Giants, Flowers and no Ladies

Der Wecker klingelt heute sehr früh (5:45 Uhr), was aber dank leichtem Jetlag überhaupt kein Problem ist. Kurz nach 6:30 Uhr sind wir auf dem Weg zur Bushaltestelle, wo wir die Buslinie 47 Richtung Marina/Pier 39 nehmen.

Endhaltestelle Powell-/Beach Street

Endhaltestelle Powell-/Beach Street

Alles klappt hervorragend, so dass wir am Pier selbst noch Zeit haben, bei den berühmten Seelöwen vorbeizuschauen. Nur ein paar vereinzelte Arbeiter und Jogger sind unterwegs, ein völlig neues Gefühl am sonst so lebhaften Touristenmagneten Pier 39.

Am Hafen

Am Hafen

 

Wobei es den Seelöwen offensichtlich völlig schnuppe ist, ob da Menschen rumstehen und gaffen oder nicht.

Seelöwen

Die berühmten Seelöwen

Seelöwen am Pier 39

Muss schon cool sein, wenn man zu seinem Boot will und dabei über Seelöwen steigen muss.

Rechtzeitig zur gewünschten Uhrzeit finden wir uns am Kassenhäuschen der „Whale Tours“ ein.

Whale Tours

Es ist nur eine kleine Gruppe, vielleicht ein Dutzend Leute, die inkl. uns darauf warten, dass etwas passiert. Als erstes erscheint eine junge Dame, die als Meeres-Spezialistin die Gruppe betreuen soll. Gemeinsam warten wir, dass sich unser Kapitän meldet, dass das Schiff startklar ist. Es tut sich erstmal nichts. Schließlich geht es zum eigentlichen Anlegeort des Bootes, wo wir erstmal… erneut darauf warten, dass etwas passiert. Trotz mehrfachen Nachfragens unserer Führerin dauert es und dauert und dauert. Schlussendlich kommt ein junger Mann vorbei und führt uns zu unserem Boot, das gleich darauf ablegt und losdampft.

Es ist kalt. Es ist neblig. Es ist windig. Über San Francisco hängt eine dicke graue Wolke.

Nebel

Nebel über der Stadt

Den „Palace of Fine Arts“ erkennt man nur durch sein Dach.

Madame Golden Gate ist wieder verhüllt bis auf „die Füße“.

Golden Gate Bridge

Also supertolles freundliches Whale-watching-Wetter…

Kalt, feucht, neblig und windig…

Wir fahren Richtung Farallone Islands. Vorbei geht es an Alcatraz Island, dann unterfahren wir „die“ Brücke. Point Bonita Lighthouse lassen wir rechts liegen und schippern hinaus auf das offene Meer.

Alcatraz

Alcatraz Island

Wir nähern uns der Brücke.

Point Bonita

Point Bonita Lighthouse

Eigentlich hatten Sandy und ich die sechsstündige Tour gebucht, die rund um diese Inseln führen sollte. Allerdings erhielten wir bereits in Deutschland die Information, dass diese Tour ausfallen würde und wir auf die kürzere Route eingebucht wären (mit entsprechender Rückvergütung des Ticketpreises). Im Hinblick auf das Wetter bin ich – ehrlich gesagt – gar nicht mehr böse, dass es „nur“ die kurze Tour sein soll.

Während der Fahrt halten wir fleißig Ausschau nach „Seeungeheuern“. Ein paar Schweinswale/Harbor porpoise/Phocoenidae springen kurz in der Ferne, fast zu schnell, um ein Foto zu machen. Kaum hatte man sie gesichtet, sind sie schon wieder untergetaucht.

Schweinswal

Seevögel gibt es en masse: verschiedene Taucher-Arten, Möwen, Braune Pelikane und andere können wir erkennen.

Brauner Pelikan/Brown Pelican/Pelecanus occidentalis

Schließlich erklingt der ersehnte Ruf: „Er bläst! Da! Er bläst!“ Alles stürmt in die Richtung des Rufenden, und tatsächlich: in der Ferne sieht man kurz den dunklen Rücken eines Wals aus dem Wasser hervorkommen. Mit „Kamera ans Auge, scharf einstellen und abdrücken“ hat unsere Aktivität nun gar nichts mehr zu tun, hier heißt es, das Beste hoffen, Kamera drauf und auf Dauerfeuer abdrücken. In der Hoffnung, dass bei den vielen entstehenden Bildern tatsächlich ein oder zwei dabei sein würden, die man verwenden kann.

Es ist überraschend windstill und man kann sehr weit sehen. Es wirkt alles total friedlich. Wir orientieren uns an den Vogelgruppen, die sich in der Ferne auf dem Wasser niedergelassen haben.

Wir sind in einem relativ flachen Meeresgebiet, so dass die Riesen hier nicht wirklich „in die Tiefe“ abtauchen können, sondern eher in flachem Bogen schwimmen. Daher gibt es weder Fluken- noch Kopfaufnahmen. Und auch keine „springenden“ Wale, dazu fehlt den Tieren die Tiefe, um Anlauf zu nehmen.

Trotz dieser Widrigkeiten ist die ganze Sache sehr spannend: wo würde das nächste Tier auftauchen? Schließlich kann so ein Buckelwal seinen Atem sehr lange anhalten, wenn er will. Aufgrund der Umstände (Wetter/Fotolicht – schwankendes Boot) sind wir recht stolz, doch das eine oder andere annehmbare Foto geknipst zu haben.

Schließlich stören wir die Tiere nicht weiter beim Fressen und drehen. Während wir langsam dem Land entgegen tuckern, gibt es nun auch für uns endlich etwas zu essen. Wir folgen dem Rat aus dem Internet, bei Seefahrten nur etwas Leichtes zu uns zu nehmen, um den Magen nicht zu belasten, und halten uns heute erst einmal nur an frisches Obst.

Frühstück

Frühstück

Endlich nähern wir uns dem „Golden Gate“. Allerdings müssen wir feststellen, dass sich die Sicht und Aussicht noch nicht wesentlich verbessert haben. Von der Brücke ist aus der Ferne noch weniger zu sehen als bei der Ausfahrt.

Pünktlich landen wir um die Mittagszeit wieder an.

Jetzt heißt es zu entscheiden: was tun? Gleich weiter oder erst essen oder shopping oder überhaupt? Wir entscheiden uns, ein wenig zu shoppen und dann etwas essen zu gehen.

Am Pier ist inzwischen mehr Betrieb als bei unserer Abfahrt, und er kommt uns nun doch „bekannter“ vor.

Pier 39

Blick auf Pier 39

Jetzt auf festem Boden beginnen doch unsere Mägen, sich lautstark bemerkbar zu machen. Weshalb wir uns auf den Weg in „unser“ Mango’s machten, wo wir bereits 2014 lecker gegessen hatten.

Mittagessen

Quesadillas bei „Mango’s“

Inzwischen ist es hier am Pier doch etwas heller geworden, die Sonne kämpft, um die Wolken zu vertreiben.

Kurzfristig gelingt ihr das auch, zumindest am Hafen und in Downtown.

Aussicht auf die Marina

Es gibt schlechtere Aussichten.

Trotzdem wollen wir natürlich unser Programm durchziehen. Also geht es nach dem Essen weiter zuerst einmal „nach Hause“ ins Hotel, damit Sandy ihre Einkäufe und ihren „Oschi“ (Objektiv) ablegen kann. Dann fahren wir mit dem Bus zur Golden Gate Bridge, Sandys „Ich will die mal anfassen!“-Wunsch erfüllen.

Foto-Planung…

Und es ist, wie es ist: die Golden Gate Bridge sieht bei jedem Wetter und jedem Licht irgendwie gut aus.

… und Foto-Ergebnis. Sie ist einfach schön…

Auf der Brücke

Die Golden Gate Bridge steht auf Platz 2 der Brücken weltweit, welche am häufigsten für Selbstmorde benutzt werden. Deswegen sind dort alle paar Meter diese Schilder angebracht. Außerdem ist die Brücke nachts für Fußgänger gesperrt.

Noch ein kurzer Besuch im Visitor Center – ui, die haben ganz schöne Preise -, dann kommt der nächste Bus, der uns in den Golden Gate Park bringen soll. An der passenden Haltestelle steigen wir aus und durchqueren einen Tunnel.

Tunnel zum Golden Gate Park

Nachdem wir den Park beim letzten Mal ausfallen lassen mussten, haben wir ihn diesmal gleich mehrfach eingeplant. Der Park ist riesig, sogar größer als der Central Park in New York, und es gibt jede Menge zu sehen. Als erstes steht ein Besuch im Conservatory of Flowers an, welches wir allerdings erst nach leicht verwirrter Suche finden. Es gibt zwar einen Parkplan, aber leider unterwegs so gut wie gar keine Schilder.

Der Parkplan hilft uns nur bedingt bei der Zielsuche.

Und da auch mehrere Straßen durch den Park führen, fragt man sich schon öfter mal, ob man überhaupt noch richtig ist.

Völlig unbedarft treffen wir unverhofft dann sogar auf Landsmänner, die uns aber auch nicht weiterhelfen. Es ist irgendwie schon ätzend. Man ist über 9000 km entfernt von Zuhause und trifft überall Deutsche. Einfach ÜBERALL!

Das de Young-Museum (und Leute, die genauso verwirrt die Karte studieren wie wir)

Aber schließlich finden wir es doch: das Conservatory of Flowers mit seiner unverkennbaren Gebäudeform.

Conservatory of Flowers

Das Gebäude ist ein Traum. Bei blauem Himmel hätte es noch besser ausgeschaut, aber was soll’s…

Wunderschöne Orchideen gibt es hier.

Drinnen ist es tropisch und man kann lässig im T-Shirt rumlaufen, während es draußen gerade richtig ungemütlich wird.

Gefährliches Ungeheuer

Inzwischen ist es später Nachmittag, und unsere Kondition lässt langsam aber sicher nach. Wir sind ja schon lange genug unterwegs.

Das Gewächshaus ist nicht spektakulär, aber gerade bei tristem oder schlechtem Wetter ideal, um da mal ein Stündchen durchzulaufen.

Eigentlich hatten wir geplant, zum Sonnenuntergang an die Painted Ladies zu fahren, aber aufgrund des absolut grauen Wetters und der Tatsache, dass der Alamo Square (der Park, von dem aus man auf die Painted Ladies und die Skyline schaut) bis zum Frühjahr 2017 komplett eingezäunt ist, da der Rasen neu gemacht wird, entscheiden wir uns dagegen. Wir wissen zwar, dass es dort ein Loch im Zaun gibt, durch das respektlose Touristen gerne steigen, um ihr Foto zu kriegen, aber ganz ehrlich: Sowas machen wir halt nicht. Außerdem: Man braucht ja immer einen Grund, um nochmal nach San Francisco zu fliegen.

Wir fahren also ins Hotel und lassen den Tag ganz entspannt ausklingen. Am nächsten Tag ist schließlich wieder genug geplant…

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