It’s Hot in the Desert

Es wird immer behauptet, dass die Temperaturen in der Wüste nach Sonnenuntergang rasch sinken. Das kann ich bestätigen! Denn als wir am frühen Morgen bei völliger Dunkelheit unseren Fury beladen, hat es gerade mal noch… ca. 30 Grad. Also doch schon bedeutend kühler als am Vortag!

Kurz nach 5 Uhr gebe ich unsere Schlüsselkarten zurück, und dann fahren wir los Richtung Süden. Erstes Ziel: Dante’s View zum Sonnenaufgang-Gucken. Die Straße führt uns an Furnace Creek (dem echten!) vorbei. Verkehr herrscht keiner, allerdings gibt es auch einfach nichts zu sehen. Stockdunkel ist es halt. Man sieht nur soweit die Scheinwerfer reichen. Wir hatten ja stillschweigend auf Kojoten oder auf eine Schlange auf der Straße gehofft, aber das einzige Wildtier, das wir entdecken, ist ein Kaninchen, das neben der Straße ins Gebüsch hoppelt.

Kurz vor dem Ziel noch ein kurzer Halt an einem Toilettenhäuschen (die – obwohl Plumpsklos – immer erstaunlich geruch- und fliegenfrei sind), dann kämpft sich Fury die letzten steilen Meter den Berg hoch zum Parkplatz.

Unsere Wüstendurchquerung…

Dante’s View befindet sich auf der östlichen Bergkette des Death Valley, den Black Mountains. Mit 1669 m Höhe überragt er das Badwater Basin mit dem tiefsten Punkt der USA. Er bietet eine grandiose Sicht auf das gesamte Tal.

Es sind nur wenige Frühaufsteher hier am Parkplatz, die gemeinsam mit uns warten. Mit Blick auf das Tal geht schließlich die Sonne hinter uns auf.

Blick ins Badwater Basin

Nächster Stopp auf unserer Wüstentour ist Zabrieski Point. Die Sonne wirft noch ein herrliches Licht auf die „Painted Desert“, die man von diesem Punkt aus sieht.

Inzwischen wird es Zeit für ein Frühstück. Aufgrund des frühen Aufstehens ist dieses ja erst einmal ausgefallen. Aber wir haben eines eingeplant, und zwar im „49er Cafe“ in Furnace Creek. Da wir von Dante’s View aus für unsere geplante Route wieder nach Norden fahren müssen, kommen wir hier sowieso vorbei.

Nach dem Frühstück steht als nächster Punkt der „Golden Canyon“ auf unserer to-do-Liste. Diese Schlucht erstrahlt je nach Lichteinfall in einem intensiven Gelbton.

Auf dem Weg zum Golden Canyon

Sie liegt inzwischen allerdings zum großen Teil im vollen Sonnenschein und heizt sich spürbar auf. Daher begehen und beklettern wir nur den vorderen Teil des Canyons, der noch schattig ist.

Weiter geht es zum „Artists‘ Drive“.

Es handelt sich um einen Loop-Drive, der nur in eine Richtung durchfahren werden darf.

Wir halten an zwei Vista Points, einem gleich zu Beginn des Drives und dann am bekannten Punkt „Artists‘ Palette“, die mit ihren verschiedenen, bunten Gesteinsflecken sehr interessant aussieht.

An unserem ersten Stopp

Unheimlich viel los hier….

Wir sind dort einige Zeit völlig alleine mit der Natur, es ist absolut still, keine Tiere, kein Geplapper, kein Fahrzeug.

Zurück auf der Hauptstraße geht es vorbei am Devil’s Golfcourse. Die Zugangsstraße zu dieser eigentlich interessanten Stelle im Death Valley ist aber sehr schlecht, so dass wir den Abzweig ignorieren und weiterfahren.

Am Badwater Basin können wir allerdings nicht vorbeifahren.

Wir halten und wagen uns mit vielen anderen Besuchern hinaus auf die Salzpfanne, in der sich mit 85,5 m unter Null der tiefste Punkt der USA befindet. Die Sonne knallt jetzt ganz schön und das kristallisierte Salz verstärkt die Wirkung der Strahlen noch. Unser mitgenommener Wasservorrat schrumpft beträchtlich und schnell.

Der kurze Spaziergang gibt uns einen kleinen Eindruck, wie sich die frühen Siedler hier gefühlt haben müssen, wenn sie das Tal durchquerten. Man muss den Mut dieser Menschen wirklich bewundern.

 

Wir verabschieden uns vom „Tal des Todes“ und fahren weiter durch eine zwar öde, aber doch im Verhältnis „lebendige“ Landschaft. Unser jetziges Ziel ist das völlige Kontrastprogramm zur stillen und eigentlich einsamen Wüste. Heute übernachten wir nämlich in Las Vegas.

In der Ferne liegt unser heutiges Ziel.

Unser Hotel ist das „The Linq“ direkt am Strip. Aufgrund unserer Recherchen wissen wir, dass wir das zugehörige Parkhaus am besten von der Rückseite her anfahren. Was die Recherchen nicht zeigten war, dass man vom Parkhaus zur Rezeption gefühlte Panorama-Trail-Kilometer durch die Shopping-Area und das Kasino marschieren darf…

Kaum geparkt, fängt Fury schon an zu flirten….

Für uns Hundehalter interessant: Auslaufzone im Hotel

Wir schleppen also unser gesamtes Gepäck erst zur Rezeption, entscheiden uns dann aber, per Automat einzuchecken. Das klappt auch recht gut und wir erhalten unsere Schlüsselkarten. Jetzt heißt es, den richtigen Hotelteil zu finden. Das dauert etwas, aber schließlich schaffen wir es, den richtigen Fahrstuhl zu finden, der uns in das richtige Stockwerk trägt. Dann heißt es, gaaaanz ans andere Ende des Flurs zu marschieren, denn wir haben einmal wieder das vorletzte Zimmer direkt gegenüber vom Notausgang „gewonnen“. Das Zimmer selbst ist modern und freundlich eingerichtet, und der Ausblick ist wie gewünscht auf den High Roller, das Riesenrad.

Während Sandy im Augenblick eine Pause braucht, fahre ich wieder nach unten, um den Eingang zum Pool zu suchen. Die Fahrstühle im Linq sind sehr gewöhnungsbedürftig, denn der eine fährt nur bis Stockwerk x in die Höhe, der andere fährt dafür nicht ins Kasino. Ich glaube, ich müsste hier mehrere Tage wohnen, um vielleicht einen Überblick zu erhalten. Immerhin, ich finde den Eingang zum Pool und hoffe, ihn auch zusammen mit Sandy zu finden. Denn so ein kleines erfrischendes Bad wäre jetzt genau das richtige.

Also Badeklamotten gepackt und runter gefahren (im richtigen Lift!). Wir erhalten Handtücher und wagen uns nach draußen. Großer Fehler! Das Linq gilt als Partyhotel. Und ein Teil der Party findet hier am Pool statt. Da sich die Poollandschaft im Innenhof befindet, verstärkt sich der Lärm der Leute und der Musik noch zusätzlich. Dazu sind alle Becken dicht bevölkert von jungen Leuten. Das ist nichts für uns – zu laut und zu voll. Da gehen wir uns lieber den Strip anschauen. Wir drehen um, geben die Handtücher zurück und fahren wieder aufs Zimmer.

Nachdem wir unsere Handtaschen gepackt haben, geht es los. Auf dem Strip halten wir uns in Richtung Süden und marschieren auf der linken Seite. Noch ist es hell und daher wirkt Las Vegas nur wenig spektakulär, nur voller Menschen, Autos und laut (wenn auch anders laut als am Pool vom Linq). Und warm. Außer man geht gerade an einem Kasinoeingang vorbei. Dann ist es kalt. Denn die Klimaanlagen der Hotels und Kasinos laufen volle Pulle, und das bei geöffneten Türen.

Bei der Hitze wollten wir so kostümiert nicht rumlaufen.

So laufen wir über den Strip bis zum Eiffelturm. Kurz entschlossen fragen wir nach einem Tisch im Restaurant, und tatsächlich, wir erhalten einen kleinen Tisch mit Ausblick auf die Bellagio Fountains. Wir bestellen – huch, ist das vornehm hier, 3 Schwarzröcke schleichen mehr oder weniger um uns rum! – und genießen die Sicht. Langsam geht die Sonne unter hinter dem Bellagio.

Gruß aus der Küche

Blick aufs Bellagio

Je später es wird, desto „schöner“ wird die Stadt. Was hier an Strom verbraucht wird, übersteigt jegliche Vorstellungskraft. Aber irgendwie hat das Lichtergeflimmer was…

Nachdem es nun dunkel ist, steht unser nächster Programmpunkt bevor. Wir laufen zurück zu unserem Hotel und wenig später trudeln wir am Riesenrad ein. Da ich schon in Deutschland Tickets besorgt hatte, können wir die anstehende Schlange der Besucher hinter uns lassen. Nach ein wenig Verwirrung bei der Ticketkontrolle (ich hatte nur 1 Ticket erhalten, aber den Zahlungsbeleg für 2 dabei) dürfen wir eine der Gondeln betreten und uns auf die halbstündige Fahrt machen. Da in die Gondel maximal 10 – 12 Personen geladen werden, obwohl sie eine stärkere Kapazität hat, ist ausreichend Platz und man kann sich aussuchen, wo man stehen oder sitzen will.

Der High Roller befindet sich parallel zum Strip, allerdings um einen Block nach hinten versetzt. Auf seiner „Rückseite“ ist derzeit noch unbebautes Gelände, daher ist die Aussicht in diese Richtung recht mau. Aber der Blick auf den Strip und die Hotels und Kasinos ist atemberaubend.

Nach einer halben Stunde ist die Fahrt vorbei.

Zurück am Strip passieren wir erneut den Eiffelturm. Vorbei am Planet Hollywood und dem Hardrock Café laufen wir bis zur Tropicana Avenue. Hier überqueren wir den Strip, um auf der anderen Straßenseite zurück nach Norden zu marschieren. Wir bestaunen den Rollercoaster am New York, New York-Hotel, passieren das Mandarin Hotel und überlegen, was wir bei Louis Vuitton im Las Vegas City Center einkaufen könnten.

Überall gibt es was zu sehen und zu bestaunen, sei es die Bauweise der Gebäude, sei es die Lichterreklame für eine der vielen Shows oder für eines der großen Lokale.

Aber mit am meisten beeindrucken die Bellagio Fountains. Ab 18 Uhr bis nach Mitternacht sind diese ein Anziehungspunkt für alle Besucher. In regelmäßigen Abstand „tanzen“ die beleuchteten Fontänen regelrecht zur erklingenden Musik. Besonders beeindruckend sind natürlich die Riesenfontänen, die bis zu 45 m hoch sind und die mit einem sehr lauten Platschen zusammenfallen.

Jede Vorführung, die von einem Computer gesteuert ist, ist anders, so dass es nicht langweilig wird, hier zuzuschauen.

Gegen 23 Uhr erreichen wir wieder unser Zimmer. Eigentlich wollten wir morgen zum Sonnenaufgang im Valley of Fire, das ca. 1 h Fahrzeit von Vegas liegt, sein. Aber wir entscheiden, dass dieser für uns ausfällt und wir erst später aufstehen werden.

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Rocks and Dunes

Nachdem unser Hotel ein Frühstücksbuffet anbietet, das im Zimmerpreis inkludiert ist, nutzen wir das aus. Es gibt diverse süße Teilchen, aber auch (Tüten-)Rührei, Bacon und Rösti, zusätzlich Joghurt und Müsli.

Leider fällt Sandy gleich unangenehm auf, denn ihr passiert ein mittleres Unglück und sie wirft ihr Morgengetränk um über Tisch, Stuhl und Teppichboden. Große Sauerei, die vom herbeieilenden Personal entfernt werden muss. Sandy ist das mehr als peinlich und sie bedankt sich wenig später mit einem Extra-Trinkgeld bei den Mädels.

Dann geht es los, Trulla lotst uns auf den Highway 65, auf dem wir gen Süden düsen. Denn einen Pass über die Berge, der die Wegstrecke abkürzt, gibt es nicht. Sicherlich mag es den einen oder anderen Schleichweg geben, aber dazu sollte man sich in der Gegend auskennen und sicherlich auch ein geländegängigeres Fahrzeug besitzen als ausgerechnet einen Ford Mustang.

Daher bleibt uns nichts anderes übrig, als die längere Strecke um die Südspitze der Gebirgskette zu nehmen. Das ist auch gar nicht schlimm, denn so kommen wir direkt an unsere ersten „roten Steine“, die am Highway liegen.

Vorbei  an der Weltstadt *hüstel* Tehachapi…

… betreten wir den „echten“ Wilden Westen.

Am Highway 14, der uns nach einem kurzen Schlenker nach Osten dann wieder nach Norden führt, liegt der „Red Rock Canyon State Park“. Und weil der eben so genial an der Straße liegt, bietet er sich prima für eine kleine Fahrpause an, um sich die Beine zu vertreten.

Wir fahren gleich beim ersten Vista Point ab auf den geschotterten Parkplatz am Fuße der „Red Cliffs“.

Es ist schon erstaunlich, was die Natur hier geschaffen hat. Der Kontrast der Felsen zum blauen Himmel ist wunderschön.

Ein paar Meter weiter überqueren wir den Highway – ja, man kann hier bei manchen Highways einfach so über die Gegenfahrbahn fahren (man stelle sich das hier in Deutschland vor….) – und parken an der Zufahrt zum Visitor Center.

Hier direkt an der Straße beginnt der Hagen Trail.

Diesen laufen wir ein Stück entlang, in Anbetracht von Sandys schmerzenden Füßen sowie der stechenden Sonne und der beginnenden Hitze zwischen den Felsen kehren wir aber doch recht schnell wieder zu unserem Auto zurück.

Ein par kleine Vertreter des Wildlife sind trotz der Hitze unterwegs.

Eidechsensuchbild

Der Red Rock State Park wäre sicherlich einen längeren Besuch wert, aber es zieht uns weiter.

Wir fahren also auf dem Highway 14/Highway 395, immer weiter nach Norden. Die Landschaft ist karg und nicht sehr abwechslungsreich. Die Fahrerei ist daher nicht gerade spannend, bis einige Meter rechts von der Straße eine schwarze „Steinmauer“ parallel zu unserem Fahrweg verläuft. Anhand unserer Vorbereitungen wissen wir, dass wir uns nun der „Fossil Falls Scenic Area“ nähern müssen.

Schon von weitem sehen wir den auffallenden roten Kegelberg, vor dem von unserer Richtung aus rechts die Zufahrt zur Area erfolgt.

Hier haben wir eine weitere Rast eingeplant. Trotz der Abgeschiedenheit und der schlechten Beschilderung der Area müssen wir feststellen, dass erstaunlich viele Autos (nämlich 3-4) auf dem Parkplatz stehen. Bevor wir loslaufen, essen wir noch etwas Obst, und als Sandy ein scheinbar einsames Chipmunk entdeckt, das in dieser Einöde unterwegs ist, gibt sie dem kleinen drolligen Kerlchen etwas von ihren Erdbeeren und Keksen ab (böse böse, ist doch verboten!).

Ich bin ja soooo allein.

Hmm, nur ein trockener Keks? Na ja, besser als nix.

Ui, DAS ist jetzt aber mal was Leckeres. Super!

Dann laufen wir auf einem schmalen Trampelpfad zwischen den schwarzen Lavafelsen hindurch bis zu den besagten „Fossil Falls“.

DA geht es hin!

Die Abbruchkante der Fossil Falls gibt einen Blick auf den rund 40 m tiefer gelegenen Boden frei. Rechts sieht man das Bett des Owens River.

Die zerklüfteten Lavafelsen ziehen sich über Meilen.

Eine scheinbar tote, wasserlose, schwarze, trostlose Landschaft. Und doch gibt es hier Leben. Als wir nämlich zum Parkplatz zurückkommen, entdecken wir …. zwei Chipmunks. Entweder handelt es sich um eine wundersame Blitz-Vermehrung, oder die Kerlchen haben uns vorhin vera***t.

Wir genießen die rasche Abkühlung unseres Fury, als wir losfahren. Denn entgegen „normaler“ Klimaanlagen bläst unser Pferdchen beim Losfahren – selbst wenn er lange Zeit in der Sonne stand – keine heiße Luft, sondern bietet gleich kalte Luft an. Bisher haben wir die Klimaanlage aber nur in wenigen Fällen benötigt, ansonsten reicht entweder das offene Dach oder die normale Lüftung völlig aus.

Jetzt aber testen wir noch ein Novum, das ich bisher noch bei keinem deutschen Mietauto hatte: Fury besitzt nämlich nicht nur die übliche Sitzheizung, sondern auch eine Sitzkühlung. Es ist schon ein seltsames Gefühl, aber nicht unangenehm. Man fühlt sich ein wenig so, als hätte man in nasser Badehose auf dem Autositz Platz genommen. Im Hinblick auf kommende Reiseziele kein schlechtes Gefühl.

Und wieder fahren wir auf der 395 nach Norden, bis wir an einer der wenigen Kreuzungen eine Chevron-Tankstelle und einen kleinen Supermarkt in der Einöde sehen. Hier tanken wir noch einmal voll, das müsste jetzt reichen für die nächsten eineinhalb Tage. Unser Pferdchen ist nämlich bisher erstaunlich genügsam.

Weiter geht es. Wenig später überqueren wir die beiden Los Angeles Aqueducts 1 + 2, in denen Schmelz- und Regenwasser von den Bergen bis nach Los Angeles geleitet wird. Aktuell allerdings sind die Wasserläufe leer und trocken.

Nun dauert es nicht mehr lange und wir können nach Osten abbiegen. Langsam aber stetig nähern wir uns unserem Ziel, dem „Todestal“.

Der Nationalpark des „Death Valley“ wirbt damit, der „heißeste, trockenste und am niedrigsten gelegene“ Park der USA zu sein. Er umfasst eine Fläche von fast 14.000 qkm (Quelle: wikipedia) und besteht aus 2 Haupttälern: dem eigentlichen Death Valley und dem Panamint Valley sowie vielen Canyons und Nebentälern.

Wir nähern uns über den nordwestlichen Zugang. Dazu müssen wir erst einige Meilen über einen Bergpass fahren, bis sich die Straße langsam immer mehr dem Talboden nähert.

Jetzt im September brennt die Sonne nicht mehr ganz so stark, aber es genügt uns schon, um für den Fahrtwind dankbar zu sein. Im Hochsommer möchte ich weder uns noch der Kühlung unseres Furys einen Trip ins Tal zumuten. Wobei die Hitze eine trockene Hitze ist und man gefühlt gar nicht richtig ins Schwitzen kommt. Was eigentlich bedeutet: was man rausschwitzt, verdunstet gleich wieder, so dass man den Feuchtigkeitsverlust gar nicht auf der Haut spürt – Achselflecken sind praktisch ausgeschlossen.

Je tiefer man fährt, desto heißer wird es. Das kann man der Temperaturanzeige von Fury klar entnehmen, alle paar Meter tiefer steigt die Anzeige um 1 Grad Celsius. Als wir in Stovepipe Wells, unserem heutigen Übernachtungspunkt, eintreffen, steht die Anzeige allerdings nur auf lächerlichen 42°.

Stovepipe Wells besteht aus einer Trading Post, einem Andenkenladen, einem Saloon und einem Restaurant, einigen einstöckigen Gebäuden mit Gästezimmern sowie einem Campingplatz auf der anderen Straßenseite. Idealerweise haben die Zimmer den Parkplatz direkt vor der Tür.

Als ich einchecken will erfahre ich, dass unser Zimmer noch nicht bezugsfertig ist. Als Alternative zum Check-in erhalte ich für uns beide Handtücher und eine Zugangskarte zum Poolgelände, „to cool off a little“. Also kurzentschlossen Badezeug angezogen und rein ins kalte Nass.

Etwa eine halbe Stunde später können wir dann unser Zimmer beziehen. Erste Amtshandlung ist – wie üblich – die Regulierung der Klimaanlage. Das Gebläse befindet sich nämlich direkt neben meinem Bett, und erstens ist es sehr sehr laut und zweitens sehr sehr kalt und drittens sehr sehr stark blasend. Also die Temperatur neu eingestellt, und somit ist unsere Anlage die einzige in der Reihe der Nachbarzimmer, die am frühen Abend keinen Krach macht.

Wie gewünscht haben wir Blick auf die Mesquite Flat Sand Dunes, die knappe 3 Meilen vom Hotel entfernt liegen.

Parkplatz direkt vor der Tür. Im Hintergrund in der Mitte des Bildes leicht zu erahnen: unser abendliches Fototourenziel.

Nachdem Fury entladen ist, besuchen wir zuerst die beiden Shops, den Andenkenladen auf der Suche nach Magneten und die Trading Post, um unsere Getränkevorräte aufzustocken. Denn obwohl wir – wie wir dachten – ausreichend Wasser und Tee eingepackt hatten, sind diese Vorräte erstaunlich stark geschrumpft in dem grad mal halben Tag Wüste. Und morgen haben wir ja fast einen ganzen Tag Wüste eingeplant. Allerdings lässt sich die Trading Post das dort zu kaufende Wasser wahrlich vergolden…

Inzwischen ist es Zeit für unser heutiges Abendziel: Sonnenuntergang an den Dünen. Die drei Meilen schafft unser Fury wie nix, und am Parkplatz finden wir trotz der vielen Besucher auch noch ein Plätzchen. Während wir zusammensuchen, was wir in die Dünen mitnehmen müssen/wollen, sehen wir einen Mann, der zwischen den Autos herumschleicht und alle scheinbar intensiv mustert.

Alarmglocken! Autodieb? Bandit? Wie wir noch grübeln, hören wir ihn quer über den Parkplatz schreien: „Eeeeeeelke! Indiäna! In-di-ääääää-na! Eeeeeelke!“ Es dauert einen Moment, bis wir registrieren: „Oh, Deutsche!“ Und einen weiteren: „Oh, peinlich!“, dieses Verhalten…

Wir verstehen dann, was hier passiert. Das Paar sammelt License Plates! In den Staaten werden die Autokennzeichen nicht von Städten/Bereichen, sondern von den Bundesstaaten herausgegeben. Diese Plates können auch noch unterschiedlich gestaltet sein (California z.B. hatte früher schwarze Schilder mit gelber Schrift, dann blaue Schilder mit gelber Schrift und heute weiße Schilder mit dunkelblauer Nummer und rotem California-Schriftzug darüber). Dazu gibt es noch die personalisierten Plates in gleicher Form. Und da also jedes Auto anzeigt, wo es zugelassen ist, gibt es Leute, die diese Kennzeichen „sammeln“, also versuchen, möglichst alle oder möglichst viele der Bundesstaaten zu „erwischen“. (Aktuelle Plates siehe auch HIER.)

Es wird nun bei uns zu einem geflügelten Wort, wenn wir eine neue License Plate entdecken: „Eeeeeeeelke!“ Und wir entdecken erstaunliche Kennzeichen, wer käme auf die Idee, dass man auf dem Festland einem Auto aus Hawaii begegnet?

Wir stapfen über den Sand der ersten Dünen in die Landschaft und versuchen, ein möglichst ruhiges Plätzchen zu finden. Das ist gar nicht so einfach, denn der Besucherandrang ist hoch.

Schließlich lassen wir uns auf einer der kleineren Dünen nieder, der Weg zur höchsten Düne ist uns mit 2 Meilen einfache Strecke durch den Sand zu beschwerlich und zu lang.

Blick zurück nach Südosten auf den Parkplatz und die Straße.

Blick nach Nordwesten auf die Dünen und die westliche Bergkette des Panamint Valley

Langsam nähert sich die Sonne dem Horizont.

Während wir schon im Schatten sitzen, leuchten die Berge noch in den letzten Sonnenstrahlen.

Da ich unsere Glaskugel mitgenommen habe, suchen wir noch ein passendes Plätzchen für ein Foto.

Irgendwie erinnert das Holz an das vordere Ende einer Wasserschildkröte…

Trotz der vielen Leute war dieser Sonnenuntergang sehr schön und wir sind froh, ihn erlebt zu haben. Jetzt aber meldet sich der Hunger, schließlich haben wir heute seit dem Frühstück nur Kleinigkeiten gegessen.

(Fast) die heutige Strecke (das Stückchen bis Stovepipe Wells fehlt)

Also fahren wir zurück zum Hotel und gehen auf gut Glück ins Restaurant, denn vorbestellt haben wir nicht. Aber da es noch recht früh ist, erhalten wir problemlos einen Ecktisch zugewiesen und können aus der Speisekarte auswählen. Ich gönne mir ein hauseigenes Bier, und das schmeckt gar nicht mal so schlecht.

Als wir nach dem Essen das Lokal verlassen, warten im Eingangsbereich ca. 10 Leute auf einen Tisch. Gut, dass wir so früh dran waren.

Auf dem Rückweg vom Restaurant bestaunen wir den inzwischen sternenübersäten Himmel. So viele funkelnde Pünktchen am Himmel haben wir noch nie gesehen. Was bedeutet, dass Sandy ihre Ausrüstung holt und mit Stativ und Berechnungstabellen auf dem Handy ihre ersten Nachthimmellangzeitbelichtungen schießt.

Ich begleite sie, staune den Himmel an (ich habe hier das erste Mal in meinem Leben ein Sternbild eindeutig erkannt!) und leuchte bei Bedarf mit der Taschenlampe.

Da entdecke ich in der Richtung, in die wir morgen fahren müssen, ein helles Licht hinter den Bergen. „Ob das Furnace Creek ist?“ frage ich Sandy, denn dieses Hotel mit Campingplatz liegt etwa in der Richtung des Lichts. Wobei ich mir das eigentlich nicht vorstellen kann, ist doch das Death Valley inzwischen ein sogenanntes „Lichtschutzgebiet“, und unser Hotel z.B. bittet seine Gäste, auf unnötige Lichtquellen zu verzichten. Und da soll Furnace Creek so leuchten?

Wie wir noch zweifeln, wird das Licht immer größer und heller… Und dann erkennen wir es: es ist der aufgehende (fast-) Vollmond! So groß und so leuchtend haben wir den noch nie gesehen. Wie eine kleine Sonne erscheint er hinter den Bergen.

Von diesem Moment ab heißt der Mond bei uns nur noch „Furnace Creek“.

Irgendwann hat auch Sandy genug vom Fotografieren und wir ziehen uns ins Zimmer zurück. Morgen klingelt der Wecker um 4:30 Uhr…

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weiter: 19. September 2016