Grandeur and Helicopter

Rechtzeitig weckt uns das Handy, damit wir den Sonnenaufgang nicht verpassen. Erste Amtshandlung des Tages ist daher der Besuch am Rim, bewaffnet mit Handy, Kamera und Stativ. Es sind doch etliche Mitbesucher ebenfalls bereit, früh aufzustehen, aber es gibt kein Gedrängel, der Rand ist weit genug für alle.

Wir stehen vielleicht nicht am idealsten Punkt für einen Sonnenaufgang (hier wären Mather Point oder Hopi Point besser gewesen, aber dazu hätten wir ja unseren Fury bewegen müssen), aber trotzdem ist es wunderschön.

Zurück im Zimmer packen wir unsere Sachen und beladen Fury.

Dann gehen wir frühstücken, und zwar in die Bright Angel Lodge, da wir hier ja sowieso die Schlüsselkarten zurückgeben müssen. Wir bemerken, dass viele Besucher offensichtlich im El Tovar frühstücken wollen, denn irgendwie scheinen wir „gegen den (Besucher-)Strom“ zu schwimmen. Entsprechend wenig los ist im Restaurant der Bright Angel Lodge, und wir sind irgendwie gar nicht böse darum…

Noch ein Besuch im Souvenir Shop, dann machen wir uns auf den Weg. Das Wetter ist heute sosolala, in einem Moment scheint die Sonne, dann wieder zieht eine Regenwolke vorbei und es nieselt. Daher beschließen wir, es auch hier am Canyon mit Shuttlehopping zu versuchen. Also ein Stück an der Rim entlang zu laufen und ggf. den nächsten Shuttlebus zu nehmen, wenn das Wetter schlechter werden sollte. Mit Fury können wir nicht fahren – selbst wenn wir wollten -, denn Richtung Westen ist der Weg für Privat-PKW gesperrt.

Wir wählen den Weg Richtung Hermits Rest.

Vorbei am Trailhead des Bright Angel Trails, der sich deutlich erkennbar in den Canyon schlängelt, wandern wir auf dem Zeitpfad entlang der Rim.

Stopp, Sandy! Willst du wirklich runter an den Colorado River?

Das Wetter ist weiterhin sehr wechselhaft. Im einen Moment scheint die Sonne warm in den Nacken, im nächsten nieselt es. Generell weht ein stetiger Wind, ohne Jacke ist es zeitweise ziemlich unangenehm. Beim Laufen und teilweise Treppensteigen merkt man die Höhe, in der man sich befindet. Man hat zwar irgendwie den Eindruck, auf Meereshöhe zu sein (der Weg zum Canyon führt über eine flache Ebene, die so langsam ansteigt, dass man diesen Anstieg im Auto gar nicht bemerkt) und „in ein riesiges Loch“ zu schauen, aber in Wahrheit befindet man sich ja auf einem riesengroßen „Berg“ und der Canyon selbst ist noch etliche Meter über Meereshöhe. Jedenfalls kommt man schon außer Puste, wenn man nicht aufpasst.

Blick auf das Grand Canyon Village mit El Tovar Hotel (hinten links mit dem Turm) und den Lodges. Vorne das sog. Lookout Studio (das schwarze Gebäude am Abgrund)

Irgendwie muss man die Besucher bewundern, die sich auf den Weg nach unten in den Canyon machen. Runter geht ja noch, was die Atmung betrifft. Aber nach oben? Es geht ja praktisch stetig bergauf, und das über etliche Stunden. Dazu kommt die Wärme, sobald man über die Rimkante ist, lässt der Wind nach, dafür heizen sich die Felswände in der Sonne ziemlich auf. Kein Wunder, dass besonders im Sommer immer wieder Touristen, die ihre Fähigkeiten über- oder die Anstrengung unterschätzt haben, von den Rangern geholt werden müssen.

Bright Angel Trail

Man kann natürlich auch auf Maultieren ins Tal und wieder zurück reiten. Diese Tiere sind nicht nur sehr trittsicher, sondern auch sehr gut ausgebildet, so dass sie als recht sicheres Transportmittel gelten. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass ein stundenlanger Abstieg im Sattel für ungeübte Reiter auch eine ziemliche Qual bedeuten kann (und für das Muli dürfte ein ungeübter Reiter auch nicht gerade ein Vernügen sein).

Ich hatte bei der Planung kurz überlegt, ob …, aber dann nicht nur aus Zeitgründen von einer Mule-Tour-Buchung Abstand genommen.

Es gibt zwar auf dem Angel Trail zwei Schutzhütten, aber bis zur Phantom Ranch am Boden des Grand Canyon keine Übernachtungsmöglichkeit. Wer also nicht im Freien am Wegrand campen will (was eigentlich verboten ist), ist gezwungen, bis zur Ranch zu kommen bis zum Abend. Oder sich halt gar nicht erst auf den Weg zu machen.

Die Hance Rapids aus anderer Perspektive

Wir bleiben bei unserem Shuttlehopping und erreichen schließlich Hermit’s Rest, den westlichsten Punkt der Zivilisation am Canyon South Rim. Von hier aus geht der Weg nur noch für absolute Abenteurer mit Permit weiter.

Neben einem Souvenirladen im Gebäude befindet sich hier ein kleiner Kiosk, bei dem man Hamburger & Co. kaufen kann.

Allerdings ist uns die Warteschlange zu lang, wir halten uns an die mitgenommenen Snacks und genießen lieber die Aussicht, bevor wir den Shuttlebus zurück nehmen.

Noch haben wir etwas Zeit bis zu unserer nächsten „Verabredung“, daher schnappen wir uns Fury und fahren zurück zum Aussichtspunkt „Mather Point“, hier befinden sich das Informationszentrum sowie ein kleines Lokal und ein Museum.

Unterwegs treffen wir die Grand Canyon Railroad, die den Canyon mit dem Örtchen Williams verbindet.

Kaum haben wir einen Parkplatz gefunden, wandert unser Blick nach oben: eine große, fast schwarze Wolke hängt über dem Gebiet. Wir erreichen gerade noch das Zentrum, bevor der Himmel die Schleusen öffnet.

Kurz und heftig ist der Regenguss. Leider lässt er mich das Schlimmste für unser späteres Vorhaben befürchten.

Im Visitor Center

Der Regen ist vorbei und wir können uns endlich auf den Weg zur Aussichtsplattform machen. Bei schönstem Sonnenschein überblicken wir nun mit vielen anderen Besuchern den Canyon. Allerdings treibt der Wind weiterhin dunkle Wolken in unsere Richtung und über uns hinweg.

Da wir in dem kleinen Restaurant wieder eine ziemliche Schlange vor uns hätten, entscheiden wir, uns auf den Weg zu machen. Sicherlich werden wir unterwegs noch eine Burgerbude oder ähnliches finden.

Und wirklich, in Tusayan halten wir an einem großen M und gönnen uns einen Magenfüller. Dann geht es noch ungefähr 2 Meilen weiter, bis wir von der Straße abbiegen und unser Auto am Parkplatz des Flughafens abstellen.

Sandy möchte hier einen auf gemütlich machen, denn eigentlich wir haben noch viel Zeit, bevor wir uns anmelden müssen. Aber ich drängle. Schließlich wollen wir nicht nur einen Helikopterflug machen, sondern haben uns auch für die vorderen Plätze angemeldet. Und hier gilt: first come, first serve. Das sieht auch Sandy ein und wir gehen ins Aviationgebäude. Dort erhalten wir die Auskunft, dass unsere Gesellschaft im zweiten, älteren Flughafengebäude ist, das sich etwas weiter weg befindet. Mit dem angebotenen Shuttle ist der Weg aber schnell gefahren, und wir können uns am Counter melden.

Immer noch weht ein starker Wind, der mehr oder weniger dicke Wolken vor sich hertreibt.

Und tatsächlich werden meine Befürchtungen wahr: unser Flug ist abgesagt! Wir hatten die lange Tour gebucht, die ungefähr 1 Stunde geht und von Süden über den östlichen Teil des Canyons, an der Nordkante entlang und schließlich im westlichen Bereich zurück zum Flughafen gehen sollte. Aber die Flugsicherung hat alle Flüge über den östlichen Teil des Canyons wegen Gewitter und Sturm abgesagt.

Wir haben nun die Wahl:

  1. Wir kommen am nächsten Tag wieder (entfällt, da wir da schon ganz woanders sind),
  2. Wir hoffen auf Wetterbesserung und warten auf den nächsten, späteren Flug (sehr unsicher, ob sich wettertechnisch was ändert),
  3. Wir verzichten und lassen uns das Geld zurück überweisen (ist für uns keine bzw. die allerletzte Option),
  4. Wir buchen um auf die kürzere Tour, die nur über den westlichen Teil des Canyons führt, und erhalten den Differenzbetrag zur Grand Tour zurück oder
  5. Wir buchen um auf die kürzere Tour, erhalten die gewünschten Front Seat (die nochmal extra kosten) sicher und erhalten den noch übrigen kleinen Differenzbetrag zurück.

Wir entscheiden uns „natürlich“ für Option 5.

Es zahlt sich also aus, dass ich Sandy gedrängelt hatte. Denn wären wir nur 5 Minuten später dran gewesen, wären die Front Seat nicht mehr erhältlich gewesen. Denn die nächsten Besucher am Counter sind ebenfalls auf die Grand Tour eingebucht und erhalten daher die gleichen Auswahlmöglichkeiten – bis auf Option 5.

Wir nehmen im Wartebereich Platz und harren der Dinge, die da kommen. Unsere „Mitreisenden“ – so stellt sich heraus – sind ebenfalls Deutsche, mit einem jungen Pärchen kommen wir ins Gespräch. Sie sind im Wohnmobil unterwegs und fahren „unsere“ Strecke, nur in die andere Richtung. Sie sind zum ersten Mal in der Gegend und erst seit wenigen Tagen unterwegs. Der Grand Canyon ist ihr erster Nationalpark und sie haben ihn noch gar nicht gesehen. Wir plaudern also eine Weile, als dann eine deutsche Reiseleiterin dazukommt und uns erzählt, dass sie bestimmt schon 100 Mal hier war, den Canyon aber noch nie so klar gesehen hat. Durch das Unwetter ist die Luft so rein, dass man ewig weit gucken kann. Sandy bestätigt das, obwohl sie ja auch zum ersten Mal da ist. Aber sie hat schon recht, im TV sah alles immer sehr diesig aus. Wir haben also mal wieder Glück.

Dann wird ein Film mit Sicherheitsvorkehrungen abgespielt und wir müssen zugucken und erhalten dazu eine Schwimmweste bzw. irgendsowas in der Art. Ich zu Sandy: „Was glaubst du, jetzt mal so rein theoretisch, wie hoch ist wohl die Wahrscheinlichkeit, dass wenn wir über dem Grand Canyon abstürzen, wir ausgerechnet im Colorado River landen?“ Sie so: *pruuuust* Hmmm… 1:1.000.000???“

Dann geht es nach Draußen, wo wir unseren Piloten kennen lernen und einsteigen. Ich steige als erste ein und sitze daher vorne in der Mitte, Sandy hat den rechten Platz und der Pilot sitzt links von mir. Sandy hat somit das Frontfenster und das Seitenfenster, um Fotos zu machen.

Nachdem alle angeschnallt sind, heben wir ab. Es ist ein seltsames Gefühl, als der Helikopter nach vorne „kippt“ und Fahrt aufnimmt. Das Frontfenster reicht bis unter unsere Füße, wir können also – wenn wir wollen – fast senkrecht nach unten schauen (nicht unbedingt empfehlenswert). Ich hatte ja etwas Bedenken in Bezug auf mögliche Luftkrankheit, aber mein Magen zeigt sich erneut als doch recht stabil, und auch Sandy zeigt kein Zeichen von Übelkeit oder Unwohlsein.

Wir fliegen Richtung Nordwesten. Rundum Wolken, dazu Regen und heftiger Gegenwind. Aber unser Helikopter hält tapfer durch und kämpft sich weiter. Der prasselnde Regen auf der Frontscheibe erhöht nicht gerade den Durchblick und ich befürchte, dass es mit Bildern Essig sein kann, wenn es so weitergeht.

Die Sicht nach vorne hält sich sehr in Grenzen…

Unterdessen hat der Pilot ein Tonband eingelegt, und so hören wir über die Kopfhörer Informationen über die Gegend, die Historie und über den Canyon. Dazu gibt es eine Hintergrundmusik.

Wir nähern uns der Bruchkante, und in dem Moment, als wir sie überfliegen und der Helikopter nach unten sackt, erklingt die Eröffnungssequenz des bombastischen „Also sprach Zarathustra“. Ein irres Gefühl!

(Quelle: youtou.be)

Langsam nähern wir uns der Nordkante des Canyons, wo wir eine Schleife fliegen und parallel zur Hinfluglinie zurückkehren. Immer noch wechseln sich Regenschauer und kurzer Sonnenschein ab. Und wir erleben etwas, was man nur bei diesem Wechselwetter erleben kann: ein Regenbogen nach dem anderen erscheint!

Sandy bekommt mal wieder Krämpfe in ihren Auslösefinger, bei mir hält sich die Fotografierwut in Grenzen, da die beste Sicht für Fotos aus den Seitenfenstern ist und ich da entweder den Piloten oder aber Sandy im Bild habe. Das stört mich aber weniger – schließlich habe ich sie als Haus- und Hoffotografen mitgenommen, da darf sie sich austoben und ich in Ruhe genießen.

Nach 45 Minuten drehen wir eine letzte Schleife über dem Flughafen…

und setzen dann gefühlvoll am Parkplatz der Helikopter ab. Noch ein Posing am Heli nach dem Aussteigen (das Foto haben wir aber – mal wieder – nicht gekauft), dann dürfen wir die Sicherheitswesten ausziehen und sind fertig.

Das Erlebnis kurz zusammengefasst in einem Bild: Helikopter, Regenwolke, Sonnenschein und Regenbogen

Wir sind noch ganz geflasht. Ein supertolles Erlebnis, das ich nicht missen möchte und das ich jedem Grand Canyon-Besucher empfehlen kann. Es ist jeden Cent wert, den es kostet.

Wir warten auf das Shuttle, das uns abholen soll, das aber nicht kommt, weshalb ich am Counter nachfrage. Ein kurzer Anruf im Aviationgebäude, und kurz darauf steht unser Transporter bereit.

Auch unser Fury wartet immer noch brav auf seinem Stellplatz. Wir fahren weiter gen Süden, nächster Haltepunkt ist Williams, eine kleine Stadt mit Wildwest-Feeling, in der wir in einem Bed & Breakfast übernachten werden.

Auf dem Weg nach Williams

Das Sheridan House befindet sich ganz am Ende der Straße am Berg, das bedeutet wieder Koffer schleppen.

Das Sheridan House

Unsere Gastgeberin erwartet uns schon und zeigt uns unser Zimmer. Klein, aber fein, mit vielen kleinen Extras, die man gar nicht erwartet. Wer hat schon extra dunkle Handtücher im Bad liegen mit dem Vermerk „Zum Makeup-Entfernen“?

Nachdem wir uns eingerichtet haben, fragen wir Claire, unsere Gastgeberin, nach einem Restaurant-Tipp, worauf sie uns das „Red Raven“ in der Hauptstraße empfiehlt. Wir geben also die Adresse Historic Route 66 No. 135 ein in unser Navi und machen uns auf den Weg. Das Problem ist: unsere Tussi kennt mal wieder die Adresse nicht. Na ja, so schwer kann es ja nicht sein, schließlich gibt es nur eine Hauptstraße, die allerdings zweigeteilt ist (da jeweils Einbahnstraße). Was soll ich schreiben? Es ist stockfinster. Die Häuser haben keine Hausnummern. Und wir finden keine Reklame mit „Red Raven“. Dazu fängt es wieder an zu regnen ohne Ende. Kurz: wir finden dieses doofe Restaurant nicht!

Das Ende vom Lied ist, dass wir erneut das Lokal mit dem M aufsuchen und dort den schlechtesten und kältesten Burger unserer beiden US-Trips zu uns nehmen. Immerhin, wir haben etwas im Magen, und damit ist unsere Nachtruhe wenigstens gesichert.

Es herrscht himmlische Ruhe „zuhause“, wir scheinen völlig alleine im Haus zu sein – da allerdings drei Autos vor dem Gebäude parken, ist dies offensichtlich nicht der Fall. Müde und erschöpft fallen wir ins Bett. Gute Nacht!

zurück: 27. September 2016

weiter: 29. September 2016

Hoodoos and Rocks

Die Nacht ist unruhig. Sandy bezeichnet sich selbst als „Querschläfer“, und seit dieser Nacht kann ich das bestätigen. Während sie nach und nach die Diagonale unseres Bettes erobert, darf ich mich auf einem kleinen Fleck zusammendrücken. Nun ja, sie schläft sehr fest und so kann ich sie ohne Wecken wieder auf ihre Bettseite zurückschieben.

Allerdings ist die Nacht so für mich nicht wirklich erholsam, und ich komme am Morgen nur schwer in die Gänge. Heute ist Sandy daher vor mir auf und checkt das Wetter. Der Blick aus dem Fenster bestätigt: es ist klar, und es ist kurz vor Sonnenaufgang. Sandy ist ratzfatz fertig und eilt nach draußen zum Sunrise Point, während ich mich noch in die Klamotten quäle.

Sie ist noch keine zwei Minuten weg, da piepst mein Handy. „Was hat sie denn jetzt vergessen?“ rätsle ich. Dann lese ich den Text… „Es hat geschneit!“ steht da. Ich schaue aus dem Fenster und tatsächlich, auf den Seitendächern des Innenhofs liegt Schnee.

Kamera schnappen, Jacke anziehen und raus. Es ist spitzenmäßig kalt. Die Luft ist klar, die Sicht ist gut. Ideale Foto-Voraussetzungen.

Auf dem Weg zum Rim.

Wie erwartet, entdecke ich Sandy am Sunrise Point.

Scherenschnitt-Sandy

Der Sonnenaufgang am Sunrise Point lässt die Felsen glühen.

Es ist eiskalt, aber einfach genial! Die Stimmung ist super und so gehen wir in der Lodge noch gemütlich frühstücken, bevor wir unsere Tour durch den Park starten.

Leider erwischen wir einen äußerst sonderbaren Kellner. Wir haben einen Platz am Fenster bekommen und als wir ihm sagen, dass es dort ordentlich zieht, grinst er nur grenz-debil und meint, dass das halt ein seeeeehr altes Haus sei, weil ja in den 1920er Jahren erbaut. Dass wir als Deutsche von einem hundertjährigen Haus jetzt nicht wirklich beeindruckt sind (wenn man überlegt, dass die Burg in Nürnberg um die 1000 Jahre alt ist – für einen Amerikaner unvorstellbar), juckt ihn auch nicht und er labert weiter. Sandy bestellt  Würstchen und bekommt Bacon. Das ist jetzt kein Drama und sie will auch nicht rummotzen, weil ihr der Typ eh so unsympathisch ist (der ist so bissl wie Dschungelcamp-Honey), aber ich spreche ihn drauf an. Und da antwort er dann tatsächlich völlig ironisch, so nach dem Motto „Ach Gott, was für eine Katastrophe!“. Keine Entschuldigung, stattdessen lacht er uns aus. Dann bringt er Sandy auf einem kleinen Teller zwei Würstchen, wovon eins auf den Boden fällt, während er es abstellt. Also kommt er nochmal mit einem einzelnen Würstchen angelatscht. Ein paar Minuten später kommt er dann wieder an und labert irgendwas von wegen „Eigentlich müssten Sie ja jetzt extra zahlen, weil jetzt haben Sie Bacon UND Würstchen!“ *hahahaha* Sandy kann darüber echt nicht lachen. Am liebsten hätte sie ihm „I F**KING HATE BACON!“ ins Gesicht gebrüllt, auch wenn das gar nicht stimmt. Was für ein Klappspaten… und sonderlich lecker was das Frühstück auch nicht…

Dann packen wir die für heute benötigten Sachen und los geht es. Die Straße führt westlich des Rim entlang nach Süden, die ganzen Vista Points befinden sich auf der östlichen Seite. Daher macht es Sinn, bis zum Wendepunkt am Rainbow Point zu fahren, um sich dann von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt vorzuarbeiten.

Der Bryce Canyon mit seinen View Points Kartenquelle: https://www.nps.gov/brca

Wir fahren also so vor uns hin, da ruft Sandy plötzlich: „Pronghorns! Da sind 3 Pronghorns!“ Natürlich ist hier an der Strecke weit und breit keine Haltemöglichkeit, geschweige denn ein Parkplatz. Schade, keine Fotos. Egal, davon lassen wir uns die Stimmung nicht vermiesen.

Langsam steigt die Straße an, je höher wir kommen, desto dichter wird die Schneedecke, bis wir schließlich kurz vor dem Wendepunkt quasi durch ein Winterwonderland im September fahren. Die Straße ist allerdings soweit schneefrei, nur an einer Kurve kommen wir ein klein wenig auf einer Eisfläche zum Rutschen.

Die Fernsicht ist ausgezeichnet.

So fahren wir von einem Aussichtspunkt zum nächsten.

Unsere Kugel ist auch wieder dabei.

Bei den „großen“ Aussichtspunkten erfährt man immer, wie hoch man gerade ist. Wenn die Angabe nicht gerade „verschneit“ ist.

Schließlich sind wir wieder am Hotel. Da wir zwei Aussichtspunkte nicht mit dem Auto anfahren dürfen (die Straße ist gesperrt), nehmen wir den nächsten Shuttlebus, der allerdings aus dem Park herausfährt. Wir müssen daher am Visitor Center umsteigen, um dann am Inspiration Point auszusteigen. Von hier aus könnte man theoretisch an den Bryce Point laufen, aber dieser Weg ist derzeit nicht begehbar, es wird ausdrücklich davor gewarnt, ihn zu betreten.

Wir gehen daher auch nur bis zur Absperrung, um ein paar Bilder zu machen. Dann kehren wir um und besuchen den Aussichtspunkt Inspiration Point.

Wir waren hier!

Diese Felsformation taufe ich bei mir „die Akropolis“.

Man kann natürlich auch im Canyon wandern oder reiten oder aber…

… auch die Gegend überfliegen. Suchbild: wer findet den Hubschrauber?

Da isser ja!

Wir laufen also am Rim entlang vom Inspiration Point aus nach Norden Richtung Hotel. Es wird zu einer Art „asiatischem Staffellauf“. Denn wie immer treten die asiatischen Besucher (egal ob chinesisch, japanisch oder sonst was) in Horden auf. Und bis so eine Gruppe dann nacheinander in allen möglichen Konstellationen vor einem bestimmten Baum am Abgrund posiert hat, das dauert. Egal, wie man vorgeht, es ist immer falsch. Lässt man ihnen den Vortritt, hängt man beim nächsten Aussichtspunkt hinter ihnen fest, überholt man sie, so haben sie zu 99,9% keine fotowürdige Stelle im Auge bis auf die, an der man selbst gerade steht. Es ist schon sehr anstrengend…

Blick auf den Inspiration Point

Bryce Canyon Einwohner

Der Weg zum Sunset-Point ist somit sehr kurzweilig und die Strecke wirkt gar nicht so weit. Wir laufen noch ein paar Schleifen des Navajo Trails bis zu der Öffnung im Felsen, von der man einen Blick auf die „Silent City“ werfen kann.

Man kann erkennen, wie steil teilweise der Weg in den Canyon ist.

Thors Hammer

Für eine Komplettbegehung des Trail Loops, für den man ca. 2 Stunden braucht und der mit 550 ft Höhenunterschied ziemlich anstrengend ist, ist es uns heute zu spät.

Stattdessen holen wir Fury und fahren zum North Campground General Store, um uns mit ein paar Kleinigkeiten einzudecken. Ein Besuch des Meadow, wo laut Shuttlebusfahrer eine Kolonie Präriehunde lebt, bleibt ohne Ergebnis, den kleinen Kerlchen scheint es schon zu kalt zu sein.

Wir kommen auf die Idee, die Strecke vom Morgen noch einmal abzufahren und nach den Pronghorns Ausschau zu halten. Und tatsächlich, Sandy entdeckt eines neben der Straße. Wieder genau dort, wo man nicht bzw. nur schlecht halten kann. Dieses Mal fahre ich aber nur bis zum nächsten Vista Point weiter und drehe dort, dann geht es zurück.

Das Pronghorn ist inzwischen weiter gewandert, aber wir entdecken es trotzdem. Und da gerade niemand in der Nähe bzw. kein Auto hinter uns ist, steige ich in die Eisen und fahre Fury scharf in den Graben in der Hoffnung, dass er später auch wieder aus dem Graben herauskommt.

Pronghorn/Gabelbock/Antilocapra Americana

Dass wir tatsächlich Pronghorns sehen bzw. eines fotografieren würden, hätten wir nie gedacht. Eigentlich waren wir eher auf die Präriehunde oder Dickhornschafe eingerichtet, aber die ließen sich ja nicht blicken.

Unser Fury ist ein braves Auto, ohne Probleme klettert er aus dem Graben wieder auf die Straße. Wir sind zufrieden mit dem Tag.

Heute haben wir keine Lust auf ein Dinner im Restaurant. Wir holen uns stattdessen eine frische Pizza aus dem Imbiss am Hotel, die wir gemütlich in unserem Zimmer verspeisen.

Ohne Kicherorgie geht es heute Abend zu Bett. Morgen haben wir wieder einen vollen Tagesplan.

zurück: 22. September 2016

weiter: 24. September 2016

Hikes, Views and Bisons

Als wir am Morgen einen Blick aus dem Fenster werfen, müssen wir enttäuscht feststellen, dass der Himmel noch genauso grau ist wie am Tag zuvor. Man hat sogar den Eindruck, er sei grauer.

Nun ja, geben wir dem Ganzen noch eine Chance und gehen erstmal frühstücken. Vielleicht sieht es danach ja besser aus?

Das Frühstück ist „typisch“, langsam hängen mir die hash browns und eggs zum Hals heraus und ich sehne mich nach einem guten deutschen Butterbrot… Sandy ordert heute einen heißen Kakao, der kommt erst nicht und dann ist der Becher so voll, dass er an allen Seiten überläuft. Und außerdem handelt es sich nicht um einen Kakao aus entsprechendem Pulver, sondern um Nesquick mit seeeeehr süßer Sahne drauf. Also doppelter Zuckerschock. Da bleibe ich lieber bei meinem Kaffee, der ist wenigstens überall gleich dünn…

Leider sieht das Wetter inzwischen NICHT besser aus. Im Gegenteil, es sieht aus, als wolle es jeden Augenblick anfangen zu regnen. Nun ja, wir schaffen es gerade noch, den Fury vollzuladen, da geht es auch wirklich los. Und nun? Eigentlich hatten wir für heute ein paar mehr oder weniger kurze Hikes geplant. Aber so wird das wohl nichts…

Wir fahren zum Visitor Center, unsere Besucherstempel abholen. Leider zeigt die dort ausgehängte Wettervorschau, dass keine Wetterbesserung in Sicht ist, im Gegenteil, für die nächsten Stunden sind Gewitterstürme vorhergesagt.

Wir entscheiden, in das kleine Örtchen vor dem Park zu fahren, vielleicht kann man da ja was unternehmen (shopping?). Vielleicht wird das Wetter ja doch noch besser im Laufe des Tages? Also fahren wir nach Springdale, ein Städtchen, das nur aus Hotels, Motels und Restaurants sowie ein paar „Art (Kunsthandwerk) Shops“ besteht. Und das völlig überfüllt ist. Kein Parkplatz weit und breit, und auch nichts, weswegen man anhalten muss.

Ok, Schuhe hätten wir kaufen können.

Daher drehen wir und fahren wieder in den Park. Am Visitor Center stellen wir Fury ab (der Parkplatz ist bereits jetzt fast voll, dabei ist gerade mal kurz nach 10 Uhr). Wir haben Glück, noch einen Stellplatz zu finden. Jetzt stehen wir vor der Entscheidung: was tun wir jetzt? Mit dem Shuttle nur rumfahren? Oder ein Shuttlehopping probieren, also eine Station fahren, ein Stück laufen, ggf. dann wieder fahren?

Denn es regnet, aber nicht durchgehend, sondern immer wieder. Mal mehr, mal weniger. Die Aussicht ist schlecht, zwischen den Felsen hängen Wolken. Das mag zwar ganz nette Fotos geben vom Motiv her, aber ein wenig blauer Himmel wäre uns lieber.

Wir entscheiden uns fürs Shuttlehopping und fahren zurück zum Court of the Patriachs, wo wir ein paar Meter den Bergweg emporsteigen. Von der dort oben möglichen Aussicht ist nur wenig zu sehen.

So hätten wir den Court of the Patriarchs gerne bewundert…

… aber wir müssen uns mit dieser Aussicht begnügen.

Also nehmen wir den nächsten Shuttlebus zur Lodge. Von hier aus startet der Trail zu den Emerald Pools, die aufgrund des Regens sogar Wasser führen sollten. Wie gesagt, es nieselt, dann regnet es, dann ist es wieder nur feucht.

Tapfer wagen wir uns auf den Weg, zusammen mit sehr vielen anderen Parkbesuchern. Die unteren Emerald Pools liegen in einem von 3 Seiten von steilen Felswänden umgebenen Tal. Der Weg ist bequem zu gehen und nicht übermäßig weit. Er führt unter einem Felsüberhang an den unteren Pools vorbei und wird dann steiler und schwieriger, bis man die oberen Emerald Pools erreicht.

An diesem Felsüberhang bei den Lower Pools stürzt heute nun ein kleiner Wasserfall herunter, ein im Sommer seltener Anblick. Die Pools selbst sind heute nicht besonders spektakulär, das mag bei entsprechendem Licht anders sein.

Ich teste den Weg nach oben, aber durch den Regen ist er sehr rutschig und auch nicht so ausgebaut wie zu den Lower Pools. Außerdem regnet es grad wieder mal etwas mehr, und so drehen wir wieder um.

Mit den nassen Klamotten im überfüllten Shuttlebus stehen oder sitzen ist nicht gerade angenehm, die Sicht nach außen ist durch die beschlagenen Fenster kaum möglich, und überhaupt macht das so eigentlich keinen Spaß! Allerdings gibt es doch eine lustige Begebenheit:

Links neben uns sitzt ein Typ (Englisch sprechend) mit fetter Fotoausrüstung. Er fotografiert durch das geöffnete Busfenster einen der vielen spontanen Wasserfälle. Im Regen ohne Gegenlichtblende (zum Schutz) schräg nach oben fotografieren ist ja schon unklug. Aber es kommt noch besser. Durch das triste Wetter fehlt ihm scheinbar der Kontrast und er holt einen fetten Polfilter samt Halterung aus seinem Rucksack und schraubt ihn auf sein Objektiv. Dann hält er wiederholt die Kamera durch das schmale Busfenster, knipst rum und als er sie wieder reinholen will, passiert es: Er bleibt mit der Filterhalterung am Fenster hängen und sie fällt samt Filter runter auf die Straße. Wir müssen ziemlich schmunzeln. Ach, was sind wir schlechte Menschen… Er meint dann zu seinen Kumpels, dass er zurückfahren und nach der Halterung suchen will, denn der Filter wäre eh tot, aber die Halterung hätte er gerne wieder. Wir überlegen, ob wir uns auf die Suche machen sollen… Aber nein, für so einen Blödsinn haben wir tatsächlich keine Zeit.

Obwohl es noch recht früh ist, nehmen wir daher das Shuttle zurück Richtung Visitor Center, steigen in unseren Fury und verlassen das eigentlich wunderschöne, aber heute so ungastliche Tal. Weit ist unser Weg heute nicht mehr, daher halten wir noch einige Male trotz Regens, denn die Landschaft, die wir durchfahren, ist wirklich etwas Besonderes und muss bei Sonnenschein spektakulär sein.

Ganze Heerscharen sind auf dem Weg ins Tal.

Checkerboard Mesa

Nachdem wir die Berge verlassen haben, sind es nur noch wenige Meilen zu unserer heutigen Übernachtungslocation, der „Zion Mountain Ranch“.

Hier haben wir eine Cabin gebucht, die aber noch nicht fertig gerichtet ist. Wir vertreiben uns die Zeit im Restaurant, wo wir auch gleich einen Tisch für den Abend bestellen, denn das Lokal ist nicht sehr groß und – wie wir mitbekommen – der Nebenraum ist für heute Abend von einer Gruppe vorreserviert.

Schließlich können wir unsere Schlüssel abholen. Unsere Hütte – eigentlich ein nettes Blockhaus – liegt mit Blick auf Rezeption und Lokal sowie auf das Tal auf einem kleinen Hügel, zusammen mit etlichen anderen Hütten in verschiedenen Größen. Unser Häuschen hat einen offenen Wohnraum mit Küchenzeile, Esstisch und Feuerstelle sowie ein Schlafzimmer mit Kingsize Bed und Bad mit Dusche und Wanne. Dazu von beiden Räumen aus eine Veranda mit besagtem Talblick.

Unsere „Hütte“…

… mit Parkplatz vor der Tür.

Wohnbereich

Küche und Esstisch

Schlafzimmer

Veranda

Weiterhin ziehen dicke graue Wolken über uns hinweg, alles ist nass und nichts lockt uns hinter dem sprichwörtlichen Ofen vor. Sandy legt sich eine Weile aufs Ohr, ich befürchte um meine Nachtruhe und bleibe lieber jetzt wach, als später wach im Bett zu liegen. TV im Wohnzimmer ist zwar vorhanden, funktioniert aber nicht. Daher bleibt mir nichts übrig, als die Datenübertragung von Kamera auf Speichermedium zu überwachen.

Dabei bemerke ich eine Bewegung vor der Veranda, und bei näherer Überprüfung entdecke ich einen Feldhasen, der im Gebüsch vor sich hinmümmelt. Wieder ein Tierchen, das in unsere wildlife-Liste passt.

Von den Bisons der Ranch ist weit und breit nichts zu sehen.

Schließlich wecke ich Sandy und wir fahren zum Restaurant. Der Weg ist zwar nicht weit, aber das Wetter immer noch mehr als bescheiden. Eine nette Bedienung berät uns mit der Karte, und wir entscheiden uns für – Bison. Schließlich sind wir auf einer Bison-Ranch, auch wenn wir von den Kerlchen bisher keines gesehen haben.

Es dauert etwas, bis das Essen kommt, aber es ist frisch gemacht und sehr lecker. Für einen Nachtisch ist sowieso immer noch Platz.

Gesättigt und zufrieden fahren wir zurück zur Cabin und freuen uns auf eine ruhige Nacht.

Leider wird dieser Wunsch nicht erfüllt. Die ganze Nacht rasen Stürme über die Ebene, es schüttet aus allen Eimern und hört sich an, als würden mehrere Trommler mit ihren Schlegeln auf dem Dach herumtrommeln. Mir geht durch den Kopf, dass die Gegend, die wir morgen durchfahren müssen, Flashflood-Gebiet ist. Hoffentlich geht das gut!

zurück: 20. September 2016

weiter: 22. September 2016