Red, Yellow and Orange

Der erste Blick am Morgen geht nach draußen. Es ist immer noch grau, aber es regnet wenigstens nicht mehr. Ein Frühstück entfällt, das Hoteleigene Lokal macht erst später auf, da sind wir schon unterwegs.

Aber das ist heute kein Problem, wir haben eine Alternative. Denn Sandy hatte unterwegs eine Werbetafel entdeckt, auf der eine deutsche Bäckerei Werbung macht. Und diese Bäckerei befindet sich in Orderville, das auf unserem Weg liegt.

Als allererstes machen wir uns aber auf die Suche nach der Bisonherde unserer Ranch. Denn die lassen sich auch heute Morgen nicht blicken, und das Gelände, auf dem sie sich befinden können, ist hügelig und riesig. Schließlich finden wir sie tatsächlich am hinteren Ende des Gatters, etwas versteckt zwischen ein paar Bäumen.

In der Hoffnung, dass es keine Probleme mit Überschwemmungen gibt, machen wir uns nach ein paar Fotos nun auf Tour. Die flashflood-Warnungsseiten im Internet weisen auf keine größeren Gefahren hin, also verlassen wir uns mal darauf.

Und es ist tatsächlich so, dass wir zwar einige Stellen auf der Strecke entdecken, wo in der Nacht die Straße überschwemmt war, aber es sind nur kurze Strecken voll Schlamm und Dreck. Die größte Gefahr ist die, dass unser Fury einen sehr schmutzigen Unterboden bekommt.

Unsere heutige Route

In Orderville halten wir nach der Bäckerei Forscher Ausschau und finden sie am für uns „hinteren“ Ende des Ortes. Ein schmuckes Holzhaus mit Schotterparkplatz davor lädt zum Halten ein.

Eine Schiefertafel zeigt, was man hier frühstücken kann: ein „German Breakfast“ mit gekochtem und Schwarzwälder Schinken, Käse, Tomate, Mozzarella, Butter und deutschem Brötchen (verschiedene Sorten zur Auswahl). Das muss es heute mal sein, dazu eine Tasse Kaffee… Genüßlich verschnabulieren wir alles bis auf den fürs Auge beigefügten Rucola-Salat (ohne Dressing). Es schmeckt herrlich!

Dann geht es weiter. Allerdings verlassen wir den Highway nach Norden bald, um einen Umweg zu fahren. An der Strecke liegt nämlich ein Gebiet, das sich „Cedar Breaks“ nennt. Es handelt sich dabei um ein National Monument, das sich als „kleinen Bruder“ unseres heutigen Ziels betrachtet. Die Strecke kann man zwar im Internet abfahren, aber von der eigentlichen Sehenswürdigkeit sieht man dabei nichts. Die Beschreibung allerdings ist vielversprechend und gleichzeitig „bedrohlich“, denn es wird gewarnt, dass es hier auch im Hochsommer oft nur 15-20 Grad warm ist. Und heute ist es ja schon „unten“ nur so 20 Grad warm.

Trotzdem fahren wir vom Highway ab und folgen der Straße Nr. 14, die sich langsam die Hügel hinaufwindet. Je höher wir kommen, desto herbstlicher wird es. Während am Highway unten die Bäume noch grün sind, haben hier die Birken bereits strahlend gelbe Blätter.

Schließlich kommen wir an die Abzweigung, die uns direkt zum Monument führen soll. Kaum abgebogen, sehen wir – nichts mehr. Denn hier liegt Nebel über der Straße, oder besser gesagt tiefliegende Wolken. Mit einer Sicht von 20 m macht das Fahren keinen Spaß, und ich bin schon drauf und dran zu drehen und zurück zu fahren, da wird die Sicht besser. Von Sonne ist aber weiterhin keine Spur.

Meile um Meile fahren wir nun durch bewaldete Hügel, immer höher führt die Straße. Endlich erreichen wir den Parkplatz des National Monuments. Eine kleine Hütte beherbergt einen Ranger, bei dem man eigentlich Eintritt bezahlen soll. Nun, wir haben ja die Nationalparkkarte, die gilt auch für die National Monuments. Bezahlen müssen wir also nix, aber es fragt auch keiner nach der Karte.

Vom Parkplatz aus geht es einen steilen Pfad auf den Berg. Wir wagen uns trotz der klitschigen Beschaffenheit auf den Weg und kämpfen uns nach oben. Im wahrsten Sinne kämpfen, denn mit jedem Schritt wird die Masse Schlamm, die sich an unseren Schuhen festklammert, größer und schwerer.

Aber wir erreichen den oberen Punkt und haben nun freie Sicht auf das Cedar Breaks National Monument. Es handelt sich um einen großen halbkreisförmigen Bergabbruch, bei dem sich im Laufe der Jahrhunderte durch Wind, Wasser und Temperaturwechsel bizarre Figuren aus dem Gestein gebildet haben. Sicherlich ist die Gegend nicht so beeindruckend wie das, was uns noch bevorsteht, aber es gibt schon einen interessanten Eindruck.

Absicherungen gibt es wie üblich keine, der Untergrund ist felsig und schlammig und rutschig. Dazu ist es windig, schon fast stürmisch, und die Temperaturen sind auch nicht gerade hochsommerlich. Daher verzichten wir auf einen Gang entlang des Rims, sondern rutschen, schlittern und klettern den Weg wieder nach unten, wo wir ¾ der mindestens 2 kg Schlamm pro Fuß an Steinen und Holzbalken abstreifen, um dann die vorhandenen Pfützen für ein Schuhbad zu nutzen. Denn mit so schmutzigen Schuhen können wir nicht in unseren Fury steigen.

Solche schmutzigen Schuhe können wir unserem Fury nicht zumuten.

Die vorgesehene Reinigungsbürste versagt…

Noch ein kurzer Besuch im Visitor Center, das sich in einer zweiten Hütte befindet, um unsere Nationalparksammelpässe zu stempeln, dann fahren wir weiter. Um gleich darauf an einem Vista Point an der Straße noch einmal anzuhalten.

Das Visitor Center

Einer unserer Nationalparkpässe.

Wir halten noch kurz am nächsten Vista Point, wo es sich Sandy trotz des kalten und kräftigen Windes nicht nehmen lässt, weitere Fotos zu knipsen.

Jetzt geht es endgültig auf unser Tagesziel zu. Je näher wir ihm kommen, desto besser wird das Wetter. Die Wolken brechen auf und tatsächlich: es gibt noch blauen Himmel dahinter. Und die Sonne lebt auch noch.

Das Herbstlaub in dieser Höhe ist einfach überwältigend.

Als wir an unserer nächsten Station ankommen, dem „Red Canyon“ am UT12 Scenic Byway, ist das Wetter wieder wunderschön: sonnig, warm (aber nicht heiß), blauer Himmel mit gelegentlichen Wölkchen.

Daher halten wir auch wie geplant und vertreten uns ein wenig die Beine auf dem Photo Trail und dem Golden Wall Trail. Die roten und gelben Formationen bieten interessante Fotomotive.

Reste vom nächtlichen Regen (beim Rückweg war nichts mehr zu sehen)

Ein Alligator?

Das Visitor Center lassen wir heute ausnahmsweise aus. Übermorgen fahren wir die gleiche Strecke wieder zurück, und da ist dann noch Zeit genug, unser Büchlein zu stempeln.

Dann endlich sehen wir den Hinweis auf den „Bryce Canyon Airport“. Jetzt sind es nur noch wenige Meter bis zur Abzweigung zum Bryce Canyon, auch wenn dieser noch etliche Meilen entfernt liegt.

Wir nutzen die Gelegenheit und tanken noch einmal, dann fahren wir zum Eingang und zeigen unseren Nationalparkpass vor. Wie üblich erhalten wir die Parkinformationen, der Ranger wünscht uns einen schönen Aufenthalt, und dann sind wir offiziell Parkbesucher. Ein Stopp am Visitor Center ist obligatorisch, ein weiterer Stempel ziert kurz darauf unsere Pässe.

Eingebucht sind wir heute in der Bryce Canyon Lodge, dem einzigen Hotel IM Park. Also fahren wir gleich dorthin. Leider besitzt die Lodge keinen Fahrstuhl und wir haben unser Zimmer in der oberen Etage im Haupthaus. Das ist also wieder ein ziemliches Geschleppe, bis alle unsere Sachen oben sind. Immerhin rentiert sich das heute, denn wir haben hier für zwei Nächte gebucht.

Unser Zimmer ist nett, aber klein, es gibt nur ein Bett in Queensize, während wir bisher entweder jeder ein Queensize- oder zusammen ein Kingsize-Bett hatten. Das wird noch lustig werden. Eine Klimaanlage müssen wir heute nicht neu einstellen, denn es gibt nur Naturklima – ein Fenster zum Öffnen mit Fliegengitter gegen ungewollte Mitbewohner. Ich finde das richtig angenehm.

Und dann sind wir soweit und können uns zur wirklichen Attraktion der Gegend begeben. Ein kurzer Hundertfünfzig-Meter-Spaziergang führt uns von der Lodge direkt zum Bryce Canyon.

Für mich ist das hier ja kein Neuland, ich weiß genau, was mich erwartet, aber Sandy verschlägt es trotz aller vorbereitenden Internetrecherchen erst einmal die Sprache. Selbst die schönsten Fotos können einem nicht auf den Eindruck vorbereiten, den diese Märchenlandschaft hinterlässt. Beschreiben kann man das sowieso nicht.

Mein letzter Besuch hier war im Dezember, und es hatte Schnee. Davon schwärme ich Sandy vor, denn der weiße Schnee auf den rötlichen Hoodoos sah einfach zauberhaft aus, jede kleine Unebenheit, jeder kleiner Vorsprung im Felsen war weiß gepudert und das betonte die Formen noch stärker. Aber auch so ist Bryce einfach ein Wunderwerk der Natur.

Wir bleiben heute nur in der Gegend des Sunset-Points. Das Wechselspiel der Wolken zusammen mit der langsam tiefer sinkenden Sonne verändern die Schattenspiele der Hoodoos ständig, es wird nicht langweilig, dies zu beobachten. Einige Namen der Felsformen kenne ich noch, das „Sinking Ship“ ist genauso eindeutig wie „Thors Hammer“. Andere Formationen mögen einen Namen haben, den wir aber nicht kennen. So bleibt es uns frei, eigene Namen zu erfinden.

Hinten in der Mitte: Das „Sinking Ship“

Schließlich verschwindet die Sonne immer öfter wieder hinter Wolken und es wird kalt und windig. Zurück im Hotel fragen wir nach einem Tisch im Restaurant, es soll ungefähr 45 Minuten dauern, bis einer frei ist. Wir erhalten eine Art Piepser, mit dem wir informiert werden, wenn es soweit ist, dann gehen wir in den großen Souvenirshop neben der Lobby und stöbern.

Der Piepser meldet sich schon relativ schnell und wir können unsere Abendmahlzeit einnehmen.

Aus dem geplanten Nachtbesuch an der Rim wird es nichts, es ist einfach zu ungemütlich draußen. Stattdessen machen wir uns bettfertig und überspielen dann die letzten Fotos auf den Speicher. Im CD-Player unseres Zimmers befindet sich eine esoterische Indianermusik, die lassen wir dabei laufen. Voll entspannend.

So entspannend, dass wir total albern werden. Eigentlich habe ich mich schon zum Schlafen umgelegt, als Sandy einen komplett doofen Kommentar ablässt, worauf mir eine noch doofere Antwort einfällt, und so geht es über mindestens eine halbe Stunde, bis ich vor Lachen und Kichern schon Seitenstechen habe. Dann endlich sind wir beide fertig für den Tag…

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Hikes, Views and Bisons

Als wir am Morgen einen Blick aus dem Fenster werfen, müssen wir enttäuscht feststellen, dass der Himmel noch genauso grau ist wie am Tag zuvor. Man hat sogar den Eindruck, er sei grauer.

Nun ja, geben wir dem Ganzen noch eine Chance und gehen erstmal frühstücken. Vielleicht sieht es danach ja besser aus?

Das Frühstück ist „typisch“, langsam hängen mir die hash browns und eggs zum Hals heraus und ich sehne mich nach einem guten deutschen Butterbrot… Sandy ordert heute einen heißen Kakao, der kommt erst nicht und dann ist der Becher so voll, dass er an allen Seiten überläuft. Und außerdem handelt es sich nicht um einen Kakao aus entsprechendem Pulver, sondern um Nesquick mit seeeeehr süßer Sahne drauf. Also doppelter Zuckerschock. Da bleibe ich lieber bei meinem Kaffee, der ist wenigstens überall gleich dünn…

Leider sieht das Wetter inzwischen NICHT besser aus. Im Gegenteil, es sieht aus, als wolle es jeden Augenblick anfangen zu regnen. Nun ja, wir schaffen es gerade noch, den Fury vollzuladen, da geht es auch wirklich los. Und nun? Eigentlich hatten wir für heute ein paar mehr oder weniger kurze Hikes geplant. Aber so wird das wohl nichts…

Wir fahren zum Visitor Center, unsere Besucherstempel abholen. Leider zeigt die dort ausgehängte Wettervorschau, dass keine Wetterbesserung in Sicht ist, im Gegenteil, für die nächsten Stunden sind Gewitterstürme vorhergesagt.

Wir entscheiden, in das kleine Örtchen vor dem Park zu fahren, vielleicht kann man da ja was unternehmen (shopping?). Vielleicht wird das Wetter ja doch noch besser im Laufe des Tages? Also fahren wir nach Springdale, ein Städtchen, das nur aus Hotels, Motels und Restaurants sowie ein paar „Art (Kunsthandwerk) Shops“ besteht. Und das völlig überfüllt ist. Kein Parkplatz weit und breit, und auch nichts, weswegen man anhalten muss.

Ok, Schuhe hätten wir kaufen können.

Daher drehen wir und fahren wieder in den Park. Am Visitor Center stellen wir Fury ab (der Parkplatz ist bereits jetzt fast voll, dabei ist gerade mal kurz nach 10 Uhr). Wir haben Glück, noch einen Stellplatz zu finden. Jetzt stehen wir vor der Entscheidung: was tun wir jetzt? Mit dem Shuttle nur rumfahren? Oder ein Shuttlehopping probieren, also eine Station fahren, ein Stück laufen, ggf. dann wieder fahren?

Denn es regnet, aber nicht durchgehend, sondern immer wieder. Mal mehr, mal weniger. Die Aussicht ist schlecht, zwischen den Felsen hängen Wolken. Das mag zwar ganz nette Fotos geben vom Motiv her, aber ein wenig blauer Himmel wäre uns lieber.

Wir entscheiden uns fürs Shuttlehopping und fahren zurück zum Court of the Patriachs, wo wir ein paar Meter den Bergweg emporsteigen. Von der dort oben möglichen Aussicht ist nur wenig zu sehen.

So hätten wir den Court of the Patriarchs gerne bewundert…

… aber wir müssen uns mit dieser Aussicht begnügen.

Also nehmen wir den nächsten Shuttlebus zur Lodge. Von hier aus startet der Trail zu den Emerald Pools, die aufgrund des Regens sogar Wasser führen sollten. Wie gesagt, es nieselt, dann regnet es, dann ist es wieder nur feucht.

Tapfer wagen wir uns auf den Weg, zusammen mit sehr vielen anderen Parkbesuchern. Die unteren Emerald Pools liegen in einem von 3 Seiten von steilen Felswänden umgebenen Tal. Der Weg ist bequem zu gehen und nicht übermäßig weit. Er führt unter einem Felsüberhang an den unteren Pools vorbei und wird dann steiler und schwieriger, bis man die oberen Emerald Pools erreicht.

An diesem Felsüberhang bei den Lower Pools stürzt heute nun ein kleiner Wasserfall herunter, ein im Sommer seltener Anblick. Die Pools selbst sind heute nicht besonders spektakulär, das mag bei entsprechendem Licht anders sein.

Ich teste den Weg nach oben, aber durch den Regen ist er sehr rutschig und auch nicht so ausgebaut wie zu den Lower Pools. Außerdem regnet es grad wieder mal etwas mehr, und so drehen wir wieder um.

Mit den nassen Klamotten im überfüllten Shuttlebus stehen oder sitzen ist nicht gerade angenehm, die Sicht nach außen ist durch die beschlagenen Fenster kaum möglich, und überhaupt macht das so eigentlich keinen Spaß! Allerdings gibt es doch eine lustige Begebenheit:

Links neben uns sitzt ein Typ (Englisch sprechend) mit fetter Fotoausrüstung. Er fotografiert durch das geöffnete Busfenster einen der vielen spontanen Wasserfälle. Im Regen ohne Gegenlichtblende (zum Schutz) schräg nach oben fotografieren ist ja schon unklug. Aber es kommt noch besser. Durch das triste Wetter fehlt ihm scheinbar der Kontrast und er holt einen fetten Polfilter samt Halterung aus seinem Rucksack und schraubt ihn auf sein Objektiv. Dann hält er wiederholt die Kamera durch das schmale Busfenster, knipst rum und als er sie wieder reinholen will, passiert es: Er bleibt mit der Filterhalterung am Fenster hängen und sie fällt samt Filter runter auf die Straße. Wir müssen ziemlich schmunzeln. Ach, was sind wir schlechte Menschen… Er meint dann zu seinen Kumpels, dass er zurückfahren und nach der Halterung suchen will, denn der Filter wäre eh tot, aber die Halterung hätte er gerne wieder. Wir überlegen, ob wir uns auf die Suche machen sollen… Aber nein, für so einen Blödsinn haben wir tatsächlich keine Zeit.

Obwohl es noch recht früh ist, nehmen wir daher das Shuttle zurück Richtung Visitor Center, steigen in unseren Fury und verlassen das eigentlich wunderschöne, aber heute so ungastliche Tal. Weit ist unser Weg heute nicht mehr, daher halten wir noch einige Male trotz Regens, denn die Landschaft, die wir durchfahren, ist wirklich etwas Besonderes und muss bei Sonnenschein spektakulär sein.

Ganze Heerscharen sind auf dem Weg ins Tal.

Checkerboard Mesa

Nachdem wir die Berge verlassen haben, sind es nur noch wenige Meilen zu unserer heutigen Übernachtungslocation, der „Zion Mountain Ranch“.

Hier haben wir eine Cabin gebucht, die aber noch nicht fertig gerichtet ist. Wir vertreiben uns die Zeit im Restaurant, wo wir auch gleich einen Tisch für den Abend bestellen, denn das Lokal ist nicht sehr groß und – wie wir mitbekommen – der Nebenraum ist für heute Abend von einer Gruppe vorreserviert.

Schließlich können wir unsere Schlüssel abholen. Unsere Hütte – eigentlich ein nettes Blockhaus – liegt mit Blick auf Rezeption und Lokal sowie auf das Tal auf einem kleinen Hügel, zusammen mit etlichen anderen Hütten in verschiedenen Größen. Unser Häuschen hat einen offenen Wohnraum mit Küchenzeile, Esstisch und Feuerstelle sowie ein Schlafzimmer mit Kingsize Bed und Bad mit Dusche und Wanne. Dazu von beiden Räumen aus eine Veranda mit besagtem Talblick.

Unsere „Hütte“…

… mit Parkplatz vor der Tür.

Wohnbereich

Küche und Esstisch

Schlafzimmer

Veranda

Weiterhin ziehen dicke graue Wolken über uns hinweg, alles ist nass und nichts lockt uns hinter dem sprichwörtlichen Ofen vor. Sandy legt sich eine Weile aufs Ohr, ich befürchte um meine Nachtruhe und bleibe lieber jetzt wach, als später wach im Bett zu liegen. TV im Wohnzimmer ist zwar vorhanden, funktioniert aber nicht. Daher bleibt mir nichts übrig, als die Datenübertragung von Kamera auf Speichermedium zu überwachen.

Dabei bemerke ich eine Bewegung vor der Veranda, und bei näherer Überprüfung entdecke ich einen Feldhasen, der im Gebüsch vor sich hinmümmelt. Wieder ein Tierchen, das in unsere wildlife-Liste passt.

Von den Bisons der Ranch ist weit und breit nichts zu sehen.

Schließlich wecke ich Sandy und wir fahren zum Restaurant. Der Weg ist zwar nicht weit, aber das Wetter immer noch mehr als bescheiden. Eine nette Bedienung berät uns mit der Karte, und wir entscheiden uns für – Bison. Schließlich sind wir auf einer Bison-Ranch, auch wenn wir von den Kerlchen bisher keines gesehen haben.

Es dauert etwas, bis das Essen kommt, aber es ist frisch gemacht und sehr lecker. Für einen Nachtisch ist sowieso immer noch Platz.

Gesättigt und zufrieden fahren wir zurück zur Cabin und freuen uns auf eine ruhige Nacht.

Leider wird dieser Wunsch nicht erfüllt. Die ganze Nacht rasen Stürme über die Ebene, es schüttet aus allen Eimern und hört sich an, als würden mehrere Trommler mit ihren Schlegeln auf dem Dach herumtrommeln. Mir geht durch den Kopf, dass die Gegend, die wir morgen durchfahren müssen, Flashflood-Gebiet ist. Hoffentlich geht das gut!

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weiter: 22. September 2016

Cold and Hot

Pünktlich um 5:30 klingelt der Handywecker, und um kurz vor 6 sind wir unten an der Rezeption zum Auschecken. Einerseits freuen wir uns auf die kommenden Abenteuer, andererseits werden wir San Francisco vermissen. Diese Stadt hat einfach ein gewisses Flair, eine gewisse Leichtigkeit des Seins, das uns fehlen wird.

Für den Weg zu unserem geplanten Aussichtspunkt nördlich der Bucht brauchen wir unsere Trulla gar nicht, die darf noch schlafen. Diese Strecke hatte ich so oft per Streetview abgefahren, die hätte ich im Schlaf fahren können. Na ja, Halbschlaf ist es dann nur…

Trotzdem es noch stockdunkel ist, haben wir beim Überqueren der Golden Gate einen guten Eindruck: kein Nebel, gute Sicht. Das lässt uns doch fröhlich auf den Sonnenaufgang hoffen.

Wie gedacht, ist der erste Vista Point schon fast voll besetzt. Wir finden trotzdem einen Parkplatz und schießen die ersten Bilder. Ja, der Blick ist frei. Im Moment noch, das kann sich jederzeit ändern.

Golden Gate Bridge

Wunderschön ist sie…

Da wir allerdings ins Auge gefasst haben, Brücke und Stadt von einem höheren Standpunkt als vom Vista Point zu fotografieren, fahren wir weiter zum Kreisverkehr an der Conzelman Road. Dort befindet sich ein kleiner Parkplatz für Hiker, den wir gerne in Anspruch nehmen. Kameras und Sandys Stativ geschnappt und dann geht es steil hoch auf den Slackers Hill. Doch je weiter wir steigen (gehen wäre geschmeichelt), desto dichter zieht sich die Hügelkuppe zu. Das sieht nicht gut aus…

Aus dem Augenwinkel heraus entdeckt Sandy am Hang unser erstes „richtiges“ Wildlife: eine Maultierhirschkuh/Mule Deer/Odocoileus hemionus,

Suchbild

Suchbild: wo ist die Maultierhirschkuh?

und versucht, sie trotz der schlechten Lichtverhältnisse mit der Kamera zu erwischen. In diesen 2 Minuten verhüllt sich die Kuppe des Slackers Hill vollständig. Völlig sinnlos, da jetzt noch hinaufzusteigen, bei Null Sicht und kurz vor dem Sonnenaufgang.

Also zurück marsch-marsch, umgedreht und runter an die Conzelman Road marschiert. Das ist nicht weit, und da noch kein Verkehr ist, kann man diese auch überall überqueren. Direkt hinter der Leitplanke befindet sich ein schmaler Trampelpfad. Diesen gehen wir entlang, um einen guten Platz mit Blick auf Brücke und Stadt zu finden. Im Osten wird es langsam heller, noch ist die Brücke völlig wolken-/nebelfrei. Doch man sieht, dass über der Stadt wieder eine Wolke hängt, die nach und nach nach unten sinkt. Und vom Pazifik ziehen die ersten diffusen Nebelschleier herein.

San Francisco und Golden Gate Bridge

Wir brechen ab mit einigen guten Fotos im Kasten. Eigentlich haben wir nicht viel Hoffnung, unser nächstes Ziel „nebelfrei“ vorzufinden, aber da der Weg nun meilenmäßig nicht so weit ist, satteln wir die Hühner – ähm unseren Fury – und los geht es Richtung Westen durch die Marin Headlands. Ziel: Point Bonita Lighthouse.

Eine tolle Einstellung: vorne die Golden Gate Bridge, dahinter die Oakland Bay Bridge und ganz im Hintergrund der Hafen von Oakland

Kurz vor dem Ziel treffen wir die nächsten Muledeer direkt neben der Straße. Vollbremsung ist mangels Verkehr überhaupt kein Problem, und Sandy hüpft aus dem Auto, die Kamera im Anschlag.

Nach diesem Erfolg folgt aber direkt die Enttäuschung: Point Bonita Lighthouse ist geschlossen, und zwar nicht nur wegen der morgendlichen Stunde, sondern wegen Bauarbeiten.

Trotzdem machen wir uns auf den kurzen Weg bis zum Eingangstunnel, in der Hoffnung, einen näheren Blick auf die Suspension Brücke werfen zu können. Wir hatten sie ja schon vom Boot aus gesehen.

Auf dem Weg zum Bonita Lighthouse.

Die Hoffnung stirbt zuletzt, heißt es. Als wir dann aber am Tunnel ankommen, ohne auch nur ein Blickchen erhascht zu haben, fällt die Hoffnung doch einfach so tot um.

Wir stehen vor verschlossenen Pforten.

Was man abwärts gelaufen ist, muss man auch wieder hochlaufen…

Es bleibt uns nichts übrig, als zurück zu marschieren. Unterwegs kommen uns weitere Besucher entgegen. Wir lassen sie weiterlaufen, ohne was zu sagen… Sind wir nicht böse Mädels?

Während wir noch einen der irre gewachsenen Bäume an der steilen Wand bewundern, treffen wir die dritten Maultierhirsche: eine Ricke mit ihrem Jungen.

 

Die Mama

Mama Maultierhirsch

Das Kind

Der Nachwuchs

Es ist bewundernswert, wie leichtfüßig diese Tiere die Steilhänge hinauf- und hinabspringen. Man kann nur vor Neid erblassen.

Diese Ohren…

Auf dem letzten Stück des Weges drehen wir uns noch einmal um. Ganz klein und nur ein Stückchen sehen wir nun doch die Brücke zum Lighthouse. Aber nur mit 600fachem Zoom kann man auf dem Foto überhaupt etwas erkennen.

Suspension Bridge

Suspension Bridge

Zurück führt uns der Weg Richtung Highway 101, und auf dem letzten Stück packen uns die Erinnerungen. Hier waren wir 2014 mit der Fire Engine Tour gefahren.

Bye bye San Francisco

Bye bye San Francisco

Weiter geht es auf der 101 Richtung Norden, als erstes durch den umbenannten Rainbow Tunnel, der jetzt Robin Williams Tunnel heißt.

Robbin-Williams-Tunnel

In Sausalito trennt sich die 101 vom alten Highway 1. Wir folgen diesem als Landstraße Richtung Westen an den Pazifik, dann immer Richtung Norden. Es ist eine gemütliche, aber abwechslungsreiche Fahrt auf dem „Shoreline Highway“ durch Ortschaften, Wälder und gelblich gefärbte Wiesenhügel, teils direkt an der Steilküste entlang, teils weiter im Landesinnern. Langweilig wird die Fahrerei jedenfalls nicht.

Das Wetter bleibt aber wie gehabt: sosolala. Grauer Himmel, keine Sonne, windig. Nicht wirklich kalt, aber auch nicht Californialike warm. In Olema müssen wir aufpassen, denn hier müssen wir auf die Bear Valley Road abbiegen, um zum Point Reyes Visitor Center zu kommen.

Point Reyes National Seashore

Dort angekommen, treffen wir erneut – ja, richtig – auf Maultierhirsche. Sie weiden sozusagen im Vorgarten des Centers, direkt neben der Straße. Langsam nähern wir uns vom Parkplatz aus. Sie zeigen keine Angst, aber Vorsicht, und ziehen sich äsend zurück, um jenseits der Straße im Gebüsch zu verschwinden. Wären wir 5 Minuten später vorbei gekommen, wären sie vielleicht schon weg gewesen.

Ein kurzer Besuch im Visitor Center bringt uns unseren ersten Stempel im „National Park Passport“. Wie in jedem Center gibt es eine kleine Ausstellung über das Gebiet, und man kann mit Rangern vor Ort sprechen und sich Informationen holen.

Im Visitor Center

Im Visitor Center

Weiter geht die Fahrt, nach Inverness. Nun, dieses hier liegt nicht in Schottland, sondern hier entlang der Tomales Bay. Einziger Anziehungspunkt ist das Wrack der „Point Reyes“, das dort seit vielen Jahren an Land liegt und vor sich hin rostet und modert.

Blick auf die Tomales Bay

Blick auf die Tomales Bay

Ein morbide-malerisches Bild, das leider vor einigen Monaten von ein paar Idioten beinahe zerstört worden wäre. Diese meinten nämlich, das Wrack mit Feuerwerk im Hintergrund fotografieren zu müssen, und setzten dabei das halbe Boot in Brand. Die Lichtstimmung bei unserem Besuch ist nicht so gut, aber ich finde unsere Fotos doch ganz gut gelungen.

Die „Point Reyes“

Wir machen uns auf den Weg, um im Point Reyes National Seashore auf Wildtierjagd zu gehen. Erster Halt: Abbott’s Lagoon. Wir hatten festgestellt, dass Sandy diese Lagune 2014 vom Flugzeug aus beim Überflug fotografiert hatte, was wir allerdings damals nicht zugeordnet hatten. Irgendwie lustig.

Am Parkplatz am Trailhead angekommen, staunen wir nicht schlecht, dass doch etliche Autos geparkt sind. Allerdings verteilen sich die Menschen doch sehr in der Landschaft, so dass wir meist alleine auf dem Trail unterwegs sind.

Noch vor dem Aussteigen aus dem Auto entdecken wir unser nächstes Wildlife: ein Hahn der  Kalifornischen Schopfwachtel/California Quail/Callipepla californica hockt auf einem Zaunpfosten und – wie wir dann entdecken – bewacht seine Damen.

Kalifornische Schopfwachtel (männlich)

Kalifornische Schopfwachtel (männlich)

Während des ganzen letzten reinen California-Urlaubs haben wir nicht einmal ein Exemplar des Wappentiers des Staates gesehen, und hier hüpft uns gleich ein ganzer kleiner Schwarm vor die Linse.

Wenige Meter weiter sitzt eine der Hennen ziemlich frech ebenfalls auf einem Pfosten.  Von Schüchternheit oder gar Scheu nichts zu spüren.

Kalifornische Schopfwachtel (weiblich)

Kalifornische Schopfwachtel (weiblich)

Es ist eine verkrautete Heidelandschaft, durch die sich unser Weg schlängelt. Nichts, das Schatten werfen würde. So sind wir eigentlich gar nicht böse, dass sich die gute Sonne heute bedeckt hält, es ist doch angenehmer, ohne Sonnenbrandgefahr unterwegs zu sein.

Während wir uns noch umsehen, kommt eine ganze Truppe männlicher Quails aus dem Gebüsch. Offensichtlich eine Bachelorgruppe, d.h. Junghähne aus dem aktuellen Jahr, diese schließen sich zusammen bis ins nächste Frühjahr, wenn die Konkurrenz um die Damen der Gesellschaft beginnt. Es ist lustig anzusehen, wie uns die Truppe voranmarschiert, immer schön auf dem Weg bleibend. Erst, als wir zu nahe kommen, verschwinden die Kerlchen wieder im Gebüsch, und man hört nur mehr ein leises Rascheln hier und dort.

Ab und an hört man einen Vogel zwitschern, meist sind es kleine spatzenähnliche Piepmätze, die sich offensichtlich einen Spaß daraus machen, uns zu ärgern. Erst einmal ist es nicht einfach, sie zu entdecken, solange sie stillsitzen, hat man kaum eine Chance. Hat man sie entdeckt und will ein Foto machen, dann bleiben sie genau so lange sitzen, bis man den Zoom scharf hat. Und im Moment, in dem man abdrücken will oder gar abdrückt, schwirren sie davon.

Dachsammer/White Crowned Sparrow/Zonotrichia leucophrys

Andere Vögel machen einem das Leben schwer, indem sie erstaunlich schnell über einem hinwegfliegen. So sehen wir unterwegs immer wieder drei Truthahngeier, die entweder sehr weit weg auf einem Pfahl sitzen

Truthahngeier

Truthahngeier/Turkey vulture/Cathartes aura

oder über uns die Aufwinde nutzen. Gar nicht so einfach, sie mit der Kamera zu erwischen, vor allem Sandys Oschi erleichtert das mit seinem Gewicht nicht gerade.

Truthahngeier

Anders ist es mit dem Graureiher, den wir unterwegs mitten in einer Rinderherde jagen sehen. Als Lauerjäger steht er geduldig im Gras und wartet auf eine verdächtige Bewegung auf dem Boden. Ideal für jeden Fotografen: ein ruhig stehendes „Opfer“ erleichtert die Sache doch ungemein.

Graureiher/Gray heron/Ardea cinerea

Rind

Rind

So vergeht die Zeit sehr abwechslungsreich mit mehr oder weniger erfolgreichen Fotoversuchen, bis wir schließlich am Lagunenbereich ankommen.

Lagune

Lagune von Abbott’s Bay

Ein riesiger Teppich aus Schwimmpflanzen gaukelt dem unbedarften Besucher eine saftige grüne Wiese vor. Am anderen Ufer befindet sich der Traum eines jeden Sonnenliebhabers: eine Sanddüne aus weichem feinen Flugsand lädt zum Sonnenbad ein – wenn diese sich denn blicken lässt.

Vogelflug

Vogelflug

Bis direkt ans Meer gehen wir nicht, das wird uns zeitlich doch etwas zu lang. Schließlich haben wir noch ein paar Punkte auf unserer Liste. Also drehen wir an der Brücke über die Lagune um und marschieren zurück.

Brücke an der Lagune

Brücke an der Lagune

Interessanterweise sehen wir nun auf dem Rückweg kaum eins der Tiere vom Herweg, nur die Geier kreisen weiterhin. Hoffentlich kein schlechtes Zeichen…

Wir fahren zurück auf den Sir Francis Drake Boulevard, der bis an die Südspitze des Südshores führt. Unterwegs halten wir für einen kurzen Schnappschuss an der Einfahrt zur KHP Radio Station, um den bekannten Cypress Tree Tunnel zu fotografieren. D.h. ich halte, Sandy springt raus und fotografiert, während ich im Auto warte.

Tree Tunnel

Tree Tunnel

Von meiner Warte aus sieht der Tree Tunnel nicht so malerisch aus wie auf den Bildern, die im Netz kursieren. Aber Sandys Foto (oben) überzeugt.

Kurz vor Ende des Sir Francis Drake Boulevard geht ein Weg nach Osten ab. Wir bleiben aber auf der Straße, schließlich möchten wir zum berühmten Point Reyes Lighthouse.

Aber irgendwie ist es verhext. Auch dieses Lighthouse wird auf unserer to-visit-Liste bleiben müssen. Denn es ist Sonntag, und es scheint hier am Leuchtturm vermutlich Freibier zu geben, denn es ist die Hölle los. Ein einsamer Ranger versucht, Ordnung ins Parkchaos zu bringen, und winkt einfach alle ankommenden Fahrzeuge weg. Kein auch noch so klitzekleines Parkplätzchen ist vorhanden, die Autos stehen bereits mehrere Hundert Meter weit die Straße entlang. Nein, das tun wir uns nicht an.

Kurzentschlossen fahren wir zurück bis zur Kreuzung und nehmen den Weg nach Osten, Richtung Chimney Rock. Vom dortigen Parkplatz aus machen wir uns als erstes auf den Weg zur Seeelefanten-Aussicht.

Hier bleiben wir eine Weile und beobachten und fotografieren die Tiere. Viel Action ist nicht los am Strand, von den Tieren, die da sind, schlafen oder ruhen die meisten.

So in etwa ist der Blick vom Overlook aus.

Oschi sei Dank!

Zurück am Parkplatz wollen wir eigentlich zum Chimney Rock laufen. Unterwegs kommen wir an einigen großen Bäumen vorbei – eine Seltenheit in dieser Gegend. Sandy zitiert das Internet: „Bei Bäumen immer in die Wipfel schauen, oft verstecken sich dort Eulen und andere Tiere.“

Immer in die Bäume schauen!

Etwas vor uns entdecken wir einen Herrn, der angestrengt durch ein Fernglas die Gegend absucht. Bestimmt ein Vogelfreund, der nach Vögeln Ausschau hält. Kaum gedacht, bleibt Sandy stehen und deutet in einen Baum neben dem Weg. „Guck mal, eine Eule!“ Ja, tatsächlich, da sitzt eine.

Virginia-Uhu/Great Horned Owl/Bubo virginianus

Virginia-Uhu/Great Horned Owl/Bubo virginianus

Es ist toll, so ein Tier mal ohne Gitter in absoluter Nähe zu sehen.

Der Vogelmensch hat inzwischen bemerkt, dass wir am Fotografieren sind, und kommt, um herauszufinden, was da vor unserer Linse sitzt. Hat er doch alles sorgfältig mit dem Fernglas abgesucht. Tja, das nennt man wohl „den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen“. Sandy jedenfalls brauchte kein Fernglas…

Nun ja, der Chimney Rock lockt irgendwie nicht so richtig, und so drehen wir um und gehen zum Parkplatz zurück.

Sandy hatte während der Anfahrt an den Parkplatz des Chimney Rock noch zweimal etwas entdeckt, aber ich konnte nicht gleich anhalten. Nun hoffen wir, dass wir auf dem Rückweg mehr Glück haben.

Und tatsächlich. An einem der Bauernhöfe halte ich an, denn dort sitzen mehrere Truthahngeier malerisch auf diversen Zaunpfosten.

Etwas weiter die Straße entlang sehen wir am rechten Straßenrand einen Wagen auf freier Strecke stehen. Scheinbar grundlos. Bis wir entdecken: einige der vor Jahren ausgesetzten Tule-Wapiti/Tule Elks/Cervus canadensis nannodes stehen recht malerisch in der Gegend rum. Was wieder bedeutet: ich halte an, Sandy hüpft raus und fotografiert. Arbeitsteilung halt: ich fahre, sie knipst.

Der Rest des Weges ist nun doch recht langweilig, keine Tiere mehr zu entdecken. Wir verlassen das Seashore und machen uns auf den Weg zu unserem nächsten Ziel, dem Old Faithful of California Geysir in Calistoga.

Diesen Geysir hatte ich 1978 mit meiner Tante besucht, damals waren da einfach ein Kassenhäuschen und der Geysir und jemand, der was zu diesem Geysir berichtete. Heute ist hier ein kleiner Streichelzoo, der auch Nottiere aufnimmt und betreut. Der Eintritt ist nicht ohne, aber die Tiere sind soweit gut gehalten, von daher macht es uns nichts aus – die vielen Mäuler wollen ja gefüttert sein. Und viel Betrieb ist heute wirklich nicht.

Ein paar kleine Wildtiere entdecken wir aber auch:

Old Faithful ist ein recht zuverlässiger Geysir, der allerdings ein wenig jahreszeitabhängig spuckt, was Zeitraum und Höhe betrifft. Bei unserem Besuch spuckt er ungefähr alle 10 Minuten, die Höhe war ok, aber nicht spektakulär.

Inzwischen haben wir aber vollen Sonnenschein und herrlich warm, so dass wir hier endlich Fotos mit „California Feeling“ machen können.

Old Faithful of California

Old Faithful of California

Sandy: „Die Toilette war nur ein großes Dixi-Klo (die richtige Toilette war defekt oder so), allerdings das am besten „gepimpte“, auf dem ich je war.“

Nun ist es nicht mehr weit bis zu unserem Hotel, dem „Golden Haven Hot Springs Spa and Resort“. Check-in ist problemlos, und auch unser Termin wird bestätigt. Aber erst einmal suchen wir unser Zimmer auf in der 1. Etage direkt über der Lobby (woher kennen wir das nur?).

Hotel

Leider ohne Fahrstuhl, so dass Sandy ziemlich schleppen muss. Ich habe ja meinen Koffer offen im Kofferraum und entnehme nur das, was ich für den Abend bzw. den kommenden Tag benötige. In diesem Fall ist wichtig, dass ich den mitgebrachten Badeanzug nicht vergesse.

Pünktlich zu unserem Termin finden wir uns wieder in der Lobby ein, wo wir von einem lustigen jungen Mann namens Matt abgeholt werden. Es steht uns beiden unsere erste Spa-Erfahrung bevor: ein Mudbath. Ja, ein Schlammbad erwartet uns. Heilschlamm, angedünnt und erhitzt durch natürliche Mineralquellen.

Es ist eine ziemliche Prozedur, bis wir in unseren Badewannen liegen. Der Schlamm ist nicht nur zäh und widerspenstig, sondern auch heiß. Schließlich aber „schweben“ wir beide auf einer Schlammschicht und erhalten eine Gesichtsbehandlung sowie eine kalte Kompresse auf den Kopf. Jetzt heisst es entspannen. Gar nicht so einfach, wenn man über sich selber und den Anblick, den man bieten muss, dauernd kichert. Noch haben wir die Fotos, die unser Betreuer mit Sandys Handy geschossen hat, nicht gesehen…

Ein Mudbath macht schön… Hoffen wir jedenfalls.

Nach ungefähr 20 Minuten Entspannung werden wir zum Duschen geschickt, dann dürfen wir in die Jacuzzi und uns mit Gurkenwasser innerlich erfrischen. Nach weiteren 10 Minuten Wasserbad werden wir in einen anderen Raum geführt und dort in zwei große Handtücher gepackt. Mit gedämpftem Licht und esoterischer Musik sollen wir den letzten Stress herausschwitzen. Ok, das Kichern wird jetzt besser, aber die völlige Entspannung bleibt aus. Der auf der Homepage angedrohte Schlaf ebenfalls. Aber wir fühlen uns gut, als wir uns wieder anziehen.

Es war eine interessante Erfahrung für uns. Mir fehlt allerdings noch eine gute Massage, um hier 100 Punkte von 100 Punkten zu vergeben.

Inzwischen ist halb 9, und wir haben Hunger. Also fahren wir zur nächsten Pizzeria, um dort etwas zu essen. Tja, was soll ich schreiben. In Calistoga machen einige Lokale wohl schon um 9 Uhr dicht. Und zu diesen Lokalen gehört auch besagte Pizzeria. Mit Müh und Not erhalten wir noch Wraps, selbst der von einer jungen Dame georderte Iced Tea ist aus. Mit unseren Wraps in der Tüte fahren wir zurück zum Hotel, um Bilder von den Kameras herunter zu ziehen (für irgendwas muss ich mein Tablet ja schließlich auch mitgenommen haben), zu essen und Fb zu bedienen.

Morgen geht es weiter nach Tahoe.

 

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Giants, Flowers and no Ladies

Der Wecker klingelt heute sehr früh (5:45 Uhr), was aber dank leichtem Jetlag überhaupt kein Problem ist. Kurz nach 6:30 Uhr sind wir auf dem Weg zur Bushaltestelle, wo wir die Buslinie 47 Richtung Marina/Pier 39 nehmen.

Endhaltestelle Powell-/Beach Street

Endhaltestelle Powell-/Beach Street

Alles klappt hervorragend, so dass wir am Pier selbst noch Zeit haben, bei den berühmten Seelöwen vorbeizuschauen. Nur ein paar vereinzelte Arbeiter und Jogger sind unterwegs, ein völlig neues Gefühl am sonst so lebhaften Touristenmagneten Pier 39.

Am Hafen

Am Hafen

 

Wobei es den Seelöwen offensichtlich völlig schnuppe ist, ob da Menschen rumstehen und gaffen oder nicht.

Seelöwen

Die berühmten Seelöwen

Seelöwen am Pier 39

Muss schon cool sein, wenn man zu seinem Boot will und dabei über Seelöwen steigen muss.

Rechtzeitig zur gewünschten Uhrzeit finden wir uns am Kassenhäuschen der „Whale Tours“ ein.

Whale Tours

Es ist nur eine kleine Gruppe, vielleicht ein Dutzend Leute, die inkl. uns darauf warten, dass etwas passiert. Als erstes erscheint eine junge Dame, die als Meeres-Spezialistin die Gruppe betreuen soll. Gemeinsam warten wir, dass sich unser Kapitän meldet, dass das Schiff startklar ist. Es tut sich erstmal nichts. Schließlich geht es zum eigentlichen Anlegeort des Bootes, wo wir erstmal… erneut darauf warten, dass etwas passiert. Trotz mehrfachen Nachfragens unserer Führerin dauert es und dauert und dauert. Schlussendlich kommt ein junger Mann vorbei und führt uns zu unserem Boot, das gleich darauf ablegt und losdampft.

Es ist kalt. Es ist neblig. Es ist windig. Über San Francisco hängt eine dicke graue Wolke.

Nebel

Nebel über der Stadt

Den „Palace of Fine Arts“ erkennt man nur durch sein Dach.

Madame Golden Gate ist wieder verhüllt bis auf „die Füße“.

Golden Gate Bridge

Also supertolles freundliches Whale-watching-Wetter…

Kalt, feucht, neblig und windig…

Wir fahren Richtung Farallone Islands. Vorbei geht es an Alcatraz Island, dann unterfahren wir „die“ Brücke. Point Bonita Lighthouse lassen wir rechts liegen und schippern hinaus auf das offene Meer.

Alcatraz

Alcatraz Island

Wir nähern uns der Brücke.

Point Bonita

Point Bonita Lighthouse

Eigentlich hatten Sandy und ich die sechsstündige Tour gebucht, die rund um diese Inseln führen sollte. Allerdings erhielten wir bereits in Deutschland die Information, dass diese Tour ausfallen würde und wir auf die kürzere Route eingebucht wären (mit entsprechender Rückvergütung des Ticketpreises). Im Hinblick auf das Wetter bin ich – ehrlich gesagt – gar nicht mehr böse, dass es „nur“ die kurze Tour sein soll.

Während der Fahrt halten wir fleißig Ausschau nach „Seeungeheuern“. Ein paar Schweinswale/Harbor porpoise/Phocoenidae springen kurz in der Ferne, fast zu schnell, um ein Foto zu machen. Kaum hatte man sie gesichtet, sind sie schon wieder untergetaucht.

Schweinswal

Seevögel gibt es en masse: verschiedene Taucher-Arten, Möwen, Braune Pelikane und andere können wir erkennen.

Brauner Pelikan/Brown Pelican/Pelecanus occidentalis

Schließlich erklingt der ersehnte Ruf: „Er bläst! Da! Er bläst!“ Alles stürmt in die Richtung des Rufenden, und tatsächlich: in der Ferne sieht man kurz den dunklen Rücken eines Wals aus dem Wasser hervorkommen. Mit „Kamera ans Auge, scharf einstellen und abdrücken“ hat unsere Aktivität nun gar nichts mehr zu tun, hier heißt es, das Beste hoffen, Kamera drauf und auf Dauerfeuer abdrücken. In der Hoffnung, dass bei den vielen entstehenden Bildern tatsächlich ein oder zwei dabei sein würden, die man verwenden kann.

Es ist überraschend windstill und man kann sehr weit sehen. Es wirkt alles total friedlich. Wir orientieren uns an den Vogelgruppen, die sich in der Ferne auf dem Wasser niedergelassen haben.

Wir sind in einem relativ flachen Meeresgebiet, so dass die Riesen hier nicht wirklich „in die Tiefe“ abtauchen können, sondern eher in flachem Bogen schwimmen. Daher gibt es weder Fluken- noch Kopfaufnahmen. Und auch keine „springenden“ Wale, dazu fehlt den Tieren die Tiefe, um Anlauf zu nehmen.

Trotz dieser Widrigkeiten ist die ganze Sache sehr spannend: wo würde das nächste Tier auftauchen? Schließlich kann so ein Buckelwal seinen Atem sehr lange anhalten, wenn er will. Aufgrund der Umstände (Wetter/Fotolicht – schwankendes Boot) sind wir recht stolz, doch das eine oder andere annehmbare Foto geknipst zu haben.

Schließlich stören wir die Tiere nicht weiter beim Fressen und drehen. Während wir langsam dem Land entgegen tuckern, gibt es nun auch für uns endlich etwas zu essen. Wir folgen dem Rat aus dem Internet, bei Seefahrten nur etwas Leichtes zu uns zu nehmen, um den Magen nicht zu belasten, und halten uns heute erst einmal nur an frisches Obst.

Frühstück

Frühstück

Endlich nähern wir uns dem „Golden Gate“. Allerdings müssen wir feststellen, dass sich die Sicht und Aussicht noch nicht wesentlich verbessert haben. Von der Brücke ist aus der Ferne noch weniger zu sehen als bei der Ausfahrt.

Pünktlich landen wir um die Mittagszeit wieder an.

Jetzt heißt es zu entscheiden: was tun? Gleich weiter oder erst essen oder shopping oder überhaupt? Wir entscheiden uns, ein wenig zu shoppen und dann etwas essen zu gehen.

Am Pier ist inzwischen mehr Betrieb als bei unserer Abfahrt, und er kommt uns nun doch „bekannter“ vor.

Pier 39

Blick auf Pier 39

Jetzt auf festem Boden beginnen doch unsere Mägen, sich lautstark bemerkbar zu machen. Weshalb wir uns auf den Weg in „unser“ Mango’s machten, wo wir bereits 2014 lecker gegessen hatten.

Mittagessen

Quesadillas bei „Mango’s“

Inzwischen ist es hier am Pier doch etwas heller geworden, die Sonne kämpft, um die Wolken zu vertreiben.

Kurzfristig gelingt ihr das auch, zumindest am Hafen und in Downtown.

Aussicht auf die Marina

Es gibt schlechtere Aussichten.

Trotzdem wollen wir natürlich unser Programm durchziehen. Also geht es nach dem Essen weiter zuerst einmal „nach Hause“ ins Hotel, damit Sandy ihre Einkäufe und ihren „Oschi“ (Objektiv) ablegen kann. Dann fahren wir mit dem Bus zur Golden Gate Bridge, Sandys „Ich will die mal anfassen!“-Wunsch erfüllen.

Foto-Planung…

Und es ist, wie es ist: die Golden Gate Bridge sieht bei jedem Wetter und jedem Licht irgendwie gut aus.

… und Foto-Ergebnis. Sie ist einfach schön…

Auf der Brücke

Die Golden Gate Bridge steht auf Platz 2 der Brücken weltweit, welche am häufigsten für Selbstmorde benutzt werden. Deswegen sind dort alle paar Meter diese Schilder angebracht. Außerdem ist die Brücke nachts für Fußgänger gesperrt.

Noch ein kurzer Besuch im Visitor Center – ui, die haben ganz schöne Preise -, dann kommt der nächste Bus, der uns in den Golden Gate Park bringen soll. An der passenden Haltestelle steigen wir aus und durchqueren einen Tunnel.

Tunnel zum Golden Gate Park

Nachdem wir den Park beim letzten Mal ausfallen lassen mussten, haben wir ihn diesmal gleich mehrfach eingeplant. Der Park ist riesig, sogar größer als der Central Park in New York, und es gibt jede Menge zu sehen. Als erstes steht ein Besuch im Conservatory of Flowers an, welches wir allerdings erst nach leicht verwirrter Suche finden. Es gibt zwar einen Parkplan, aber leider unterwegs so gut wie gar keine Schilder.

Der Parkplan hilft uns nur bedingt bei der Zielsuche.

Und da auch mehrere Straßen durch den Park führen, fragt man sich schon öfter mal, ob man überhaupt noch richtig ist.

Völlig unbedarft treffen wir unverhofft dann sogar auf Landsmänner, die uns aber auch nicht weiterhelfen. Es ist irgendwie schon ätzend. Man ist über 9000 km entfernt von Zuhause und trifft überall Deutsche. Einfach ÜBERALL!

Das de Young-Museum (und Leute, die genauso verwirrt die Karte studieren wie wir)

Aber schließlich finden wir es doch: das Conservatory of Flowers mit seiner unverkennbaren Gebäudeform.

Conservatory of Flowers

Das Gebäude ist ein Traum. Bei blauem Himmel hätte es noch besser ausgeschaut, aber was soll’s…

Wunderschöne Orchideen gibt es hier.

Drinnen ist es tropisch und man kann lässig im T-Shirt rumlaufen, während es draußen gerade richtig ungemütlich wird.

Gefährliches Ungeheuer

Inzwischen ist es später Nachmittag, und unsere Kondition lässt langsam aber sicher nach. Wir sind ja schon lange genug unterwegs.

Das Gewächshaus ist nicht spektakulär, aber gerade bei tristem oder schlechtem Wetter ideal, um da mal ein Stündchen durchzulaufen.

Eigentlich hatten wir geplant, zum Sonnenuntergang an die Painted Ladies zu fahren, aber aufgrund des absolut grauen Wetters und der Tatsache, dass der Alamo Square (der Park, von dem aus man auf die Painted Ladies und die Skyline schaut) bis zum Frühjahr 2017 komplett eingezäunt ist, da der Rasen neu gemacht wird, entscheiden wir uns dagegen. Wir wissen zwar, dass es dort ein Loch im Zaun gibt, durch das respektlose Touristen gerne steigen, um ihr Foto zu kriegen, aber ganz ehrlich: Sowas machen wir halt nicht. Außerdem: Man braucht ja immer einen Grund, um nochmal nach San Francisco zu fliegen.

Wir fahren also ins Hotel und lassen den Tag ganz entspannt ausklingen. Am nächsten Tag ist schließlich wieder genug geplant…

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