Easy Rider

Da wir das vom Hausherrn zubereitete Frühstück, das im Zimmerpreis enthalten ist, nicht ausfallen lassen wollen, können wir heute etwas länger schlafen. Unsere Auswahl trafen wir bereits gestern nach dem Einzug ins Sheridan Inn. Als wir nach unten in den Wohnbereich kommen, sind bereits mehrere Gäste im Frühstückszimmer. Wir setzen uns an einen Tisch etwas abseits und bewundern erneut die geschmackvolle, gepflegte Einrichtung.

Unser Frühstückstisch

Claire fragt nach unseren Wünschen betreffend Getränken und bringt uns dann unsere Frühstücksauswahl, die mexikanisch angehaucht ist und sehr lecker schmeckt. So kann ein Tag beginnen!

Quesadillas mit Lachs und Tomaten

Die saß die ganze Zeit in Sandys Nacken.

Nach dem Frühstück beladen wir unser Auto (es nieselt mal wieder), verabschieden uns von Claire und machen uns auf den Weg.

Wir möchten auf die Historic Route 66, die hier in Williams mit der Interstate 40 identisch ist, weiter im Westen aber von dieser weg einen Bogen nach Nordwesten schlägt, bis sie schließlich in Kingman wieder auf den Freeway trifft.

So folgen wir dem ersten Route66-Sign, das sich aber als Pleite herausstellt. Der Seitenweg führt zwar zu einem angeblichen Route66-Museum, geht aber von dort aus nicht weiter, so dass wir zurück auf die Interstate fahren müssen.

Einige Meilen weiter gibt es erneut einen Abbiegehinweis, und dieser scheint mir vertraut, denn ich bin die Strecke ja per Streetview bereits abgefahren. Und tatsächlich stimmt endlich die Richtung.

Was nun folgt ist so ziemlich die langweiligste Fahrstrecke unserer Reise.

Unser Weg auf der (einem Teilstück ) Historic Route 66 und weiter zum Hoover Dam und Las Vegas

Landstraßencharakter, immer geradeaus, in einer langweiligen Umgebung (Grasland ohne Abwechslung). Dazu Tempomat. Ich glaube, ich hätte das Lenkrad festbinden können und ein Nickerchen machen. Eine riesige Abwechslung sind die ab und an auftauchenden Biker auf der Gegenspur und die seltenen weidenden Kühe. Meile um Meile fahren wir so und ersehnen unseren nächsten Programmpunkt herbei.

Einem Hinweisschild entnehmen wir, dass wir uns wenigstens schon in Hualapai befinden. Ein ödes Örtchen entlang der Straße, bewohnt von den Hualapai-Indianern. Wir entdecken einen Briefkasten und ich halte an, Sandy will noch ein paar Postkarten einwerfen. Und weiter geht es.

Endlich kommen wir in eine Gegend mit Hügeln, und hier irgendwo muss es an der Straße, direkt nach einer Rechtskurve sein: der Keepers of the Wild Nature Park“.

Es handelt sich hier um eine private Organisation, die ehemalige Show-Wildtiere und „echte“ verletzte Wildtiere aufnimmt und betreut sowie nach Möglichkeit später wieder auswildert. Man kann diesen Privatzoo besichtigen, was wir natürlich vorhaben, auch wenn wir zu einer etwas ungünstigen Tageszeit ankommen, nämlich um die Mittagszeit. Die Sonne brennt ganz schön, und die meisten Tiere haben sich zur Siesta zurückgezogen.

Der Parkwächter

Gehege des weißen Tigers

Ein Zebra… – ach nein, ein weißer Tiger

Beweis

Wolf – ein schon älteres Semester

Dinosaurier…

… nicht ganz.

Rotluchs

Nur Grizzlydame Bam Bam hat es sich in ihrem Pool bequem gemacht und planscht fröhlich vor sich hin.

Zu der Bärin schreibt die Homepage der Keepers: „Bam Bam arrived August 28, 2014. An animal trainer purchased her as a cub and used her in entertainment. The animal trainer decided to advance his career and was unable to keep her. Unable to find her a home he was planning to euthanize her. Just days away from being euthanized – Keepers of the Wild was notified of Bam Bam’s fate and we agreed to take her.“
Quelle: http://www.keepersofthewild.org/bear

Am nächsten Programmpunkt in Hackberry wollen wir eigentlich nur kurz Halt machen. Denn hier befindet sich DIE historische ehemalige Tankstelle der Route 66, die jeder Biker kennen sollte. Ursprünglich befand sich in dem Gebäude ein Lebensmittelgeschäft, später besagte Tankstelle. Heute könnte man das Gelände als eine Art „Schrottplatz mit Kultcharakter und besonderem morbiden Charme“ beschreiben. Gerade, als wir ankommen und aussteigen, beginnt es mal wieder zur regnen. Genauer gesagt: zu schütten.

Wir retten uns erst einmal unter das Vordach. Bereits hier gibt es viel zu sehen. Und erst im Laden drin! Man könnte stöbern und kaufen und weiterstöbern. Und fotografieren und staunen. Letzteres tun wir ausgiebig. Man entdeckt aber wirklich bei jedem Blick etwas Neues.

Irgendwie beruhigend…

Nachdem der Regen aufgehört hat, gehen wir wieder nach draußen und schlendern etwas durch das Gelände.

Der ist bestimmt im Bodie geklaut worden.

Schade, dass man hier nicht mehr tanken kann.

Aber schließlich fahren wir weiter, wir haben noch etliche Meilen vor uns.

Die Jungs erleben wohl das „echte“ Route 66-Gefühl.

In Kingman wird der Verkehr dichter, die Zeit der „Wildnis“ ist nun endgültig vorbei. Wir verlassen hier die I-40 und biegen auf den Freeway nach Norden ab, der uns direkt an den Hoover-Dam führt. Bei meinem letzten Besuch in den 80ern gab es die neue Autobahnbrücke noch nicht, damals musste/konnte man noch direkt über den Damm fahren.

„Die Mike O’Callaghan – Pat Tillman Memorial Bridge, auch bekannt unter den Namen ‚Hoover Dam Bypass Bridge‘ und ‚Colorado River Bridge‘, ist eine 2010 eröffnete Bogenbrücke über den Colorado River im Black Canyon. Sie ist 580 m lang und bringt den U.S. Highway 93 in der Nähe der Hoover-Talsperre auf einer Höhe von 270 m von Arizona nach Nevada. Die Brücke war bei ihrer Fertigstellung eine der längsten und höchsten Betonbogenbrücken der westlichen Hemisphäre, sowie die zweithöchste Brücke Amerikas.“
[Quelle: wikipedia]

Wir halten am ersten Parkplatz und steigen den Weg zur und auf die Brücke. Von hier aus hat man einen prächtigen Ausblick auf den Damm.

Mittlerweile ist es bereits Nachmittag, und es wird zeitlich etwas eng, wenn wir noch mehr sehen wollen. Daher machen wir nur ein paar Fotos und kehren dann auf den Parkplatz zurück.

Die Auto- und Personenkontrollen vor dem Damm passieren wir lässig, irgendwie sind die Kontrollen nicht so streng wie im Internet beschrieben.

Wir lassen uns von den Hinweisschildern ins (ebenfalls neue) mehrstöckige Parkhaus neben dem Besucherzentrum leiten und „dürfen“ mal wieder ein paar Dollar dort lassen. Ein Besuch im Visitor Center und dem angeschlossenen Souvenirshop entfällt allerdings, da hier bereits um 17 Uhr geschlossen wird und wir nur wenige Minuten Zeit hätten – was uns natürlich niemals reichen würde.

So geht es für uns direkt an und auf den Damm, der hälftig zu Nevada und hälftig zu Arizona gehört. Leider entfällt aktuell das Kuriosum des Zeitunterschieds zwischen Pacific und Mountain Time dadurch, dass Arizona als einziger Staat KEINE Sommerzeit hat. Zur Zeit haben Arizona und Nevada also die gleiche Tageszeit. Ansonsten kann man sich nämlich breitbeinig mitten auf den Damm stellen und der eine Fuß ist glatt eine Stunde älter als der andere (oder jünger, je nachdem, wie man es sehen will).

Schaut man in der Hälfte des Damms auf der Abflußseite nach unten, wird einem erst bewusst, wie hoch dieses Bauwerk ist (nämlich 221 m).

Der Blick von hier „unten“ auf die Memorial Bridge ist auch nicht der schlechteste.

Auf dem Rückweg zum Parkhaus entdecken wir noch an der Wand eine Gedenkplatte zu Ehren des „Hoover dam mascot“, eines herrenlosen Hundes, der sich den Bauarbeitern anschloss und leider bei einem tragischen Autounfall ums Leben kam. Begraben wurde der Hund unterhalb der Steilwand neben der Dammkrone.

Solche Hinweisschilder haben wir in Deutschland noch nie gesehen… Hier in jeder Etage im Parkhaus.

Die letzten ungefähr 50 km Fahrstrecke liegen vor uns.

Wir durchfahren Boulder City, eine Nachbarstadt von Las Vegas.

Je näher Las Vegas rückt, desto stärker wird der Verkehr. Es ist Feierabendverkehr – und das bedeutet in Las Vegas, dass jetzt das Vergnügen erst losgeht.

Unsere Tussi leitet uns zu unserem Hotel. Wir sind für 2 Nächte im Bellagio eingemietet und nutzen die Gelegenheit für ein letztes Valet-Parking. Wir haben unseren Fury noch eine Nacht und einen halben Tag, dann müssen wir ihn leider zurückgeben.

Unser Hotel bei der Anfahrt

Die Rezeption im Bellagio

Nach dem Einchecken suchen wir unser Zimmer auf, geben der Rezeption Bescheid, und wenige Minuten später bringt uns ein Bellboy unser Gepäck, das so „alles in allem“ aus dem Auto geräumt doch inzwischen recht umfänglich ist.

Unser Ausblick ist so wie gewünscht: volle Sicht auf die Fountains. Unser Bellboy erklärt uns noch, auf welchem TV-Sender wir die Musik hören können, zu der die Fountains tanzen. Als erstes setzen wir uns gemütlich ans Fenster und genießen die Show.

Aber schließlich raffen wir uns noch einmal auf. Wir haben zwar einen gut gefüllten Kühlschrank, aber die Preise für die Knabbereien und Getränke sind wirklich jenseits von Gut und Böse. Ich kann Sandy gerade noch davon abhalten, eine Miniflasche Cola (0,2 l / 8 USD – ohne Steuern) zum Anschauen herauszunehmen. Der Kühlschrank ist nämlich direkt mit der Kasse verbunden und ein Stück herausnehmen bedeutet die sofortige Buchung auf die Zimmerrechnung.

Wir schlendern den Strip entlang nach Norden und suchen ein Lokal, um eine Kleinigkeit zu essen. An der Plaza am The Linq werden wir fündig, italienisches Essen passt uns heute recht gut.

Anschließend gehen wir weiter, unser Ziel ist das „Venetian Hotel“, das wir uns unbedingt einmal von innen ansehen wollen.

Es ist schon ein komisches Gefühl, mitten in der Wüste am Canale Grande entlang zu flanieren.

Wieder fallen uns die vielen kleinen Details auf, die diese Themenhotels so einzigartig machen.

Shopping-Meile im Bellagio

Und ewig zieht sich der Hotelflur…

Gemütlich laufen wir zurück zum Bellagio, genießen noch ein wenig den Fountain-View vom Zimmerfenster aus und entscheiden uns, morgen nicht schon zum Sonnenaufgang nach Henderson zu fahren, sondern erst ein klein wenig später.

Unbedingt Ton anschalten!:

zurück: 28. September 2016

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