Birds and Lights

Good Morning, Vegas!

Was macht man, wenn man einen ganzen Tag in Vegas hat? Logisch, man geht Vögel fotografieren! Von früh bis spät am Strip zu bleiben ist nicht unser Ding. Wir müssen raus aus diesem verrückten Chaos, raus in die Natur und zu den Tieren, wo wir uns halt einfach am wohlsten fühlen. Und da bietet sich das Bird Viewing Preserve in Henderson an.

Nachdem wir am Morgen ausgiebig das riesige Badezimmer genutzt haben (Sandy meint, ihr Wohnzimmer sei kleiner als diese “Nasszelle”), lassen wir uns Fury vorfahren und machen uns also auf den Weg in den Nachbarort von Las Vegas.

Das Preserve hat täglich von 6-14 Uhr geöffnet und der Eintritt ist kostenlos. Eigentlich wollten wir ja um 6 Uhr dort sein, um Roadrunner und Kojoten zu sehen. Aber irgendwie… hatten wir keine Lust.

Das Preserve sind mehrere flache künstliche Seen, die von hunderten von Vögeln als Rastplatz genutzt werden. Je nach Jahres- und Tageszeit kann man hier also die verschiedensten Wasser- und Zugvögel beobachten.

Das Preserve wird von ehrenamtlichen Mitarbeitern betreut, der Besuch ist kostenlos. Natürlich hindert einem niemand, eine kleine Spende zu hinterlassen…

Als wir am Parkplatz eintreffen, stehen nur zwei weitere Fahrzeuge dort. Als erstes gehen wir ins Verwaltungsgebäude, wo wir einige Informationen bekommen können und uns in Besucherlisten eintragen müssen. Diese Listen benötigt das Preserve als Nachweis für seine Daseinsberechtigung als Besuchermagnet, daher tragen wir uns natürlich gerne ein. Außerdem nutze ich noch die Gelegenheit zum Besuch eines bestimmten Örtchens.

Dann geht es nach draußen. Als erstes entdecken wir einige Futterstationen für Kolibris und Sandy versucht sich gleich an ein paar Fotos.

Kolibri im Gegenlicht

Etwas weiter den Weg entlang huschen ein paar California Quails durchs Gebüsch. Während Sandy die „Verfolgung“ aufnimmt, blicke ich den Weg entlang. In vielleicht 10 m Entfernung liegt ein seltsamer, weiß-schwarzer Stock auf dem Weg. Aber halt! Der Stock bewegt sich ja. Das ist gar kein Stock, das ist eine Schlange. Aufgeregt mache ich Sandy aufmerksam, und wir nähern uns dem Tier, das sich absolut nicht stören lässt, vorsichtig. Unsere erste (und einzige) Schlange ohne Glasschutz! Und noch nicht einmal eine kleine, sondern eine recht stattliche noch dazu. So 1,20 bis 1,50 m wird sie schon gehabt haben. Später erfahren wir, dass es sich um eine California King Snake/Kalifornische Königsnatter/Lampropeltis getula californiae handelt, eine ungiftige Kettennatterart.

Während wir gemütlich in praller Sonne über das Gelände schlendern, beobachten wir Echsen, Schmetterlinge, Libellen und die unterschiedlichsten Wasservögel, vor allem natürlich Enten, Sichler, Reiher und Tauchhühner. Auch eine Gruppe Pelikane schwimmt auf einem der Seen und etliche Rauchschwalben versammeln sich in den Bäumen.

An einer Aussichtsplattform entdecken wir einen kleinen Schwarm von wilden Wespen, die sich aber von uns nicht stören lassen. Etwas weiter hoppelt ein Kaninchen durchs Gebüsch.

Bei stärkerem Wind besteht die Gefahr, dass Hoppelchen abhebt….

Es ist ruhig und friedlich. Und sehr, sehr warm. Und sonnig. Kaum Schatten. Kurz: es ist zwar wunderschön, aber zu heiß.

Opuntie mit Sonnenbrand

Daher sehen wir uns gezwungen, den Besuch abzukürzen. Zurück am Verwaltungsgebäude setzen wir uns in der Nähe der Kolibri-Futterstationen in den Schatten, um ein wenig abzukühlen.

Dort erhalten wir Besuch von einer der freiwilligen Helferinnen, von der wir dann auch erfahren, um was für eine Schlange es sich gehandelt hat. Wie üblich werden wir gefragt, woher wir kommen, was wir gemacht haben während unseres Urlaubs, wo wir gewesen sind und wie es uns gefallen hat. Als die Lady erfährt, dass wir in Yosemite gewesen waren, ist sie ganz begeistert, denn dort möchte sie auch unbedingt einmal hin. Worauf wir ihr dann – innerlich grinsend, äußerlich ernst und gemessen – den Panorama Trail ans Herz legen, weil „den muss man einfach mal gelaufen sein“.

Inzwischen ist es fast Zeit, an den Flughafen zu fahren. Die halbe Stunde Mietdauer, die wir der Autovermietung schenken, ist nicht schlimm.

Auf dem Weg kommen wir am Cowabunga Water Park vorbei.

Hier scheint im Moment aber noch nicht viel los zu sein.

An der Mietwagenstation am Flughafen geht die Rückgabe unseres Autos schnell und schmerzlos, ein kurzer Kratzercheck (wir haben keine gemacht), ein kurzes „alles ok? – Ja, alles super!“, und schon sind wir entlassen. Ach ja, Fury… Es tut uns leid, dich so allein zurücklassen zu müssen. Mach’s gut! Ford Mustang CV forever!

Wir verlassen das Gebäude und nehmen uns ein Taxi, das uns ins Bellagio zurückfährt.

Noch einmal raffen wir uns auf und begeben uns auf den Strip. Dabei besuchen wir endlich das Hotel/Casino „Caesar’s Palace“, an dem wir bisher nur vorbeigelaufen sind.

Hier darf man erst ab einem bestimmten Kreditlimit rein.

Trevibrunnen für Arme

Dann überqueren wir die Straße und halten nach etwas zu essen Ausschau.

Wo isst man, wenn man im Bellagio wohnt? Ganz klar: im Panda Express.

Das Essen ist lecker und die „mittlere“ Cola wird uns ewig in Erinnerung bleiben.

Anschließend besuchen das Venetian am Tag.

Auf dem Markusplatz gönnen wir uns ein echt italienisches Eis und schlendern dann am Kanal entlang, betrachten die Schaufenster und lassen es uns gut gehen.

Die Preise sind sehr gewöhnungsbedürftig.

Wir überlegen, ob der Leuchter noch in unser Gepäck passt…

Das Casino

Der Fußboden kann einem kirre machen…

… aber der Deckenhimmel ist klasse.

Gemütlich gehen wir zurück zum Hotel und machen dabei noch einen kleinen Abstecher zu den Flamingos und Pelikanen im Flamingo Hilton.

Dann versuchen wir in unserem Zimmer, die vielen Sachen in unserem Fluggepäck unterzubringen. Das ist gar nicht so einfach, und irgendwie haben wir auch gar keine Lust dazu. Aber was sein muss, muss sein…

Sandy stellt fest: Ich brauch noch einen Koffer! Offenbar hat sie doch zu viel eingekauft und zu viel Sand eingesackt.  Wir ziehen also los in den großen Giftshop beim Linq, sie sucht einen Koffer (ganz toll: schwarz mit goldener Aufschrift „LAS VEGAS“ ) und kauft ihn von unseren (fast) letzten Dollars.

Wieder im Hotelzimmer flippen wir dann vollkommen aus und bestellen uns ein fettes Abendessen per Roomservice. Das Essen kommt schnell und schmeckt sehr lecker, leider packen wir nur einen Teil.

Oben im Bild: Sandys unauffällige Neuerwerbung

Jetzt ist endgültig die Luft raus. Eigentlich hatten wir überlegt, eine der vielen Shows zu besuchen, so als Abschluss der Reise. Aber wir können uns nicht aufraffen.

Wir genießen noch ein wenig die Aussicht, und dann gehen wir das letzte Mal auf amerikanischen Boden ins Bett.

zurück: 29. September 2016

weiter: 01. Oktober 2016

Easy Rider

Da wir das vom Hausherrn zubereitete Frühstück, das im Zimmerpreis enthalten ist, nicht ausfallen lassen wollen, können wir heute etwas länger schlafen. Unsere Auswahl trafen wir bereits gestern nach dem Einzug ins Sheridan Inn. Als wir nach unten in den Wohnbereich kommen, sind bereits mehrere Gäste im Frühstückszimmer. Wir setzen uns an einen Tisch etwas abseits und bewundern erneut die geschmackvolle, gepflegte Einrichtung.

Unser Frühstückstisch

Claire fragt nach unseren Wünschen betreffend Getränken und bringt uns dann unsere Frühstücksauswahl, die mexikanisch angehaucht ist und sehr lecker schmeckt. So kann ein Tag beginnen!

Quesadillas mit Lachs und Tomaten

Die saß die ganze Zeit in Sandys Nacken.

Nach dem Frühstück beladen wir unser Auto (es nieselt mal wieder), verabschieden uns von Claire und machen uns auf den Weg.

Wir möchten auf die Historic Route 66, die hier in Williams mit der Interstate 40 identisch ist, weiter im Westen aber von dieser weg einen Bogen nach Nordwesten schlägt, bis sie schließlich in Kingman wieder auf den Freeway trifft.

So folgen wir dem ersten Route66-Sign, das sich aber als Pleite herausstellt. Der Seitenweg führt zwar zu einem angeblichen Route66-Museum, geht aber von dort aus nicht weiter, so dass wir zurück auf die Interstate fahren müssen.

Einige Meilen weiter gibt es erneut einen Abbiegehinweis, und dieser scheint mir vertraut, denn ich bin die Strecke ja per Streetview bereits abgefahren. Und tatsächlich stimmt endlich die Richtung.

Was nun folgt ist so ziemlich die langweiligste Fahrstrecke unserer Reise.

Unser Weg auf der (einem Teilstück ) Historic Route 66 und weiter zum Hoover Dam und Las Vegas

Landstraßencharakter, immer geradeaus, in einer langweiligen Umgebung (Grasland ohne Abwechslung). Dazu Tempomat. Ich glaube, ich hätte das Lenkrad festbinden können und ein Nickerchen machen. Eine riesige Abwechslung sind die ab und an auftauchenden Biker auf der Gegenspur und die seltenen weidenden Kühe. Meile um Meile fahren wir so und ersehnen unseren nächsten Programmpunkt herbei.

Einem Hinweisschild entnehmen wir, dass wir uns wenigstens schon in Hualapai befinden. Ein ödes Örtchen entlang der Straße, bewohnt von den Hualapai-Indianern. Wir entdecken einen Briefkasten und ich halte an, Sandy will noch ein paar Postkarten einwerfen. Und weiter geht es.

Endlich kommen wir in eine Gegend mit Hügeln, und hier irgendwo muss es an der Straße, direkt nach einer Rechtskurve sein: der Keepers of the Wild Nature Park“.

Es handelt sich hier um eine private Organisation, die ehemalige Show-Wildtiere und „echte“ verletzte Wildtiere aufnimmt und betreut sowie nach Möglichkeit später wieder auswildert. Man kann diesen Privatzoo besichtigen, was wir natürlich vorhaben, auch wenn wir zu einer etwas ungünstigen Tageszeit ankommen, nämlich um die Mittagszeit. Die Sonne brennt ganz schön, und die meisten Tiere haben sich zur Siesta zurückgezogen.

Der Parkwächter

Gehege des weißen Tigers

Ein Zebra… – ach nein, ein weißer Tiger

Beweis

Wolf – ein schon älteres Semester

Dinosaurier…

… nicht ganz.

Rotluchs

Nur Grizzlydame Bam Bam hat es sich in ihrem Pool bequem gemacht und planscht fröhlich vor sich hin.

Zu der Bärin schreibt die Homepage der Keepers: „Bam Bam arrived August 28, 2014. An animal trainer purchased her as a cub and used her in entertainment. The animal trainer decided to advance his career and was unable to keep her. Unable to find her a home he was planning to euthanize her. Just days away from being euthanized – Keepers of the Wild was notified of Bam Bam’s fate and we agreed to take her.“
Quelle: http://www.keepersofthewild.org/bear

Am nächsten Programmpunkt in Hackberry wollen wir eigentlich nur kurz Halt machen. Denn hier befindet sich DIE historische ehemalige Tankstelle der Route 66, die jeder Biker kennen sollte. Ursprünglich befand sich in dem Gebäude ein Lebensmittelgeschäft, später besagte Tankstelle. Heute könnte man das Gelände als eine Art „Schrottplatz mit Kultcharakter und besonderem morbiden Charme“ beschreiben. Gerade, als wir ankommen und aussteigen, beginnt es mal wieder zur regnen. Genauer gesagt: zu schütten.

Wir retten uns erst einmal unter das Vordach. Bereits hier gibt es viel zu sehen. Und erst im Laden drin! Man könnte stöbern und kaufen und weiterstöbern. Und fotografieren und staunen. Letzteres tun wir ausgiebig. Man entdeckt aber wirklich bei jedem Blick etwas Neues.

Irgendwie beruhigend…

Nachdem der Regen aufgehört hat, gehen wir wieder nach draußen und schlendern etwas durch das Gelände.

Der ist bestimmt im Bodie geklaut worden.

Schade, dass man hier nicht mehr tanken kann.

Aber schließlich fahren wir weiter, wir haben noch etliche Meilen vor uns.

Die Jungs erleben wohl das „echte“ Route 66-Gefühl.

In Kingman wird der Verkehr dichter, die Zeit der „Wildnis“ ist nun endgültig vorbei. Wir verlassen hier die I-40 und biegen auf den Freeway nach Norden ab, der uns direkt an den Hoover-Dam führt. Bei meinem letzten Besuch in den 80ern gab es die neue Autobahnbrücke noch nicht, damals musste/konnte man noch direkt über den Damm fahren.

„Die Mike O’Callaghan – Pat Tillman Memorial Bridge, auch bekannt unter den Namen ‚Hoover Dam Bypass Bridge‘ und ‚Colorado River Bridge‘, ist eine 2010 eröffnete Bogenbrücke über den Colorado River im Black Canyon. Sie ist 580 m lang und bringt den U.S. Highway 93 in der Nähe der Hoover-Talsperre auf einer Höhe von 270 m von Arizona nach Nevada. Die Brücke war bei ihrer Fertigstellung eine der längsten und höchsten Betonbogenbrücken der westlichen Hemisphäre, sowie die zweithöchste Brücke Amerikas.“
[Quelle: wikipedia]

Wir halten am ersten Parkplatz und steigen den Weg zur und auf die Brücke. Von hier aus hat man einen prächtigen Ausblick auf den Damm.

Mittlerweile ist es bereits Nachmittag, und es wird zeitlich etwas eng, wenn wir noch mehr sehen wollen. Daher machen wir nur ein paar Fotos und kehren dann auf den Parkplatz zurück.

Die Auto- und Personenkontrollen vor dem Damm passieren wir lässig, irgendwie sind die Kontrollen nicht so streng wie im Internet beschrieben.

Wir lassen uns von den Hinweisschildern ins (ebenfalls neue) mehrstöckige Parkhaus neben dem Besucherzentrum leiten und „dürfen“ mal wieder ein paar Dollar dort lassen. Ein Besuch im Visitor Center und dem angeschlossenen Souvenirshop entfällt allerdings, da hier bereits um 17 Uhr geschlossen wird und wir nur wenige Minuten Zeit hätten – was uns natürlich niemals reichen würde.

So geht es für uns direkt an und auf den Damm, der hälftig zu Nevada und hälftig zu Arizona gehört. Leider entfällt aktuell das Kuriosum des Zeitunterschieds zwischen Pacific und Mountain Time dadurch, dass Arizona als einziger Staat KEINE Sommerzeit hat. Zur Zeit haben Arizona und Nevada also die gleiche Tageszeit. Ansonsten kann man sich nämlich breitbeinig mitten auf den Damm stellen und der eine Fuß ist glatt eine Stunde älter als der andere (oder jünger, je nachdem, wie man es sehen will).

Schaut man in der Hälfte des Damms auf der Abflußseite nach unten, wird einem erst bewusst, wie hoch dieses Bauwerk ist (nämlich 221 m).

Der Blick von hier „unten“ auf die Memorial Bridge ist auch nicht der schlechteste.

Auf dem Rückweg zum Parkhaus entdecken wir noch an der Wand eine Gedenkplatte zu Ehren des „Hoover dam mascot“, eines herrenlosen Hundes, der sich den Bauarbeitern anschloss und leider bei einem tragischen Autounfall ums Leben kam. Begraben wurde der Hund unterhalb der Steilwand neben der Dammkrone.

Solche Hinweisschilder haben wir in Deutschland noch nie gesehen… Hier in jeder Etage im Parkhaus.

Die letzten ungefähr 50 km Fahrstrecke liegen vor uns.

Wir durchfahren Boulder City, eine Nachbarstadt von Las Vegas.

Je näher Las Vegas rückt, desto stärker wird der Verkehr. Es ist Feierabendverkehr – und das bedeutet in Las Vegas, dass jetzt das Vergnügen erst losgeht.

Unsere Tussi leitet uns zu unserem Hotel. Wir sind für 2 Nächte im Bellagio eingemietet und nutzen die Gelegenheit für ein letztes Valet-Parking. Wir haben unseren Fury noch eine Nacht und einen halben Tag, dann müssen wir ihn leider zurückgeben.

Unser Hotel bei der Anfahrt

Die Rezeption im Bellagio

Nach dem Einchecken suchen wir unser Zimmer auf, geben der Rezeption Bescheid, und wenige Minuten später bringt uns ein Bellboy unser Gepäck, das so „alles in allem“ aus dem Auto geräumt doch inzwischen recht umfänglich ist.

Unser Ausblick ist so wie gewünscht: volle Sicht auf die Fountains. Unser Bellboy erklärt uns noch, auf welchem TV-Sender wir die Musik hören können, zu der die Fountains tanzen. Als erstes setzen wir uns gemütlich ans Fenster und genießen die Show.

Aber schließlich raffen wir uns noch einmal auf. Wir haben zwar einen gut gefüllten Kühlschrank, aber die Preise für die Knabbereien und Getränke sind wirklich jenseits von Gut und Böse. Ich kann Sandy gerade noch davon abhalten, eine Miniflasche Cola (0,2 l / 8 USD – ohne Steuern) zum Anschauen herauszunehmen. Der Kühlschrank ist nämlich direkt mit der Kasse verbunden und ein Stück herausnehmen bedeutet die sofortige Buchung auf die Zimmerrechnung.

Wir schlendern den Strip entlang nach Norden und suchen ein Lokal, um eine Kleinigkeit zu essen. An der Plaza am The Linq werden wir fündig, italienisches Essen passt uns heute recht gut.

Anschließend gehen wir weiter, unser Ziel ist das „Venetian Hotel“, das wir uns unbedingt einmal von innen ansehen wollen.

Es ist schon ein komisches Gefühl, mitten in der Wüste am Canale Grande entlang zu flanieren.

Wieder fallen uns die vielen kleinen Details auf, die diese Themenhotels so einzigartig machen.

Shopping-Meile im Bellagio

Und ewig zieht sich der Hotelflur…

Gemütlich laufen wir zurück zum Bellagio, genießen noch ein wenig den Fountain-View vom Zimmerfenster aus und entscheiden uns, morgen nicht schon zum Sonnenaufgang nach Henderson zu fahren, sondern erst ein klein wenig später.

Unbedingt Ton anschalten!:

zurück: 28. September 2016

weiter: 30. September 2016

Grandeur and Helicopter

Rechtzeitig weckt uns das Handy, damit wir den Sonnenaufgang nicht verpassen. Erste Amtshandlung des Tages ist daher der Besuch am Rim, bewaffnet mit Handy, Kamera und Stativ. Es sind doch etliche Mitbesucher ebenfalls bereit, früh aufzustehen, aber es gibt kein Gedrängel, der Rand ist weit genug für alle.

Wir stehen vielleicht nicht am idealsten Punkt für einen Sonnenaufgang (hier wären Mather Point oder Hopi Point besser gewesen, aber dazu hätten wir ja unseren Fury bewegen müssen), aber trotzdem ist es wunderschön.

Zurück im Zimmer packen wir unsere Sachen und beladen Fury.

Dann gehen wir frühstücken, und zwar in die Bright Angel Lodge, da wir hier ja sowieso die Schlüsselkarten zurückgeben müssen. Wir bemerken, dass viele Besucher offensichtlich im El Tovar frühstücken wollen, denn irgendwie scheinen wir „gegen den (Besucher-)Strom“ zu schwimmen. Entsprechend wenig los ist im Restaurant der Bright Angel Lodge, und wir sind irgendwie gar nicht böse darum…

Noch ein Besuch im Souvenir Shop, dann machen wir uns auf den Weg. Das Wetter ist heute sosolala, in einem Moment scheint die Sonne, dann wieder zieht eine Regenwolke vorbei und es nieselt. Daher beschließen wir, es auch hier am Canyon mit Shuttlehopping zu versuchen. Also ein Stück an der Rim entlang zu laufen und ggf. den nächsten Shuttlebus zu nehmen, wenn das Wetter schlechter werden sollte. Mit Fury können wir nicht fahren – selbst wenn wir wollten -, denn Richtung Westen ist der Weg für Privat-PKW gesperrt.

Wir wählen den Weg Richtung Hermits Rest.

Vorbei am Trailhead des Bright Angel Trails, der sich deutlich erkennbar in den Canyon schlängelt, wandern wir auf dem Zeitpfad entlang der Rim.

Stopp, Sandy! Willst du wirklich runter an den Colorado River?

Das Wetter ist weiterhin sehr wechselhaft. Im einen Moment scheint die Sonne warm in den Nacken, im nächsten nieselt es. Generell weht ein stetiger Wind, ohne Jacke ist es zeitweise ziemlich unangenehm. Beim Laufen und teilweise Treppensteigen merkt man die Höhe, in der man sich befindet. Man hat zwar irgendwie den Eindruck, auf Meereshöhe zu sein (der Weg zum Canyon führt über eine flache Ebene, die so langsam ansteigt, dass man diesen Anstieg im Auto gar nicht bemerkt) und „in ein riesiges Loch“ zu schauen, aber in Wahrheit befindet man sich ja auf einem riesengroßen „Berg“ und der Canyon selbst ist noch etliche Meter über Meereshöhe. Jedenfalls kommt man schon außer Puste, wenn man nicht aufpasst.

Blick auf das Grand Canyon Village mit El Tovar Hotel (hinten links mit dem Turm) und den Lodges. Vorne das sog. Lookout Studio (das schwarze Gebäude am Abgrund)

Irgendwie muss man die Besucher bewundern, die sich auf den Weg nach unten in den Canyon machen. Runter geht ja noch, was die Atmung betrifft. Aber nach oben? Es geht ja praktisch stetig bergauf, und das über etliche Stunden. Dazu kommt die Wärme, sobald man über die Rimkante ist, lässt der Wind nach, dafür heizen sich die Felswände in der Sonne ziemlich auf. Kein Wunder, dass besonders im Sommer immer wieder Touristen, die ihre Fähigkeiten über- oder die Anstrengung unterschätzt haben, von den Rangern geholt werden müssen.

Bright Angel Trail

Man kann natürlich auch auf Maultieren ins Tal und wieder zurück reiten. Diese Tiere sind nicht nur sehr trittsicher, sondern auch sehr gut ausgebildet, so dass sie als recht sicheres Transportmittel gelten. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass ein stundenlanger Abstieg im Sattel für ungeübte Reiter auch eine ziemliche Qual bedeuten kann (und für das Muli dürfte ein ungeübter Reiter auch nicht gerade ein Vernügen sein).

Ich hatte bei der Planung kurz überlegt, ob …, aber dann nicht nur aus Zeitgründen von einer Mule-Tour-Buchung Abstand genommen.

Es gibt zwar auf dem Angel Trail zwei Schutzhütten, aber bis zur Phantom Ranch am Boden des Grand Canyon keine Übernachtungsmöglichkeit. Wer also nicht im Freien am Wegrand campen will (was eigentlich verboten ist), ist gezwungen, bis zur Ranch zu kommen bis zum Abend. Oder sich halt gar nicht erst auf den Weg zu machen.

Die Hance Rapids aus anderer Perspektive

Wir bleiben bei unserem Shuttlehopping und erreichen schließlich Hermit’s Rest, den westlichsten Punkt der Zivilisation am Canyon South Rim. Von hier aus geht der Weg nur noch für absolute Abenteurer mit Permit weiter.

Neben einem Souvenirladen im Gebäude befindet sich hier ein kleiner Kiosk, bei dem man Hamburger & Co. kaufen kann.

Allerdings ist uns die Warteschlange zu lang, wir halten uns an die mitgenommenen Snacks und genießen lieber die Aussicht, bevor wir den Shuttlebus zurück nehmen.

Noch haben wir etwas Zeit bis zu unserer nächsten „Verabredung“, daher schnappen wir uns Fury und fahren zurück zum Aussichtspunkt „Mather Point“, hier befinden sich das Informationszentrum sowie ein kleines Lokal und ein Museum.

Unterwegs treffen wir die Grand Canyon Railroad, die den Canyon mit dem Örtchen Williams verbindet.

Kaum haben wir einen Parkplatz gefunden, wandert unser Blick nach oben: eine große, fast schwarze Wolke hängt über dem Gebiet. Wir erreichen gerade noch das Zentrum, bevor der Himmel die Schleusen öffnet.

Kurz und heftig ist der Regenguss. Leider lässt er mich das Schlimmste für unser späteres Vorhaben befürchten.

Im Visitor Center

Der Regen ist vorbei und wir können uns endlich auf den Weg zur Aussichtsplattform machen. Bei schönstem Sonnenschein überblicken wir nun mit vielen anderen Besuchern den Canyon. Allerdings treibt der Wind weiterhin dunkle Wolken in unsere Richtung und über uns hinweg.

Da wir in dem kleinen Restaurant wieder eine ziemliche Schlange vor uns hätten, entscheiden wir, uns auf den Weg zu machen. Sicherlich werden wir unterwegs noch eine Burgerbude oder ähnliches finden.

Und wirklich, in Tusayan halten wir an einem großen M und gönnen uns einen Magenfüller. Dann geht es noch ungefähr 2 Meilen weiter, bis wir von der Straße abbiegen und unser Auto am Parkplatz des Flughafens abstellen.

Sandy möchte hier einen auf gemütlich machen, denn eigentlich wir haben noch viel Zeit, bevor wir uns anmelden müssen. Aber ich drängle. Schließlich wollen wir nicht nur einen Helikopterflug machen, sondern haben uns auch für die vorderen Plätze angemeldet. Und hier gilt: first come, first serve. Das sieht auch Sandy ein und wir gehen ins Aviationgebäude. Dort erhalten wir die Auskunft, dass unsere Gesellschaft im zweiten, älteren Flughafengebäude ist, das sich etwas weiter weg befindet. Mit dem angebotenen Shuttle ist der Weg aber schnell gefahren, und wir können uns am Counter melden.

Immer noch weht ein starker Wind, der mehr oder weniger dicke Wolken vor sich hertreibt.

Und tatsächlich werden meine Befürchtungen wahr: unser Flug ist abgesagt! Wir hatten die lange Tour gebucht, die ungefähr 1 Stunde geht und von Süden über den östlichen Teil des Canyons, an der Nordkante entlang und schließlich im westlichen Bereich zurück zum Flughafen gehen sollte. Aber die Flugsicherung hat alle Flüge über den östlichen Teil des Canyons wegen Gewitter und Sturm abgesagt.

Wir haben nun die Wahl:

  1. Wir kommen am nächsten Tag wieder (entfällt, da wir da schon ganz woanders sind),
  2. Wir hoffen auf Wetterbesserung und warten auf den nächsten, späteren Flug (sehr unsicher, ob sich wettertechnisch was ändert),
  3. Wir verzichten und lassen uns das Geld zurück überweisen (ist für uns keine bzw. die allerletzte Option),
  4. Wir buchen um auf die kürzere Tour, die nur über den westlichen Teil des Canyons führt, und erhalten den Differenzbetrag zur Grand Tour zurück oder
  5. Wir buchen um auf die kürzere Tour, erhalten die gewünschten Front Seat (die nochmal extra kosten) sicher und erhalten den noch übrigen kleinen Differenzbetrag zurück.

Wir entscheiden uns „natürlich“ für Option 5.

Es zahlt sich also aus, dass ich Sandy gedrängelt hatte. Denn wären wir nur 5 Minuten später dran gewesen, wären die Front Seat nicht mehr erhältlich gewesen. Denn die nächsten Besucher am Counter sind ebenfalls auf die Grand Tour eingebucht und erhalten daher die gleichen Auswahlmöglichkeiten – bis auf Option 5.

Wir nehmen im Wartebereich Platz und harren der Dinge, die da kommen. Unsere „Mitreisenden“ – so stellt sich heraus – sind ebenfalls Deutsche, mit einem jungen Pärchen kommen wir ins Gespräch. Sie sind im Wohnmobil unterwegs und fahren „unsere“ Strecke, nur in die andere Richtung. Sie sind zum ersten Mal in der Gegend und erst seit wenigen Tagen unterwegs. Der Grand Canyon ist ihr erster Nationalpark und sie haben ihn noch gar nicht gesehen. Wir plaudern also eine Weile, als dann eine deutsche Reiseleiterin dazukommt und uns erzählt, dass sie bestimmt schon 100 Mal hier war, den Canyon aber noch nie so klar gesehen hat. Durch das Unwetter ist die Luft so rein, dass man ewig weit gucken kann. Sandy bestätigt das, obwohl sie ja auch zum ersten Mal da ist. Aber sie hat schon recht, im TV sah alles immer sehr diesig aus. Wir haben also mal wieder Glück.

Dann wird ein Film mit Sicherheitsvorkehrungen abgespielt und wir müssen zugucken und erhalten dazu eine Schwimmweste bzw. irgendsowas in der Art. Ich zu Sandy: „Was glaubst du, jetzt mal so rein theoretisch, wie hoch ist wohl die Wahrscheinlichkeit, dass wenn wir über dem Grand Canyon abstürzen, wir ausgerechnet im Colorado River landen?“ Sie so: *pruuuust* Hmmm… 1:1.000.000???“

Dann geht es nach Draußen, wo wir unseren Piloten kennen lernen und einsteigen. Ich steige als erste ein und sitze daher vorne in der Mitte, Sandy hat den rechten Platz und der Pilot sitzt links von mir. Sandy hat somit das Frontfenster und das Seitenfenster, um Fotos zu machen.

Nachdem alle angeschnallt sind, heben wir ab. Es ist ein seltsames Gefühl, als der Helikopter nach vorne „kippt“ und Fahrt aufnimmt. Das Frontfenster reicht bis unter unsere Füße, wir können also – wenn wir wollen – fast senkrecht nach unten schauen (nicht unbedingt empfehlenswert). Ich hatte ja etwas Bedenken in Bezug auf mögliche Luftkrankheit, aber mein Magen zeigt sich erneut als doch recht stabil, und auch Sandy zeigt kein Zeichen von Übelkeit oder Unwohlsein.

Wir fliegen Richtung Nordwesten. Rundum Wolken, dazu Regen und heftiger Gegenwind. Aber unser Helikopter hält tapfer durch und kämpft sich weiter. Der prasselnde Regen auf der Frontscheibe erhöht nicht gerade den Durchblick und ich befürchte, dass es mit Bildern Essig sein kann, wenn es so weitergeht.

Die Sicht nach vorne hält sich sehr in Grenzen…

Unterdessen hat der Pilot ein Tonband eingelegt, und so hören wir über die Kopfhörer Informationen über die Gegend, die Historie und über den Canyon. Dazu gibt es eine Hintergrundmusik.

Wir nähern uns der Bruchkante, und in dem Moment, als wir sie überfliegen und der Helikopter nach unten sackt, erklingt die Eröffnungssequenz des bombastischen „Also sprach Zarathustra“. Ein irres Gefühl!

(Quelle: youtou.be)

Langsam nähern wir uns der Nordkante des Canyons, wo wir eine Schleife fliegen und parallel zur Hinfluglinie zurückkehren. Immer noch wechseln sich Regenschauer und kurzer Sonnenschein ab. Und wir erleben etwas, was man nur bei diesem Wechselwetter erleben kann: ein Regenbogen nach dem anderen erscheint!

Sandy bekommt mal wieder Krämpfe in ihren Auslösefinger, bei mir hält sich die Fotografierwut in Grenzen, da die beste Sicht für Fotos aus den Seitenfenstern ist und ich da entweder den Piloten oder aber Sandy im Bild habe. Das stört mich aber weniger – schließlich habe ich sie als Haus- und Hoffotografen mitgenommen, da darf sie sich austoben und ich in Ruhe genießen.

Nach 45 Minuten drehen wir eine letzte Schleife über dem Flughafen…

und setzen dann gefühlvoll am Parkplatz der Helikopter ab. Noch ein Posing am Heli nach dem Aussteigen (das Foto haben wir aber – mal wieder – nicht gekauft), dann dürfen wir die Sicherheitswesten ausziehen und sind fertig.

Das Erlebnis kurz zusammengefasst in einem Bild: Helikopter, Regenwolke, Sonnenschein und Regenbogen

Wir sind noch ganz geflasht. Ein supertolles Erlebnis, das ich nicht missen möchte und das ich jedem Grand Canyon-Besucher empfehlen kann. Es ist jeden Cent wert, den es kostet.

Wir warten auf das Shuttle, das uns abholen soll, das aber nicht kommt, weshalb ich am Counter nachfrage. Ein kurzer Anruf im Aviationgebäude, und kurz darauf steht unser Transporter bereit.

Auch unser Fury wartet immer noch brav auf seinem Stellplatz. Wir fahren weiter gen Süden, nächster Haltepunkt ist Williams, eine kleine Stadt mit Wildwest-Feeling, in der wir in einem Bed & Breakfast übernachten werden.

Auf dem Weg nach Williams

Das Sheridan House befindet sich ganz am Ende der Straße am Berg, das bedeutet wieder Koffer schleppen.

Das Sheridan House

Unsere Gastgeberin erwartet uns schon und zeigt uns unser Zimmer. Klein, aber fein, mit vielen kleinen Extras, die man gar nicht erwartet. Wer hat schon extra dunkle Handtücher im Bad liegen mit dem Vermerk „Zum Makeup-Entfernen“?

Nachdem wir uns eingerichtet haben, fragen wir Claire, unsere Gastgeberin, nach einem Restaurant-Tipp, worauf sie uns das „Red Raven“ in der Hauptstraße empfiehlt. Wir geben also die Adresse Historic Route 66 No. 135 ein in unser Navi und machen uns auf den Weg. Das Problem ist: unsere Tussi kennt mal wieder die Adresse nicht. Na ja, so schwer kann es ja nicht sein, schließlich gibt es nur eine Hauptstraße, die allerdings zweigeteilt ist (da jeweils Einbahnstraße). Was soll ich schreiben? Es ist stockfinster. Die Häuser haben keine Hausnummern. Und wir finden keine Reklame mit „Red Raven“. Dazu fängt es wieder an zu regnen ohne Ende. Kurz: wir finden dieses doofe Restaurant nicht!

Das Ende vom Lied ist, dass wir erneut das Lokal mit dem M aufsuchen und dort den schlechtesten und kältesten Burger unserer beiden US-Trips zu uns nehmen. Immerhin, wir haben etwas im Magen, und damit ist unsere Nachtruhe wenigstens gesichert.

Es herrscht himmlische Ruhe „zuhause“, wir scheinen völlig alleine im Haus zu sein – da allerdings drei Autos vor dem Gebäude parken, ist dies offensichtlich nicht der Fall. Müde und erschöpft fallen wir ins Bett. Gute Nacht!

zurück: 27. September 2016

weiter: 29. September 2016

Elephants, Indians and Dinosaurs

Wieder ein wunderschöner Sonnenaufgang.

Nach einem gemütlichen Frühstück im Restaurant geht es los, zurück via Kayenta nach Westen.

Die heutige Route

Die Abfahrt zu unserem ersten Tagesziel haben wir bereits auf dem Weg ins Monument Valley gesehen und bemerkt, dass sie viel besser ausgebaut ist als auf Streetview zu sehen. Daher besteht keine Gefahr, dass wir sie verpassen. Von der Kreuzung aus geht es einige Meilen ins Hinterland. Die Gegend scheint einsam und verlassen, eine Autopanne wäre sicherlich kein Vergnügen. Aber die Straße ist ganz ok, und wir erreichen unser Ziel problemlos.

Das „Navajo National Monument“ ist ein weniger bekanntes Besucherziel. Am Tsegi Overlook halten wir, um die erste Aussicht zu genießen.

Tsegi-OverlookDie Gegend ist geologisch etwas besonderes, wie uns eine Informationstafel erklärt.

Am Visitor Center wenige Meilen weiter stellen wir unser Auto ab.

Wir laufen auf dem

einem behindertengerecht ausgebauten Spazierweg entlang des südlichen Rim des Canyons bis zum Vista Point auf die alte Indianersiedlung Betatakin.

Gleich hinter dem Center entdecken wir eine nachgebaute Schwitzhütte, die man allerdings nicht betreten darf.

Hinweisschilder informieren über die Siedlung sowie über die Pflanzen- und Tierwelt der Umgebung. Betatakin ist ein Pueblo der Anasazi, der geheimnisvollen Indianergruppe, die Ende des 12./Anfang des 13. Jahrhunderts spurlos aus der Geschichte verschwand. Der Ort zählt zu den am besten erhaltenen Steinbauten dieses Volkes.

Insgesamt befinden sich hier im Park 3 Siedlungen, wovon 2 im Rahmen einer guided Tour besichtigt werden können (Betatakin und Keet Seel), der Zustand der dritten Siedlung ist kritisch, weshalb sie schon Ende der 60er Jahre für Besucher geschlossen wurde.

Selbst auf die Entfernung beeindruckt Betatakin durch seine schiere Größe.

Die Maße des Alkovens von Betatakin: 140 m hoch, 113 m breit und 41 m tief.

Eine genauere Besichtigung wäre sicherlich sehr interessant, allerdings dauern der Ab- und Wiederanstieg etliche Stunden, und diese Zeit ist heute nicht eingeplant.

Aber wir nehmen uns die Zeit und besichtigen wenigstens das Visitor Center etwas intensiver. Die dortige Ausstellung ist wirklich informativ und gefällt mir sehr. Es ist faszinierend, wie sich diese Menschen von dem scheinbar kargen Land ernähren konnten. Und das rätselhafte Verschwinden eines ganzen Volkes macht das alles noch interessanter…

Ein kleiner Sidestep in die Umgebung mit dem Auto wird leider durch eine Baustelle gestoppt. Trotzdem entdecken wir eine kleine Wasserstelle, die sicherlich von den Tieren der Umgebung gerne genutzt wird.

Wir fahren zurück auf den Highway 160, dem wir nach Westen folgen, vorbei an der Straße nach Page, die wir vorgestern in umgekehrter Richtung gefahren waren. Heute geht es einfach weiter gerade aus.

Wir warten auf unser nächstes Ziel, das direkt an der Straße liegen soll. Eigentlich müsste es längst aufgetaucht sein, oder? Aber es dauert noch ein paar Meilen, dann sehen wir sie: die beiden Felssäulen, die unter dem Namen „Elephant Feet“ bekannt sind.

Auf dem Parkplatz unterhalb der Füße stehen etliche Verkaufsstände der Indianer, wo wir Schmuck und andere handwerkliche Kunstgegenstände kaufen könnten. Aber uns interessieren nur die „Füße“, die wirklich gewaltig sind, viel größer, als wir gedacht hatten.

Erst mit einem Größenvergleich bekommt man ein Gefühl, wie hoch die Füße tatsächlich sind.

Auch hier in der Gegend hat es in den letzten Tagen geregnet, einige Stellen am Boden sind noch weich und feucht. Und neue Blumen sind aus der Erde gesprossen.

Der Highway 160 heißt auch „Navajo Trail“, denn wir befinden uns immer noch auf Indianerland. In Tuba City fahren wir zum Tanken, dann geht es weiter. Gespannt warten wir auf Hinweise auf unseren nächsten eingeplanten Halt. Schließlich entdecken wir ihn und Sandy macht aus dem fahrenden Auto ein Foto, denn dieser Hinweis ist wirklich sehenswert…

Allerdings sind die darauf gemachten Entfernungsangaben irreführend und irgendwie falsch gemessen, es dauert länger als gedacht, bis wir rechts den Weg zum Parkplatz entdecken.

Einige Verkaufsbuden kennzeichnen den Beginn des Geländes, auf dem man Dinosaurierspuren finden kann. Stolz weist ein Schild darauf hin, dass Parken kostenlos ist. Vom Internet wissen wir, dass kein Eintritt verlangt wird, sondern dass man von einem indianischen Führer abgeholt wird, der den Weg zu den Spuren kennt und die verschiedenen Abdrücke den diversen Dinos zuordnen kann.

Uns empfängt ein junger Bursche, so 14-16 Jahre alt, und bietet sich als Führer an. Großer Fehler! Groooooßer Fehler! Das Kerlchen ist zwar nett, hat es aber fürchterlich eilig und rennt fast von Spur zu Spur. Dabei wirft er uns die diversen Dinonamen an den Kopf, so schnell und hastig, dass man sich das gar nicht richtig merken kann. Von in-Ruhe-Foto-machen mal völlig abgesehen – aber Fotos werden sowieso total überbewertet.

Ein paar haben wir aber doch gemacht… Die kleineren Abdrücke werden mehr oder minder häufig mit Wasser gefüllt, damit man sie gut erkennen kann.

Bei den großen Abdrücken sind die Umrisse mit kleineren Steinen gekennzeichnet.

Vergleich mit Sandys Fuß

.Auch ein Dino-Nest mit Eiern ist zu finden, wenn man weiß, wo es sich befindet.

Nun ja, wir sind die Strecke in ungefähr 10 Minuten „überflogen“, ich schätze mal, ein anderer Führer hätte mindestens die doppelte Zeit gebraucht. Trotzdem oder vielleicht auch genau deswegen gebe ich dem Kerl ein ansehnliches Trinkgeld.

Die Dinosaurier-Tracks bei Tuba City sind vielleicht kein „Must“, aber da man ja nicht gerade überall über solche Spuren stolpert, schon ein „Can see“. Und sie bieten eine nette Abwechslung für eine kurze Fahrpause.

Inzwischen ist die Mittagszeit vorbei und wir nähern uns endlich unserem heutigen großen Ziel.

Nach vielen Meilen Autofahrt passieren wir die Kassenhäuschen des „Grand Canyon National Park“, den wir mal wieder anhand unseres Nationalparkpasses bargeldlos betreten bzw. befahren dürfen. Diese Karte, für die wir ja nur den halben Preis bezahlt haben, hat sich ohne Frage bezahlt gemacht.

Erster Halt am „Großen Tal“ ist am Watchtower im Osten, von dem man den ersten Eindruck erhält. Hier am Watchtower befindet sich auch das Memorial für die in den 60er Jahren bei einem Flugzeugabsturz umgekommenen Passagiere.

The Watchtower

Im Turm, den man besteigen kann, befindet sich eine kleine Künstlerausstellung sowie eine “Zweigstelle” des Visitor Centers mit Souvenirs.

Erster Blick auf den Canyon (östlicher Teil) mit Colorado River
Links im Hintergrund das Kaibab Plateau (2.400 m), rechts vom Fluss die Marble Platform (ca. 1.800 m)

Wir arbeiten uns nun von Vista Point zu Vista Point vor. Aufgrund der Größe des Canyons werden wir morgen nur im westlichen Teil unterwegs sein, deshalb ist heute der östliche Teil „dran“.

Der östliche Canyonteil vom Watchtower bis zum Grand Canyon Village

Ausblick auf die Hance Rapids des Colorado, eine der wohl gefährlichsten Stromschnellen des Flusses.

Blick auf den Watchtower im Osten

 

Die Formationen haben zum Teil wieder Namen, aber mir merken und sofort erkennen kann ich nur zwei: Isis’ Tempel und Wotan’s Throne.

Über dem Canyon fliegen mehrere Truthahngeier, sie können hier in den Aufwinden durch die Luft schweben, ohne auch nur ein Federchen bewegen zu müssen. Sie landen schließlich auf einem Felsvorsprung nicht weit von unserem Standort, erst einer, dann zwei und schließlich sogar drei.

Leider sind wir nicht die einzigen, die das bemerken, weshalb ich Sandy mit ihrer Kamera den Vortritt lasse und beiseite trete, damit auch andere Besucher eine gute Schussposition erhalten. Nicht, dass noch einer im Graben landet…

So arbeiten wir uns von Punkt zu Punkt vor. Auch wenn die Aussicht sich dadurch nicht spektakulär ändert, ist sie einfach faszinierend. Während am Bryce Canyon die Masse der Hoodoos begeistert, ist es am Grand Canyon die pure Weite und Größe dieser Schlucht.

Ein Blick auf die Uhr sagt uns, dass es Zeit wird, zum Hotel zu fahren. Dieses befindet sich westlich des Visitor Center im Grand Canyon Village, das im Prinzip aus 4 Hotels mit Restaurants besteht.

Das Grand Canyon Village von oben (Quelle: Google Maps). Der rote Kreis zeigt etwa die Lage unseres Zimmers an.

Unser Hotel von der Rim-Seite aus fotografiert.

Die “Thunderbird Lodge” besitzt keine eigene Rezeption, sondern wird von der Bright Angel Lodge mitverwaltet. Leider ist bei allen Hotels die Parkplatzsituation sehr schlecht, und wir müssen einige Zeit im Kreis fahren, um uns dann doch direkt vor der Bright Angel Lodge eine nicht ganz regelkonforme Stelle zum Halten auszusuchen. Check-in ist wie üblich ohne Probleme, wir erhalten die Schlüsselkarten und den Rat, einen Tisch fürs Abendessen (egal in welchem Lokal) telefonisch vorzubestellen und nicht auf gut Glück ins Restaurant zu gehen. Das kann ich lächelnd beiseite schieben, denn ich habe bereits von Deutschland aus eine Reservierung im vornehmsten Hotel, dem „El Tovar“, reserviert.

Erneut machen wir uns auf Parkplatzsuche, was aufgrund der Einbahnstraßenregelung ein recht aufwändiges Unternehmen ist. Als wir zum 4. Mal an der Thunderbird Lodge vorbeicruisen, winkt uns ein junger Mann vom Straßenrand aus zu und bedeutet uns, das Fenster zu öffnen. Wie es sich herausstellt, gehört er zu einem Gärtnertrupp, der gerade um die Lodge herum tätig ist. Ihm sind wir offensichtlich aufgefallen und er fragt, ob wir einen Parkplatz suchen. Was wir natürlich eifrig bejahen. Worauf er uns den Parkplatz anbietet, auf dem das Gärtnerfahrzeug steht, denn „wir sind für heute fertig und fahren jetzt los, da könnt ihr euch hinstellen.“ Ich könnte ihn umarmen und abbusseln… Wie es sich herausstellt, liegt der Parkplatz auch noch ganz ideal direkt am Zugangsweg zur Lodge.

Einmal geparkt ist uns klar: unser Fury hat erst einmal Ruhepause, der wird nicht mehr bewegt, bis wir endgültig weiterfahren müssen…

Unser Zimmer befindet sich im 1. OG, leider hat die Lodge keinen Fahrstuhl und wir müssen das Gepäck mal wieder die Treppen hochschleppen. Unser Zimmer ist aber ganz ok, der Ausblick auf den Canyon ist vorhanden, wenn auch nicht so großartig wie erhofft, da wir über das Dach des Erdgeschosses sowie den Weg am Rim entlang hinwegsehen müssen. Aber immerhin, man sieht ihn.

Nun ist es Zeit, an den Rim zu gehen, denn der Sonnenuntergang steht bevor.

Zurück im Zimmer machen wir uns ausgehfertig, denn in unseren Tagesklamotten möchten wir nicht gerade im „El Tovar Restaurant“ aufschlagen. Am Rim entlang laufen wir die wenigen Meter dorthin und werden auch gleich an unseren Tisch geführt.

Platzteller im El Tovar Restaurant

Unser Essen ist lecker und wir sind wirklich zufrieden mit dem Ausklang des Tages.

Abendessen

Nachtisch

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weiter: 28. September 2016

John Wayne Country

a.k.a. The Wild Wild West

Rechtzeitig zum Sonnenaufgang sind wir fotobereit auf der Aussichtsterrasse. Allerdings haben wir eigentlich nicht viel Zeit, denn unser Tagesplaner ist voll.

Für ein Frühstück ist heute mal wieder keine Zeit. Bereits um 7 Uhr warten wir – wie in unserer Buchungsbestätigung gefordert – am Parkplatz des Visitor Center neben dem Hotel auf den angekündigten roten Jeep. Leider lässt der auf sich warten.

Warten auf Tony

Schließlich bin ich total unsicher, ob wir wirklich richtig stehen. Es gibt da ja noch einen Parkplatz direkt an der Kreuzung zum Hotel. Hoffentlich steht Tony – so soll unser Fahrer heißen – nicht dort und ärgert sich, dass wir nicht kommen.

An einer Bude auf der anderen Seite des Parkplatzes (wo ebenfalls Touren ins Valley angeboten werden) sehe ich ein paar Männer stehen und entschließe mich, dort nachzufragen. Schließlich kennen sich die Betreiber der Touren hier alle untereinander.

Von den 3 Navajo werde ich freundlich begrüßt, und als ich mein Problem schildere, wird mir angeboten, bei der Company anzurufen. „Kostet dich auch nur 10 Dollar!“ frotzelt der eine. Ich kontere „Für den Preis kann ich selber anrufen, ich hab ein Handy!“ (natürlich alles in Englisch), worauf wir alle lachen. Von wegen, die Indianer seien humorlos… Ein Anruf – von dessen Inhalt ich nichts verstehe, da auf Navajo – ergibt die Auskunft, das Auto sei noch zum tanken und käme gleich.

Also warten wir weiter. Wobei ich den Verdacht hege, dass unsere Tour schlicht und einfach vergessen wurde, schließlich habe ich die schon vor einem Jahr gebucht.

Mit einer halben Stunde Verspätung taucht ein Transporter auf. Kein Jeep, aber mit dem richtigen Logo auf den Türen. Und der Fahrer heißt auch nicht Tony, sondern nennt sich Marcus.

Es stellt sich heraus, dass wir heute die einzigen Teilnehmer der Ganztagestour sind. Sozusagen eine Privatführung.

Im offenen Wagen geht es nun auch sofort los. Die Straße ins tiefer gelegene Monument Valley ist die ersten Meter ja noch ganz ok, aber dann wandelt sich die Straße in eine holprige Schotterpiste. Kein Weg für Fury!

Man muss dazu wissen, dass man eine bestimmte Strecke durch das Tal mit dem eigenen Wagen fahren darf. Ein Abbiegen auf die Seitenwege ist allerdings nicht gestattet, und so verpasst man einiges, wenn man auf eigene Faust unterwegs ist. Mit einer geführten Tour – egal welche zeitliche Länge – kommt man auch in weitere Bereiche, deren Wege noch schlechter sind als die Schotterstraße. Im Tal leben verstreut diverse Navajo-Familien, die nicht unbedingt ungebremst als Touristenattraktion dienen wollen. Es gibt ein paar vorbereitete Gebäude, zu denen man gebracht wird und die einen Eindruck geben, wie die Navajo leben (oder gelebt haben). Aber die erreicht man – wie gesagt – nur durch eine geführte Tour.

Unsere Tourgruppe

Unsere Ganztagestour wird zweigeteilt sein: heute Morgen das eigentliche Monument Valley, dann gibt es eine Pause am/im Hotel, und am Nachmittag geht es in ein Nachbartal, das ohne Tourguide überhaupt nicht betretbar ist.

Da wir nur zu zweit sind, haben wir viel Platz auf unserer offenen Rückbank. Allerdings fehlt dadurch auch jemand zum Ankuscheln und Warmhalten. Denn obwohl die Sonne scheint, ist es noch ziemlich frisch so auf der offenen Ladefläche. Und im Schatten der Buttes und Mesas ist es ehrlich gesagt saukalt.

Die Fahrt dauert ca. 4 1/2 h. Jede Felsformation, jeder Butte, jede Mesa haben Namen. Das kann man sich gar nicht merken. Ich versuche mal, die Fotos zuzuordnen, ich hoffe, ich mache nicht allzu viele Fehler…

Elephant Butte

The Pharao

The Three Sisters

The Hub (= Die Nabe, Zentrum eines Wagenrads)

Rain God Mesa

The Totem Pole (links) mit The Yei Bi Chei – Tänzer, die aus einem Hogan (indianische Wohnhütte) kommen mittig bis rechts

„The Window“ – und nein, die Reiter waren nicht bestellt, diese Begegnung war Zufall.

The Thumb

The Rooster (der Hahn) – andere sehen einen heulenden Koyoten wie im Trickfilm

Camel Butte – wir sehen hier eher den schlafenden Snoopy

Im Laufe des Tages beginnen wir, die unmöglichsten Formen und Gebilde in den Felsen zu erkennen und zu benennen.

The Eagle


The Horse, das mich irgendwie an die ]blauen Pferde von Franz Marc erinnert

Zwischen all diesen Steinen steht ein kurzer Besuch in der Nähe von The Hub an. Hier stehen Hogans und wir lernen, dass es männliche und weibliche Hogans (Erdhütten) gibt.

Der größere Hogan wird von den Frauen bewohnt, der kleinere gehört den Männern. Dazu gibt es noch eine kleine, halb unterirdische Hütte, das Schwitzhaus.

Links männlicher Hogan, rechts der weibliche

Im weiblichen Hogan treffen wir eine alte Navajo, die uns zeigt, wie traditionell aus Schafwolle ein Faden gesponnen wird und wie diese Wolle dann zu Teppichen und Tüchern verarbeitet werden. Das Ganze ist kostenlos, es wird allerdings erwartet, dass man ein Trinkgeld nach eigenem Gusto gibt. Man kann natürlich auch eines der Ergebnisse oder handgemachten Schmuck etc. erwerben.

Ya ah teeh – Willkommen / ShiK’is – Freund / Hoshdee – Wie geht es dir?

Neben den gezeigten Felsformationen gibt es noch viele andere Formen, u.a. auch Löcher im Fels.

Big Hogan – man kann hier mit Fantasie in der Wölbung einen liegenden Hasen erkennen

Der Hase im Big Hogan

Moccasin Arch

Sun’s Eye

Ear of the Wind

Überall im Tal – bzw. wenn man weiß, wo man schauen muss – findet man Zeichen der früheren Bewohner. Auch hier haben sie Zeichnungen an den Wänden hinterlassen und Lehmbauten / Vorratshäuser unter geschützten Vorsprüngen.

Petroglyphen

Nachdem vor vielen Jahre eine Rockergruppe im Tal gewütet hat und etliche der von den Navajo verehrten Bauten zerstörte, sind die leichter erreichbaren Reste heute durch Zäune gesichert. Schade, das das sein muss…

Eidechse am Schutzzaun

Mustangs der Navajos

Ab und an gibt es auch Stände, wo die Navajos Schmuck verkaufen. Besonders bei deutschen Touristen ist das laut TripAdvisor ein Grund, die Navajos zu verteufeln. Wir können das überhaupt nicht nachvollziehen. Niemand ist jemals irgendwie aufdringlich, ganz im Gegenteil, wir werden nicht mal darauf angesprochen, ob wir was kaufen wollen. Die Stände sind da und man kann hingehen oder es lassen. Ganz einfach.

Verkaufsstand der Navajo

Einer der schönsten Punkte des Monument Valley: Artists‘ Point
Man erwartet förmlich, John Wayne durchs Bild galoppieren zu sehen.

Während wir am Morgen völlig alleine am bekannten John-Ford-Point waren und vergeblich auf den berühmten Cowboy warteten (der lag entweder noch im Bett oder hatte sein Pferd noch nicht eingefangen), sehen wir, als wir kurz vor Mittag an der Stelle vorbeikommen, dass er nun posiert. Für uns allerdings „auf der falschen Seite“ und viel zu weit weg. Immerhin, man sieht ihn.

Zurück im Hotel haben wir eigentlich eine Stunde Pause. Aber erst einmal entdecken wir einen roten Jeep. Und Marcus ruft mich zur Fahrerseite, wo der mysteriöse Tony hinter dem Lenkrad sitzt. Der ist ziemlich überrascht, dass wir tatsächlich eine Bestätigung für die Tour haben. Wie gedacht: die ist einfach untergegangen. Von wegen Tanken mit dem Auto. Vermutlich wurde durch den morgendlichen Anruf notfallmäßig Marcus verständigt, dass der uns betreut. Egal, die Tour war bisher gut, wenn auch kalt, aber dafür kann der Veranstalter nix. Daher bezahle ich auch ohne Gemurre den noch ausstehenden Betrag.

Quelle: http://www.chiropratique-reims.fr

Kurze Erholung im Zimmer, dann gehen wir erneut zum Parkplatz, wo wir nun mit Marcus als Fahrer in den Jeep einsteigen. Es geht erst einmal eine ganze Strecke auf der Straße entlang, bis wir plötzlich auf einen Trampelpfad abbiegen. Ziel ist nun der Mystery Canyon.

Marcus erzählt uns, dass er schon 2 Jahre lang nicht in diesem Tal war. Das merkt man, er lässt sich viel Zeit an den Vista Points, um selber Fotos zu machen. Da er merkt, dass wir an allem interessiert sind, gibt er auch etliches an Hintergrundinformationen, das andere Besucher vielleicht nicht erfahren. Uns macht die Fahrt Spaß und ihm scheinbar auch.

Allerdings darf man sich das jetzt nicht so vorstellen wie am Morgen: die Gravel Roads im Monument Valley sind wahre Luxusstraßen im Vergleich zu den Spurrillen im Sand, denen wir jetzt folgen. Zeitweise neigt sich unser Jeep im fast 40-Grad-Winkel auf eine Seite, man hat dabei irgendwie immer ein „Oh Gott, wir kippen“-Gefühl.

Der Mystery Canyon wirkt völlig anders als das Monument Valley, dabei sind sie nur wenige Meilen auseinander.

Auch hier findet man immer wieder Zeichen der Ureinwohner.

Vorratshäuser der Anasazi

Da die Bilder keinen Eindruck von der Größe der Felswände geben, hier mal eines mit unserem Jeep zum Vergleich:

Erstaunlich ist, dass wir über die ganze Fahrt kein Wildtier zu Gesicht bekommen. Nur ein paar Echsen sind zu entdecken.

Größenvergleich mit Marcus

Keiner am/im Auto, Türen sperrangelweit offen, Wertsachen drin – wer soll uns hier schon beklauen?

Wir halten dann an einem Hügel. Ich widme mich den vielen Blümchen, die dort wachsen, und Marcus meint zu Sandy „I’m gonna climb that hill! You come with me?“. Sie so: „Ehhhh… *hügelanglotz*… no!“ Er lacht und sprintet nach oben. Oben meditiert er dann oder betet oder was man als Navajo auf so einem Hügel halt macht. Sieht jedenfalls ziemlich entspannt aus, siehe Bild.

Sandy meint, sie hätte es schon hoc hgeschafft. Aber eventuell nicht mehr runter. Sie hat stattdessen also ein Tierskelett fotografiert. Auch… äh, interessant.

Auf dem Rückweg entdecken wir einen großen Vogel auf einer Felskuppel sitzend. Marcus ist sich sicher, dass es sich um einen Golden Eagle handelt.

Ein Golden Eagle?

Allerdings streift der Vogel ab, bevor wir sicher sein können, und verschwindet hinter den Felsen. Egal, für uns ist es ein Golden Eagle, und Marcus sagt, der Anblick eines solches gilt bei den Navajos als Glückszeichen.

Bevor wir zurückfahren, biegt Marcus noch in einen weiteren holprigen Weg ein. Er will uns zeigen, wo er mit seiner Familie wohnt. Dann aber geht es endgültig wieder zum Hotel. Uns schwirren die Köpfe vor lauter Eindrücken…

Am Hotel möchten wir noch ein paar Bilder an der Aussichtsterrasse machen, was sich aber als schwierig herausstellt. Es gibt hier einen Felsen, der sich für Fotos anbietet, und dieser ist schwer belagert. Vor allem eine junge Frau fällt auf, die offensichtlich ihren Haus- und Hoffotografen dabei hat. Sie posiert in allen möglichen und unmöglichen Positionen, und der arme Kerl tanzt dabei ganz nach ihrer Pfeife und macht, was sie sagt. Eigentlich ist es schon recht lustig, wie sich dieses „Fotomodell“ verhält, auch wenn sie besagten Felsen lange Zeit okkupiert.

Später beobachten wir, dass sie sich die gemachten Fotos in der Kamera ansieht und sichtlich nicht zufrieden ist mit dem Ergebnis. Worauf sie auf der Brüstung der Aussichtsterrasse erneut ihre Bewegungsübungen veranstaltet und ihr Begleiter wieder den Auslöser drückt…

Lustig ist es, von hier oben die Straße ins Valley zu beobachten. Zu dieser Tageszeit ist recht viel Verkehr.

Rush hour am Monument Valley Drive

Wir sehen unter anderem einen Ford Mustang, der den Weg hinabgetrieben wird. Aus unserer Erfahrung befürchten wir das Schlimmste, denn man mag die „Straße“ mit SUV oder per echtem Pferd problemlos bereisen, mit einem Sportauto wird das Ganze aber bestimmt kein Vergnügen. „Ob der die ganze Strecke fährt?“ fragen wir uns. Und tatsächlich taucht der Mustang nach knappen 10 Minuten wieder auf…

Endlich ist der Fotofelsen für uns frei.

Ein Besuch im Monument Valley ohne Foto mit DIESEM Hintergrund sollte unter Strafe stehen.

Erneut erwartet uns ein herrlicher Sonnenuntergang. Der Ausblick ist einfach grandios, man wird nicht satt, dem Farbenspiel zuzusehen.

Beim Abendessen im Restaurant gibt es heute keine Experimente… Salat und Tacos – da kann man nicht viel falsch machen

zurück: 25. September 2016

weiter: 27. September 2016

Beams and Buttes

Der Wecker klingelt heute um 5:30 Uhr, denn wir wollen den Sonnenaufgang am Horseshoe Bend erleben in der Hoffnung, dass es nicht soooo viele Frühaufsteher gibt, die das wie wir vorhaben.

Nun ja, es ist etwas Betrieb am Parkplatz, aber kein Vergleich zu gestern Abend. Und die Besuchermenge setzt sich offensichtlich mehr aus Hardcore-Fotografen zusammen denn aus Normalotouris. Nur eine Gruppe kichernder Teenager, die offensichtlich eher neue Facebook-Avatar-Selfies benötigen denn interessante Sonnenaufgangsbilder, nervt in etwas Entfernung.

Von der Stelle, an der ich mich hingesetzt habe, kann ich nur einen kleinen Teil des Bends einsehen. Aber das stört mich gar nicht.

Noch ein Bild von Sandy…

… und von den Spuren im Sand …

 

… dann ist es Zeit, zum nächsten Programmpunkt zu fahren, der ein paar Meilen außerhalb von Page stattfindet.

Dazu müssen wir ins Stammesgebiet der Navajos, denn der Lower Antelope Canyon liegt genau wie sein Bruder, der Upper Antelope Canyon (den wir später besuchen werden), auf dem Gebiet der Navajo Nation.

Wir waren sehr gespannt, denn im Internet liest man immer wieder, die Indianer seien sehr unfreundlich und kurz angebunden. Ich bin froh schreiben zu können, dass die Indianer, die wir getroffen haben, durchweg nett und freundlich und hilfsbereit waren. Wie so oft gilt auch hier wohl „Wie man in den Wald hineinruft…“

Wir haben – auch wenn ich mich nicht dazu zähle – die Spezialtour für Profi-Fotografen gebucht. Während die Normalos in großen Gruppen mehr oder weniger herdenmäßig durch die Slot Canyons getrieben werden, ist die Teilnehmerzahl bei den „Photographers‘ Tours“ begrenzt. Außerdem darf bzw. „muss“ man hier ein Stativ dabei haben und sollte auch eine Spiegelreflexkamera vorzeigen können. Wobei es niemanden interessiert, dass meine G3X eine Bridgekamera ist.

Nachdem wir also unsere Tickets abgeholt haben, müssen wir noch ein paar Minuten warten, dann kommt unser Tourguide Josh und führt uns durch einige Normalotourgruppen hindurch zum Eingang des Lower Antelope Canyon. Dieser befindet sich im Boden, man muss sich durch einen schmalen Spalt nach unten durchzwängen, was mit Stativ und Kamera (wenn auch ohne Rucksack, der muss nämlich im Auto bleiben) gar nicht so einfach ist.

Ist man dann am Boden angelangt, bleibt einem so ziemlich der Mund vor Staunen offen. Auch wenn man wie wir viele Bilder im Internet angeschaut hat, in live ist das Ganze doch etwas ganz anderes…

Lassen wir Bilder sprechen…

 

Die Felsformationen haben natürlich auch oft Namen.

Der Bison

The Eagle

Landy in the Wind

Diese Farben, Strukturen und Muster sind einfach nur…. wow. Selbst eine Fehleinstellung der Kamera ergibt hier ein interessantes Ergebnis.

Während wir am Fotografieren sind, versucht unser Guide, die Normalotourbesucher von uns fern zu halten. „Who is the next guide?“ schallt es dauernd durch den Canyon. „Keep your visitors aside, we have a photographers‘ tour here!“ Denn wir sollen möglichst die Gelegenheit haben, unsere Aufnahmen OHNE Touriköpfe zu bekommen. Das klappt nicht immer, aber doch – da man eigentlich fast immer schräg nach oben fotografiert – ganz gut.

Insgesamt sind es – so erklärt unser Guide – 6 verschiedene Gesellschaften, die die Canyons anfahren und Touren anbieten. Man kann sich also vorstellen, wie viele Menschen hier täglich durchgeschleust werden. Wobei die Fotografentouren nur zweimal am Tag von 2 Firmen angeboten werden, wenn das Licht günstig ist für Beams.

Denn nur, wenn man zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle ist, kann man mit Hilfe von etwas geworfenem Sand die Sonnenstrahlen einfangen.

Ein „Wasserfall“ aus Licht und Sand

Die Zeit vergeht wie im Fluge, während wir uns durch die Enge kämpfen und versuchen, unsere Fotos zu machen. Schon geht es den gleichen Weg zurück, bis wir uns mit gegenseitiger Unterstützung aus dem engen Spalt quetschen.

Wir bedanken uns bei unserem Guide mit einem kleinen Tip und schnappen uns unseren Fury, um zurück nach Page zu fahren. Inzwischen ist die Autoschlange am Entry des „Lake Powell Navajo Tribal Park“ (so die offizielle Bezeichnung des Navajo-Gebietes um Page) ziemlich lange und der Parkplatz wesentlich voller als bei unserer Ankunft.

Die wenigen Meilen in die Stadt sind schnell zurückgelegt. Jetzt geht es zum Canyon Nr. 2, dem Upper Antelope Canyon. Dieser wird für uns zeitlich passend von einer anderen Gesellschaft angefahren. Während man zum Eingang des Lower ja mit dem eigenen Auto hinfahren kann, liegt der Upper am Ende eines Flussbettes ohne Weg und Steg. Daher sammeln sich die Gäste vor dem Geschäftssitz der Agency und werden auf offenen Wagen zum Canyon gefahren.

Wir lösen unsere vorbestellten Tickets aus – ein Navajo Permit haben wir ja bereits – und harren dann der Dinge, die da kommen. Schließlich kommt ein Navajo und ruft die Besucher mit roten Tickets zusammen. Das sind wir nicht, wir haben gelb. Aber da kommt er auch schon, der für uns zuständige Guide. Sein Name ist Abraham und er ist schon etwas älter.

Unsere Photographers‘ Tour besteht aus insgesamt 6 Personen (maximal sind es 8 Teilnehmer), alles Deutsche, wobei es sich um ein Pärchen handelt und zwei Freundinnen, die sich aber offensichtlich kennen, und uns. So haben wir gut Platz auf dem Truck.

Die erste Hälfte der Fahrt führt auf der Straße zurück bis zum Lower Antelope Canyon, dort geht es dann aber nicht nach links, sondern nach rechts ins wilde Gelände. Ohne Vierradantrieb hat man hier keine Chance. Allerdings merkt man, dass Abraham diesen Weg im Schlaf kennt, er rast über den Sand, als sei er auf dem Nürburgring.

Im Gegensatz zum Lower Canyon muss man sich beim Upper nicht durch irgendwelche engen Felsspalten zwängen, im Gegenteil, hier ist der Eingang ebenerdig und breit – sogar geeignet für Rainer Kallmund (kleiner Insider). Wer also Probleme mit Enge hat oder etwas korpulenter ist, sollte sich überlegen, nur den Upper Antelope Canyon zu besuchen.

Wieder verteidigt unser Guide unseren „Fotografierraum“ vehement gegen andere Besucher. Zusätzlich zeigt er uns aber auch genau, wo man am besten in welchem Winkel die Kamera ansetzt, um das optimale Foto heraus zu holen.

The Beauty and the Beast

Und er wird nicht müde, mit Sand die Beams herauszuholen.

Dragon’s Eye

Monument Valley

Zum Abschluss unseres Besuchs gibt es noch ein Foto neben der “Candle”.

Dann geht es wieder über das Bachbett holterdipolter zurück, wir sind ziemlich durchgeschüttelt, als wir an der Straße ankommen. Der weitere Weg ist dann regelrecht „angenehm“.

Im Nachhinein betrachtet bin ich heilfroh, dass wir uns für die teurere Fotografentour entschieden hatten. Wir wussten ja, dass es voll sein würde, aber wie viele Menschen hier unterwegs sind, davon hatten wir keine Vorstellung. Vielleicht wirkt es auch nur so voll, weil die Canyons nun mal „Slot Canyons“ sind, also gewundene schmale Wege zwischen hohen Felswänden. Hat sich der Besuch trotzdem gelohnt? Allemal! Würden wir das noch einmal machen? Aber ja, sofort!

Mit einem Tip verabschieden wir uns von Abraham.

Danke für die tolle Tour, Abraham!

Dann steigen wir in unser Auto und fahren das dritte Mal an diesem Tag die Strecke zu den Canyons, dieses Mal geht es allerdings weiter auf der Straße geradeaus.

Vorbei am Sleeping Indian – einer Bergkette, die wie ein liegender Indianer inkl. Federschmuck aussieht – folgen wir dem Highway 98 durch eine fast siedlungsleere Landschaft. Meilen um Meilen rollen wir dahin, der Weg zieht sich wie Kaugummi.

Eine wahre Abwechslung ist daher der „Square Butte“, an dem man unterwegs vorbeikommt.

Square Butte

Schließlich treffen wir auf den Highway 160, der uns unserem Ziel näher bringen wird. In Kayenta, einem Städtchen, das ich mir kleiner vorgestellt habe, müssen wir schließlich auf die 163 Richtung Mexican Hat. Jetzt sind es nur noch wenige Meilen bis zum Oljato-Monument Valley, das überall nur „Monument Valley“ genannt wird. Es liegt direkt an der Grenze Arizona/Utah mitten im heutigen Stammesgebiet der Navajo Nation.

Auf unserer ursprünglichen Route war dieser Besuch gar nicht eingeplant gewesen, irgendwie hatte ich mir die Entfernung dahin größer vorgestellt, bis mich eine Anmerkung von Sandy dazu brachte, das zu überprüfen. Und siehe da, mit ein wenig Umplanung konnten wir diese Attraktion doch unterbringen. Somit erreichen wir heute den östlichsten Punkt unserer Tour.

Eingebucht sind wir im „The View“ Hotel, das unter indianischer Verwaltung steht und das neben der Goulding’s Lodge die einzige Unterkunftsmöglichkeit direkt im Valley ist.

Nachdem wir erneut ein Navajo Permit erworben haben (das aus Page gilt hier nicht), checken wir ein und laden unsere Sachen aus. Unser Zimmer befindet sich – mal wieder – am Ende des Gebäudes gegenüber vom Notausgang (woher kennen wir das nur?), allerdings heute im Erdgeschoss.

Das Zimmer

Bad und Toilette

Dusche/Badewanne

Der geniale Balkon „mit Aussicht“

Da alle Zimmer im View nach Nord-Nordost blicken, haben wir einen tollen Blick auf zwei der bekanntesten Formationen: the Mittens und Merrick.

v.l.: West und East Mitten, Merrick

Die Mittens heißen so, weil sie eben jeweils einer geschlossenen Hand in einem Fäustling (= mitten) ähneln. Der Merrick wurde nach einem Prospektor benannt, der hier im Tal nach Silber gesucht hat.

Wir genießen den Sonnenuntergang auf unserem Balkon, dieser Ausblick ist nicht zu übertreffen.

Kaum ist die Sonne verschwunden, tauchen die ersten Fledermäuse/Bats auf und gehen an der Hotelfront entlang auf Insektenfang. Ich versuche, sie mit der Kamera zu erwischen, was aber gar nicht so einfach ist, die Kerlchen sind unheimlich schnell.

Fledermausalarm

Aufgrund der tollen Aussicht ist es eigentlich gar nicht nötig, noch einmal das Zimmer zu verlassen. Was wir natürlich trotzdem machen, schließlich müssen wir noch etwas essen.

Im hoteleigenen Restaurant finden wir einen Platz und bestellen uns navajotypische Gerichte. Nun ja, man kann sie essen, aber vom Stuhl vor Begeisterung fallen wir nicht.

Auf dem Rückweg in unser Zimmer entdecken wir, dass an der Hotelfassade Filme gezeigt werden, die im Tal spielen bzw. dort gedreht wurden. Eine lustige Idee.

Zurück im Zimmer versucht sich Sandy erneut an ein paar Sternenfotos, der Nachthimmel ist völlig klar und wolkenlos. Ich schiebe derweil mal wieder Fotos auf meine externe Festplatte, was schon ein Weilchen dauert.

Dann ist es endgültig Zeit fürs Bettchen, morgen heißt es wie so oft früh aufstehen.

zurück: 24. September 2016

weiter: 26. September 2016

On the Road again

Es scheint kühl gewesen zu sein in der Nacht.

Heute verlassen wir Bryce leider schon.

Als erstes Tagesziel steht „Mossy Cave“ auf der Liste, dazu fahren wir einen kurzen Abstecher nach Osten.

Erstes Tagesziel: Mossy Cave

Bei Mossy Cave handelt es sich um einen Felsüberhang, dessen Wasserfall im Winter gefriert. Es dauert bis zur Mitte des Jahres, bis dieser Eisfall aufgetaut ist. Jetzt im September ist es natürlich entweder zu spät für den Eisfall oder zu früh – je nachdem, wie man es sehen mag. Trotzdem ist der kleine Spaziergang mit dem steilen Aufstieg zur Höhle ganz nett. Er führt am Wasser des Tropic Ditch entlang, der nicht weit von der Höhle als kleiner Wasserfall eine Stufe im Canyon überwindet.

Wasserfall des Tropic Ditch

Der Felsüberhang des Mossy Cave

Schließlich drehen wir aber um und fahren zurück zum Red Canyon, wo wir noch unsere Nationalparkpassports abstempeln wollen. Dann geht es durch die Torbogen des Canyons den Weg zurück, den wir vor 2 Tagen in anderer Richtung gefahren waren.

Eigentlich hatten wir ursprünglich vom Mossy Cave aus weiter nach Südosten fahren wollen, um das Grand Staircase Escalante National Monument zu durchqueren. Allerdings handelt es sich bei dieser Straße um eine Gravel Road, also eine Schotterstraße, deren aktuelle Beschaffenheit allein der liebe Gott kennt. Da die drei Meilen Schotterstraße nach Bodie schon sehr anstrengend zu fahren war, stelle ich mir die 46 Meilen-Strecke durch die Staircase als mittlere Hölle für den Fahrer und für die Stoßdämpfer des Autos vor. Außerdem steht in den Mietverträgen der Autoverleiher generell, dass die Versicherung nicht mehr greift, wenn man geteerte Wege verlässt. Sprich: sollte etwas passieren – und ein Ford Mustang Sportwagen ist nun mal kein wirklicher Geländewagen -, dann stehen wir nicht nur irgendwo in der Pampa, sondern müssen auch die anfallenden Kosten fürs Abschleppen und Reparatur selber bezahlen. Daher fahren wir lieber die zwar längere, aber „normale“ Autostraße nach Süden und dann erst südlich der Staircase nach Osten.

Außerdem kommen wir auf diesem Weg auch wieder nach Orderville, wo wir erneut ein deutsches Frühstück bei Forscher’s genießen.

Kurz nachdem die Straße nach Osten abgebogen ist, verlassen wir den Highway, um zu einem unbekannteren State Park zu kommen. Der “Coral Pink Sand Dunes State Park“ hat uns vom Namen her interessiert, und da der Besuch keinen großen Umweg bedeutet, steht er auf unserer Liste. Die Fahrt dorthin zieht sich, aber der Weg lohnt sich auch.

Wir bezahlen unseren Obolus und parken Fury, dann geht es zu Fuß weiter. Die Dünen sind je nach Lichteinfall wirklich rosa gefärbt, der Sand ist weich und „fluffig“. Die Besucher verteilen sich auf der Fläche, und selbst die Buggy- und Quadfahrer stören kaum.

Nach einem kurzen Besuch im Visitor Center, das eine interessante Sammlung von Fläschchen mit Sand aus aller Welt zeigt, fahren wir zurück auf den Highway, dem wir etliche Meilen folgen.

Wir wissen, dass unser nächstes Ziel nur schlecht ausgeschildert ist, und trotz aller Aufmerksamkeit verpassen wir das Hinweisschild auch fast. Gut, dass nicht so viel Verkehr ist im Moment, so dass die Vollbremsung mit dem schwungvollen Abbiegen über die Gegenfahrbahn keine negativen Folgen hat.

Fury muss nun in der Sonne auf uns warten, wir machen uns auf den Weg zu den „Paria Rimrocks Toadstool Hoodoos“, von denen wir im Internet gelesen haben.

Wir folgen dem ausgetrockneten Bachbett.

Die Felsen erinnern irgendwie an Indianertipis.

Hier ist der Weg scheinbar zu Ende…

… aber nach einer mittleren Kletteraktion erreichen wir die höher gelegene Ebene, auf der es weiter geht.

Wie so häufig, werden wir bei unserer Wanderung fündig und entdecken einen kleinen Bewohner.

Auch seltsame Spuren finden wir. Wolf? Hund? Koyote? Man weiß es nicht.

Wir biegen um eine Felsecke und die Farbe der Felsen ändert sich. Und wir entdecken den unsere erste Hoodoos.

Noch ein wenig Gekraxel, und wir haben die Gruppe der „Steinmännchen“ erreicht.

Die Gegend wirkt auf den ersten Blick öde. Faszinierend durch die Felsformationen, aber irgendwie tot. Und doch finden sich zarte Pflänzchen und Blümchen zwischen dem Gestein.

Warum erinnert mich diese Formationen nur irgendwie an den Film „7 Zwerge – Männer allein im Wald“?

Wir versuchen, um die Felswand herum zu laufen/klettern/kraxeln. Das ist gar nicht so einfach, obwohl es hier scheinbar noch einen Weg durch ein ganzes Rudel von Hoodoos gibt.

Sandy gibt irgendwann auf und geht zurück, ich quäle mich noch ein Stückchen weiter. Und entdecke zwischen den Felsen ein Wasserloch…

… und einen weiteren großen dicken Hoodoo.

Es gibt auch kleine Hoodoos.

Eindeutig KEIN Hoodoo!

Zurück im Auto genießen wir erneut die Qualität der Klimaanlage und der Sitzkühlung. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zu unserem Übernachtungsort. Aber bevor wir dort ankommen, haben wir noch einen kleinen Zwischenstopp vor uns: der „Glen Canyon Dam“.

Die technischen Daten dieses Damms über den Colorado River lesen sich wie folgt: „Die Staumauer wurde vom Bureau of Reclamation geplant und von 1956 bis 1964 erbaut; die Kosten betrugen 187 Millionen US-Dollar. Mit 216 Meter Konstruktionshöhe (über dem gewachsenen Fels) ist sie die fünfthöchste Talsperre der USA. Die Höhe über dem ehemaligen Flussbett beträgt 178 m. Die Mauerkrone ist 475 m lang bei einer Breite von 7,6 m. Die Mauer ist am tiefsten Konstruktionspunkt 91 m breit, die größte Breite wird am rechten Widerlager mit 106 m erreicht. Die Mauer umfasst ein Betonvolumen von 3.750.000 m³. Aufgrund dieser Dicke kann man sie nicht mehr als reine Bogenstaumauer bezeichnen. Einen Teil der Wasserlast trägt sie auch als Gewichtsstaumauer ab; deshalb handelt es sich wie auch bei der Hoover-Staumauer um eine ‚Bogengewichts(stau)mauer‘. Während der Bauarbeiten mussten 4.212.551 m³ Sand und Gestein bewegt werden.“ (Quelle: Wikipedia)

Um in den 50er Jahren dieses Bauwerk zu errichten, mussten für die Arbeiter entsprechende Unterkünfte zur Verfügung gestellt werden, so entstand die Stadt Page. Aufgrund der Lage entwickelte sich Page nach Bauende zu einer Station für Touristen auf der Durchreise und für Bootsbesitzer, die den Lake Powell unsicher machen. – Es ist schon irgendwie „freaky“, wenn einem in der Halbwüste mitten im Nichts ein Auto mit Bootsanhänger oder mit Surfbrettern auf dem Dach entgegenkommt…

DIe heutige Fahrstrecke

Auch wir nutzen Page als Übernachtungsstation. Eingebucht sind wir in einem kleinen Motel in der „Altstadt“, wo wir statt des gebuchten Zimmers eine richtiggehende kleine Suite zugewiesen bekommen. Und das zu einem für Page mehr als günstigen Preis – die Stadt im Nirgendwo lässt sich ihre Hotelzimmer nämlich teuer bezahlen. Das Red Rock Motel bietet keinen Luxus, aber saubere Zimmer mit guten Betten in einer ruhigen Umgebung bei sehr netten Vermietern. Wir sind zufrieden.

Das Hotel – die Rezeption

Unser Fury vor unserem „Zimmer“.

Zimmer 1

Zimmer 2

Bad

Interessante Sitzmöglichkeit

Für heute stehen noch drei Punkte auf unserer to-do-Liste: Shopping,

Shopping

Essen und der Sonnenuntergang am Horseshoe Bend. Bei diesem handelt es sich um die wohl bekannteste Flußschleife des Colorado Rivers, die man einfach und kostenfrei besichtigen kann. Was vor ein paar Jahren noch ein Geheimtipp war, ist dank Internet inzwischen ein sehr beliebtes Ausflugsziel.

Das müssen wir spätestens bei der Anfahrt bemerken. Denn der ursprüngliche „wilde Parkplatz“ an der Straße wurde inzwischen ausgebaut und erweitert und – ist trotzdem zu klein. Neben den vielen PKWs, die dort stehen, halten inzwischen auch ganze Ausflugsbusse hier an. Wir ahnen „schlimmes“.

Und es sollte unsere schlimmsten Befürchtungen noch übertreffen. Um an den Bend zu kommen, muss man erst einen kleinen Hügel überqueren. Selbst oben vom Hügel aus sieht man die Schleife noch nicht, man kann nur erahnen, dass da irgendetwas ist. Allerdings betrifft das wirklich nur die natürlichen Begebenheiten. Anhand der Menschenmassen auf dem Weg und an der Rim ist eindeutig, dass es „da was Sehenswertes gibt“.

Es ist so viel los, dass man sich echt wundern muss, dass hier nicht öfter mal jemand „versehentlich“ in der Schlucht landet. Massen an Fotografen mit Kameras aller technischen Couleurs stehen aufgereiht am Felsrand, Stativ steht an Stativ.

Irgendwie stellen wir uns dazu und versuchen, auch ein Foto zu machen. Gar nicht so einfach, wenn der Nachbar einem den Ellenbogen in die Seite drückt oder seinen Dickschädel vor die Linse schiebt, um selber ein Bild zu knipsen.

Besonders unverschämt sind hier die chinesischen Besucher. Man kann sie eindeutig von den Japanern unterscheiden, denn diese sind höflich und bitten ggf. um ein Plätzchen. Für die Chinesen scheint aber jeder Quadratmeter, auf dem sie stehen, zum Reich der Mitte zu gehören. Und das Reich der Mitte ist ja bekanntermaßen der Nabel der Welt, um den sich alles dreht.

Eigentlich wollen wir noch – ein Tipp unseres Vermieters – zum örtlichen Golfplatz, denn dort soll man abends Kojoten und Roadrunners antreffen. Allerdings ist man gerade dabei, den Rasen zu mähen und zu wässern, so dass wir im Hinblick auf die anbrechende Nacht dann doch nicht Halt machen.

Für’s Abendessen suchen wir nach einem netten Lokal, das erste hat Wartefrist und ist voll, das zweite ist mehr ein Imbiss. Aber schließlich entdecken wir etwas abseits der Hauptstraße das “Strombolli’s“, das einen ganz netten Eindruck macht. Das Schöne ist: man kann hier draußen sitzen, was wir auch tun.

Das Essen ist ok, der Service ist flott. Satt und zufrieden fahren wir zurück ins Hotel.

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weiter: 25. September 2016

Hoodoos and Rocks

Die Nacht ist unruhig. Sandy bezeichnet sich selbst als „Querschläfer“, und seit dieser Nacht kann ich das bestätigen. Während sie nach und nach die Diagonale unseres Bettes erobert, darf ich mich auf einem kleinen Fleck zusammendrücken. Nun ja, sie schläft sehr fest und so kann ich sie ohne Wecken wieder auf ihre Bettseite zurückschieben.

Allerdings ist die Nacht so für mich nicht wirklich erholsam, und ich komme am Morgen nur schwer in die Gänge. Heute ist Sandy daher vor mir auf und checkt das Wetter. Der Blick aus dem Fenster bestätigt: es ist klar, und es ist kurz vor Sonnenaufgang. Sandy ist ratzfatz fertig und eilt nach draußen zum Sunrise Point, während ich mich noch in die Klamotten quäle.

Sie ist noch keine zwei Minuten weg, da piepst mein Handy. „Was hat sie denn jetzt vergessen?“ rätsle ich. Dann lese ich den Text… „Es hat geschneit!“ steht da. Ich schaue aus dem Fenster und tatsächlich, auf den Seitendächern des Innenhofs liegt Schnee.

Kamera schnappen, Jacke anziehen und raus. Es ist spitzenmäßig kalt. Die Luft ist klar, die Sicht ist gut. Ideale Foto-Voraussetzungen.

Auf dem Weg zum Rim.

Wie erwartet, entdecke ich Sandy am Sunrise Point.

Scherenschnitt-Sandy

Der Sonnenaufgang am Sunrise Point lässt die Felsen glühen.

Es ist eiskalt, aber einfach genial! Die Stimmung ist super und so gehen wir in der Lodge noch gemütlich frühstücken, bevor wir unsere Tour durch den Park starten.

Leider erwischen wir einen äußerst sonderbaren Kellner. Wir haben einen Platz am Fenster bekommen und als wir ihm sagen, dass es dort ordentlich zieht, grinst er nur grenz-debil und meint, dass das halt ein seeeeehr altes Haus sei, weil ja in den 1920er Jahren erbaut. Dass wir als Deutsche von einem hundertjährigen Haus jetzt nicht wirklich beeindruckt sind (wenn man überlegt, dass die Burg in Nürnberg um die 1000 Jahre alt ist – für einen Amerikaner unvorstellbar), juckt ihn auch nicht und er labert weiter. Sandy bestellt  Würstchen und bekommt Bacon. Das ist jetzt kein Drama und sie will auch nicht rummotzen, weil ihr der Typ eh so unsympathisch ist (der ist so bissl wie Dschungelcamp-Honey), aber ich spreche ihn drauf an. Und da antwort er dann tatsächlich völlig ironisch, so nach dem Motto „Ach Gott, was für eine Katastrophe!“. Keine Entschuldigung, stattdessen lacht er uns aus. Dann bringt er Sandy auf einem kleinen Teller zwei Würstchen, wovon eins auf den Boden fällt, während er es abstellt. Also kommt er nochmal mit einem einzelnen Würstchen angelatscht. Ein paar Minuten später kommt er dann wieder an und labert irgendwas von wegen „Eigentlich müssten Sie ja jetzt extra zahlen, weil jetzt haben Sie Bacon UND Würstchen!“ *hahahaha* Sandy kann darüber echt nicht lachen. Am liebsten hätte sie ihm „I F**KING HATE BACON!“ ins Gesicht gebrüllt, auch wenn das gar nicht stimmt. Was für ein Klappspaten… und sonderlich lecker was das Frühstück auch nicht…

Dann packen wir die für heute benötigten Sachen und los geht es. Die Straße führt westlich des Rim entlang nach Süden, die ganzen Vista Points befinden sich auf der östlichen Seite. Daher macht es Sinn, bis zum Wendepunkt am Rainbow Point zu fahren, um sich dann von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt vorzuarbeiten.

Der Bryce Canyon mit seinen View Points Kartenquelle: https://www.nps.gov/brca

Wir fahren also so vor uns hin, da ruft Sandy plötzlich: „Pronghorns! Da sind 3 Pronghorns!“ Natürlich ist hier an der Strecke weit und breit keine Haltemöglichkeit, geschweige denn ein Parkplatz. Schade, keine Fotos. Egal, davon lassen wir uns die Stimmung nicht vermiesen.

Langsam steigt die Straße an, je höher wir kommen, desto dichter wird die Schneedecke, bis wir schließlich kurz vor dem Wendepunkt quasi durch ein Winterwonderland im September fahren. Die Straße ist allerdings soweit schneefrei, nur an einer Kurve kommen wir ein klein wenig auf einer Eisfläche zum Rutschen.

Die Fernsicht ist ausgezeichnet.

So fahren wir von einem Aussichtspunkt zum nächsten.

Unsere Kugel ist auch wieder dabei.

Bei den „großen“ Aussichtspunkten erfährt man immer, wie hoch man gerade ist. Wenn die Angabe nicht gerade „verschneit“ ist.

Schließlich sind wir wieder am Hotel. Da wir zwei Aussichtspunkte nicht mit dem Auto anfahren dürfen (die Straße ist gesperrt), nehmen wir den nächsten Shuttlebus, der allerdings aus dem Park herausfährt. Wir müssen daher am Visitor Center umsteigen, um dann am Inspiration Point auszusteigen. Von hier aus könnte man theoretisch an den Bryce Point laufen, aber dieser Weg ist derzeit nicht begehbar, es wird ausdrücklich davor gewarnt, ihn zu betreten.

Wir gehen daher auch nur bis zur Absperrung, um ein paar Bilder zu machen. Dann kehren wir um und besuchen den Aussichtspunkt Inspiration Point.

Wir waren hier!

Diese Felsformation taufe ich bei mir „die Akropolis“.

Man kann natürlich auch im Canyon wandern oder reiten oder aber…

… auch die Gegend überfliegen. Suchbild: wer findet den Hubschrauber?

Da isser ja!

Wir laufen also am Rim entlang vom Inspiration Point aus nach Norden Richtung Hotel. Es wird zu einer Art „asiatischem Staffellauf“. Denn wie immer treten die asiatischen Besucher (egal ob chinesisch, japanisch oder sonst was) in Horden auf. Und bis so eine Gruppe dann nacheinander in allen möglichen Konstellationen vor einem bestimmten Baum am Abgrund posiert hat, das dauert. Egal, wie man vorgeht, es ist immer falsch. Lässt man ihnen den Vortritt, hängt man beim nächsten Aussichtspunkt hinter ihnen fest, überholt man sie, so haben sie zu 99,9% keine fotowürdige Stelle im Auge bis auf die, an der man selbst gerade steht. Es ist schon sehr anstrengend…

Blick auf den Inspiration Point

Bryce Canyon Einwohner

Der Weg zum Sunset-Point ist somit sehr kurzweilig und die Strecke wirkt gar nicht so weit. Wir laufen noch ein paar Schleifen des Navajo Trails bis zu der Öffnung im Felsen, von der man einen Blick auf die „Silent City“ werfen kann.

Man kann erkennen, wie steil teilweise der Weg in den Canyon ist.

Thors Hammer

Für eine Komplettbegehung des Trail Loops, für den man ca. 2 Stunden braucht und der mit 550 ft Höhenunterschied ziemlich anstrengend ist, ist es uns heute zu spät.

Stattdessen holen wir Fury und fahren zum North Campground General Store, um uns mit ein paar Kleinigkeiten einzudecken. Ein Besuch des Meadow, wo laut Shuttlebusfahrer eine Kolonie Präriehunde lebt, bleibt ohne Ergebnis, den kleinen Kerlchen scheint es schon zu kalt zu sein.

Wir kommen auf die Idee, die Strecke vom Morgen noch einmal abzufahren und nach den Pronghorns Ausschau zu halten. Und tatsächlich, Sandy entdeckt eines neben der Straße. Wieder genau dort, wo man nicht bzw. nur schlecht halten kann. Dieses Mal fahre ich aber nur bis zum nächsten Vista Point weiter und drehe dort, dann geht es zurück.

Das Pronghorn ist inzwischen weiter gewandert, aber wir entdecken es trotzdem. Und da gerade niemand in der Nähe bzw. kein Auto hinter uns ist, steige ich in die Eisen und fahre Fury scharf in den Graben in der Hoffnung, dass er später auch wieder aus dem Graben herauskommt.

Pronghorn/Gabelbock/Antilocapra Americana

Dass wir tatsächlich Pronghorns sehen bzw. eines fotografieren würden, hätten wir nie gedacht. Eigentlich waren wir eher auf die Präriehunde oder Dickhornschafe eingerichtet, aber die ließen sich ja nicht blicken.

Unser Fury ist ein braves Auto, ohne Probleme klettert er aus dem Graben wieder auf die Straße. Wir sind zufrieden mit dem Tag.

Heute haben wir keine Lust auf ein Dinner im Restaurant. Wir holen uns stattdessen eine frische Pizza aus dem Imbiss am Hotel, die wir gemütlich in unserem Zimmer verspeisen.

Ohne Kicherorgie geht es heute Abend zu Bett. Morgen haben wir wieder einen vollen Tagesplan.

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weiter: 24. September 2016

Red, Yellow and Orange

Der erste Blick am Morgen geht nach draußen. Es ist immer noch grau, aber es regnet wenigstens nicht mehr. Ein Frühstück entfällt, das Hoteleigene Lokal macht erst später auf, da sind wir schon unterwegs.

Aber das ist heute kein Problem, wir haben eine Alternative. Denn Sandy hatte unterwegs eine Werbetafel entdeckt, auf der eine deutsche Bäckerei Werbung macht. Und diese Bäckerei befindet sich in Orderville, das auf unserem Weg liegt.

Als allererstes machen wir uns aber auf die Suche nach der Bisonherde unserer Ranch. Denn die lassen sich auch heute Morgen nicht blicken, und das Gelände, auf dem sie sich befinden können, ist hügelig und riesig. Schließlich finden wir sie tatsächlich am hinteren Ende des Gatters, etwas versteckt zwischen ein paar Bäumen.

In der Hoffnung, dass es keine Probleme mit Überschwemmungen gibt, machen wir uns nach ein paar Fotos nun auf Tour. Die flashflood-Warnungsseiten im Internet weisen auf keine größeren Gefahren hin, also verlassen wir uns mal darauf.

Und es ist tatsächlich so, dass wir zwar einige Stellen auf der Strecke entdecken, wo in der Nacht die Straße überschwemmt war, aber es sind nur kurze Strecken voll Schlamm und Dreck. Die größte Gefahr ist die, dass unser Fury einen sehr schmutzigen Unterboden bekommt.

Unsere heutige Route

In Orderville halten wir nach der Bäckerei Forscher Ausschau und finden sie am für uns „hinteren“ Ende des Ortes. Ein schmuckes Holzhaus mit Schotterparkplatz davor lädt zum Halten ein.

Eine Schiefertafel zeigt, was man hier frühstücken kann: ein „German Breakfast“ mit gekochtem und Schwarzwälder Schinken, Käse, Tomate, Mozzarella, Butter und deutschem Brötchen (verschiedene Sorten zur Auswahl). Das muss es heute mal sein, dazu eine Tasse Kaffee… Genüßlich verschnabulieren wir alles bis auf den fürs Auge beigefügten Rucola-Salat (ohne Dressing). Es schmeckt herrlich!

Dann geht es weiter. Allerdings verlassen wir den Highway nach Norden bald, um einen Umweg zu fahren. An der Strecke liegt nämlich ein Gebiet, das sich „Cedar Breaks“ nennt. Es handelt sich dabei um ein National Monument, das sich als „kleinen Bruder“ unseres heutigen Ziels betrachtet. Die Strecke kann man zwar im Internet abfahren, aber von der eigentlichen Sehenswürdigkeit sieht man dabei nichts. Die Beschreibung allerdings ist vielversprechend und gleichzeitig „bedrohlich“, denn es wird gewarnt, dass es hier auch im Hochsommer oft nur 15-20 Grad warm ist. Und heute ist es ja schon „unten“ nur so 20 Grad warm.

Trotzdem fahren wir vom Highway ab und folgen der Straße Nr. 14, die sich langsam die Hügel hinaufwindet. Je höher wir kommen, desto herbstlicher wird es. Während am Highway unten die Bäume noch grün sind, haben hier die Birken bereits strahlend gelbe Blätter.

Schließlich kommen wir an die Abzweigung, die uns direkt zum Monument führen soll. Kaum abgebogen, sehen wir – nichts mehr. Denn hier liegt Nebel über der Straße, oder besser gesagt tiefliegende Wolken. Mit einer Sicht von 20 m macht das Fahren keinen Spaß, und ich bin schon drauf und dran zu drehen und zurück zu fahren, da wird die Sicht besser. Von Sonne ist aber weiterhin keine Spur.

Meile um Meile fahren wir nun durch bewaldete Hügel, immer höher führt die Straße. Endlich erreichen wir den Parkplatz des National Monuments. Eine kleine Hütte beherbergt einen Ranger, bei dem man eigentlich Eintritt bezahlen soll. Nun, wir haben ja die Nationalparkkarte, die gilt auch für die National Monuments. Bezahlen müssen wir also nix, aber es fragt auch keiner nach der Karte.

Vom Parkplatz aus geht es einen steilen Pfad auf den Berg. Wir wagen uns trotz der klitschigen Beschaffenheit auf den Weg und kämpfen uns nach oben. Im wahrsten Sinne kämpfen, denn mit jedem Schritt wird die Masse Schlamm, die sich an unseren Schuhen festklammert, größer und schwerer.

Aber wir erreichen den oberen Punkt und haben nun freie Sicht auf das Cedar Breaks National Monument. Es handelt sich um einen großen halbkreisförmigen Bergabbruch, bei dem sich im Laufe der Jahrhunderte durch Wind, Wasser und Temperaturwechsel bizarre Figuren aus dem Gestein gebildet haben. Sicherlich ist die Gegend nicht so beeindruckend wie das, was uns noch bevorsteht, aber es gibt schon einen interessanten Eindruck.

Absicherungen gibt es wie üblich keine, der Untergrund ist felsig und schlammig und rutschig. Dazu ist es windig, schon fast stürmisch, und die Temperaturen sind auch nicht gerade hochsommerlich. Daher verzichten wir auf einen Gang entlang des Rims, sondern rutschen, schlittern und klettern den Weg wieder nach unten, wo wir ¾ der mindestens 2 kg Schlamm pro Fuß an Steinen und Holzbalken abstreifen, um dann die vorhandenen Pfützen für ein Schuhbad zu nutzen. Denn mit so schmutzigen Schuhen können wir nicht in unseren Fury steigen.

Solche schmutzigen Schuhe können wir unserem Fury nicht zumuten.

Die vorgesehene Reinigungsbürste versagt…

Noch ein kurzer Besuch im Visitor Center, das sich in einer zweiten Hütte befindet, um unsere Nationalparksammelpässe zu stempeln, dann fahren wir weiter. Um gleich darauf an einem Vista Point an der Straße noch einmal anzuhalten.

Das Visitor Center

Einer unserer Nationalparkpässe.

Wir halten noch kurz am nächsten Vista Point, wo es sich Sandy trotz des kalten und kräftigen Windes nicht nehmen lässt, weitere Fotos zu knipsen.

Jetzt geht es endgültig auf unser Tagesziel zu. Je näher wir ihm kommen, desto besser wird das Wetter. Die Wolken brechen auf und tatsächlich: es gibt noch blauen Himmel dahinter. Und die Sonne lebt auch noch.

Das Herbstlaub in dieser Höhe ist einfach überwältigend.

Als wir an unserer nächsten Station ankommen, dem „Red Canyon“ am UT12 Scenic Byway, ist das Wetter wieder wunderschön: sonnig, warm (aber nicht heiß), blauer Himmel mit gelegentlichen Wölkchen.

Daher halten wir auch wie geplant und vertreten uns ein wenig die Beine auf dem Photo Trail und dem Golden Wall Trail. Die roten und gelben Formationen bieten interessante Fotomotive.

Reste vom nächtlichen Regen (beim Rückweg war nichts mehr zu sehen)

Ein Alligator?

Das Visitor Center lassen wir heute ausnahmsweise aus. Übermorgen fahren wir die gleiche Strecke wieder zurück, und da ist dann noch Zeit genug, unser Büchlein zu stempeln.

Dann endlich sehen wir den Hinweis auf den „Bryce Canyon Airport“. Jetzt sind es nur noch wenige Meter bis zur Abzweigung zum Bryce Canyon, auch wenn dieser noch etliche Meilen entfernt liegt.

Wir nutzen die Gelegenheit und tanken noch einmal, dann fahren wir zum Eingang und zeigen unseren Nationalparkpass vor. Wie üblich erhalten wir die Parkinformationen, der Ranger wünscht uns einen schönen Aufenthalt, und dann sind wir offiziell Parkbesucher. Ein Stopp am Visitor Center ist obligatorisch, ein weiterer Stempel ziert kurz darauf unsere Pässe.

Eingebucht sind wir heute in der Bryce Canyon Lodge, dem einzigen Hotel IM Park. Also fahren wir gleich dorthin. Leider besitzt die Lodge keinen Fahrstuhl und wir haben unser Zimmer in der oberen Etage im Haupthaus. Das ist also wieder ein ziemliches Geschleppe, bis alle unsere Sachen oben sind. Immerhin rentiert sich das heute, denn wir haben hier für zwei Nächte gebucht.

Unser Zimmer ist nett, aber klein, es gibt nur ein Bett in Queensize, während wir bisher entweder jeder ein Queensize- oder zusammen ein Kingsize-Bett hatten. Das wird noch lustig werden. Eine Klimaanlage müssen wir heute nicht neu einstellen, denn es gibt nur Naturklima – ein Fenster zum Öffnen mit Fliegengitter gegen ungewollte Mitbewohner. Ich finde das richtig angenehm.

Und dann sind wir soweit und können uns zur wirklichen Attraktion der Gegend begeben. Ein kurzer Hundertfünfzig-Meter-Spaziergang führt uns von der Lodge direkt zum Bryce Canyon.

Für mich ist das hier ja kein Neuland, ich weiß genau, was mich erwartet, aber Sandy verschlägt es trotz aller vorbereitenden Internetrecherchen erst einmal die Sprache. Selbst die schönsten Fotos können einem nicht auf den Eindruck vorbereiten, den diese Märchenlandschaft hinterlässt. Beschreiben kann man das sowieso nicht.

Mein letzter Besuch hier war im Dezember, und es hatte Schnee. Davon schwärme ich Sandy vor, denn der weiße Schnee auf den rötlichen Hoodoos sah einfach zauberhaft aus, jede kleine Unebenheit, jeder kleiner Vorsprung im Felsen war weiß gepudert und das betonte die Formen noch stärker. Aber auch so ist Bryce einfach ein Wunderwerk der Natur.

Wir bleiben heute nur in der Gegend des Sunset-Points. Das Wechselspiel der Wolken zusammen mit der langsam tiefer sinkenden Sonne verändern die Schattenspiele der Hoodoos ständig, es wird nicht langweilig, dies zu beobachten. Einige Namen der Felsformen kenne ich noch, das „Sinking Ship“ ist genauso eindeutig wie „Thors Hammer“. Andere Formationen mögen einen Namen haben, den wir aber nicht kennen. So bleibt es uns frei, eigene Namen zu erfinden.

Hinten in der Mitte: Das „Sinking Ship“

Schließlich verschwindet die Sonne immer öfter wieder hinter Wolken und es wird kalt und windig. Zurück im Hotel fragen wir nach einem Tisch im Restaurant, es soll ungefähr 45 Minuten dauern, bis einer frei ist. Wir erhalten eine Art Piepser, mit dem wir informiert werden, wenn es soweit ist, dann gehen wir in den großen Souvenirshop neben der Lobby und stöbern.

Der Piepser meldet sich schon relativ schnell und wir können unsere Abendmahlzeit einnehmen.

Aus dem geplanten Nachtbesuch an der Rim wird es nichts, es ist einfach zu ungemütlich draußen. Stattdessen machen wir uns bettfertig und überspielen dann die letzten Fotos auf den Speicher. Im CD-Player unseres Zimmers befindet sich eine esoterische Indianermusik, die lassen wir dabei laufen. Voll entspannend.

So entspannend, dass wir total albern werden. Eigentlich habe ich mich schon zum Schlafen umgelegt, als Sandy einen komplett doofen Kommentar ablässt, worauf mir eine noch doofere Antwort einfällt, und so geht es über mindestens eine halbe Stunde, bis ich vor Lachen und Kichern schon Seitenstechen habe. Dann endlich sind wir beide fertig für den Tag…

zurück: 21. September 2016

weiter: 23. September 2016

Hikes, Views and Bisons

Als wir am Morgen einen Blick aus dem Fenster werfen, müssen wir enttäuscht feststellen, dass der Himmel noch genauso grau ist wie am Tag zuvor. Man hat sogar den Eindruck, er sei grauer.

Nun ja, geben wir dem Ganzen noch eine Chance und gehen erstmal frühstücken. Vielleicht sieht es danach ja besser aus?

Das Frühstück ist „typisch“, langsam hängen mir die hash browns und eggs zum Hals heraus und ich sehne mich nach einem guten deutschen Butterbrot… Sandy ordert heute einen heißen Kakao, der kommt erst nicht und dann ist der Becher so voll, dass er an allen Seiten überläuft. Und außerdem handelt es sich nicht um einen Kakao aus entsprechendem Pulver, sondern um Nesquick mit seeeeehr süßer Sahne drauf. Also doppelter Zuckerschock. Da bleibe ich lieber bei meinem Kaffee, der ist wenigstens überall gleich dünn…

Leider sieht das Wetter inzwischen NICHT besser aus. Im Gegenteil, es sieht aus, als wolle es jeden Augenblick anfangen zu regnen. Nun ja, wir schaffen es gerade noch, den Fury vollzuladen, da geht es auch wirklich los. Und nun? Eigentlich hatten wir für heute ein paar mehr oder weniger kurze Hikes geplant. Aber so wird das wohl nichts…

Wir fahren zum Visitor Center, unsere Besucherstempel abholen. Leider zeigt die dort ausgehängte Wettervorschau, dass keine Wetterbesserung in Sicht ist, im Gegenteil, für die nächsten Stunden sind Gewitterstürme vorhergesagt.

Wir entscheiden, in das kleine Örtchen vor dem Park zu fahren, vielleicht kann man da ja was unternehmen (shopping?). Vielleicht wird das Wetter ja doch noch besser im Laufe des Tages? Also fahren wir nach Springdale, ein Städtchen, das nur aus Hotels, Motels und Restaurants sowie ein paar „Art (Kunsthandwerk) Shops“ besteht. Und das völlig überfüllt ist. Kein Parkplatz weit und breit, und auch nichts, weswegen man anhalten muss.

Ok, Schuhe hätten wir kaufen können.

Daher drehen wir und fahren wieder in den Park. Am Visitor Center stellen wir Fury ab (der Parkplatz ist bereits jetzt fast voll, dabei ist gerade mal kurz nach 10 Uhr). Wir haben Glück, noch einen Stellplatz zu finden. Jetzt stehen wir vor der Entscheidung: was tun wir jetzt? Mit dem Shuttle nur rumfahren? Oder ein Shuttlehopping probieren, also eine Station fahren, ein Stück laufen, ggf. dann wieder fahren?

Denn es regnet, aber nicht durchgehend, sondern immer wieder. Mal mehr, mal weniger. Die Aussicht ist schlecht, zwischen den Felsen hängen Wolken. Das mag zwar ganz nette Fotos geben vom Motiv her, aber ein wenig blauer Himmel wäre uns lieber.

Wir entscheiden uns fürs Shuttlehopping und fahren zurück zum Court of the Patriachs, wo wir ein paar Meter den Bergweg emporsteigen. Von der dort oben möglichen Aussicht ist nur wenig zu sehen.

So hätten wir den Court of the Patriarchs gerne bewundert…

… aber wir müssen uns mit dieser Aussicht begnügen.

Also nehmen wir den nächsten Shuttlebus zur Lodge. Von hier aus startet der Trail zu den Emerald Pools, die aufgrund des Regens sogar Wasser führen sollten. Wie gesagt, es nieselt, dann regnet es, dann ist es wieder nur feucht.

Tapfer wagen wir uns auf den Weg, zusammen mit sehr vielen anderen Parkbesuchern. Die unteren Emerald Pools liegen in einem von 3 Seiten von steilen Felswänden umgebenen Tal. Der Weg ist bequem zu gehen und nicht übermäßig weit. Er führt unter einem Felsüberhang an den unteren Pools vorbei und wird dann steiler und schwieriger, bis man die oberen Emerald Pools erreicht.

An diesem Felsüberhang bei den Lower Pools stürzt heute nun ein kleiner Wasserfall herunter, ein im Sommer seltener Anblick. Die Pools selbst sind heute nicht besonders spektakulär, das mag bei entsprechendem Licht anders sein.

Ich teste den Weg nach oben, aber durch den Regen ist er sehr rutschig und auch nicht so ausgebaut wie zu den Lower Pools. Außerdem regnet es grad wieder mal etwas mehr, und so drehen wir wieder um.

Mit den nassen Klamotten im überfüllten Shuttlebus stehen oder sitzen ist nicht gerade angenehm, die Sicht nach außen ist durch die beschlagenen Fenster kaum möglich, und überhaupt macht das so eigentlich keinen Spaß! Allerdings gibt es doch eine lustige Begebenheit:

Links neben uns sitzt ein Typ (Englisch sprechend) mit fetter Fotoausrüstung. Er fotografiert durch das geöffnete Busfenster einen der vielen spontanen Wasserfälle. Im Regen ohne Gegenlichtblende (zum Schutz) schräg nach oben fotografieren ist ja schon unklug. Aber es kommt noch besser. Durch das triste Wetter fehlt ihm scheinbar der Kontrast und er holt einen fetten Polfilter samt Halterung aus seinem Rucksack und schraubt ihn auf sein Objektiv. Dann hält er wiederholt die Kamera durch das schmale Busfenster, knipst rum und als er sie wieder reinholen will, passiert es: Er bleibt mit der Filterhalterung am Fenster hängen und sie fällt samt Filter runter auf die Straße. Wir müssen ziemlich schmunzeln. Ach, was sind wir schlechte Menschen… Er meint dann zu seinen Kumpels, dass er zurückfahren und nach der Halterung suchen will, denn der Filter wäre eh tot, aber die Halterung hätte er gerne wieder. Wir überlegen, ob wir uns auf die Suche machen sollen… Aber nein, für so einen Blödsinn haben wir tatsächlich keine Zeit.

Obwohl es noch recht früh ist, nehmen wir daher das Shuttle zurück Richtung Visitor Center, steigen in unseren Fury und verlassen das eigentlich wunderschöne, aber heute so ungastliche Tal. Weit ist unser Weg heute nicht mehr, daher halten wir noch einige Male trotz Regens, denn die Landschaft, die wir durchfahren, ist wirklich etwas Besonderes und muss bei Sonnenschein spektakulär sein.

Ganze Heerscharen sind auf dem Weg ins Tal.

Checkerboard Mesa

Nachdem wir die Berge verlassen haben, sind es nur noch wenige Meilen zu unserer heutigen Übernachtungslocation, der „Zion Mountain Ranch“.

Hier haben wir eine Cabin gebucht, die aber noch nicht fertig gerichtet ist. Wir vertreiben uns die Zeit im Restaurant, wo wir auch gleich einen Tisch für den Abend bestellen, denn das Lokal ist nicht sehr groß und – wie wir mitbekommen – der Nebenraum ist für heute Abend von einer Gruppe vorreserviert.

Schließlich können wir unsere Schlüssel abholen. Unsere Hütte – eigentlich ein nettes Blockhaus – liegt mit Blick auf Rezeption und Lokal sowie auf das Tal auf einem kleinen Hügel, zusammen mit etlichen anderen Hütten in verschiedenen Größen. Unser Häuschen hat einen offenen Wohnraum mit Küchenzeile, Esstisch und Feuerstelle sowie ein Schlafzimmer mit Kingsize Bed und Bad mit Dusche und Wanne. Dazu von beiden Räumen aus eine Veranda mit besagtem Talblick.

Unsere „Hütte“…

… mit Parkplatz vor der Tür.

Wohnbereich

Küche und Esstisch

Schlafzimmer

Veranda

Weiterhin ziehen dicke graue Wolken über uns hinweg, alles ist nass und nichts lockt uns hinter dem sprichwörtlichen Ofen vor. Sandy legt sich eine Weile aufs Ohr, ich befürchte um meine Nachtruhe und bleibe lieber jetzt wach, als später wach im Bett zu liegen. TV im Wohnzimmer ist zwar vorhanden, funktioniert aber nicht. Daher bleibt mir nichts übrig, als die Datenübertragung von Kamera auf Speichermedium zu überwachen.

Dabei bemerke ich eine Bewegung vor der Veranda, und bei näherer Überprüfung entdecke ich einen Feldhasen, der im Gebüsch vor sich hinmümmelt. Wieder ein Tierchen, das in unsere wildlife-Liste passt.

Von den Bisons der Ranch ist weit und breit nichts zu sehen.

Schließlich wecke ich Sandy und wir fahren zum Restaurant. Der Weg ist zwar nicht weit, aber das Wetter immer noch mehr als bescheiden. Eine nette Bedienung berät uns mit der Karte, und wir entscheiden uns für – Bison. Schließlich sind wir auf einer Bison-Ranch, auch wenn wir von den Kerlchen bisher keines gesehen haben.

Es dauert etwas, bis das Essen kommt, aber es ist frisch gemacht und sehr lecker. Für einen Nachtisch ist sowieso immer noch Platz.

Gesättigt und zufrieden fahren wir zurück zur Cabin und freuen uns auf eine ruhige Nacht.

Leider wird dieser Wunsch nicht erfüllt. Die ganze Nacht rasen Stürme über die Ebene, es schüttet aus allen Eimern und hört sich an, als würden mehrere Trommler mit ihren Schlegeln auf dem Dach herumtrommeln. Mir geht durch den Kopf, dass die Gegend, die wir morgen durchfahren müssen, Flashflood-Gebiet ist. Hoffentlich geht das gut!

zurück: 20. September 2016

weiter: 22. September 2016