Hikes, Views and Bisons

Als wir am Morgen einen Blick aus dem Fenster werfen, müssen wir enttäuscht feststellen, dass der Himmel noch genauso grau ist wie am Tag zuvor. Man hat sogar den Eindruck, er sei grauer.

Nun ja, geben wir dem Ganzen noch eine Chance und gehen erstmal frühstücken. Vielleicht sieht es danach ja besser aus?

Das Frühstück ist „typisch“, langsam hängen mir die hash browns und eggs zum Hals heraus und ich sehne mich nach einem guten deutschen Butterbrot… Sandy ordert heute einen heißen Kakao, der kommt erst nicht und dann ist der Becher so voll, dass er an allen Seiten überläuft. Und außerdem handelt es sich nicht um einen Kakao aus entsprechendem Pulver, sondern um Nesquick mit seeeeehr süßer Sahne drauf. Also doppelter Zuckerschock. Da bleibe ich lieber bei meinem Kaffee, der ist wenigstens überall gleich dünn…

Leider sieht das Wetter inzwischen NICHT besser aus. Im Gegenteil, es sieht aus, als wolle es jeden Augenblick anfangen zu regnen. Nun ja, wir schaffen es gerade noch, den Fury vollzuladen, da geht es auch wirklich los. Und nun? Eigentlich hatten wir für heute ein paar mehr oder weniger kurze Hikes geplant. Aber so wird das wohl nichts…

Wir fahren zum Visitor Center, unsere Besucherstempel abholen. Leider zeigt die dort ausgehängte Wettervorschau, dass keine Wetterbesserung in Sicht ist, im Gegenteil, für die nächsten Stunden sind Gewitterstürme vorhergesagt.

Wir entscheiden, in das kleine Örtchen vor dem Park zu fahren, vielleicht kann man da ja was unternehmen (shopping?). Vielleicht wird das Wetter ja doch noch besser im Laufe des Tages? Also fahren wir nach Springdale, ein Städtchen, das nur aus Hotels, Motels und Restaurants sowie ein paar „Art (Kunsthandwerk) Shops“ besteht. Und das völlig überfüllt ist. Kein Parkplatz weit und breit, und auch nichts, weswegen man anhalten muss.

Ok, Schuhe hätten wir kaufen können.

Daher drehen wir und fahren wieder in den Park. Am Visitor Center stellen wir Fury ab (der Parkplatz ist bereits jetzt fast voll, dabei ist gerade mal kurz nach 10 Uhr). Wir haben Glück, noch einen Stellplatz zu finden. Jetzt stehen wir vor der Entscheidung: was tun wir jetzt? Mit dem Shuttle nur rumfahren? Oder ein Shuttlehopping probieren, also eine Station fahren, ein Stück laufen, ggf. dann wieder fahren?

Denn es regnet, aber nicht durchgehend, sondern immer wieder. Mal mehr, mal weniger. Die Aussicht ist schlecht, zwischen den Felsen hängen Wolken. Das mag zwar ganz nette Fotos geben vom Motiv her, aber ein wenig blauer Himmel wäre uns lieber.

Wir entscheiden uns fürs Shuttlehopping und fahren zurück zum Court of the Patriachs, wo wir ein paar Meter den Bergweg emporsteigen. Von der dort oben möglichen Aussicht ist nur wenig zu sehen.

So hätten wir den Court of the Patriarchs gerne bewundert…

… aber wir müssen uns mit dieser Aussicht begnügen.

Also nehmen wir den nächsten Shuttlebus zur Lodge. Von hier aus startet der Trail zu den Emerald Pools, die aufgrund des Regens sogar Wasser führen sollten. Wie gesagt, es nieselt, dann regnet es, dann ist es wieder nur feucht.

Tapfer wagen wir uns auf den Weg, zusammen mit sehr vielen anderen Parkbesuchern. Die unteren Emerald Pools liegen in einem von 3 Seiten von steilen Felswänden umgebenen Tal. Der Weg ist bequem zu gehen und nicht übermäßig weit. Er führt unter einem Felsüberhang an den unteren Pools vorbei und wird dann steiler und schwieriger, bis man die oberen Emerald Pools erreicht.

An diesem Felsüberhang bei den Lower Pools stürzt heute nun ein kleiner Wasserfall herunter, ein im Sommer seltener Anblick. Die Pools selbst sind heute nicht besonders spektakulär, das mag bei entsprechendem Licht anders sein.

Ich teste den Weg nach oben, aber durch den Regen ist er sehr rutschig und auch nicht so ausgebaut wie zu den Lower Pools. Außerdem regnet es grad wieder mal etwas mehr, und so drehen wir wieder um.

Mit den nassen Klamotten im überfüllten Shuttlebus stehen oder sitzen ist nicht gerade angenehm, die Sicht nach außen ist durch die beschlagenen Fenster kaum möglich, und überhaupt macht das so eigentlich keinen Spaß! Allerdings gibt es doch eine lustige Begebenheit:

Links neben uns sitzt ein Typ (Englisch sprechend) mit fetter Fotoausrüstung. Er fotografiert durch das geöffnete Busfenster einen der vielen spontanen Wasserfälle. Im Regen ohne Gegenlichtblende (zum Schutz) schräg nach oben fotografieren ist ja schon unklug. Aber es kommt noch besser. Durch das triste Wetter fehlt ihm scheinbar der Kontrast und er holt einen fetten Polfilter samt Halterung aus seinem Rucksack und schraubt ihn auf sein Objektiv. Dann hält er wiederholt die Kamera durch das schmale Busfenster, knipst rum und als er sie wieder reinholen will, passiert es: Er bleibt mit der Filterhalterung am Fenster hängen und sie fällt samt Filter runter auf die Straße. Wir müssen ziemlich schmunzeln. Ach, was sind wir schlechte Menschen… Er meint dann zu seinen Kumpels, dass er zurückfahren und nach der Halterung suchen will, denn der Filter wäre eh tot, aber die Halterung hätte er gerne wieder. Wir überlegen, ob wir uns auf die Suche machen sollen… Aber nein, für so einen Blödsinn haben wir tatsächlich keine Zeit.

Obwohl es noch recht früh ist, nehmen wir daher das Shuttle zurück Richtung Visitor Center, steigen in unseren Fury und verlassen das eigentlich wunderschöne, aber heute so ungastliche Tal. Weit ist unser Weg heute nicht mehr, daher halten wir noch einige Male trotz Regens, denn die Landschaft, die wir durchfahren, ist wirklich etwas Besonderes und muss bei Sonnenschein spektakulär sein.

Ganze Heerscharen sind auf dem Weg ins Tal.

Checkerboard Mesa

Nachdem wir die Berge verlassen haben, sind es nur noch wenige Meilen zu unserer heutigen Übernachtungslocation, der „Zion Mountain Ranch“.

Hier haben wir eine Cabin gebucht, die aber noch nicht fertig gerichtet ist. Wir vertreiben uns die Zeit im Restaurant, wo wir auch gleich einen Tisch für den Abend bestellen, denn das Lokal ist nicht sehr groß und – wie wir mitbekommen – der Nebenraum ist für heute Abend von einer Gruppe vorreserviert.

Schließlich können wir unsere Schlüssel abholen. Unsere Hütte – eigentlich ein nettes Blockhaus – liegt mit Blick auf Rezeption und Lokal sowie auf das Tal auf einem kleinen Hügel, zusammen mit etlichen anderen Hütten in verschiedenen Größen. Unser Häuschen hat einen offenen Wohnraum mit Küchenzeile, Esstisch und Feuerstelle sowie ein Schlafzimmer mit Kingsize Bed und Bad mit Dusche und Wanne. Dazu von beiden Räumen aus eine Veranda mit besagtem Talblick.

Unsere „Hütte“…

… mit Parkplatz vor der Tür.

Wohnbereich

Küche und Esstisch

Schlafzimmer

Veranda

Weiterhin ziehen dicke graue Wolken über uns hinweg, alles ist nass und nichts lockt uns hinter dem sprichwörtlichen Ofen vor. Sandy legt sich eine Weile aufs Ohr, ich befürchte um meine Nachtruhe und bleibe lieber jetzt wach, als später wach im Bett zu liegen. TV im Wohnzimmer ist zwar vorhanden, funktioniert aber nicht. Daher bleibt mir nichts übrig, als die Datenübertragung von Kamera auf Speichermedium zu überwachen.

Dabei bemerke ich eine Bewegung vor der Veranda, und bei näherer Überprüfung entdecke ich einen Feldhasen, der im Gebüsch vor sich hinmümmelt. Wieder ein Tierchen, das in unsere wildlife-Liste passt.

Von den Bisons der Ranch ist weit und breit nichts zu sehen.

Schließlich wecke ich Sandy und wir fahren zum Restaurant. Der Weg ist zwar nicht weit, aber das Wetter immer noch mehr als bescheiden. Eine nette Bedienung berät uns mit der Karte, und wir entscheiden uns für – Bison. Schließlich sind wir auf einer Bison-Ranch, auch wenn wir von den Kerlchen bisher keines gesehen haben.

Es dauert etwas, bis das Essen kommt, aber es ist frisch gemacht und sehr lecker. Für einen Nachtisch ist sowieso immer noch Platz.

Gesättigt und zufrieden fahren wir zurück zur Cabin und freuen uns auf eine ruhige Nacht.

Leider wird dieser Wunsch nicht erfüllt. Die ganze Nacht rasen Stürme über die Ebene, es schüttet aus allen Eimern und hört sich an, als würden mehrere Trommler mit ihren Schlegeln auf dem Dach herumtrommeln. Mir geht durch den Kopf, dass die Gegend, die wir morgen durchfahren müssen, Flashflood-Gebiet ist. Hoffentlich geht das gut!

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weiter: 22. September 2016

Fire and Faith

Gegen 6 Uhr klingelt der Handy-Alarm, und ein Blick aus dem Fenster zeigt, dass unsere gestrige Entscheidung richtig war. Es liegt eine Wolkendecke über Las Vegas und der Wüste, der geplante Sonnenaufgang ist also sozusagen in den Wolken hängen geblieben. Dafür haben wir zwei Stunden länger geschlafen, das passt.

Wieder machen wir uns auf die Wanderung zur Rezeption, checken aus und legen dann die restlichen Meilen zum Parkhaus und unserem Fury zurück. Dann geht es auf die Straße, allerdings erst einmal den Strip entlang nach Süden. Denn noch fehlt ein „Must have“ in unserer Sammlung: das Bild vom Las Vegas Sign, das sich auf Höhe des Flughafens befindet. Trotz der morgendlichen Stunde stehen hier bereits Touristen und fotografieren, allerdings fehlen die sonst häufig geparkten Reisebusse. Daher dauert es nur kurz, bis sich Sandy positionieren kann.

Dann aber geht es endgültig auf die Piste Richtung Norden. Nachdem wir die verwirrenden Stadtautobahnen hinter uns gelassen haben, geht es mal wieder einfach nur geradeaus. Dabei bleiben die Wolken beständig über uns, in einiger Entfernung entdecken wir sogar Regen.

Schließlich kommen wir an die Abzweigung zum Valley of Fire. Jetzt ist es nicht mehr weit. Noch ist die Gegend eine typische Halbwüste mit Gebüsch und Gestrüpp, dazwischen auch mal ein Yuccatree, aber ansonsten recht öde gelblich.

Wir fahren auf die Berge zu. Und dann beginnen die Felsen und Steine rötlich zu werden.

Quelle Karte: http://parks.nv.gov/parks/valley-of-fire

Bei der ersten Gelegenheit fahren wir nach Passieren der Entrance-Häuschen links ab von der Straße. Denn hier befindet sich der sogenannte „Atlatl Rock“,

ein großer Sandsteinfelsen, auf dem sich die ursprünglichen Bewohner der Gegend, die „Basketmaker Indians“ und später die Anasazi, mit Felszeichnungen, sogenannten Petroglyphen, ein Denkmal gesetzt haben.

Um sich diese Felszeichnungen genauer ansehen zu können, muss man über eine Metalltreppe nach oben steigen. Leider haben ein paar Vandalen vor Jahren einen Teil der Zeichnungen verdorben, indem sie sich selbst dort verewigt haben. Trotzdem sind die übrig gebliebenen Petroglyphen immer noch sehr interessant zu betrachten.

Viel ist nicht los am Atlatl Rock.

Wir fahren den kleinen Rundweg um die Felsformation des Atlatl Rocks, da sich auf der Rückseite einer der schönsten und größten Arches des Parks befindet. Als wir an der Straße parken, um Bilder zu machen, sehen wir ein Pärchen, das es sich dort oben auf dem Felsen gemütlich macht. Neben uns wartet noch eine Gruppe von Amerikanern, die sich auf einer Fotosafari befinden, dass der Blick auf den Arch Rock wieder frei wird. Aber das Pärchen denkt nicht daran zu gehen, auch wenn eine der Amerikanerinnen sehr höflich darum bittet, den Felsen zu verlassen.

Schon allein, dass sie dort hochgeklettert sind, ist eine Frechheit und eigentlich verboten, schließlich zerstört jede Besteigung die Felsen ein klein wenig mehr. Überall stehen deswegen entsprechend Hinweisschilder. Aber die kann man ja ignorieren… (Es ist wie überall: wenn man die Polizei resp. hier die Ranger brauchen könnte, sind sie nirgends zu sehen.)

Da wir das Pärchen bereits bei den Petroglyphen gesehen haben, wissen wir, dass es sich um Deutsche (ja, man schämt sich!) handelt.

Schließlich platzt mir der Kragen und ich rufe den beiden auf Deutsch zu, dass sie gefälligst verschwinden sollen, weil es noch andere Menschen gibt, die gern etwas von dieser Formation hätten. Und die beiden? Er antwortet mit einem „ja ja!“, aber bleibt erst noch einen Moment demonstrativ stehen… Dann endlich machen beide den Abgang und verschwinden zu ihrem Auto, das ein Stück die Straße hoch steht.

Endlich. Freier Blick auf Arch Rock ohne störende Touristen.

Endlich können wir in Ruhe Bilder machen. Anschließend beenden wir den Loop Trail, was sich als Fehler erweist, denn kurz hinter dem Arch Rock wird der Weg zur Schotterpiste, und wir quälen unseren Fury mal wieder sehr.

Irgendwie bin ich durch das Geschüttel so durcheinander, dass ich bei Rückkehr zur Straße prompt nach rechts abbiege. Das ist allerdings nicht der Weg in den Park, sondern zum Eingang, bei dem wir reingekommen sind. Also heißt es wenden und zurückfahren bis zur eigentlichen Abzweigung ins Valley.

Am Visitor Center halten wir, und bei der Einfahrt auf den Parkplatz entdecken wir mal wieder eine Gruppe California Quails, die hier nach Futter suchen. Leider versuchen ein paar Besucher, Bilder zu machen, und verfolgen die kleinen Kerlchen, so dass diese sich im Gebüsch verkriechen. Schade.

Das Visitor Center ist klein, aber informativ. Es bringt uns aber nichts wirklich Neues, und die Aufregung, die hinter den Gebäuden bei den Besuchern entsteht wegen eines kleinen Chipmunks, finden wir dann doch etwas übertrieben.

Im Visitor Center

Während Sandy zurückbleibt, laufe ich die wenigen Meter über einen Trampelpfad zum „Balanced Rock“. Diese Felsformation wollten wir eigentlich beim Sonnenaufgang fotografieren.

Zurück im Auto geht es die Straße weiter ins Tal, zuerst geht es dazu über eine schmale Passstraße. Hierbei kommen wir direkt am Balanced Rock vorbei, der von der Straße aus besser zu fotografieren ist als von unten. Daher mache ich langsam und Sandy knipst aus dem fahrenden Auto heraus.

Balanced Rock

Nächster Halt sind die sogenannten „Bee Hives“, eine Gruppe von Felsen, die an Bienenkörbe erinnern. Hier machen wir unsere ersten Schritte ins Gelände. Diese roten Felsen in der ansonsten gelbbraunen Landschaft sind wirklich erstaunlich, schade, dass die Sonne nicht scheint, denn im entsprechenden Licht leuchten sie noch beeindruckender. Im Gegensatz zum Red Rock State Park, wo Wind und Wasser Felssäulen aus den Wänden gefressen haben, sind diese Felsen hier völlig anders geformt, zum Teil regelrecht „weich und wellig“ und mit vielen Löchern und Vertiefungen. Diesen sollte man sich tunlichst mit Vorsicht nähern, denn manchmal ziehen sich Skorpione oder Schlangen in diese Öffnungen zurück. Reinschauen oder gar reingreifen kann daher auch mal unangenehm werden.

Den Seitenweg zu Mouse’s Tank, dem einzigen Wasserloch der Gegend, lassen wir rechts liegen. Die Petroglyphen auf dem Weg sind nicht soooo spannend, wenn man den Atlatl Rock gesehen hat. Und das Wasserloch müsste um diese Jahreszeit eigentlich so ziemlich ausgetrocknet sein.

Nächster Halt ist daher der Parkplatz „Rainbow Vista“. Hier herrscht ein stetes Kommen und Gehen. Wir finden einen Platz für Fury und machen ein paar Bilder, dann geht es auch schon weiter.

Die Straße führt nach Norden, wobei sie einige Hochs und Tiefs hat. Kostenloses Achterbahnfahren kann man das auch nennen.

Schließlich kommen wir an den Parkplatz am Trailhead des Fire Wave Trails.

Es gibt ja eine „große“ Wave in den North Coyote Buttes in Arizona. Für diese benötigt man ein Permit, und diese Permits gibt es nur mit Glück per Lotterie. Daher müssen wir uns mit der Fire Wave, auch Rainbow Wave genannt, hier im Valley of Fire begnügen. Diese kann man nämlich ohne Zusatzkosten und ohne Permit anschauen. Wir folgen also dem ausgewiesenen Trail. Es sind etliche Leute unterwegs, aber man kann sich gut aus dem Weg gehen, so dass man nur am Parkplatz den Eindruck von Massentourismus hat.

Als letzter Punkt auf unserem Programm stehen die „White Domes“, eine Felsformation aus hellem Gestein. Hier wollen wir dem White Domes Loop folgen. Eigentlich. Aber es ist hier bereits jetzt sehr viel Betrieb, die wenigen Parkplätze sind alle belegt, und an der Straße entlang kann man nicht parken. So muss es bei einem Blick auf die Domes aus dem Auto heraus bleiben. Die Straße ist sowieso zu Ende, daher kehren wir auf dem gleichen Weg zurück.

An den White Domes

Am Visitor Center biegen wir nun nach links ab und fahren am Südrand der Berge entlang. Vorbei an der Felsgruppe der „Seven Sisters“ und an den „Cabins“ (gebaut ca. 1930 als Schutzhütten für Reisende) nähern wir uns der Stelle, an der sich eine besondere Formation befindet. Bei meinem letzten Besuch habe ich vergeblich danach Ausschau gehalten. Heute nicht. Wir fahren einen Hügel hoch durch eine Öffnung in der Felswand, und direkt hinter dieser Wand bemerken wir viele Menschen auf der linken Seite. Ein kurzer Blick zeigt: da isser! Bremsen ist nicht, also drehen wir bei nächster Gelegenheit um, fahren zurück und drehen erneut. Nun können wir ihn bei der langsamen Durchfahrt genau erkennen: der Elephant Rock, ein Felsen, der einem sitzenden Elefanten ähnelt.

Elephant Rock

Damit haben wir all das gesehen, was wir sehen wollten. Auch wenn aus unserer geplanten kurzen Dome- Wanderung nichts geworden ist, sind wir zufrieden. Nun steht uns wieder eine Zeit des Fahrens bevor, bis wir am nächsten Reiseziel ankommen.

Bei der Fahrt streifen wir die linke obere Ecke von Arizona, dem dritten Bundesstaat unserer Reise nach Kalifornien und Nevada, bevor wir in Utah einreisen.

Nachdem wir noch im Walmart in St. George, der letzten größeren Stadt vor unserem Tagesziel, eingekauft und auch Fury mal wieder mit Benzin versorgt haben, folgen wir den Hinweisschildern zum „Zion National Park“.

Einkaufen bei Walmart – immer wieder ein Erlebnis

Dieser Park ist einer der kleineren Nationalparks mit nur knapp 580 qkm. Aber er ist der älteste Nationalpark Utahs. Er umfasst neben dem Haupttal mit den Seitencanyons auch den im nordwestlichen Gebiet befindlichen Kolob Canyon.

Wir werden uns aber nur im eigentlichen Zion Canyon aufhalten. Da wir im einzigen Hotel im Canyon eingebucht haben, dürfen wir auch mit unserem Fury hineinfahren bis zur Lodge. Danach ist nur Shuttleverkehr (kostenlos) möglich.

Erste Begegnung nach der Einfahrt ins Tal ist eine Gruppe von Truthähnen und Truthühnern direkt an einer Haltestelle des Shuttles. Mal wieder geht alles so schnell – sehen, registrieren und schon vorbeigefahren -, dass kameratechnisch keine Reaktion erfolgen kann.

Das Tal ist erstaunlich grün, die Felswände sind dunkelrot und wirken durch die tiefhängenden Wolken noch dunkler. Ein Kontrast zur Wüstenlandschaft rundum.

Quelle Karte: https://www.nps.gov/zion/index.htm

Wir parken und erhalten beim Check-in die entsprechende Parking Permit für den Rückspiegel. Beim Ausladen unseres Gepäcks werden wir von einem Mule Deer beobachtet, der auf der Wiese direkt vor dem Haupthaus steht und äst. Unser Zimmer liegt ebenerdig und gefällt uns sehr. Es paßt von der Einrichtung her genau zur Gegend: nicht modern, sondern urig. Aber mit allem, was frau so braucht.

Das Hotel mit Mule Deer auf der Wiese

Unser Zimmer

Die Veranda

Das Bad

Ein Anruf im Restaurant sichert uns einen Tisch fürs Abendessen. Inzwischen ist es nämlich fast dunkel geworden, hier im engen Tal verschwindet das Licht schon relativ früh.

Wir gehen also rüber zum Haupthaus, um dort vor dem Essen noch etwas im Souvenir Shop zu stöbern. Ach, man könnte wirklich überall was kaufen. Ich habe das „Glück“, dass das, was mir wirklich gut gefällt, zu teuer ist oder zu groß fürs Gepäck. Und da ich keine Sachen mitbringen soll und darf für die Familie, kann ich auch hier Geld sparen. Sandy steht aber jedes Mal vor der Qual der Wahl: soll ich oder soll ich nicht, und wenn ja, was?

Schließlich ist es Zeit und wir gehen zum Eingang des “Red Rock Grill“. Das berühmte „please wait to be seated“ entfällt hier, wir dürfen gleich die Stufen ins Restaurant hochgehen und werden oben empfangen und zu unserem Tisch begleitet.

Das Essen ist ganz gut, die Kritiken im Internet waren einmal mehr übertrieben oder wir haben einfach Glück gehabt.

Sandys Nachtisch: ein Brownie

Als wir uns dann zurück ins Zimmer begeben wollen, erleben wir noch eine kleine nette Überraschung. Auf der Wiese vor der Lodge, wo vorhin der Mule Deer geäst hat, steht nun ein kleines Rudel und lässt sich das frische Gras schmecken. Man könnte die Tiere berühren, so nah kann man an sie herangehen, ohne dass sie sich gestört fühlen. Selbst die Mütter mit ihren Jungtieren sind hier ganz lässig dabei.

Noch unsere übliche Feierabendaktivtät (Facebookbericht, Fotos sichern) und dann geht es endgültig in die Heia.

zurück: 19. September 2016

weiter: 21. September 2016

It’s Hot in the Desert

Es wird immer behauptet, dass die Temperaturen in der Wüste nach Sonnenuntergang rasch sinken. Das kann ich bestätigen! Denn als wir am frühen Morgen bei völliger Dunkelheit unseren Fury beladen, hat es gerade mal noch… ca. 30 Grad. Also doch schon bedeutend kühler als am Vortag!

Kurz nach 5 Uhr gebe ich unsere Schlüsselkarten zurück, und dann fahren wir los Richtung Süden. Erstes Ziel: Dante’s View zum Sonnenaufgang-Gucken. Die Straße führt uns an Furnace Creek (dem echten!) vorbei. Verkehr herrscht keiner, allerdings gibt es auch einfach nichts zu sehen. Stockdunkel ist es halt. Man sieht nur soweit die Scheinwerfer reichen. Wir hatten ja stillschweigend auf Kojoten oder auf eine Schlange auf der Straße gehofft, aber das einzige Wildtier, das wir entdecken, ist ein Kaninchen, das neben der Straße ins Gebüsch hoppelt.

Kurz vor dem Ziel noch ein kurzer Halt an einem Toilettenhäuschen (die – obwohl Plumpsklos – immer erstaunlich geruch- und fliegenfrei sind), dann kämpft sich Fury die letzten steilen Meter den Berg hoch zum Parkplatz.

Unsere Wüstendurchquerung…

Dante’s View befindet sich auf der östlichen Bergkette des Death Valley, den Black Mountains. Mit 1669 m Höhe überragt er das Badwater Basin mit dem tiefsten Punkt der USA. Er bietet eine grandiose Sicht auf das gesamte Tal.

Es sind nur wenige Frühaufsteher hier am Parkplatz, die gemeinsam mit uns warten. Mit Blick auf das Tal geht schließlich die Sonne hinter uns auf.

Blick ins Badwater Basin

Nächster Stopp auf unserer Wüstentour ist Zabrieski Point. Die Sonne wirft noch ein herrliches Licht auf die „Painted Desert“, die man von diesem Punkt aus sieht.

Inzwischen wird es Zeit für ein Frühstück. Aufgrund des frühen Aufstehens ist dieses ja erst einmal ausgefallen. Aber wir haben eines eingeplant, und zwar im „49er Cafe“ in Furnace Creek. Da wir von Dante’s View aus für unsere geplante Route wieder nach Norden fahren müssen, kommen wir hier sowieso vorbei.

Nach dem Frühstück steht als nächster Punkt der „Golden Canyon“ auf unserer to-do-Liste. Diese Schlucht erstrahlt je nach Lichteinfall in einem intensiven Gelbton.

Auf dem Weg zum Golden Canyon

Sie liegt inzwischen allerdings zum großen Teil im vollen Sonnenschein und heizt sich spürbar auf. Daher begehen und beklettern wir nur den vorderen Teil des Canyons, der noch schattig ist.

Weiter geht es zum „Artists‘ Drive“.

Es handelt sich um einen Loop-Drive, der nur in eine Richtung durchfahren werden darf.

Wir halten an zwei Vista Points, einem gleich zu Beginn des Drives und dann am bekannten Punkt „Artists‘ Palette“, die mit ihren verschiedenen, bunten Gesteinsflecken sehr interessant aussieht.

An unserem ersten Stopp

Unheimlich viel los hier….

Wir sind dort einige Zeit völlig alleine mit der Natur, es ist absolut still, keine Tiere, kein Geplapper, kein Fahrzeug.

Zurück auf der Hauptstraße geht es vorbei am Devil’s Golfcourse. Die Zugangsstraße zu dieser eigentlich interessanten Stelle im Death Valley ist aber sehr schlecht, so dass wir den Abzweig ignorieren und weiterfahren.

Am Badwater Basin können wir allerdings nicht vorbeifahren.

Wir halten und wagen uns mit vielen anderen Besuchern hinaus auf die Salzpfanne, in der sich mit 85,5 m unter Null der tiefste Punkt der USA befindet. Die Sonne knallt jetzt ganz schön und das kristallisierte Salz verstärkt die Wirkung der Strahlen noch. Unser mitgenommener Wasservorrat schrumpft beträchtlich und schnell.

Der kurze Spaziergang gibt uns einen kleinen Eindruck, wie sich die frühen Siedler hier gefühlt haben müssen, wenn sie das Tal durchquerten. Man muss den Mut dieser Menschen wirklich bewundern.

 

Wir verabschieden uns vom „Tal des Todes“ und fahren weiter durch eine zwar öde, aber doch im Verhältnis „lebendige“ Landschaft. Unser jetziges Ziel ist das völlige Kontrastprogramm zur stillen und eigentlich einsamen Wüste. Heute übernachten wir nämlich in Las Vegas.

In der Ferne liegt unser heutiges Ziel.

Unser Hotel ist das „The Linq“ direkt am Strip. Aufgrund unserer Recherchen wissen wir, dass wir das zugehörige Parkhaus am besten von der Rückseite her anfahren. Was die Recherchen nicht zeigten war, dass man vom Parkhaus zur Rezeption gefühlte Panorama-Trail-Kilometer durch die Shopping-Area und das Kasino marschieren darf…

Kaum geparkt, fängt Fury schon an zu flirten….

Für uns Hundehalter interessant: Auslaufzone im Hotel

Wir schleppen also unser gesamtes Gepäck erst zur Rezeption, entscheiden uns dann aber, per Automat einzuchecken. Das klappt auch recht gut und wir erhalten unsere Schlüsselkarten. Jetzt heißt es, den richtigen Hotelteil zu finden. Das dauert etwas, aber schließlich schaffen wir es, den richtigen Fahrstuhl zu finden, der uns in das richtige Stockwerk trägt. Dann heißt es, gaaaanz ans andere Ende des Flurs zu marschieren, denn wir haben einmal wieder das vorletzte Zimmer direkt gegenüber vom Notausgang „gewonnen“. Das Zimmer selbst ist modern und freundlich eingerichtet, und der Ausblick ist wie gewünscht auf den High Roller, das Riesenrad.

Während Sandy im Augenblick eine Pause braucht, fahre ich wieder nach unten, um den Eingang zum Pool zu suchen. Die Fahrstühle im Linq sind sehr gewöhnungsbedürftig, denn der eine fährt nur bis Stockwerk x in die Höhe, der andere fährt dafür nicht ins Kasino. Ich glaube, ich müsste hier mehrere Tage wohnen, um vielleicht einen Überblick zu erhalten. Immerhin, ich finde den Eingang zum Pool und hoffe, ihn auch zusammen mit Sandy zu finden. Denn so ein kleines erfrischendes Bad wäre jetzt genau das richtige.

Also Badeklamotten gepackt und runter gefahren (im richtigen Lift!). Wir erhalten Handtücher und wagen uns nach draußen. Großer Fehler! Das Linq gilt als Partyhotel. Und ein Teil der Party findet hier am Pool statt. Da sich die Poollandschaft im Innenhof befindet, verstärkt sich der Lärm der Leute und der Musik noch zusätzlich. Dazu sind alle Becken dicht bevölkert von jungen Leuten. Das ist nichts für uns – zu laut und zu voll. Da gehen wir uns lieber den Strip anschauen. Wir drehen um, geben die Handtücher zurück und fahren wieder aufs Zimmer.

Nachdem wir unsere Handtaschen gepackt haben, geht es los. Auf dem Strip halten wir uns in Richtung Süden und marschieren auf der linken Seite. Noch ist es hell und daher wirkt Las Vegas nur wenig spektakulär, nur voller Menschen, Autos und laut (wenn auch anders laut als am Pool vom Linq). Und warm. Außer man geht gerade an einem Kasinoeingang vorbei. Dann ist es kalt. Denn die Klimaanlagen der Hotels und Kasinos laufen volle Pulle, und das bei geöffneten Türen.

Bei der Hitze wollten wir so kostümiert nicht rumlaufen.

So laufen wir über den Strip bis zum Eiffelturm. Kurz entschlossen fragen wir nach einem Tisch im Restaurant, und tatsächlich, wir erhalten einen kleinen Tisch mit Ausblick auf die Bellagio Fountains. Wir bestellen – huch, ist das vornehm hier, 3 Schwarzröcke schleichen mehr oder weniger um uns rum! – und genießen die Sicht. Langsam geht die Sonne unter hinter dem Bellagio.

Gruß aus der Küche

Blick aufs Bellagio

Je später es wird, desto „schöner“ wird die Stadt. Was hier an Strom verbraucht wird, übersteigt jegliche Vorstellungskraft. Aber irgendwie hat das Lichtergeflimmer was…

Nachdem es nun dunkel ist, steht unser nächster Programmpunkt bevor. Wir laufen zurück zu unserem Hotel und wenig später trudeln wir am Riesenrad ein. Da ich schon in Deutschland Tickets besorgt hatte, können wir die anstehende Schlange der Besucher hinter uns lassen. Nach ein wenig Verwirrung bei der Ticketkontrolle (ich hatte nur 1 Ticket erhalten, aber den Zahlungsbeleg für 2 dabei) dürfen wir eine der Gondeln betreten und uns auf die halbstündige Fahrt machen. Da in die Gondel maximal 10 – 12 Personen geladen werden, obwohl sie eine stärkere Kapazität hat, ist ausreichend Platz und man kann sich aussuchen, wo man stehen oder sitzen will.

Der High Roller befindet sich parallel zum Strip, allerdings um einen Block nach hinten versetzt. Auf seiner „Rückseite“ ist derzeit noch unbebautes Gelände, daher ist die Aussicht in diese Richtung recht mau. Aber der Blick auf den Strip und die Hotels und Kasinos ist atemberaubend.

Nach einer halben Stunde ist die Fahrt vorbei.

Zurück am Strip passieren wir erneut den Eiffelturm. Vorbei am Planet Hollywood und dem Hardrock Café laufen wir bis zur Tropicana Avenue. Hier überqueren wir den Strip, um auf der anderen Straßenseite zurück nach Norden zu marschieren. Wir bestaunen den Rollercoaster am New York, New York-Hotel, passieren das Mandarin Hotel und überlegen, was wir bei Louis Vuitton im Las Vegas City Center einkaufen könnten.

Überall gibt es was zu sehen und zu bestaunen, sei es die Bauweise der Gebäude, sei es die Lichterreklame für eine der vielen Shows oder für eines der großen Lokale.

Aber mit am meisten beeindrucken die Bellagio Fountains. Ab 18 Uhr bis nach Mitternacht sind diese ein Anziehungspunkt für alle Besucher. In regelmäßigen Abstand „tanzen“ die beleuchteten Fontänen regelrecht zur erklingenden Musik. Besonders beeindruckend sind natürlich die Riesenfontänen, die bis zu 45 m hoch sind und die mit einem sehr lauten Platschen zusammenfallen.

Jede Vorführung, die von einem Computer gesteuert ist, ist anders, so dass es nicht langweilig wird, hier zuzuschauen.

Gegen 23 Uhr erreichen wir wieder unser Zimmer. Eigentlich wollten wir morgen zum Sonnenaufgang im Valley of Fire, das ca. 1 h Fahrzeit von Vegas liegt, sein. Aber wir entscheiden, dass dieser für uns ausfällt und wir erst später aufstehen werden.

zurück: 18. September 2016

weiter: 20. September 2016

Rocks and Dunes

Nachdem unser Hotel ein Frühstücksbuffet anbietet, das im Zimmerpreis inkludiert ist, nutzen wir das aus. Es gibt diverse süße Teilchen, aber auch (Tüten-)Rührei, Bacon und Rösti, zusätzlich Joghurt und Müsli.

Leider fällt Sandy gleich unangenehm auf, denn ihr passiert ein mittleres Unglück und sie wirft ihr Morgengetränk um über Tisch, Stuhl und Teppichboden. Große Sauerei, die vom herbeieilenden Personal entfernt werden muss. Sandy ist das mehr als peinlich und sie bedankt sich wenig später mit einem Extra-Trinkgeld bei den Mädels.

Dann geht es los, Trulla lotst uns auf den Highway 65, auf dem wir gen Süden düsen. Denn einen Pass über die Berge, der die Wegstrecke abkürzt, gibt es nicht. Sicherlich mag es den einen oder anderen Schleichweg geben, aber dazu sollte man sich in der Gegend auskennen und sicherlich auch ein geländegängigeres Fahrzeug besitzen als ausgerechnet einen Ford Mustang.

Daher bleibt uns nichts anderes übrig, als die längere Strecke um die Südspitze der Gebirgskette zu nehmen. Das ist auch gar nicht schlimm, denn so kommen wir direkt an unsere ersten „roten Steine“, die am Highway liegen.

Vorbei  an der Weltstadt *hüstel* Tehachapi…

… betreten wir den „echten“ Wilden Westen.

Am Highway 14, der uns nach einem kurzen Schlenker nach Osten dann wieder nach Norden führt, liegt der „Red Rock Canyon State Park“. Und weil der eben so genial an der Straße liegt, bietet er sich prima für eine kleine Fahrpause an, um sich die Beine zu vertreten.

Wir fahren gleich beim ersten Vista Point ab auf den geschotterten Parkplatz am Fuße der „Red Cliffs“.

Es ist schon erstaunlich, was die Natur hier geschaffen hat. Der Kontrast der Felsen zum blauen Himmel ist wunderschön.

Ein paar Meter weiter überqueren wir den Highway – ja, man kann hier bei manchen Highways einfach so über die Gegenfahrbahn fahren (man stelle sich das hier in Deutschland vor….) – und parken an der Zufahrt zum Visitor Center.

Hier direkt an der Straße beginnt der Hagen Trail.

Diesen laufen wir ein Stück entlang, in Anbetracht von Sandys schmerzenden Füßen sowie der stechenden Sonne und der beginnenden Hitze zwischen den Felsen kehren wir aber doch recht schnell wieder zu unserem Auto zurück.

Ein par kleine Vertreter des Wildlife sind trotz der Hitze unterwegs.

Eidechsensuchbild

Der Red Rock State Park wäre sicherlich einen längeren Besuch wert, aber es zieht uns weiter.

Wir fahren also auf dem Highway 14/Highway 395, immer weiter nach Norden. Die Landschaft ist karg und nicht sehr abwechslungsreich. Die Fahrerei ist daher nicht gerade spannend, bis einige Meter rechts von der Straße eine schwarze „Steinmauer“ parallel zu unserem Fahrweg verläuft. Anhand unserer Vorbereitungen wissen wir, dass wir uns nun der „Fossil Falls Scenic Area“ nähern müssen.

Schon von weitem sehen wir den auffallenden roten Kegelberg, vor dem von unserer Richtung aus rechts die Zufahrt zur Area erfolgt.

Hier haben wir eine weitere Rast eingeplant. Trotz der Abgeschiedenheit und der schlechten Beschilderung der Area müssen wir feststellen, dass erstaunlich viele Autos (nämlich 3-4) auf dem Parkplatz stehen. Bevor wir loslaufen, essen wir noch etwas Obst, und als Sandy ein scheinbar einsames Chipmunk entdeckt, das in dieser Einöde unterwegs ist, gibt sie dem kleinen drolligen Kerlchen etwas von ihren Erdbeeren und Keksen ab (böse böse, ist doch verboten!).

Ich bin ja soooo allein.

Hmm, nur ein trockener Keks? Na ja, besser als nix.

Ui, DAS ist jetzt aber mal was Leckeres. Super!

Dann laufen wir auf einem schmalen Trampelpfad zwischen den schwarzen Lavafelsen hindurch bis zu den besagten „Fossil Falls“.

DA geht es hin!

Die Abbruchkante der Fossil Falls gibt einen Blick auf den rund 40 m tiefer gelegenen Boden frei. Rechts sieht man das Bett des Owens River.

Die zerklüfteten Lavafelsen ziehen sich über Meilen.

Eine scheinbar tote, wasserlose, schwarze, trostlose Landschaft. Und doch gibt es hier Leben. Als wir nämlich zum Parkplatz zurückkommen, entdecken wir …. zwei Chipmunks. Entweder handelt es sich um eine wundersame Blitz-Vermehrung, oder die Kerlchen haben uns vorhin vera***t.

Wir genießen die rasche Abkühlung unseres Fury, als wir losfahren. Denn entgegen „normaler“ Klimaanlagen bläst unser Pferdchen beim Losfahren – selbst wenn er lange Zeit in der Sonne stand – keine heiße Luft, sondern bietet gleich kalte Luft an. Bisher haben wir die Klimaanlage aber nur in wenigen Fällen benötigt, ansonsten reicht entweder das offene Dach oder die normale Lüftung völlig aus.

Jetzt aber testen wir noch ein Novum, das ich bisher noch bei keinem deutschen Mietauto hatte: Fury besitzt nämlich nicht nur die übliche Sitzheizung, sondern auch eine Sitzkühlung. Es ist schon ein seltsames Gefühl, aber nicht unangenehm. Man fühlt sich ein wenig so, als hätte man in nasser Badehose auf dem Autositz Platz genommen. Im Hinblick auf kommende Reiseziele kein schlechtes Gefühl.

Und wieder fahren wir auf der 395 nach Norden, bis wir an einer der wenigen Kreuzungen eine Chevron-Tankstelle und einen kleinen Supermarkt in der Einöde sehen. Hier tanken wir noch einmal voll, das müsste jetzt reichen für die nächsten eineinhalb Tage. Unser Pferdchen ist nämlich bisher erstaunlich genügsam.

Weiter geht es. Wenig später überqueren wir die beiden Los Angeles Aqueducts 1 + 2, in denen Schmelz- und Regenwasser von den Bergen bis nach Los Angeles geleitet wird. Aktuell allerdings sind die Wasserläufe leer und trocken.

Nun dauert es nicht mehr lange und wir können nach Osten abbiegen. Langsam aber stetig nähern wir uns unserem Ziel, dem „Todestal“.

Der Nationalpark des „Death Valley“ wirbt damit, der „heißeste, trockenste und am niedrigsten gelegene“ Park der USA zu sein. Er umfasst eine Fläche von fast 14.000 qkm (Quelle: wikipedia) und besteht aus 2 Haupttälern: dem eigentlichen Death Valley und dem Panamint Valley sowie vielen Canyons und Nebentälern.

Wir nähern uns über den nordwestlichen Zugang. Dazu müssen wir erst einige Meilen über einen Bergpass fahren, bis sich die Straße langsam immer mehr dem Talboden nähert.

Jetzt im September brennt die Sonne nicht mehr ganz so stark, aber es genügt uns schon, um für den Fahrtwind dankbar zu sein. Im Hochsommer möchte ich weder uns noch der Kühlung unseres Furys einen Trip ins Tal zumuten. Wobei die Hitze eine trockene Hitze ist und man gefühlt gar nicht richtig ins Schwitzen kommt. Was eigentlich bedeutet: was man rausschwitzt, verdunstet gleich wieder, so dass man den Feuchtigkeitsverlust gar nicht auf der Haut spürt – Achselflecken sind praktisch ausgeschlossen.

Je tiefer man fährt, desto heißer wird es. Das kann man der Temperaturanzeige von Fury klar entnehmen, alle paar Meter tiefer steigt die Anzeige um 1 Grad Celsius. Als wir in Stovepipe Wells, unserem heutigen Übernachtungspunkt, eintreffen, steht die Anzeige allerdings nur auf lächerlichen 42°.

Stovepipe Wells besteht aus einer Trading Post, einem Andenkenladen, einem Saloon und einem Restaurant, einigen einstöckigen Gebäuden mit Gästezimmern sowie einem Campingplatz auf der anderen Straßenseite. Idealerweise haben die Zimmer den Parkplatz direkt vor der Tür.

Als ich einchecken will erfahre ich, dass unser Zimmer noch nicht bezugsfertig ist. Als Alternative zum Check-in erhalte ich für uns beide Handtücher und eine Zugangskarte zum Poolgelände, „to cool off a little“. Also kurzentschlossen Badezeug angezogen und rein ins kalte Nass.

Etwa eine halbe Stunde später können wir dann unser Zimmer beziehen. Erste Amtshandlung ist – wie üblich – die Regulierung der Klimaanlage. Das Gebläse befindet sich nämlich direkt neben meinem Bett, und erstens ist es sehr sehr laut und zweitens sehr sehr kalt und drittens sehr sehr stark blasend. Also die Temperatur neu eingestellt, und somit ist unsere Anlage die einzige in der Reihe der Nachbarzimmer, die am frühen Abend keinen Krach macht.

Wie gewünscht haben wir Blick auf die Mesquite Flat Sand Dunes, die knappe 3 Meilen vom Hotel entfernt liegen.

Parkplatz direkt vor der Tür. Im Hintergrund in der Mitte des Bildes leicht zu erahnen: unser abendliches Fototourenziel.

Nachdem Fury entladen ist, besuchen wir zuerst die beiden Shops, den Andenkenladen auf der Suche nach Magneten und die Trading Post, um unsere Getränkevorräte aufzustocken. Denn obwohl wir – wie wir dachten – ausreichend Wasser und Tee eingepackt hatten, sind diese Vorräte erstaunlich stark geschrumpft in dem grad mal halben Tag Wüste. Und morgen haben wir ja fast einen ganzen Tag Wüste eingeplant. Allerdings lässt sich die Trading Post das dort zu kaufende Wasser wahrlich vergolden…

Inzwischen ist es Zeit für unser heutiges Abendziel: Sonnenuntergang an den Dünen. Die drei Meilen schafft unser Fury wie nix, und am Parkplatz finden wir trotz der vielen Besucher auch noch ein Plätzchen. Während wir zusammensuchen, was wir in die Dünen mitnehmen müssen/wollen, sehen wir einen Mann, der zwischen den Autos herumschleicht und alle scheinbar intensiv mustert.

Alarmglocken! Autodieb? Bandit? Wie wir noch grübeln, hören wir ihn quer über den Parkplatz schreien: „Eeeeeeelke! Indiäna! In-di-ääääää-na! Eeeeeelke!“ Es dauert einen Moment, bis wir registrieren: „Oh, Deutsche!“ Und einen weiteren: „Oh, peinlich!“, dieses Verhalten…

Wir verstehen dann, was hier passiert. Das Paar sammelt License Plates! In den Staaten werden die Autokennzeichen nicht von Städten/Bereichen, sondern von den Bundesstaaten herausgegeben. Diese Plates können auch noch unterschiedlich gestaltet sein (California z.B. hatte früher schwarze Schilder mit gelber Schrift, dann blaue Schilder mit gelber Schrift und heute weiße Schilder mit dunkelblauer Nummer und rotem California-Schriftzug darüber). Dazu gibt es noch die personalisierten Plates in gleicher Form. Und da also jedes Auto anzeigt, wo es zugelassen ist, gibt es Leute, die diese Kennzeichen „sammeln“, also versuchen, möglichst alle oder möglichst viele der Bundesstaaten zu „erwischen“. (Aktuelle Plates siehe auch HIER.)

Es wird nun bei uns zu einem geflügelten Wort, wenn wir eine neue License Plate entdecken: „Eeeeeeeelke!“ Und wir entdecken erstaunliche Kennzeichen, wer käme auf die Idee, dass man auf dem Festland einem Auto aus Hawaii begegnet?

Wir stapfen über den Sand der ersten Dünen in die Landschaft und versuchen, ein möglichst ruhiges Plätzchen zu finden. Das ist gar nicht so einfach, denn der Besucherandrang ist hoch.

Schließlich lassen wir uns auf einer der kleineren Dünen nieder, der Weg zur höchsten Düne ist uns mit 2 Meilen einfache Strecke durch den Sand zu beschwerlich und zu lang.

Blick zurück nach Südosten auf den Parkplatz und die Straße.

Blick nach Nordwesten auf die Dünen und die westliche Bergkette des Panamint Valley

Langsam nähert sich die Sonne dem Horizont.

Während wir schon im Schatten sitzen, leuchten die Berge noch in den letzten Sonnenstrahlen.

Da ich unsere Glaskugel mitgenommen habe, suchen wir noch ein passendes Plätzchen für ein Foto.

Irgendwie erinnert das Holz an das vordere Ende einer Wasserschildkröte…

Trotz der vielen Leute war dieser Sonnenuntergang sehr schön und wir sind froh, ihn erlebt zu haben. Jetzt aber meldet sich der Hunger, schließlich haben wir heute seit dem Frühstück nur Kleinigkeiten gegessen.

(Fast) die heutige Strecke (das Stückchen bis Stovepipe Wells fehlt)

Also fahren wir zurück zum Hotel und gehen auf gut Glück ins Restaurant, denn vorbestellt haben wir nicht. Aber da es noch recht früh ist, erhalten wir problemlos einen Ecktisch zugewiesen und können aus der Speisekarte auswählen. Ich gönne mir ein hauseigenes Bier, und das schmeckt gar nicht mal so schlecht.

Als wir nach dem Essen das Lokal verlassen, warten im Eingangsbereich ca. 10 Leute auf einen Tisch. Gut, dass wir so früh dran waren.

Auf dem Rückweg vom Restaurant bestaunen wir den inzwischen sternenübersäten Himmel. So viele funkelnde Pünktchen am Himmel haben wir noch nie gesehen. Was bedeutet, dass Sandy ihre Ausrüstung holt und mit Stativ und Berechnungstabellen auf dem Handy ihre ersten Nachthimmellangzeitbelichtungen schießt.

Ich begleite sie, staune den Himmel an (ich habe hier das erste Mal in meinem Leben ein Sternbild eindeutig erkannt!) und leuchte bei Bedarf mit der Taschenlampe.

Da entdecke ich in der Richtung, in die wir morgen fahren müssen, ein helles Licht hinter den Bergen. „Ob das Furnace Creek ist?“ frage ich Sandy, denn dieses Hotel mit Campingplatz liegt etwa in der Richtung des Lichts. Wobei ich mir das eigentlich nicht vorstellen kann, ist doch das Death Valley inzwischen ein sogenanntes „Lichtschutzgebiet“, und unser Hotel z.B. bittet seine Gäste, auf unnötige Lichtquellen zu verzichten. Und da soll Furnace Creek so leuchten?

Wie wir noch zweifeln, wird das Licht immer größer und heller… Und dann erkennen wir es: es ist der aufgehende (fast-) Vollmond! So groß und so leuchtend haben wir den noch nie gesehen. Wie eine kleine Sonne erscheint er hinter den Bergen.

Von diesem Moment ab heißt der Mond bei uns nur noch „Furnace Creek“.

Irgendwann hat auch Sandy genug vom Fotografieren und wir ziehen uns ins Zimmer zurück. Morgen klingelt der Wecker um 4:30 Uhr…

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Trees, Bears and a Rock

Nach einer ruhigen Nacht packen wir mal wieder unsere Sachen ins Auto, dann geht es zum Frühstück rüber in die Lodge. Heute werden wir Sequoia unsicher machen, unsere letzte Station im offiziellen Bear Country.

Erste Station ist das Lodgepole Center in der Nähe der Lodge. Obwohl es nicht so aussieht, ist es tatsächlich schon geöffnet, und wir haben einmal mehr die Gelegenheit, in den Souvenirs zu stöbern. Wir bleiben allerdings nicht lange, denn der größte Baum der Welt, der General Sherman, ruft nach uns.

Vom Parkplatz aus muss man einige hundert Meter den Berg hinabgehen, um an diesen Baum zu gelangen. Direkt am oberen Wegende entdecken wir einen der riesigen Mammutbaumzapfen total zerpflückt auf dem Weg liegen. „Die haben hier ganz schön große Eichhörnchen!“ frotzle ich noch zu Sandy.

Etwas weiter informiert uns eine Wegtafel, dass man von diesem Punkt aus die Spitze des Sherman sehen kann. Und tatsächlich, wir entdecken sie zwischen den anderen Bäumen.

Spitze des General Sherman

Man mag von den Amis halten, was man will, eines ist sicher: die Wege zu den Sehenswürdigkeiten sind zu 99,9% behindertengerecht und daher sehr bequem zu laufen. Auch hier ist der Weg den Berg hinab geteert und glatt. Hinweistafeln informieren über interessante Tatsachen oder weisen auf Besonderheiten hin.

Wir sind gerade an so einer Infotafel, von der aus man etwas entfernt den Sherman von der Seite sehen kann, da kommt eine kleine Halbasiatin ganz aufgeregt auf uns zu und ruft uns – immer in die Hände klatschend – lauthals zu: „Be careful. Make noise. There’s a Mama bear down there with two cubs.“ Sandy und ich sehen uns nur an: „Pssst. Leise, nicht dass wir sie verscheuchen!”.

Wir folgen also dem Weg nach unten, wo er sich teilt. Nach rechts geht es direkt zum General, nach links macht der Weg einen kleinen Schlenker in eine weniger besuchte Gegend. Diesem Weg folgen wir.

Wie fast überall sind auch hier die Mammutbäume eingezäunt, um damit die Besucher auf Abstand zu halten, damit die empfindlichen Wurzeln nicht zerstört werden. Irgendwie finde ich, dass es immer so aussieht, als würde man die Bäume wie Kühe in einem Gehege halten – bestimmt würden sie ohne Zaun weglaufen.

Jedenfalls ist die Annäherung an Mammutbäume sehr selten möglich, aber hier gibt es tatsächlich zwei dicht nebeneinander wachsende Sequoias, bei denen dies möglich ist. Denn der Weg führt direkt zwischen den „Tough Twins“ durch, eine ideale Gelegenheit für Größenvergleichsfotos.

Die Tough Twins mit Sandy als Zwerg.

Ein Traum wird wahr!

Nachdem ich Sandy fotografiert habe, ist sie dran, an gleicher Stelle von mir Bilder zu machen.

Während ich posiere, sehe ich plötzlich einen schwarzen Schatten… „Sandy, dreh dich um! Da ist die Bärin!“

Und tatsächlich, da kommt Mama Bear ganz gemütlich aus dem Gebüsch marschiert, gefolgt von erst einem und dann noch einem zweiten Jungen.

Sie klettern unter dem Zaun durch und kommen uns auf dem Weg langsam entgegen, um sich in etwa 10-15 m Entfernung auf dem Seitenweg mit etwas auf dem Boden zu beschäftigen. Um was es sich dabei handelt, können wir durch die Zäune nicht erkennen.

Während Sandy immer weiter fotografiert, beobachte ich das zweite Junge, das sich von Mama und Geschwisterchen entfernt hat und immer näher kommt. Schließlich möchten wir nicht gerade zwischen Kind und Mama geraten… Daher ziehen wir uns auch ein paar Schritte zurück näher an die Twins und stoppen dabei gleich noch ein paar Touristen „Quiet. There’s a Mama Bear with 2 cubs over there!“ Gott sei Dank sind auch diese Besucher keine Angsthasen, sondern genauso fasziniert von dieser Begegnung wie wir.

Schließlich zieht sich die Mama wieder zurück und Baby Nr. 1 folgt ihr direkt. Sein Geschwisterchen spielt derweil noch versunken auf dem Weg in unserer Nähe, bis es bemerkt, dass es plötzlich alleine ist, und dann ziemlich eilig der Familie folgt.

Das war ein wundervolles Erlebnis mit einer völlig lässigen Bärenmama. Wir hatten keinen Moment lang den Eindruck, es könne gefährlich sein, solange wir uns nur richtig verhalten.

Und nein, vor Schwarzbären muss man keine Angst haben. Man sollte sie nicht belästigen, also „do not approach, do not touch, do not feed“. Schwarzbären haben in der Regel kein Interesse an Menschen und sind auch nicht auf Ärger aus. Vor Grizzlys hätten wir deutlich mehr Angst (die gibt es in Yosemite/im Südwesten aber nicht mehr mehr), aber die Menschen sind da trotzdem meist selbst schuld, wenn sie verletzt werden, indem sie den Bären hinterherrennen, um das beste Foto zu kriegen und solche Scherze. Im Yellowstone NP (weiter nördlich in Wyoming) wurde vor nicht allzu langer Zeit ein Mann von einem Grizzly getötet. Sowas ist aber ein Einzelfall. Die meiste Angst hätten wir in Yellowstone allerdings vor den Bisons und Wapitihirschen. Die rammen auch gerne mal Autos… oder Touristen, die ihnen zu nah kommen. Da gibt es aber auch unfassbar dumme Leute, die aus dem Auto steigen, in eine Herde Bisons latschen, das größte am Kopf betatschen und ein Selfie machen. Oder noch schlimmer: Ein einsames Bisonkalb rumlaufen sehen und es in ihrem Auto mitnehmen! Im Südwesten, wo wir unterwegs sind, gibt es nicht wirklich gefährliche Tiere (mal abgesehen von Klapperschlangen). Pumas sind sehr scheu, da kann man von SEHR großem Glück reden, wenn man überhaupt einmal im Leben einen in weiter Ferne sieht. Kojoten ignorieren Menschen, die latschen einfach nur vorbei wie Straßenhunde. Und die Hirsche sind eher friedlich gestimmt, genauso wie die Bären. Das furchteinflößendste Wesen, das wir getroffen haben, war definitiv der chinesische Tourist in Gruppenformation.

Übrigens ist die asiatische Madame Hasenfuß auch in der Nähe, sie tauchte mit ihrem männlichen Begleiter am anderen Ende des Seitenwegs, auf dem die Bärin war, auf. Also so gut 30-35 m weit weg. Und was tat sie? Richtig, sie klatschte wieder wie wild in die Hände. Die Reaktion der Bärin darauf? Noch nicht mal ein Ohrzucken…

Nachdem der Weg für uns nun wieder frei ist, wollen wir natürlich wissen, was die Bärin dort so interessant fand. Tja, es handelte sich um einen der Mammutbaumzapfen, der nun in etwa so aussah wie der oben am Parkplatz. Immerhin wissen wir jetzt aus eigener Erfahrung, was für ein „Eichhörnchen“ sich an diesem vergnügt hatte.

Von den Begegnungen mit Tieren ist dieses wohl das, das uns am besten im Gedächtnis bleiben wird. Hatte Sandy doch am Morgen noch zu mir gesagt: „Ich geb den Bären jetzt noch eine Chance!“ Und stand doch „Bärin mit 2 Jungen“ auf ihrer Foto-Wunschliste.

Irgendwie fällt selbst der Gigant Sherman gegen diese Begegnung ab. Auch wenn er noch so beeindruckend ist.

Von der Entdeckung des Goldmantelziesels/Gold mantled squirrel/Callospermophilus lateralis mal abgesehen.

Gemütlich machen wir uns auf den Weg zurück zum Parkplatz. Von hier aus fahren wir wenige Meilen zum Giant Forest Museum. Hier stellen wir das Auto ab und laufen ein kurzes Stück durch den Wald, bis wir zum „Big Trees Trail“ kommen.

Der Big Trees Trail ist ein Weg um ein hübsches Meadow, das von vielen Sequoias gesäumt ist.

Es handelt sich um einen gemütlichen Spaziergang durch die Natur, nichts anstrengendes – also genau das Richtige für Sandy.

Während wir sonst beide darauf achten, möglichst keine fremden Menschen mit auf den Fotos zu haben, sind wir hier gar nicht böse, wenn uns welche vor die Linse hüpfen. Denn nur so kann man auf den Fotos auch nur einen kleinen Eindruck vermitteln, wie groß diese Bäume wirklich sind.

Alien: Baum frisst Fels.

Zurück am Parkplatz überqueren wir die Straße zum Museum. Denn hier steht an exponierter Stelle einer der bekanntesten Mammutbäume. „The Sentinel“ zählt nur als „Durchschnittsgröße“, aber durch seinen Standplatz wurde er zu einer Berühmtheit.

The Sentinel und das Museum im Hintergrund

Um ein wenig Natur abseits der Massen zu schnuppern, fahren wir auf einen Seitenweg und folgen diesem eine Weile. Hier ist es praktisch menschenleer, wir sehen nur ein Auto am Wegrand stehen, sicherlich ein Wanderer. Allerdings ist die Straße auch mehr als schlecht, sie fällt eher unter die Bezeichnung „geteerte Holperstraße“.

Daher drehen wir auch wieder um und fahren zurück. Nächster Programmpunkt: Moro Rock.

Moro Rock ist ein – wie könnte es anders sein – Granitfelsen hier im Park, den man besteigen kann. Allerdings ist beim Moro Rock der komplette Weg vorgegeben. Da der Weg aber schmal ist und zum Teil nur wenig bis gar nicht gesichert, ist die Besteigung sicherlich nichts für Menschen mit Höhenangst. Wir als trainierte „Lembert Dome Besteiger“ und „Panorama Trail Survivors“ können natürlich hier nur grinsen…

Sicherung? Fehlanzeige

Auch hier wie in Yosemite erschreckend viele abgestorbene Nadelbäume.

Andere Seite. Diese Straße werden wir heute noch fahren.

Zurück am Auto geht es weiter zum sogenannten „Tunnel Log“. Hierbei handelt es sich um einen umgefallenen Sequoia, durch den man durchfahren kann. Daher lasse ich Sandy aussteigen, umfahre den Baum wie alle anderen Autos, um dann sozusagen „von hinten“ hindurch zu fahren. Durch die Einbahnstraßenregelung gibt es hier netterweise keine Probleme, und Sandy kann in Ruhe fotografieren.

Inzwischen ist es Nachmittag geworden und wir haben noch eine Strecke vor uns bis zu unserem heutigen Übernachtungshotel. Die Straße ist gut, wie üblich sehr kurvig (bestes Arm-/Schultertraining), das Wetter lockt zum Offenfahren. Es macht Spaß.

Von Sequoia nach Porterville

Bald erreichen wir den Vista Point, den wir vom Moro Rock aus gesehen haben.

Da oben standen wir noch vor kurzem…

Die restliche Strecke bis nach Porterville, unserem Übernachtungsort, fahren wir ohne Anweisungen, dann aber aktiviert Sandy unsere Trulla wieder. Schließlich kostet sie Geld und kann nicht die ganze Zeit auf der faulen Haut liegen… Artig dirigiert sie uns zu unserem Hotel, dem “Holiday Inn Express & Suites“.

Das Hotel

Unser Zimmer

Das Bad

Hier erkundige ich mich gleich an der Rezeption, wo man denn in der Nähe Wäsche waschen kann, und – Bingo – man kann dies hier im Haus. Das passt uns prima, und daher suchen wir in unserem Zimmer gleich einige Wäschestücke zusammen. Waschmittelpods habe ich von Zuhause mitgebracht, daher müssen wir nur die Nutzung der Maschinen bezahlen. Waschen und Trocknen für 2 US-Dollar, damit können wir leben.

Da sich der Waschraum im Erdgeschoss direkt neben der Poollandschaft befindet, nutzen wir die Zeit für einen Besuch dort und ein Sonnenbad. So lässt es sich aushalten!

Bei 35 Grad Celsius lässt es sich hier gut aushalten.

Nachdem die Wäsche fertig ist, fahren wir mit Fury mal wieder zum Einkaufen. Unsere Getränke sind praktisch leer, und Obst haben wir auch keines mehr. Über Google informieren wir uns und stellen fest, dass sich gar nicht weit weg ein Walmart befindet. Und da dort direkt um die Ecke das Lokal ist, das das Hotel empfiehlt, bietet es sich ja an, dort einzukaufen.

Wir können es natürlich nicht lassen und stöbern durch die zahlreichen Halloween-Kostüme, die hier angeboten werden. Au weia, was da alles auf den Bügeln hängt…

Wir schaffen es gerade noch, uns wieder loszureißen, ohne was zu kaufen. Das klappt vermutlich nur, weil wir so hungrig sind…

Zwei Blocks weiter halten wir bei Applebee’s. Das ist für uns beide Neuland und wir sind gespannt auf das Essen. Wie üblich ist es im Lokal sehr „frisch“, die Klimaanlage dürfte wieder auf Mitte 60 Grad Fahrenheit stehen. Aber das Essen kommt schnell und es schmeckt. Mehr kann man nicht verlangen.

Draußen ist es nun völlig dunkel, deshalb übergeben wir wieder Trulla das Regiment und folgen brav ihren Anweisungen zum Hotel.

Morgen haben wir die meilenmäßig längste Etappe unseres Urlaubs vor uns – vom Flug mal abgesehen…

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Waterfalls and Woods

Nach einem guten Frühstück im altbekannten Denny’s neben dem Hotel

Frühstück

fahren wir als erstes ins Shopping Center, wo Sandy in der Drogerieabteilung das Fach für Blasenpflaster leer kauft. Über Nacht haben sich ihre Blasen nämlich „herrlich“ entwickelt, ich habe den Eindruck, sie sei reif für das Guiness Buch der Rekorde als „Träger der größten jemals erlaufenen Blasen“. Laufen ist nur bedingt möglich, gut, dass wir heute keine großen Touren eingeplant haben.

(Erstaunlicherweise habe ich weder Muskelkater noch irgendwelche Fußprobleme. Die neu gekauften Zehensocken mit Silbernitratbeschichtung zur Verhinderung von Schweißbildung haben sich offensichtlich bezahlt gemacht. Kann ich daher nur empfehlen…)

Randbemerkung: Bisher haben wir immer bei Von’s oder im Safeway (gehören zu einem Konzern) eingekauft. Bei beiden kann man Mitglied werden und erhält dann etwas Rabatt beim Einkaufen – weshalb man sehr aufpassen muss bei den Preisschildern, die größer gedruckten und günstigeren Preise sind generell die für Mitglieder. Eine Mitgliedskarte zu erwerben schien mir für knappe 4 Wochen Urlaub etwas übertrieben. Tja, Sandy übernimmt heute den Part des Bezahlens, und irgendwie hat sie einen guten Draht zur Kassiererin, denn die stellt ihr ungebeten einen Mitgliedsausweis aus und zieht die Prozente von der Summe ab. Mit dem Ergebnis, dass wir den Rest des Urlaubs kein einziges Mal mehr bei Von’s oder Safeway einkaufen werden…

Über den Highway 41 fahren wir wie vor 2 Jahren nach Süden. Allerdings biegen wir dieses Mal in Fresno nach Osten ab Richtung Kings Canyon/Sequoia National Park.

Die Route

Diese beiden ursprünglich eigenständigen Parks sind heute in einer Verwaltung zusammengefasst. Wobei Sequoia der stärker besuchte Park ist, auch ich habe vor vielen Jahren den Kings Canyon nur „gestreift“. Heute aber haben wir den ganzen Tag nur für diesen Teil vorgesehen.

Kings Canyon erreicht man über den Highway 180, der bis zum Ende des ausgebauten Teils des Tals führt. Hier, in Kanawyers, muss man entweder drehen oder man lässt sein Auto stehen und geht zu Fuß weiter.

Es gibt verschiedene Sehenswürdigkeiten praktisch direkt an der Straße, und da wir ja sowieso die Strecke hin und zurück fahren müssen, haben wir überlegt, uns immer die an der rechten Straßenseite anzuschauen.

Bevor wir in den Park hineinfahren, füllen wir unseren Fury noch einmal voll. Die Tanke, an der wir das tun, ist eine ziemlich urige Trading Post alten Stils direkt an der Straße. Dann können wir guten Gewissens weiterfahren.

Tanken

Auch Fury braucht ab und zu mal Futter.

Schließlich kommen wir an die Kreuzung von Highway 180 und Highway 198. Erstere führt in den Kings Canyon, letztere in den Sequoia. Wir folgen also der Straße links, die hier durch einen Mischwald führt. Vorbei am Grant Grove Village und Visitor Center geht es etwas später in eine trockene Hügellandschaft.

Einfach ein schickes Auto, unser Fury

Dann werden die Hügel zu steilen Felsen, die immer enger beisammen stehen, bis man schließlich das Gefühl hat, die Straße führe in eine Sackgasse vor einer Felswand.

Aber sie windet sich wie eine Schlange durch einen engen Canyon, der sich schließlich in ein bewaldetes Tal öffnet.

Auch heute haben wir wunderschönes Wetter mit strahlend blauem Himmel. Die Straße ist frei, es ist kaum Verkehr, die Fahrt ist abwechslungsreich und interessant.

In Anbetracht von Sandys Blasen und aufgrund der Wegbeschreibung des Veranstalters haben wir entschieden, die Boyden Caverns, an deren Parkplatz wir jetzt vorbeikommen, nicht zu besuchen. Der Aufstieg zum Höhleneingang ist nämlich sehr steil und für Sandys Füße zu anstrengend. Die Blasenpflaster helfen zwar, aber von schmerzfrei ist sie noch weit entfernt.

So ist unser erster Halt am Parkplatz der Roaring River Falls. Der Weg an die Fälle ist nur kurz mit nur geringer Steigung, außerdem geteert. Und da wir Zeit haben, können wir gemütlich dorthin laufen.

Durch die Regenfälle führt auch der Roaring River aktuell erstaunlich viel Wasser für die Jahreszeit. Trotzdem wirkt er eigentlich harmlos, was auch Eltern dazu verleitet, ihren Kindern freie Hand zu lassen. So begegnen uns zwei Kinder in Badekleidung und mit Badehandtuch, die von einem Ranger wohl aus dem Wasser beordert wurden. Denn so harmlos, wie das Wasser anmutet, ist es nicht. Worauf auch diverse Schilder hinweisen – die man natürlich ignorieren kann.

Der Roaring River stürzt über mehrere Stufen aus einem höher gelegenen Seitental in den South Fork des Kings River. Im Frühjahr bei Schneeschmelze muss er sehr imposant sein.

Roaring River Falls

Wir fahren weiter das Tal entlang, bis wir zur Wendeschleife von Kanawyers kommen. Dort stellen wir unser Auto ab und machen erst einmal Obstpicknick an einem dort aufgestellten Campingtisch. Gestärkt laufen wir nun zum angeblich schönsten Meadow im Kings Canyon, dem Zumwalt Meadow. Dazu folgen wir dem South Fork erst einmal ein Stück durch den Wald,

Sandy kann’s nicht lassen.

dann geht es über eine Brücke und auf der anderen Seite des Flüsschens wieder zurück bis zum Meadow.

Die Aussicht ist wunderschön, ein Postkartenmotiv nach dem anderen tut sich auf: das Flüsschen, die Bäume, die Wiesen und die steilen Grantifelsen bilden zusammen eine herrliche Landschaft.

South Fork Kings River

Das eigentliche Meadow

Wir würden gerne länger bleiben, aber Sandys Füße reklamieren, dass der Weg zu weit ist. Daher kehren wir um und fahren zurück.

Am Parkplatz der Grizzly Falls halten wir an. Dieser Wasserfall liegt sozusagen direkt an der Straße, ein kleiner Picknickplatz ist eingerichtet, und es wäre wirklich der ideale Platz für ein Picknick – wenn die kleinen hässlichen nervigen Mückchen nicht wären… Da wir unser Auto als Cabrio nutzen und das Dach nicht schließen wollen, gehen wir getrennt zu den Fällen hoch. Denn als wir parken, ist noch kein Mensch außer uns zu sehen, aber kaum ausgestiegen, tauchen nach und nach immer mehr Autos auf. Wir scheinen Groupies zu haben…

Grizzly Falls

Zurück am Grant Grove Village biegen wir nach rechts ab, eben zur „Grant Grove“. Denn hier steht neben ein paar kleineren Kumpels der zweitgrößte lebende Baum der Welt, bekannt als General Grant Tree.

Rückseite des General Grant

The General Grant

Man beachte das Männlein im Stamm. Er steht ungefähr an der Hälfte des gefallenen Riesen.

Inzwischen steht die Sonne schon recht tief, daher wird es Zeit, in den Sequoia National Park weiterzufahren. Hier haben wir eine Buchung für die Wuksachi Lodge für eine Nacht.

Wobei sowohl Sandy als auch ich irgendwie von falschen Voraussetzungen ausgegangen sind, denn man sieht unter dem Begriff „Wuksachi Lodge“ eigentlich immer Bilder von einem bestimmten Gebäude. Hier handelt es sich aber nur um das Hauptgebäude mit Shop, Restaurant und Rezeption sowie in der 1. Etage ein paar Zimmern für die Angestellten. Die eigentliche Unterbringung erfolgt in einem von drei Wohngebäuden etwas von der Lodge entfernt.

Bereits am Parkplatz werden wir freundlich begrüßt.

Unser Zimmer befindet sich im mittleren Gebäude, da wir ein Superior Zimmer gebucht haben, handelt es sich um ein Eckzimmer mit 2 Betten und einem zusätzlich angeschlossenem Fernsehzimmer.

Unser Zimmer

mit gesondertem Fernsehzimmer

Das Bad

Am liebsten würden wir Roomservice ordern – Sandy wäre das sehr recht -, allerdings gibt es den nicht, so dass ich halt doch per Telefon einen Tisch im Restaurant bestelle. Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als zu Fuß dorthin zu gehen, fahren rentiert sich wirklich nicht. Zwar sind die Wege mit Solarleuchten etwas gekennzeichnet, aber es ist ziemlich dunkel.

Im Lokal werden wir von einem netten, aber doch etwas schnell sprechenden jungen Mann bedient, was es an Tagesessen gibt, ist eher zu erraten denn zu verstehen. Egal, wir halten uns sowieso an die gereichte Karte.

Sandys Abendessen

Und anschließend noch ein kleiner Nachtisch…

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Another Word for Magic: Yosemite

aka: Autsch Panorama Trail

Hinweis für alle „Mitreisenden“: zieht euch gute Schuhe an und macht euch auf was gefaßt. Heute wird es anstrengend!

Bereits um 6:30 Uhr wird das bestellte Frühstück geliefert – genau wie gewünscht. Am Couchtisch stärken wir uns mit Ei, Bacon und Sausage. Der Tag wird lang werden und wir werden unsere Kraft brauchen.

Sachen packen, runter zum Check-out, Auto beladen. Am Parkplatz müssen wir dann unsere lang und mühsam mitgeschleppte Chipstüte entsorgen, denn im Auto lassen ist keine Option. So ein Cabriodach ist nun wirklich nicht bärensicher. Mitnehmen wollen wir das riesige Ding aber auch nicht. Hier einer der bärensicheren Müllcontainer in Yosemite.

Eigentlich wollen wir den kostenlosen Shuttlebus nehmen, der laut Rezeptionsauskunft ca. 7:30 Uhr vom Hotel abfährt. Leider warten wir vergebens, daher entscheiden wir uns, doch mit Fury zur Lodge zu fahren und dort zu parken.

An der Lodge selbst können wir allerdings nicht parken, wie beim Majestic muss man Gast sein, um ein Parking permit zu erhalten, das sichtbar im Auto platziert sein muss. Daher muss ich etwas suchen, aber schließlich finde ich eine Stelle, wo ich Fury abstellen kann, ohne dass die Gefahr des Abschleppens bzw. eines Strafzettels besteht.

Da wir nicht genau wissen, wo das Glacier Point Shuttle abfährt, erkundige ich mich beim nächsten Valleyshuttle Busfahrer. Und natürlich stehen wir falsch, wir müssen direkt an den Eingang der Lodge. Dort gibt es schon eine Schlange von Parkbesuchern, die wie wir zum Aussichtspunkt Glacier Point wollen.

Noch schnell unsere vorbestellten Tickets abgeholt, dann kommt auch schon der Bus.

Yosemite Bus

Als erstes fahren wir die Nordstraße bis zum Taleingang, vorbei am „El Cap“,

El Capitan

dann folgen wir der Südstraße bis zur Ausfahrt auf den Highway 41.

Maultierhirsche am Straßenrand

Diese Strecke inklusive der Glacier Point Road ist uns ja von vor 2 Jahren noch wohlbekannt, und ich bin gar nicht böse, dass ich das dieses Mal nicht selbst fahren muss.

Die Busanfahrt zum Glacier Point / Panorama Trailhead

Unser Tourguide und Fahrer erzählt während der Fahrt einiges aus der Geschichte des Yosemite Valleys, und er macht dies auf interessante und amüsante Art und Weise. Zusätzlich zeigt er noch ein Video über Schwarz- und Grizzlybären (ok, Grizzlies gibt es ja nicht in Yosemite), und so geht die Fahrt doch recht schnell vorbei und wir sind am Point angekommen.

Wir nutzen noch einmal die Gelegenheit für einen Toilettengang und gehen anschließend die Aussicht bewundern.

Blick ins Tal. Die schwarze Fläche ist das gestern abgebrannte Meadow.

Das Yosemite Hotel. Unser Zimmer befand sich am hier rechten Flügel oben neben dem geöffneten grünen Sonnenschirm.

Blick auf Half Dome vom Glacier Point aus.

Dabei fällt uns auf, dass wir unsere Hüte im Auto haben liegen lassen. Na toll, da schleppen wir die extra mit aus Deutschland, und dann… Gott sei Dank gibt es am Point eine kleine Verkaufshütte, wo man sich mit vergessenen Notwendigkeiten eindecken kann.

Ein Hoch auf denjenigen, der auf die glorreiche Idee kam, hier eine Verkaufshütte zu platzieren.

Wir besorgen uns jeder ein Yosemite-Käppi, Sandy – die heute ihren Fotorucksack nicht mitgenommen hat – kauft noch einen kleinen Rucksack, in dem wir bei Bedarf unsere Jacken verstauen können.

Denn es ist strahlend blauer Himmel. Im Augenblick ist es noch angenehm, aber es ist zu erwarten, dass es später in der Sonne warm genug sein wird, um ohne Jacke unterwegs zu sein.

Immer diese Touristen…

8 mi/13,5 km Wanderweg liegen vor uns, vom Glacier Point über 3 Wasserfälle zurück ins Tal. Noch unsere Wasservorräte aufgefüllt, und los geht’s.

Unsere Wanderstrecke

Das erste Stück des Weges ist angenehm zu gehen. In Serpentinen geht es abwärts auf flachem Waldboden mit herrlicher Aussicht auf den Half Dome.

Half Dome, rechts daneben das „Little Yosemite Valley“ mit (in der Mitte, dieser „Zuckerhut“) Liberty Cap.

Little Yosemite Valley noch einmal beschriftet und aus etwas anderer Perspektive:
Dann wird der Weg steiniger und schwieriger zu begehen.

Immer noch geht es abwärts. Dies wird so sein bis zu den ersten Wasserfällen, den Illilouette Falls. Von dort an steigt der Weg an bis zu den Nevada Falls am Fuße der Liberty Cap, anschließend geht es wieder abwärts bis zum Talboden. Man kann sagen, der Panorama-Trail ist dreiteilig.

Leider stellt es sich heraus, dass Sandys Füße, ihre Strümpfe und Schuhe mit dem Weg nicht kompatibel sind. Während ich zwar den Weg abwärts in den Zehen spüre, aber keine Probleme habe, fangen Sandys Füße an zu brennen. Keine gute Voraussetzungen für die restliche Strecke.

Denn Umdrehen ist keine Alternative, und abbrechen ist nicht sinnig, es gibt keine „ich wart dann mal auf den Bus“-Möglichkeiten.

Nach über 2 Stunden erreichen wir die ersten Falls und machen hier am Fluss eine Rastpause mit Obst und Müsliriegeln.

Die Illilouette Falls

Blick auf den Fluss oberhalb der Brücke

Wir überqueren den Illilouette auf der Brücke im Hintergrund. Jetzt geht es stetig bergauf.

Inzwischen ist es ziemlich warm geworden, die Sonne scheint. Eigentlich wunderschönes Wetter. Nur: die Sonne scheint nun bei diesem Aufstieg direkt in unsere Nacken. Und der Weg liegt an vielen Stellen voll im Freien, also völlig ohne Schatten. Dazu die Höhe, in der wir uns befinden. Ergebnis: Sandy bekommt Probleme mit dem Kreislauf und muss sich einige Male ausruhen. Dazu kommen sich langsam aber sicher entwickelnde Blasen an den Füßen.

So kämpfen wir uns weiter, die paar Eidechsen und ab und an mal ein Squirrel lenken nicht so recht ab.

Die Aussicht ist zwar schön, aber aufgrund des Weges hat man gar nicht so den Blick dafür, da man die Augen stetig auf die Steine und Steinstufen vor einem richten muss, um nicht zu stolpern.

Trotzdem entdecken wir den versteckten Seitenpfad, von dem wir im Internet gelesen haben. Dieser führt an einen nicht offiziell ausgewiesenen Aussichtspunkt mit Blick auf den Glacier Point und das Little Yosemite Valley entlang zum eigentlichen Yosemite Valley.

Panorama Point. Links Glacier Point Range, der Wald in der Mitte quer ist der Talgrund des Yosemite Valleys.

 

Sandy am Panorama Point

Schließlich haben wir es geschafft. Eine Hinweistafel zeigt uns, dass wir gleich an den Nevada Falls sind.

Liberty Cap (rechts) und Mt. Broderick (links), dazwischen im Hintergrund Half Dome

Auf der Brücke oberhalb der Nevada Falls

Aussicht ohne Absicherung

Wir haben nun die Wahl: entweder wir überqueren die Falls und wandern auf der anderen Seite den Mist Trail entlang, oder wir laufen das kurze Stück zurück bis zur Hinweistafel und folgen dann dem Pfad auf dem John-Muir-Trail bis ins Tal.

Nun, der Mist Trail zählt zu den schwierigen Trails des Parks. Ich habe ihn mir per Street View angeschaut und im Hinblick auf Sandys Schmerzen und die Beschaffenheit des Trails mit sehr hohen Steinstufen und richtigen Kletteraktionen bei der Begehung ist klar, dass wir den (angeblich) angenehm zu laufenden John-Muir-Trail nehmen werden, auch wenn dieser etwas länger ist.

Blick vom John-Muir-Trail zurück auf Liberty Cap und Nevada Falls

Leider erweist sich auch dieser Trail als Quälerei für die Füße, denn er besteht nur aus großen und kleinen Steinen und Stufen, die zwar nicht so hoch sind wie beim Mist Trail, aber deshalb für uns nicht unter die Kategorie „angenehm zu laufen“ fällt.

Trotzdem heißt es: weiter, weiter. Denn es gibt nun einmal keine Alternative. Und es wird immer später. Ich befürchte, dass wir in die Dunkelheit geraten könnten, denn leider geht es Sandys Füßen immer schlechter, sie kommt nur noch mühsam voran. Mir graut bei der Vorstellung, diesen Pfad in Dunkelheit laufen zu müssen, denn „natürlich“ haben wir auch keine Taschenlampen dabei, die liegen brav im Koffer.

Aber nicht nur wir haben solche Probleme, auch andere vor uns scheinen mit dem Weg gekämpft zu haben.

In wie weit der ehemalige Träger dieser Wanderstiefel eventuell barfuß weitergelaufen ist, entzieht sich unserer Kenntnis.

Endlich, nach ewig langer Zeit, kommen wir an die Abzweigung zum 3. Wasserfall, den Vernal Falls. 0,8 mi bis zu den Fällen, zeigt das Hinweisschild. Das scheint nicht weit zu sein, aber rechnet man es in Kilometer um und bedenkt, dass man den Weg ja auch wieder zurücklaufen muss, dann kommt man auf ca. 3,2 km Gesamtstrecke. Und das wollen wir uns wirklich nicht mehr antun.

Daher bleiben wir auf dem Trail, der nun am Bachlauf unterhalb der Vernal Falls verläuft. Ab der Brücke über das Wasser bis zum Talgrund zählt der Weg als „behindertenfreundlich“, er ist geteert und glatt.

Auf der Brücke unterhalb der Vernal Falls

Schön, man muss nicht ständig auf den Boden gucken, aber Sandys Schmerzen lindert das nicht. Schließlich haben wir es geschafft. Wir sind zurück im Yosemite Valley an der Straße. Noch ein kurzes Stück bis zur Bushaltestelle „Happy Isles“. Der dort befindliche Shuttle gibt Zeichen, dass er gleich abfahren wird. Aber wir schaffen es nicht mehr zu rennen.

An der Haltestelle befinden sich Bänke. Oh, wie gut tut es, mal wieder zu sitzen und die Beine von sich zu strecken… Sandy setzt sich einfach nur hin und wartet auf den nächsten Bus.

Dann kommt eine Frau dazu, dreckig, mit riesigem Rucksack und Wanderstöcken. Eine andere Frau fragt sie, ob sie den John Muir Trail gelaufen ist und sie antwortet mit ja. Jaja, wir sind auch den John Muir Trail gelaufen – ein winziges Stückchen davon! Dieser Trail ist ein Fernwanderweg und 211 Meilen lang, das sind etwa 340 km. Sie hat sich Zeit gelassen und 30 Tage gebraucht. Ahahahaha. Wenn wir zu diesem Zeitpunkt vor einem Menschen niedergekniet wären, dann vor ihr.

Während wir auf das nächste Shuttle warten, wird es immer dunkler, und als der Bus da ist, ist es finstere Nacht. Keine Straßenlaternen, kein Licht. Wo sind wir gerade? Keine Ahnung… Gott sei Dank werden die Haltestellen angesagt, so dass wir rechtzeitig an der Lodge aussteigen.

Nun heißt es, Fury zu finden. Solange wir uns im Bereich der Lodge befinden, ist der Weg einigermaßen beleuchtet, aber kaum verlassen wir den Bereich, muss Sandy die Handylampe einschalten, damit wir nicht versehentlich gegen einen Baum laufen. Schließlich reagiert Fury aber auf den Schlüsselfunk und gibt mit Lichtzeichen an, wo er steht.

Als erstes ziehen wir beide nun die Schuhe aus. Ich schlüpfe in die bereitstehenden Sportschuhe, mit den Wanderschuhen könnte ich nicht Auto fahren. Und das muss ich ja nun noch, etwas länger als eine Stunde zu unserem Hotel in Oakhurst außerhalb des Nationalparks.

Weiterfahrt nach Oakhurst

Während ich also unseren Fury auf der Straße halte, streckt Sandy ihre Füße von sich und genießt das Nixtun. Eines steht fest: Sollten wir ein Shirt finden mit „I survived Panorama Trail“, dann kaufen wir das. Egal was es kostet.

Die Fahrt verläuft ereignislos. In Oakhurst habe ich uns in „unserem“ Hotel von 2014, dem „Best Western Yosemite Gateway Inn“, eingebucht. Hier erhalten wir ein Familienzimmer in der ersten Etage. Das bedeutet riesig viel Platz. Nach der Eingangstür befindet sich ein Zimmer mit einem Doppelbett, dann folgt ein Bereich mit Kitchenette, Schrank und Badezimmer und dahinter ein großes Zimmer mit 2 Queensize Betten. Dazu gibt es noch einen kleinen Balkon.

Das Doppelzimmer

Das Bad

Auf dem Balkon neben uns sitzt eine Truppe junger Männer gemütlich beisammen. Es stellt sich heraus, dass auch sie heute auf dem Trail unterwegs waren. Allerdings nur auf dem unteren Bereich bis zu den Vernal Falls.

Zum Abendessen weggehen oder -fahren, dazu sind wir nicht mehr in der Lage. Noch ins Bad, die Reste aus dem Rucksack futtern, und dann ab ins Bett.

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The Mountains are calling

Heute steht uns eine der Strecken bevor, auf die wir uns beide sehr gefreut haben. Gestern hatte ich ja meine Bedenken wegen des Wetters, heute aber strahlt die Sonne bereits am frühen Morgen, und ich hoffe, das ist nicht nur in Mammoth so.

Unser Frühstückslokal “The Stove“ befindet sich direkt gegenüber vom Hotel, daher lassen wir unser Auto nach dem Beladen erst einmal stehen und gehen die paar Meter zu Fuß.

The Stove

The Stove (der Sand vor dem Gebäude liegt nur wegen der Straßenbaustelle da)

Unser Frühstück ist so, wie man sich ein amerikanisches Frühstück vorstellt: schnell gemacht, lecker und reichhaltig.

Frühstück

Frühstück

Und preislich ist es wirklich akzeptabel, so dass wir uns nach dem Bezahlen fröhlich auf den Weg machen.

Erste Strecke ist die Straße 395 nach Norden, die wir gestern ja nach Süden gefahren sind.

Straße nach Norden

In Lee Vining am Mono Lake biegen wir ab auf den Highway 120 nach Westen, auch bekannt als „Tioga Pass Road“. Diese Straße ist eine der wenigen Paßstraßen durch die High Sierra. Und diese Straße ist einfach phänomenal.

Hinweisschild

Allerdings halten wir noch einmal direkt nach der Abzweigung, um unser Pferdchen zu füttern. Mit Blick auf den Mono Lake wartet Sandy im Auto, während ich bezahlen gehe. Heute liegt der See im strahlenden Morgenlicht, kein Vergleich zu gestern.

Dann geht es endlich auf diese wunderschöne Fahrstrecke.

Unsere Stationen am Tioga Pass

Noch 12 Meilen

Hinter jeder Kurve liegt eine neue tolle Aussicht, man fährt sozusagen von einem Ooooh-Anblick zum nächsten Aaaah-Anblick.

Als Fahrer kann ich die Natur nur zum Teil genießen, aber Sandy hat hier den vollen Genuß. Ich richte mich brav nach ihr, wenn sie sagt: „Halten!“, dann halte ich am Seitenstreifen. Den gibt es Gott sei Dank fast überall.

Lee Vining Canyon Falls

Die Lee Vining Canyon Falls führen erstaunlich viel Wasser dank des gestrigen Unwetters.

Am Ellery Lake halten wir das erste Mal an. Es ist total windstill hier im Schatten des Berges, und irgendwie lädt der See optisch direkt zum Baden ein. Wir lassen es aber tunlichst sein, denn es ist noch frisch und wir wissen, dass diese Bergseen sich spätestens beim ersten „Zeh-ins-Wasser-tauchen“ als verdammt kalt für Badegäste herausstellen.

Ellery Lake

Am Ellery Lake

Auto

Fury macht sich gut vor dieser Kulisse.

Weiter geht es, vorbei an schroffen Felswänden und Wasserfällen, die alle erstaunlich viel Wasser führen. Hat das Regen- und Hagelwetter von gestern und vorgestern doch sein Gutes!

Eingang

Endlich erreichen wir den eigentlichen Eingang.

Entweder man kauft hier sein Entry-Ticket, oder man zeigt – so wie wir – den Annual Pass „America the Beautiful“ vor. Dieser ist 12 Monate gültig und kann seit einiger Zeit von 2 verschiedenen Benutzern – die auf der Rückseite unterschreiben müssen – genutzt werden. Ist man Erstnutzer, so darf man den Pass weitergeben/weiterverkaufen. Wir haben so einen „gebrauchten“ Pass im Internet ersteigert und damit rund die Hälfte des Kaufpreises gespart. Eine win-win-Situation für beide Passhalter.

Es riecht praktisch schon nach Yosemite…

Vorbei am Tioga Lake erreichen wir schließlich unser erstes heutiges Zwischenziel: Lembert Dome.

Lembert Dome

Lembert Dome

Lembert Dome ist ein Granitfelsen direkt an der Paßstraße, mit einer Gesamthöhe von 2.880 m. Man hat hier bei entsprechendem Wetter eine Weitsicht bis zu 150 Meilen. Und das Wetter heute ist entsprechend. Daher steht unserem Plan, auf den Lembert Dome zu klettern, nichts im Wege.

Zuerst aber müssen wir unsere Fressalien in einer der Bear boxes an der Rangerstation unterbringen.

Bear Boxes

Bear Boxes

Denn es ist Bear Country, und die Schwarzbären untersuchen schon einmal gerne ein Auto von innen, wenn ihnen ein appetitlicher Geruch in die Nase steigt. Das wollen wir nicht riskieren, weder dass unser Fury kaputt gemacht wird noch dass ein Schwarzbär Probleme mit den Rangern bekommt.

Dann machen wir uns auf den Weg um den Felsen herum, denn der eigentliche Aufstieg befindet sich sozusagen auf der Rückseite.

Unsere Wegwahl trifft die zwar längere, aber gemütlichere Strecke, der Weg liegt größtenteils im Schatten bzw. Halbschatten. Er ist teilweise steil, hat aber auch flachere Strecken, auf denen man wieder zu Atem kommt. Man bedenke die Höhe, auf der wir uns befinden!

Zuerst geht es noch ganz gemütlich voran.

Dann wird der Weg schwieriger und steiniger.

Wir entdecken ein paar Weggefährten:

Ziesel

Kalifornisches Ziesel/ California ground squirrel/Otospermophilus beecheyi

Kleines Streifenhörnchen

Kleines Streifenhörnchen/Least Chipmunk/Tamias minimus

Dann liegt er scheinbar vor uns: der letzte Aufstieg zur Spitze.

Hmm, und wie kommt man da jetzt hoch?

Aber irgendwie haben wir uns das anders vorgestellt? Sind wir wirklich richtig? Nein! Wir müssen noch quasi „einen Felsen weiter“.

Bestimmt hat der uns heimlich ausgelacht…

Jetzt aber! Jetzt sind wir richtig!

Hier muss man sich nun seinen Weg selbst suchen. Stellenweise haben sich durch Erosion eine Art Treppenstufen gebildet. Trotzdem ist der Aufstieg gar nicht so einfach.

Aber dann sind wir oben und genießen die grandiose Aussicht.

Geschafft!

Blick nach Süden

Blick nach Westen

 

Blick nach Norden

Blick nach Osten

Und stand am Abgrund…

Auch nicht viel besser…

In der Sonne ist es inzwischen trotz der Höhe sehr angenehm…

Aber irgendwann müssen wir uns doch losreissen. Vorsichtig suchen wir uns unseren Weg vom Felsen (O-Ton Sandy: „Mit 2 Kameras am Kameragurt nur bedingt empfehlenswert!“) und wandern dann den zweiten, kürzeren Weg zurück an die Straße.

Der Weg abwärts ist nicht besser als der Weg aufwärts.

Dabei kommen wir an „unserer“ Bear Box vorbei, so dass sich ein kurzer Zwischenstopp anbietet.

Bevor wir unser Auto abholen, laufen wir noch ein Stück den Weg von Osten her ins Tuolumne Meadow, vermissen hier allerdings den dort fließenden Tuolumne River.

Wir machen kehrt und mit Blick auf den Lembert Dome kehren wir zurück.

Da oben waren wir!

Am Parkplatz treffen wir diese beiden Herren, die sicherlich einen anderen „Weg“ an die Spitze des Domes planen.

Wir wissen, dass wir nur ein Stück die Straße entlang fahren müssen, um eine Stelle zu finden mit Blick auf das Wasser. Laut Google-View gibt es dort dann eine Abstellmöglichkeit für unseren Fury direkt an der Straße. Und tatsächlich finden wir einen Parkplatz direkt am westlichen Zugang zum Meadow, und nur wenige Meter von der Straße weg fließt das Bächlein, das wir gesucht haben.

Weiter geht es, nächster Halt: Tenaya Lake.

Die Straße liegt (von Norden kommend) zwischen steilen Granitfelsen auf der rechten Seite und dem See auf der linken. Auf beiden Straßenseiten gibt es etliche Halte- und Parkmöglichkeiten. Das ist auch notwendig. Denn der Blick über den See ist wundervoll, und im Sommer ist hier die Hölle los.

Wir stellen unser Auto also in einer Parkbucht ab und überqueren die Straße.

Tenaya Lake

Tenaya Lake

Der Tenaya Lake ist der vielleicht schönste See in Yosemite. Sandy wollte das ja immer gar nicht glauben, weil er eben direkt an der Straße liegt. Aber jetzt ist sie selbst da.

Tenaya Lake

Tenaya Lake

Während wir noch die Aussicht bewundern, bemerken wir, dass die anderen Besucher nicht über den See blicken, sondern gebannt in die Wand oberhalb von Fury starren. Was für uns natürlich bedeutet: umdrehen und nachschauen, was denn da so faszinierend ist.

Wir entdecken in der oberen Hälfte der Wand einige Kletterer mit Seilen, Haken und Schutzkleidung, die dort aktiv sind.

Kletterer

Kletterer im Fels

Fury in Gefahr!

Plötzlich sehen wir, dass ein weiterer junger Mann etwas unterhalb der Gruppe nach oben klettert. Ohne irgendwelche Absicherung, ohne Schutzkleidung, dafür mit Kamera. Und sichtlich keiner dieser Freikletterer, von denen man immer wieder Bilder sieht. Sehr leichtsinnig!

Was ist, wenn der abrutscht und auf unseren Fury fällt? Also nix wie weiter… Allerdings halten wir am südlichen Ende des Sees erneut…

Tenaya Lake

Tenaya Lake

Tenaya Lake

Tenaya Lake

Eigentlich haben wir eine Wanderung zum May Lake ins Auge gefasst, im Hinblick auf die Uhrzeit verschieben wir dies aber auf einen späteren Zeitpunkt und fahren direkt durch zum Olmstedt Point.

Olmstedt Point

Olmstedt Point – Hier sieht man von Norden kommend zum ersten Mal den Half Dome ( links im Hintergrund), das Wahrzeichen Yosemites.

Hier möchte Sandy eine ganz bestimmte Aufnahme nachstellen, die sie im Netz gefunden hat. Während sie also die Perspektive sucht, bleibe ich beim Auto, so sparen wir uns, das Verdeck zu schließen.

Für dieses Bild ist Sandy da hochgekraxelt, denn so eins hatte sie im Internet gesehen und musste es auch haben. Dieser Baum ist einfach saucool, wie er da mitten aus dem Felsen rauswächst.

Ich setze mich auf die Begrenzungsmauer und betrachte die Landschaft und die Besucher. Heute sind etliche Motorradfahrer unterwegs, das Publikum ist international, und „natürlich“ gibt es die üblichen asiatischen Bustouristen: aussteigen, posen, knipsen in allen Variationen, einsteigen und weiterfahren. Keine Zeit, keine Zeit, wir haben noch viel vor…

Auch wir haben noch einiges vor heute. Trotzdem lassen wir uns Zeit und hetzen nicht. Schließlich haben wir Urlaub.

Nachdem Sandy zurückkehrt, fahren wir weiter. Die Landschaft ist und bleibt wunderschön.

Schließlich trifft der Highway 120 auf die Big Oak Flat Road, die nach links ins Yosemite Valley führt. Wir biegen hier allerdings rechts ab und folgen der 120 bis zur Ausfahrt aus dem Park. Kurz nach den Kassenhäuschen fahren wir nun links auf den Parkplatz. Denn hier – und nur hier, an keinem der anderen 3 Eingänge zum Park – befindet sich:

Eingangsschild

Zurück im Park steht als nächster Punkt die westliche Zufahrtstraße auf dem Programm. Dann haben wir den Park durch alle Einfahrten betreten. Warum wir diesen Schlenker machen? Nun, die Straße heißt „El Portal Road“. Und El Portal ist eine Felsformation direkt nach den Kassenhäuschen, durch die man hindurchfährt. Daher kann ich natürlich keine Bilder machen, sitze schließlich am Steuer. Aber Sandy hat fleißig fotografiert.

El Portal

Ein kurzer Stopp am Tunnel View ist natürlich Pflicht. Die Aussicht ist wie immer grandios. Allerdings erschrecken mich die vielen braunen Nadelbäume, so viele Schäden waren vor 2 Jahren nicht sichtbar.

Tunnel View

Tunnel View

Einer Infotafel entnehme ich, dass Yosemite von einem Baumschädling heimgesucht wird. Durch die anhaltende Dürre mit zu geringen Niederschlägen im Winter sind die Bäume teilweise geschwächt und können diesem Schädling nichts entgegen setzen. Es sollen Millionen Bäume im ganzen Park betroffen sein, die Parkverwaltung wollte rund 60.000 Bäume im und um das Tal herum abholzen, um den Befall etwas einzudämmen.

Bridalveil Falls

Bridalveil Falls tröpfeln noch ein wenig.

Nun wollen wir in unser Hotel fahren. In diesem Hotel, dem historischen „Ahwanee Hotel“, das seit März 2016 nun „The Majestic Yosemite Hotel“ heißt, zu wohnen, war ein Traum, den ich mir auf dieser Reise erfüllt habe. Direkt im Yosemite Valley gibt es ja nur zwei Hotels (im Park selbst gibt es noch andere), eben das Majestic und die Yosemite Lodge. Dazu gibt es noch das Housekeeping Camp (einfache Hütten und Zelte) sowie Camp No.4, das von den Kletterern am El Capitan benutzt wird.

Eigentlich ist die Fahrt im Valley ganz einfach, eine zweispurige Straße führt entgegen dem Uhrzeigersinn durch das Tal, und irgendwo an der Nordstraße geht dann die Zufahrt zum Hotel ab. Soweit die Theorie. In der Praxis sieht es allerdings anders aus…

Gerade heute hat die Parkverwaltung nämlich ein Meadow ganz in der Nähe dieser Abfahrt zum Hotel abgebrannt, und aus Sicherheitsgründen wurde natürlich der Verkehr umgeleitet. Wie in früheren Zeiten sind die Wege nun einspurig mit Gegenverkehr, überall sind Absperrungen und Umleitungen. Und irgendwie verliert man da den Überblick, wo man nun gerade ist.

Aber schließlich finden wir die Zufahrt und damit natürlich auch das Hotel. Während Sandy Fury entlädt, checke ich an der Rezeption ein. Wir haben ein Zimmer in der 5. Etage (das Hotel hat 6, in der 6. befinden sich nur Suiten für besondere Gäste, hier dürfte die Obama-Family in der vorigen Woche genächtigt haben bei ihrem Besuch des Parks), mit Terrasse und Sitzmöbeln draußen. Und einer Aussicht, die sich gewaschen hat: freier Blick auf die Wand von Glacier Point im Süden und auf Half Dome im Westen.

Glacier Point Range

Glacier Point Range

Blick auf den Half Dome

Blick auf den Half Dome

Unser Zimmer

Das Bad

Nachdem unsere Sachen im Zimmer sind, machen wir einen kleinen Spaziergang in und um das Hotel. Sehr gediegen, sehr rustikal und sehr beeindruckend.

Unsere Terrasse

Fahrstuhltür von Innen

Fahrstuhldecke

Eingangsbereich – ja, wir wollten schon immer mal über den Roten Teppich laufen.

Kein Spaß! Das sollte man wirklich beachten.

Das Hotel von außen

Dann ist es auch schon Zeit, sich umzuziehen, denn wir haben einen Tisch im Restaurant bestellt und wollen natürlich rechtzeitig unten sein.

Die Architektur des Speisesaals ist weltbekannt.

Speisesaal (Quelle: terragalleria.com)

 

Wir bekommen unseren Tisch zugewiesen und die Karte gereicht. Die Auswahl ist nicht einfach, aber wir finden was, was uns interessiert und unsere Urlaubskasse nicht völlig sprengt (ok, ich habe für diesen Tag den doppelten Basisbetrag für Essen eingeplant). Während wir warten, bewundern wir die herumhuschenden Servicekräfte. Jeder Tisch wird von mindestens 2 Kellnern versorgt. Da die Tische doch recht nah beieinander stehen, entwickelt sich die Anlieferung der Speisen zu einem mittleren Balance-Kraft-Akt. Auf großen Tabletts stehen die abgedeckten Teller in 2-3 Lagen, und die Ober transportieren diese Tabletts auf einer Hand und Schulter knapp über die Köpfe der Gäste. Man muss sich wundern, dass hier keine Unfälle passieren.

Und kaum gedacht, passiert es doch. Die Kellnerin, die auch für unseren Tisch zuständig ist, streift im Vorbeigehen einen Gast am Nebentisch. Ok, nix passiert, niemand verletzt, aber irgendwie peinlich ist es schon.

Sandys Abendessen – heimlich fotografiert (in dieser vornehmen Umgebung…)

Nach dem Essen gönnen wir uns noch einen Nachtisch. Wenn schon, denn schon.

Dann ziehen wir uns in unser Zimmer zurück. Draußen ist es inzwischen stockdunkel und kühl geworden, das geplante gemütliche Sitzen auf dem Balkon entfällt. Dafür bestelle ich für morgen Frühstück als Zimmerservice, das wird nämlich zeitlich früher geliefert als das Frühstücksbuffet im Speisesaal öffnet, und wir haben ja einen Fixtermin für den Bus zum Glacier Point, den wir nicht verpassen dürfen.

zurück: 13. September 2016

weiter: 15 September 2016

 

 

Ghosts and Devils

Die heutige Fahrstrecke wird nicht übermäßig lang sein. Aber „natürlich“ haben wir ein paar Programmpunkte eingeplant, damit es nicht so langweilig wird.

 

Unsere heutige Fahrstrecke

Nachdem wir unseren Fury wieder beladen haben, führt uns unser Weg auf einer ca. 2,5-stündigen Fahrt von South Lake Tahoe über Nevada in die Geisterstadt Bodie nach Kalifornien. Man fährt dabei mitten durch eine sehr einsame Gegend im Gebirge. Da müssen wir dann auch ab und an mal anhalten und Fotos machen.

Die Fahrstrecke ist nicht sehr anspruchsvoll: es gibt nur diese eine Straße. So müssen wir nur auf den Hinweis auf die Strecke nach Bodie achten. Entgegen der Beschreibung des Internets, dass diese Seitenstraße eine reine Schotterstraße ist, sind die ersten Meilen wunderbar zu fahren. Die Straße wurde sichtlich erst vor wenigen Monaten geteert, und es macht wirklich Spaß, durch diese menschenleere und fast verkehrsfreie Gegend zu düsen. Allerdings reichte das Geld wohl nicht, denn die letzten 3 Meilen nach Bodie sind nun doch diese angedrohte Schotterstraße, die nicht nur schwierig zu fahren ist, sondern auch Furys Stoßdämpfern und unseren Gebissen einiges abverlangt.

Schotterstraße

3 Meilen Schotterstraße

Aber wir drei halten fleissig durch und schaffen es tatsächlich, Bodie ohne Verluste zu erreichen.

Bodie Ghost Town

Angekommen in Bodie

Es ist sonnig mit ein paar Wölkchen, allerdings merken wir gleich beim Aussteigen: es ist a****kalt und verdammt windig. Hätten wir Wintermäntel dabei gehabt, wir hätten sie aus den Koffern gefriemelt. Aber wer nimmt Mitte September in Kalifornien schon einen Wintermantel mit?!

Tapfer machen wir uns auf, das ehemalige Goldgräberörtchen zu erobern.

Bodie wurde 1876 gegründet, nachdem dort Gold gefunden worden war. Der kleine Ort mitten im Nirgendwo entwickelte sich zum Goldgräberstädtchen und kurze Zeit später lebten bereits 10.000 Menschen in ihr. Zum Ende des kalifornischen Goldrauschs, als der Goldpreis sank und dazu 1932 auch noch ein Großbrand fast die ganze Stadt zerstörte, wurde Bodie aufgegeben und die Menschen zogen weg. Die Mine wurde noch bis in die 60er Jahre weiterbetrieben und dann ebenfalls stillgelegt.

Seit 1962 ist Bodie nun ein State Historic Park und gilt als die am besten erhaltene Geisterstadt (Ghosttown) der USA. Es sind noch etwa 170 Gebäude erhalten geblieben, darunter die Kirche, die Schule, eine Bar, Läden und das Minengebäude, sowie zahlreiche Wohnhäuser. Bei einigen hat es den Anschein, als wären die Bewohner gerade erst gegangen und würden vielleicht sogar gleich zurückkehren.

Es sei noch ergänzt, dass Bodie zu seinen Hochzeiten „65 Saloons entlang der Hauptstraße, ein Rotlichtviertel mit zahlreichen Bordellen, ein Chinesenviertel mit einem taoistischen Tempel und einer Opiumhöhle, eine Eisenbahn, mehrere Zeitungen, sieben Brauereien und Kirchen verschiedener Religionen (Quelle: wikipedia)“ besaß.

Von dieser Blüte ist heute nicht mehr viel zu sehen, der große Brand hat das meiste vernichtet. Von den verbliebenen 170 Gebäuden sind einige erstaunlich gut erhalten, andere dagegen verfallen oder am Zusammenbrechen.

Bodie

Gut erhalten

Bodie

Scheinbar bewohnbar

Bodie

Anlehnungsbedürftig

Bodie

Verfallen

Bodie

Nicht sehr vertrauenserweckend

Manche Gebäude darf man betreten – man tut es mit einem leicht mulmigen Gefühl – wird denn der Boden tragen? ;-D

Bei anderen Gebäuden gibt es doch das eine oder andere Hindernis, das ein Betreten verhindert oder zumindest stark erschwert.

Schließlich sind wir komplett durchgefroren, selbst der kurze Besuch im Museum kann uns nicht aufwärmen.

Bodie

Im Museum

Denn so schön die Sonne scheint, der Wind pfeift heftig über das Hochtal, und leider ist er weiterhin sehr kalt. So überhaupt nicht „kalifornisch“. Kein Wunder, dass keiner der Anwohner bereit war, nach Schließung der Mine vor Ort zu bleiben…

Bodie

Die alte Mine

Wir zwingen unseren Fury also wieder auf die Schotterstraße und schleichen die 3 Meilen zurück. In der Ferne sehen wir dunkle Wolken heranwehen, es sieht nach Unwetter aus.

Zurück auf der Straße

Und tatsächlich fängt es an zu nieseln, dann zu regnen, und kurz darauf hagelt es. Dann ist es wieder kurz trocken, dann regnet es wieder, alles immer schön abwechselnd. Mal ein kurzes Stückchen Sonne, dann wieder eine dicke Wolke über der Straße. So fahren wir über den Pass Richtung Mono Lake.

Mono Lake

Blick auf Mono Lake

Am ersten Vista Point mit Blick auf den See halten wir, und Sandy lässt sich trotz des Hagels nicht von ihrem Hobby abbringen.

Etwas weniger nass von oben und etwas weniger Wind wäre uns lieber gewesen, aber darauf haben wir nun einmal keinen Einfluss. Dass wir nicht nur 30 Grad haben würden, war uns schon klar, aber mit Hagelsturm und Gewitter haben wir nun einmal nicht unbedingt gerechnet.

Mono Lake

Den Besuch am Visitor Center nutzen wir für einen kurzen Toilettengang, dann fahren wir weiter an die South Tuffas. Auf dem Weg fahren wir am Panum Crater vorbei, einem der jüngeren Vulkane hier in der Gegend. Eigentlich hatten wir diesen besuchen wollen, aber die über dem Ort stehende Gewitterwolke hält uns mit Blitz und Donner davon ab.

Vom Besuch der Tuffas lassen wir uns aber nicht abschrecken. Der Geruch des Sees und der Tuffgebilde ist gewöhnungsbedürftig, aber auszuhalten.

Der See an sich hat durch die kalifornische Wasserpolitik sehr gelitten. Seine Zuflüsse wurden im letzten Jahrhundert umgeleitet, um die großen Städte (vor allem Los Angeles) in Südkalifornien mit Trinkwasser zu versorgen. Dadurch sank im Laufe der Zeit der Wasserspiegel dramatisch. Ende des Jahrhunderts wurde eine Regelung getroffen, dass ein Teil des Wassers in das Mono-Becken zurückgegeben wird. Allerdings hielt die Verbesserung nur kurz an, durch die aktuelle, seit Jahren bestehende Dürre hat sich die Lage weiter verschlechtert und es sieht momentan so aus, als würde der See schlussendlich von der Landkarte verschwinden.

Wir verlassen den Mono Lake für heute und fahren weiter Richtung Süden. Je näher wir Mammoth Lakes kommen, desto besser wird das Wetter. Wir fahren zur Talstation des Schilifts, um dort die Auskunft zu erhalten, dass der sommerliche Shuttleservice bereits eingestellt wurde und wir daher unser Ziel Devil’s Postpile selbst anfahren dürfen.

Mammoth

The Yodler

Mammoth

Wo Mammoth drauf steht…

Also fahren wir weiter, und die Straße ist so, wie ich sie von meinem letzten Besuch in Erinnerung habe: schmal und kurvig. Ich bin eigentlich sehr froh, dass wir wenig Gegenverkehr haben, denn Ausweichen ist hier nicht, und auf der einen Seite geht es hoch und auf der anderen Seite ziemlich abwärts…

Devils Postpile

Das erste Straßenstück zum Postpile ist noch angenehm zu fahren.

Devils Postpile

Wir parken unseren Fury und laufen den ausgewiesenen Weg zu den Postpiles.

Das letzte Mal war ich nur am Fuß der Formation unterwegs, dieses Mal nehmen wir den Trail aufwärts.

Devils Postpile

Da geht’s rauf.

Der Weg ist steinig und stellenweise ziemlich steil. Und leider ist oben ziemlich viel Publikum, das sich dort zum Teil recht häuslich niedergelassen hat. Ein Foto ohne fremde Menschen drauf ist gar nicht so einfach.

Devils Postpile

Es ist schon erstaunlich, an welchen „unmöglichen“ Stellen sich Pflanzen ansiedeln können.

Devils Postpile

Interessant ist der Blick nach unten auf den Boden. Ein Fliesenleger scheint hier am Werk gewesen zu sein, so gleichmässig sind die Sechsecke, die die Natur hier geformt hat.

Devils Postpile

Wir nehmen den Weg zurück zum Fußende. Dabei begegnet uns dieser kleine putzige Kerl, der es nicht lassen kann, vor Sandys Linse zu posieren.

Streifenhörnchen

Streifenhörnchen

Streifenhörnchen

In aller Ruhe beobachten wir am Fuß des Postpiles die anderen Besucher, es ist schon interessant, wie verschieden diese sind: gemütliche Spaziergänger, sportliche Wanderer, Familien mit Kindern etc.

Devils Postpile

Am Fuß des Postpile

Devils Postpile

Größenvergleich

Schließlich machen wir uns auf den Weg zurück in den Ort, wo wir im „Mammoth Creek Inn Hotel“ ein Zimmer gebucht haben.

Hotel

Unser Hotel in Mammoth

Zimmer

Unser Zimmer

Bad

Das Bad

Erste Aufgabe nach dem Check-in ist der Besuch im Grocery Store um die Ecke. Wir müssen unseren Obst- und Getränkevorrat aufstocken.

Dann suchen wir nach einem Lokal fürs Abendessen, aber für Mammoth-Verhältnisse sind wir wohl zu einer ungünstigen Zeit unterwegs. Entweder das Lokal ist noch nicht auf, oder es ist schon total überfüllt, oder es ist zu teuer. Gar nicht so einfach. Aber wir finden was und das Essen dort ist ganz lecker.

Abendessen

Abendessen: Makkaroni & Cheese / gegrillter Thunfisch mit Gemüse

Im Hotel sind wir nicht sehr aktiv, der Wellnessbereich mit Sauna und Spa wird heute nicht besucht. Morgen haben wir einiges vor…

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weiter: 14. September 2016

 

 

Capital and Country

Wieder klingelt der Wecker um 6 Uhr. Aufstehen, nacheinander ins Bad, Taschen packen, Zimmer prüfen, Auto beladen – langsam wird das jetzt wieder zur Routine.

Beladen unseres Autos

Beladen unseres Autos

Nachdem wir die Schlüssel – ja, es waren Schlüssel, keine Schlüsselkarten – in die Drop-Box geworfen haben, verabschieden wir uns von unserem Spa-Hotel, um unsere Reise fortzusetzen.

On the road again...

On the road again…

Ich war ja schon etliche Male in Kalifornien unterwegs, aber irgendwie hatte ich es noch nie geschafft, in der Hauptstadt vorbeizuschauen.

Ballonfahren - würden wir auch gerne mal.

Ballonfahren – würden wir auch gerne mal.

Deshalb ist dieser Punkt ziemlich weit oben in meiner Liste gelandet. Und da wir ja praktisch direkt „dran vorbei“ fahren, machen wir diesen kleinen Sidestep ohne großen Umweg: Besuch der „Oldtown Sacramento“ und zumindest Vorbeifahrt am „White House“.

Leider führt uns Trulla einen anderen Weg als den, den ich auf der Karte ausgesucht hatte, so dass wir nicht über die goldene „Tower Bridge of Sacramento“ fahren.

Die "Tower Bridge" in Sacramento

Die „Tower Bridge“ in Sacramento

Aber das ausgesuchte Parkhaus ist vorhanden, auch wenn die Einlassanlage wohl defekt ist und wir mittels persönlicher Betreuung einfahren dürfen.

Auf der anderen Flussseite

Auf der anderen Flussseite

Dann machen wir uns zu Fuß auf in das historische Viertel.

Noch ist nicht viel Betrieb, es ist mitten in der Woche und die meisten Läden machen erst gegen 11 Uhr auf.

Ein paar allerdings sind bereits offen, kein Problem also, etwas Geld loszuwerden.

Ja ist denn heut schon Weihnachten?

Auch dieses Jahr wieder: das Fest der Toten/Halloween steht bevor…

Wunderschöne Fassaden

Denkmal

Denkmal für den Pony Express

Wir kommen am Denkmal für den Pony Express vorbei, der von 1860 bis 1861 für die Postzustellung zwischen St. Joseph/Missouri und Sacramento/California zuständig war. Auf schnellen Pferden schafften es die Pony Express Reiter, die Post innerhalb von 10 Tagen auf dieser Strecke zu transportieren, wobei sie alle 10 Meilen an einer Pony Express Station das Pferd wechselten. Eine wahnsinnige Leistung, die hier gewürdigt wird.

Ein kurzer Spaziergang an den Gleisen am Ufer des Sacramento River entlang führt uns an historischen Lokomotiven vorbei zurück zum Parkhaus. Das in Sacramento heimische Eisenbahnmuseum ignorieren wir – meine Firma wird es mir verzeihen.

Dann fahren wir mit der Tower Bridge im Rücken die Capitol Mall entlang auf das „White House“ zu, das heute das California State Capitol Museum beherbergt.

Das „Capitol“

Zurück auf dem Highway geht es weiter Richtung Nord-Ost. Zielort für heute ist South Lake Tahoe.

Unterwegs wird es endlich Zeit, etwas zu essen, und als wir an einem In-‘n-Out-Burger vorbekommen, fahren wir kurz entschlossen vom Highway ab und genehmigen uns einen Cheeseburger mit Pommes und Cola.

Endlich! Junk Food!

Dann geht es weiter Richtung Tahoe.

Wer früher als Kind „Bonanza“ geschaut hat, für den ist der Lake Tahoe ein alter Bekannter. Denn hier am See und in der Umgebung wurden die Außenaufnahmen für die Serie gedreht. Leider gibt es die gute alte Ponderosa nicht mehr; sie befand sich bei Incline Village im Norden des Sees, wurde aber vor ein paar Jahren von einem Investor gekauft und abgerissen.

Slogan von Lake Tahoe Tourism ist: „Keep Lake Tahoe blue“. Und das ist gut so. Denn Lake Tahoe ist wirklich ein See, der in allen Blau- und Türkistönen schimmert. Vorausgesetzt, es ist schönes Wetter…

Wir haben Glück, das Wetter ist schön, der Himmel ist blau und der See noch blauer. Gute Voraussetzung für schöne Bilder.

Lake Tahoe

Erster Blick auf Lake Tahoe

Eigentlich haben wir geplant, den See im Uhrzeigersinn zu umrunden, um dann im östlichen Teil am sogenannten Cave Rock den Sonnenuntergang mit Blick über den See abzuwarten. Allerdings wird dies durch Sperrungen aufgrund von Baustellen vereitelt, so dass wir gegen den Uhrzeigersinn fahren müssen, was bildertechnisch nicht so ideal ist. Aber was man nicht ändern kann…

Leider verpasse ich die Abfahrt zum Parkplatz über dem Cave Rock, schließlich kam ich bei Streetview immer von Norden und jetzt plötzlich von Süden und dazu noch Baustelle… Schade, daher gibt es hier nur Vorbeifahrfotos von Sandy.

Baustelle am Cave Rock

Baustelle am Cave Rock

In Sand Harbor im nördlichen Bereich des Sees fahren wir an den Strand – was wieder eine horrende Summe an Parkgebühren bedeutet. Schließlich sind wir hier in Nevada, unser Auto ist aber Kalifornier. Und Non-residents „dürfen“ mehr blechen. Frechheit! Aber der Strand und die Ausblicke entschädigen.

Sand Harbor

Sand Harbor

Sand Harbor

Sand Harbor

Und während wir noch so den Weg entlang schlendern, treffen wir erneut auf Wildlife.

Streifenhörnchen

Diademhäher/Cyanocitta stelleri/Steller’s Jay

Grauhörnchen

Kein Wildlife

Kein Wildlife, nur Sandy… ;-D

Mal kurz aufräumen…

… damit Sandy Platz hat.

Am liebsten würden wir den Rest des Nachmittags hier verbringen, andererseits wollen wir die Emerald Bay und die Eagle Falls im Südwesten des Sees noch bei Tageslicht erleben. Da beides im Schatten der westlichen Hügelkette des Sees liegt, wird es hier schon relativ früh dunkel.

Vorher aber biegen wir noch in den D.L.Bliss State Park ab. Wieder muss der Geldbeutel zum Parken ein paar Dollar ausspucken. Der Weg an den Strand, der auf der Karte so kurz aussieht, zieht sich. Schließlich aber erreichen wir den Parkplatz am Rubicon Point. Fragt mich jetzt nicht, woher der Punkt seinen Namen hat, ich weiss es nicht.

Am Rubicon Point

Am Rubicon Point

Es ist wunderschön dort, doch sobald der Schatten der Hügel aufzieht, wird es kühl. Weiter geht’s.

What came down, must go up… Oder so.

Emerald Bay mit der Insel Fannette ist selbst im Schatten sehenswert. Für einen Ausflug den Berg hinab ans Ufer ist es uns zu spät, daher müssen Bilder vom Vista Point aus reichen.

Man kann die Aussicht auf der normalen Plattform anschauen oder auf den Hügel klettern. Oder beides, so wie wir.

Ein wenig Risiko ist immer dabei.

Ein klitzekleines Stückchen die Straße entlang kommen wir zum Parkplatz der Eagle Falls, der inzwischen fast leer ist. Wir finden einen Abstieg nach unten, um die Falls näher in Augenschein nehmen zu können. Später entdecken wir, dass es einen viel einfacheren Zugang gibt. Aber erst einmal sind wir schräg oberhalb der Fälle, und Sandy macht ihre Ausrüstung schussbereit.

Eagle Falls

Eagle Falls

Ich versuche derweil, weitere erreichbare Stellen zu finden, von denen man die Fälle sehen kann. Aber dazu müsste ich zurück auf die Straße und an den Hügelkamm gegenüber. Zum Fotografieren ist es für mich – so frei aus der Hand – sowieso zu schlechtes Licht (Stativ liegt wie so oft im Kofferraum), aber Sandy macht das schon.

Schließlich wird es selbst Sandy zu kühl und zu dunkel, und wir gehen zurück zum Auto. Innerhalb weniger Minuten ist es fast stockdunkel, und wir haben noch ein Stück Weg zu fahren.

Und wie wir im Zwielicht so dahin fahren und gerade an ein Stoppschild kommen, hüpft ein mittelgroßer Schwarzbär von rechts nach links über die Straße. So schnell kann man gar nicht gucken, ist er wieder verschwunden. Was für ein Ärger. Wie in 2014: Bär auf Straße und kein Beweisfoto. Das fuchst uns immer noch.

Unser Hotel heute heißt „Postmarc Hotel and Spa Suites“ und liegt direkt an der Hauptstraße, nur wenige Meter vom See. Check-in ist etwas schwierig, unsere Buchung scheint nicht angekommen zu sein. Aber mit ein wenig Nachforschung stellt sich heraus, dass die Buchung von der Hotelplattform nicht unter meinem, sondern unter Sandys Namen erfolgte. Puh. Glück gehabt, alles in Ordnung. So können wir uns einen Parkplatz suchen, die erste Ladung Gepäck ausladen und unser Zimmer begutachten. Es ist etwas ganz besonderes…

Zimmer

Zimmer

 

 

 

 

 

 

Inzwischen haben wir wieder Hunger, eine Mahlzeit am Tag ist einfach nicht ausreichend. Da direkt neben dem Hotel ein IHOP liegt, beschließen wir, diese Kette mal auszuprobieren. Und das Essen ist gut. Wir werden nicht enttäuscht. Leider macht das Lokal erst nach 7 Uhr am Morgen auf, und da wollen wir bereits unterwegs sein. Sonst hätten wir glatt dort auch gefrühstückt.

Zurück im Hotel gönnen wir uns den Luxus des Tages. Wozu hat man einen Whirlpool im Zimmer?

Ein wenig Wellness darf sein.

Morgen geht es weiter nach Mammoth Lakes.

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