John Wayne Country

a.k.a. The Wild Wild West

Rechtzeitig zum Sonnenaufgang sind wir fotobereit auf der Aussichtsterrasse. Allerdings haben wir eigentlich nicht viel Zeit, denn unser Tagesplaner ist voll.

Für ein Frühstück ist heute mal wieder keine Zeit. Bereits um 7 Uhr warten wir – wie in unserer Buchungsbestätigung gefordert – am Parkplatz des Visitor Center neben dem Hotel auf den angekündigten roten Jeep. Leider lässt der auf sich warten.

Warten auf Tony

Schließlich bin ich total unsicher, ob wir wirklich richtig stehen. Es gibt da ja noch einen Parkplatz direkt an der Kreuzung zum Hotel. Hoffentlich steht Tony – so soll unser Fahrer heißen – nicht dort und ärgert sich, dass wir nicht kommen.

An einer Bude auf der anderen Seite des Parkplatzes (wo ebenfalls Touren ins Valley angeboten werden) sehe ich ein paar Männer stehen und entschließe mich, dort nachzufragen. Schließlich kennen sich die Betreiber der Touren hier alle untereinander.

Von den 3 Navajo werde ich freundlich begrüßt, und als ich mein Problem schildere, wird mir angeboten, bei der Company anzurufen. „Kostet dich auch nur 10 Dollar!“ frotzelt der eine. Ich kontere „Für den Preis kann ich selber anrufen, ich hab ein Handy!“ (natürlich alles in Englisch), worauf wir alle lachen. Von wegen, die Indianer seien humorlos… Ein Anruf – von dessen Inhalt ich nichts verstehe, da auf Navajo – ergibt die Auskunft, das Auto sei noch zum tanken und käme gleich.

Also warten wir weiter. Wobei ich den Verdacht hege, dass unsere Tour schlicht und einfach vergessen wurde, schließlich habe ich die schon vor einem Jahr gebucht.

Mit einer halben Stunde Verspätung taucht ein Transporter auf. Kein Jeep, aber mit dem richtigen Logo auf den Türen. Und der Fahrer heißt auch nicht Tony, sondern nennt sich Marcus.

Es stellt sich heraus, dass wir heute die einzigen Teilnehmer der Ganztagestour sind. Sozusagen eine Privatführung.

Im offenen Wagen geht es nun auch sofort los. Die Straße ins tiefer gelegene Monument Valley ist die ersten Meter ja noch ganz ok, aber dann wandelt sich die Straße in eine holprige Schotterpiste. Kein Weg für Fury!

Man muss dazu wissen, dass man eine bestimmte Strecke durch das Tal mit dem eigenen Wagen fahren darf. Ein Abbiegen auf die Seitenwege ist allerdings nicht gestattet, und so verpasst man einiges, wenn man auf eigene Faust unterwegs ist. Mit einer geführten Tour – egal welche zeitliche Länge – kommt man auch in weitere Bereiche, deren Wege noch schlechter sind als die Schotterstraße. Im Tal leben verstreut diverse Navajo-Familien, die nicht unbedingt ungebremst als Touristenattraktion dienen wollen. Es gibt ein paar vorbereitete Gebäude, zu denen man gebracht wird und die einen Eindruck geben, wie die Navajo leben (oder gelebt haben). Aber die erreicht man – wie gesagt – nur durch eine geführte Tour.

Unsere Tourgruppe

Unsere Ganztagestour wird zweigeteilt sein: heute Morgen das eigentliche Monument Valley, dann gibt es eine Pause am/im Hotel, und am Nachmittag geht es in ein Nachbartal, das ohne Tourguide überhaupt nicht betretbar ist.

Da wir nur zu zweit sind, haben wir viel Platz auf unserer offenen Rückbank. Allerdings fehlt dadurch auch jemand zum Ankuscheln und Warmhalten. Denn obwohl die Sonne scheint, ist es noch ziemlich frisch so auf der offenen Ladefläche. Und im Schatten der Buttes und Mesas ist es ehrlich gesagt saukalt.

Die Fahrt dauert ca. 4 1/2 h. Jede Felsformation, jeder Butte, jede Mesa haben Namen. Das kann man sich gar nicht merken. Ich versuche mal, die Fotos zuzuordnen, ich hoffe, ich mache nicht allzu viele Fehler…

Elephant Butte

The Pharao

The Three Sisters

The Hub (= Die Nabe, Zentrum eines Wagenrads)

Rain God Mesa

The Totem Pole (links) mit The Yei Bi Chei – Tänzer, die aus einem Hogan (indianische Wohnhütte) kommen mittig bis rechts

„The Window“ – und nein, die Reiter waren nicht bestellt, diese Begegnung war Zufall.

The Thumb

The Rooster (der Hahn) – andere sehen einen heulenden Koyoten wie im Trickfilm

Camel Butte – wir sehen hier eher den schlafenden Snoopy

Im Laufe des Tages beginnen wir, die unmöglichsten Formen und Gebilde in den Felsen zu erkennen und zu benennen.

The Eagle


The Horse, das mich irgendwie an die ]blauen Pferde von Franz Marc erinnert

Zwischen all diesen Steinen steht ein kurzer Besuch in der Nähe von The Hub an. Hier stehen Hogans und wir lernen, dass es männliche und weibliche Hogans (Erdhütten) gibt.

Der größere Hogan wird von den Frauen bewohnt, der kleinere gehört den Männern. Dazu gibt es noch eine kleine, halb unterirdische Hütte, das Schwitzhaus.

Links männlicher Hogan, rechts der weibliche

Im weiblichen Hogan treffen wir eine alte Navajo, die uns zeigt, wie traditionell aus Schafwolle ein Faden gesponnen wird und wie diese Wolle dann zu Teppichen und Tüchern verarbeitet werden. Das Ganze ist kostenlos, es wird allerdings erwartet, dass man ein Trinkgeld nach eigenem Gusto gibt. Man kann natürlich auch eines der Ergebnisse oder handgemachten Schmuck etc. erwerben.

Ya ah teeh – Willkommen / ShiK’is – Freund / Hoshdee – Wie geht es dir?

Neben den gezeigten Felsformationen gibt es noch viele andere Formen, u.a. auch Löcher im Fels.

Big Hogan – man kann hier mit Fantasie in der Wölbung einen liegenden Hasen erkennen

Der Hase im Big Hogan

Moccasin Arch

Sun’s Eye

Ear of the Wind

Überall im Tal – bzw. wenn man weiß, wo man schauen muss – findet man Zeichen der früheren Bewohner. Auch hier haben sie Zeichnungen an den Wänden hinterlassen und Lehmbauten / Vorratshäuser unter geschützten Vorsprüngen.

Petroglyphen

Nachdem vor vielen Jahre eine Rockergruppe im Tal gewütet hat und etliche der von den Navajo verehrten Bauten zerstörte, sind die leichter erreichbaren Reste heute durch Zäune gesichert. Schade, das das sein muss…

Eidechse am Schutzzaun

Mustangs der Navajos

Ab und an gibt es auch Stände, wo die Navajos Schmuck verkaufen. Besonders bei deutschen Touristen ist das laut TripAdvisor ein Grund, die Navajos zu verteufeln. Wir können das überhaupt nicht nachvollziehen. Niemand ist jemals irgendwie aufdringlich, ganz im Gegenteil, wir werden nicht mal darauf angesprochen, ob wir was kaufen wollen. Die Stände sind da und man kann hingehen oder es lassen. Ganz einfach.

Verkaufsstand der Navajo

Einer der schönsten Punkte des Monument Valley: Artists‘ Point
Man erwartet förmlich, John Wayne durchs Bild galoppieren zu sehen.

Während wir am Morgen völlig alleine am bekannten John-Ford-Point waren und vergeblich auf den berühmten Cowboy warteten (der lag entweder noch im Bett oder hatte sein Pferd noch nicht eingefangen), sehen wir, als wir kurz vor Mittag an der Stelle vorbeikommen, dass er nun posiert. Für uns allerdings „auf der falschen Seite“ und viel zu weit weg. Immerhin, man sieht ihn.

Zurück im Hotel haben wir eigentlich eine Stunde Pause. Aber erst einmal entdecken wir einen roten Jeep. Und Marcus ruft mich zur Fahrerseite, wo der mysteriöse Tony hinter dem Lenkrad sitzt. Der ist ziemlich überrascht, dass wir tatsächlich eine Bestätigung für die Tour haben. Wie gedacht: die ist einfach untergegangen. Von wegen Tanken mit dem Auto. Vermutlich wurde durch den morgendlichen Anruf notfallmäßig Marcus verständigt, dass der uns betreut. Egal, die Tour war bisher gut, wenn auch kalt, aber dafür kann der Veranstalter nix. Daher bezahle ich auch ohne Gemurre den noch ausstehenden Betrag.

Quelle: http://www.chiropratique-reims.fr

Kurze Erholung im Zimmer, dann gehen wir erneut zum Parkplatz, wo wir nun mit Marcus als Fahrer in den Jeep einsteigen. Es geht erst einmal eine ganze Strecke auf der Straße entlang, bis wir plötzlich auf einen Trampelpfad abbiegen. Ziel ist nun der Mystery Canyon.

Marcus erzählt uns, dass er schon 2 Jahre lang nicht in diesem Tal war. Das merkt man, er lässt sich viel Zeit an den Vista Points, um selber Fotos zu machen. Da er merkt, dass wir an allem interessiert sind, gibt er auch etliches an Hintergrundinformationen, das andere Besucher vielleicht nicht erfahren. Uns macht die Fahrt Spaß und ihm scheinbar auch.

Allerdings darf man sich das jetzt nicht so vorstellen wie am Morgen: die Gravel Roads im Monument Valley sind wahre Luxusstraßen im Vergleich zu den Spurrillen im Sand, denen wir jetzt folgen. Zeitweise neigt sich unser Jeep im fast 40-Grad-Winkel auf eine Seite, man hat dabei irgendwie immer ein „Oh Gott, wir kippen“-Gefühl.

Der Mystery Canyon wirkt völlig anders als das Monument Valley, dabei sind sie nur wenige Meilen auseinander.

Auch hier findet man immer wieder Zeichen der Ureinwohner.

Vorratshäuser der Anasazi

Da die Bilder keinen Eindruck von der Größe der Felswände geben, hier mal eines mit unserem Jeep zum Vergleich:

Erstaunlich ist, dass wir über die ganze Fahrt kein Wildtier zu Gesicht bekommen. Nur ein paar Echsen sind zu entdecken.

Größenvergleich mit Marcus

Keiner am/im Auto, Türen sperrangelweit offen, Wertsachen drin – wer soll uns hier schon beklauen?

Wir halten dann an einem Hügel. Ich widme mich den vielen Blümchen, die dort wachsen, und Marcus meint zu Sandy „I’m gonna climb that hill! You come with me?“. Sie so: „Ehhhh… *hügelanglotz*… no!“ Er lacht und sprintet nach oben. Oben meditiert er dann oder betet oder was man als Navajo auf so einem Hügel halt macht. Sieht jedenfalls ziemlich entspannt aus, siehe Bild.

Sandy meint, sie hätte es schon hoc hgeschafft. Aber eventuell nicht mehr runter. Sie hat stattdessen also ein Tierskelett fotografiert. Auch… äh, interessant.

Auf dem Rückweg entdecken wir einen großen Vogel auf einer Felskuppel sitzend. Marcus ist sich sicher, dass es sich um einen Golden Eagle handelt.

Ein Golden Eagle?

Allerdings streift der Vogel ab, bevor wir sicher sein können, und verschwindet hinter den Felsen. Egal, für uns ist es ein Golden Eagle, und Marcus sagt, der Anblick eines solches gilt bei den Navajos als Glückszeichen.

Bevor wir zurückfahren, biegt Marcus noch in einen weiteren holprigen Weg ein. Er will uns zeigen, wo er mit seiner Familie wohnt. Dann aber geht es endgültig wieder zum Hotel. Uns schwirren die Köpfe vor lauter Eindrücken…

Am Hotel möchten wir noch ein paar Bilder an der Aussichtsterrasse machen, was sich aber als schwierig herausstellt. Es gibt hier einen Felsen, der sich für Fotos anbietet, und dieser ist schwer belagert. Vor allem eine junge Frau fällt auf, die offensichtlich ihren Haus- und Hoffotografen dabei hat. Sie posiert in allen möglichen und unmöglichen Positionen, und der arme Kerl tanzt dabei ganz nach ihrer Pfeife und macht, was sie sagt. Eigentlich ist es schon recht lustig, wie sich dieses „Fotomodell“ verhält, auch wenn sie besagten Felsen lange Zeit okkupiert.

Später beobachten wir, dass sie sich die gemachten Fotos in der Kamera ansieht und sichtlich nicht zufrieden ist mit dem Ergebnis. Worauf sie auf der Brüstung der Aussichtsterrasse erneut ihre Bewegungsübungen veranstaltet und ihr Begleiter wieder den Auslöser drückt…

Lustig ist es, von hier oben die Straße ins Valley zu beobachten. Zu dieser Tageszeit ist recht viel Verkehr.

Rush hour am Monument Valley Drive

Wir sehen unter anderem einen Ford Mustang, der den Weg hinabgetrieben wird. Aus unserer Erfahrung befürchten wir das Schlimmste, denn man mag die „Straße“ mit SUV oder per echtem Pferd problemlos bereisen, mit einem Sportauto wird das Ganze aber bestimmt kein Vergnügen. „Ob der die ganze Strecke fährt?“ fragen wir uns. Und tatsächlich taucht der Mustang nach knappen 10 Minuten wieder auf…

Endlich ist der Fotofelsen für uns frei.

Ein Besuch im Monument Valley ohne Foto mit DIESEM Hintergrund sollte unter Strafe stehen.

Erneut erwartet uns ein herrlicher Sonnenuntergang. Der Ausblick ist einfach grandios, man wird nicht satt, dem Farbenspiel zuzusehen.

Beim Abendessen im Restaurant gibt es heute keine Experimente… Salat und Tacos – da kann man nicht viel falsch machen

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