On the Road again

Es scheint kühl gewesen zu sein in der Nacht.

Heute verlassen wir Bryce leider schon.

Als erstes Tagesziel steht „Mossy Cave“ auf der Liste, dazu fahren wir einen kurzen Abstecher nach Osten.

Erstes Tagesziel: Mossy Cave

Bei Mossy Cave handelt es sich um einen Felsüberhang, dessen Wasserfall im Winter gefriert. Es dauert bis zur Mitte des Jahres, bis dieser Eisfall aufgetaut ist. Jetzt im September ist es natürlich entweder zu spät für den Eisfall oder zu früh – je nachdem, wie man es sehen mag. Trotzdem ist der kleine Spaziergang mit dem steilen Aufstieg zur Höhle ganz nett. Er führt am Wasser des Tropic Ditch entlang, der nicht weit von der Höhle als kleiner Wasserfall eine Stufe im Canyon überwindet.

Wasserfall des Tropic Ditch

Der Felsüberhang des Mossy Cave

Schließlich drehen wir aber um und fahren zurück zum Red Canyon, wo wir noch unsere Nationalparkpassports abstempeln wollen. Dann geht es durch die Torbogen des Canyons den Weg zurück, den wir vor 2 Tagen in anderer Richtung gefahren waren.

Eigentlich hatten wir ursprünglich vom Mossy Cave aus weiter nach Südosten fahren wollen, um das Grand Staircase Escalante National Monument zu durchqueren. Allerdings handelt es sich bei dieser Straße um eine Gravel Road, also eine Schotterstraße, deren aktuelle Beschaffenheit allein der liebe Gott kennt. Da die drei Meilen Schotterstraße nach Bodie schon sehr anstrengend zu fahren war, stelle ich mir die 46 Meilen-Strecke durch die Staircase als mittlere Hölle für den Fahrer und für die Stoßdämpfer des Autos vor. Außerdem steht in den Mietverträgen der Autoverleiher generell, dass die Versicherung nicht mehr greift, wenn man geteerte Wege verlässt. Sprich: sollte etwas passieren – und ein Ford Mustang Sportwagen ist nun mal kein wirklicher Geländewagen -, dann stehen wir nicht nur irgendwo in der Pampa, sondern müssen auch die anfallenden Kosten fürs Abschleppen und Reparatur selber bezahlen. Daher fahren wir lieber die zwar längere, aber „normale“ Autostraße nach Süden und dann erst südlich der Staircase nach Osten.

Außerdem kommen wir auf diesem Weg auch wieder nach Orderville, wo wir erneut ein deutsches Frühstück bei Forscher’s genießen.

Kurz nachdem die Straße nach Osten abgebogen ist, verlassen wir den Highway, um zu einem unbekannteren State Park zu kommen. Der “Coral Pink Sand Dunes State Park“ hat uns vom Namen her interessiert, und da der Besuch keinen großen Umweg bedeutet, steht er auf unserer Liste. Die Fahrt dorthin zieht sich, aber der Weg lohnt sich auch.

Wir bezahlen unseren Obolus und parken Fury, dann geht es zu Fuß weiter. Die Dünen sind je nach Lichteinfall wirklich rosa gefärbt, der Sand ist weich und „fluffig“. Die Besucher verteilen sich auf der Fläche, und selbst die Buggy- und Quadfahrer stören kaum.

Nach einem kurzen Besuch im Visitor Center, das eine interessante Sammlung von Fläschchen mit Sand aus aller Welt zeigt, fahren wir zurück auf den Highway, dem wir etliche Meilen folgen.

Wir wissen, dass unser nächstes Ziel nur schlecht ausgeschildert ist, und trotz aller Aufmerksamkeit verpassen wir das Hinweisschild auch fast. Gut, dass nicht so viel Verkehr ist im Moment, so dass die Vollbremsung mit dem schwungvollen Abbiegen über die Gegenfahrbahn keine negativen Folgen hat.

Fury muss nun in der Sonne auf uns warten, wir machen uns auf den Weg zu den „Paria Rimrocks Toadstool Hoodoos“, von denen wir im Internet gelesen haben.

Wir folgen dem ausgetrockneten Bachbett.

Die Felsen erinnern irgendwie an Indianertipis.

Hier ist der Weg scheinbar zu Ende…

… aber nach einer mittleren Kletteraktion erreichen wir die höher gelegene Ebene, auf der es weiter geht.

Wie so häufig, werden wir bei unserer Wanderung fündig und entdecken einen kleinen Bewohner.

Auch seltsame Spuren finden wir. Wolf? Hund? Koyote? Man weiß es nicht.

Wir biegen um eine Felsecke und die Farbe der Felsen ändert sich. Und wir entdecken den unsere erste Hoodoos.

Noch ein wenig Gekraxel, und wir haben die Gruppe der „Steinmännchen“ erreicht.

Die Gegend wirkt auf den ersten Blick öde. Faszinierend durch die Felsformationen, aber irgendwie tot. Und doch finden sich zarte Pflänzchen und Blümchen zwischen dem Gestein.

Warum erinnert mich diese Formationen nur irgendwie an den Film „7 Zwerge – Männer allein im Wald“?

Wir versuchen, um die Felswand herum zu laufen/klettern/kraxeln. Das ist gar nicht so einfach, obwohl es hier scheinbar noch einen Weg durch ein ganzes Rudel von Hoodoos gibt.

Sandy gibt irgendwann auf und geht zurück, ich quäle mich noch ein Stückchen weiter. Und entdecke zwischen den Felsen ein Wasserloch…

… und einen weiteren großen dicken Hoodoo.

Es gibt auch kleine Hoodoos.

Eindeutig KEIN Hoodoo!

Zurück im Auto genießen wir erneut die Qualität der Klimaanlage und der Sitzkühlung. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zu unserem Übernachtungsort. Aber bevor wir dort ankommen, haben wir noch einen kleinen Zwischenstopp vor uns: der „Glen Canyon Dam“.

Die technischen Daten dieses Damms über den Colorado River lesen sich wie folgt: „Die Staumauer wurde vom Bureau of Reclamation geplant und von 1956 bis 1964 erbaut; die Kosten betrugen 187 Millionen US-Dollar. Mit 216 Meter Konstruktionshöhe (über dem gewachsenen Fels) ist sie die fünfthöchste Talsperre der USA. Die Höhe über dem ehemaligen Flussbett beträgt 178 m. Die Mauerkrone ist 475 m lang bei einer Breite von 7,6 m. Die Mauer ist am tiefsten Konstruktionspunkt 91 m breit, die größte Breite wird am rechten Widerlager mit 106 m erreicht. Die Mauer umfasst ein Betonvolumen von 3.750.000 m³. Aufgrund dieser Dicke kann man sie nicht mehr als reine Bogenstaumauer bezeichnen. Einen Teil der Wasserlast trägt sie auch als Gewichtsstaumauer ab; deshalb handelt es sich wie auch bei der Hoover-Staumauer um eine ‚Bogengewichts(stau)mauer‘. Während der Bauarbeiten mussten 4.212.551 m³ Sand und Gestein bewegt werden.“ (Quelle: Wikipedia)

Um in den 50er Jahren dieses Bauwerk zu errichten, mussten für die Arbeiter entsprechende Unterkünfte zur Verfügung gestellt werden, so entstand die Stadt Page. Aufgrund der Lage entwickelte sich Page nach Bauende zu einer Station für Touristen auf der Durchreise und für Bootsbesitzer, die den Lake Powell unsicher machen. – Es ist schon irgendwie „freaky“, wenn einem in der Halbwüste mitten im Nichts ein Auto mit Bootsanhänger oder mit Surfbrettern auf dem Dach entgegenkommt…

DIe heutige Fahrstrecke

Auch wir nutzen Page als Übernachtungsstation. Eingebucht sind wir in einem kleinen Motel in der „Altstadt“, wo wir statt des gebuchten Zimmers eine richtiggehende kleine Suite zugewiesen bekommen. Und das zu einem für Page mehr als günstigen Preis – die Stadt im Nirgendwo lässt sich ihre Hotelzimmer nämlich teuer bezahlen. Das Red Rock Motel bietet keinen Luxus, aber saubere Zimmer mit guten Betten in einer ruhigen Umgebung bei sehr netten Vermietern. Wir sind zufrieden.

Das Hotel – die Rezeption

Unser Fury vor unserem „Zimmer“.

Zimmer 1

Zimmer 2

Bad

Interessante Sitzmöglichkeit

Für heute stehen noch drei Punkte auf unserer to-do-Liste: Shopping,

Shopping

Essen und der Sonnenuntergang am Horseshoe Bend. Bei diesem handelt es sich um die wohl bekannteste Flußschleife des Colorado Rivers, die man einfach und kostenfrei besichtigen kann. Was vor ein paar Jahren noch ein Geheimtipp war, ist dank Internet inzwischen ein sehr beliebtes Ausflugsziel.

Das müssen wir spätestens bei der Anfahrt bemerken. Denn der ursprüngliche „wilde Parkplatz“ an der Straße wurde inzwischen ausgebaut und erweitert und – ist trotzdem zu klein. Neben den vielen PKWs, die dort stehen, halten inzwischen auch ganze Ausflugsbusse hier an. Wir ahnen „schlimmes“.

Und es sollte unsere schlimmsten Befürchtungen noch übertreffen. Um an den Bend zu kommen, muss man erst einen kleinen Hügel überqueren. Selbst oben vom Hügel aus sieht man die Schleife noch nicht, man kann nur erahnen, dass da irgendetwas ist. Allerdings betrifft das wirklich nur die natürlichen Begebenheiten. Anhand der Menschenmassen auf dem Weg und an der Rim ist eindeutig, dass es „da was Sehenswertes gibt“.

Es ist so viel los, dass man sich echt wundern muss, dass hier nicht öfter mal jemand „versehentlich“ in der Schlucht landet. Massen an Fotografen mit Kameras aller technischen Couleurs stehen aufgereiht am Felsrand, Stativ steht an Stativ.

Irgendwie stellen wir uns dazu und versuchen, auch ein Foto zu machen. Gar nicht so einfach, wenn der Nachbar einem den Ellenbogen in die Seite drückt oder seinen Dickschädel vor die Linse schiebt, um selber ein Bild zu knipsen.

Besonders unverschämt sind hier die chinesischen Besucher. Man kann sie eindeutig von den Japanern unterscheiden, denn diese sind höflich und bitten ggf. um ein Plätzchen. Für die Chinesen scheint aber jeder Quadratmeter, auf dem sie stehen, zum Reich der Mitte zu gehören. Und das Reich der Mitte ist ja bekanntermaßen der Nabel der Welt, um den sich alles dreht.

Eigentlich wollen wir noch – ein Tipp unseres Vermieters – zum örtlichen Golfplatz, denn dort soll man abends Kojoten und Roadrunners antreffen. Allerdings ist man gerade dabei, den Rasen zu mähen und zu wässern, so dass wir im Hinblick auf die anbrechende Nacht dann doch nicht Halt machen.

Für’s Abendessen suchen wir nach einem netten Lokal, das erste hat Wartefrist und ist voll, das zweite ist mehr ein Imbiss. Aber schließlich entdecken wir etwas abseits der Hauptstraße das “Strombolli’s“, das einen ganz netten Eindruck macht. Das Schöne ist: man kann hier draußen sitzen, was wir auch tun.

Das Essen ist ok, der Service ist flott. Satt und zufrieden fahren wir zurück ins Hotel.

zurück: 23. September 2016

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