgewiesenen Trail. Es sind etliche Leute unterwegs, aber man kann sich gut aus dem Weg gehen, so dass man nur am Parkplatz den Eindruck von Massentourismus hat.

Als letzter Punkt auf unserem Programm stehen die „White Domes“, eine Felsformation aus hellem Gestein. Hier wollen wir dem White Domes Loop folgen. Eigentlich. Aber es ist hier bereits jetzt sehr viel Betrieb, die wenigen Parkplätze sind alle belegt, und an der Straße entlang kann man nicht parken. So muss es bei einem Blick auf die Domes aus dem Auto heraus bleiben. Die Straße ist sowieso zu Ende, daher kehren wir auf dem gleichen Weg zurück.

An den White Domes

Am Visitor Center biegen wir nun nach links ab und fahren am Südrand der Berge entlang. Vorbei an der Felsgruppe der „Seven Sisters“ und an den „Cabins“ (gebaut ca. 1930 als Schutzhütten für Reisende) nähern wir uns der Stelle, an der sich eine besondere Formation befindet. Bei meinem letzten Besuch habe ich vergeblich danach Ausschau gehalten. Heute nicht. Wir fahren einen Hügel hoch durch eine Öffnung in der Felswand, und direkt hinter dieser Wand bemerken wir viele Menschen auf der linken Seite. Ein kurzer Blick zeigt: da isser! Bremsen ist nicht, also drehen wir bei nächster Gelegenheit um, fahren zurück und drehen erneut. Nun können wir ihn bei der langsamen Durchfahrt genau erkennen: der Elephant Rock, ein Felsen, der einem sitzenden Elefanten ähnelt.

Elephant Rock

Damit haben wir all das gesehen, was wir sehen wollten. Auch wenn aus unserer geplanten kurzen Dome- Wanderung nichts geworden ist, sind wir zufrieden. Nun steht uns wieder eine Zeit des Fahrens bevor, bis wir am nächsten Reiseziel ankommen.

Bei der Fahrt streifen wir die linke obere Ecke von Arizona, dem dritten Bundesstaat unserer Reise nach Kalifornien und Nevada, bevor wir in Utah einreisen.

Nachdem wir noch im Walmart in St. George, der letzten größeren Stadt vor unserem Tagesziel, eingekauft und auch Fury mal wieder mit Benzin versorgt haben, folgen wir den Hinweisschildern zum „Zion National Park“.

Einkaufen bei Walmart – immer wieder ein Erlebnis

Dieser Park ist einer der kleineren Nationalparks mit nur knapp 580 qkm. Aber er ist der älteste Nationalpark Utahs. Er umfasst neben dem Haupttal mit den Seitencanyons auch den im nordwestlichen Gebiet befindlichen Kolob Canyon.

Wir werden uns aber nur im eigentlichen Zion Canyon aufhalten. Da wir im einzigen Hotel im Canyon eingebucht haben, dürfen wir auch mit unserem Fury hineinfahren bis zur Lodge. Danach ist nur Shuttleverkehr (kostenlos) möglich.

Erste Begegnung nach der Einfahrt ins Tal ist eine Gruppe von Truthähnen und Truthühnern direkt an einer Haltestelle des Shuttles. Mal wieder geht alles so schnell – sehen, registrieren und schon vorbeigefahren -, dass kameratechnisch keine Reaktion erfolgen kann.

Das Tal ist erstaunlich grün, die Felswände sind dunkelrot und wirken durch die tiefhängenden Wolken noch dunkler. Ein Kontrast zur Wüstenlandschaft rundum.

Quelle Karte: https://www.nps.gov/zion/index.htm

Wir parken und erhalten beim Check-in die entsprechende Parking Permit für den Rückspiegel. Beim Ausladen unseres Gepäcks werden wir von einem Mule Deer beobachtet, der auf der Wiese direkt vor dem Haupthaus steht und äst. Unser Zimmer liegt ebenerdig und gefällt uns sehr. Es paßt von der Einrichtung her genau zur Gegend: nicht modern, sondern urig. Aber mit allem, was frau so braucht.

Das Hotel mit Mule Deer auf der Wiese

Unser Zimmer

Die Veranda

Das Bad

Ein Anruf im Restaurant sichert uns einen Tisch fürs Abendessen. Inzwischen ist es nämlich fast dunkel geworden, hier im engen Tal verschwindet das Licht schon relativ früh.

Wir gehen also rüber zum Haupthaus, um dort vor dem Essen noch etwas im Souvenir Shop zu stöbern. Ach, man könnte wirklich überall was kaufen. Ich habe das „Glück“, dass das, was mir wirklich gut gefällt, zu teuer ist oder zu groß fürs Gepäck. Und da ich keine Sachen mitbringen soll und darf für die Familie, kann ich auch hier Geld sparen. Sandy steht aber jedes Mal vor der Qual der Wahl: soll ich oder soll ich nicht, und wenn ja, was?

Schließlich ist es Zeit und wir gehen zum Eingang des “Red Rock Grill“. Das berühmte „please wait to be seated“ entfällt hier, wir dürfen gleich die Stufen ins Restaurant hochgehen und werden oben empfangen und zu unserem Tisch begleitet.

Das Essen ist ganz gut, die Kritiken im Internet waren einmal mehr übertrieben oder wir haben einfach Glück gehabt.

Sandys Nachtisch: ein Brownie

Als wir uns dann zurück ins Zimmer begeben wollen, erleben wir noch eine kleine nette Überraschung. Auf der Wiese vor der Lodge, wo vorhin der Mule Deer geäst hat, steht nun ein kleines Rudel und lässt sich das frische Gras schmecken. Man könnte die Tiere berühren, so nah kann man an sie herangehen, ohne dass sie sich gestört fühlen. Selbst die Mütter mit ihren Jungtieren sind hier ganz lässig dabei.

Noch unsere übliche Feierabendaktivtät (Facebookbericht, Fotos sichern) und dann geht es endgültig in die Heia.

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