Another Word for Magic: Yosemite

aka: Autsch Panorama Trail

Hinweis für alle „Mitreisenden“: zieht euch gute Schuhe an und macht euch auf was gefaßt. Heute wird es anstrengend!

Bereits um 6:30 Uhr wird das bestellte Frühstück geliefert – genau wie gewünscht. Am Couchtisch stärken wir uns mit Ei, Bacon und Sausage. Der Tag wird lang werden und wir werden unsere Kraft brauchen.

Sachen packen, runter zum Check-out, Auto beladen. Am Parkplatz müssen wir dann unsere lang und mühsam mitgeschleppte Chipstüte entsorgen, denn im Auto lassen ist keine Option. So ein Cabriodach ist nun wirklich nicht bärensicher. Mitnehmen wollen wir das riesige Ding aber auch nicht. Hier einer der bärensicheren Müllcontainer in Yosemite.

Eigentlich wollen wir den kostenlosen Shuttlebus nehmen, der laut Rezeptionsauskunft ca. 7:30 Uhr vom Hotel abfährt. Leider warten wir vergebens, daher entscheiden wir uns, doch mit Fury zur Lodge zu fahren und dort zu parken.

An der Lodge selbst können wir allerdings nicht parken, wie beim Majestic muss man Gast sein, um ein Parking permit zu erhalten, das sichtbar im Auto platziert sein muss. Daher muss ich etwas suchen, aber schließlich finde ich eine Stelle, wo ich Fury abstellen kann, ohne dass die Gefahr des Abschleppens bzw. eines Strafzettels besteht.

Da wir nicht genau wissen, wo das Glacier Point Shuttle abfährt, erkundige ich mich beim nächsten Valleyshuttle Busfahrer. Und natürlich stehen wir falsch, wir müssen direkt an den Eingang der Lodge. Dort gibt es schon eine Schlange von Parkbesuchern, die wie wir zum Aussichtspunkt Glacier Point wollen.

Noch schnell unsere vorbestellten Tickets abgeholt, dann kommt auch schon der Bus.

Yosemite Bus

Als erstes fahren wir die Nordstraße bis zum Taleingang, vorbei am „El Cap“,

El Capitan

dann folgen wir der Südstraße bis zur Ausfahrt auf den Highway 41.

Maultierhirsche am Straßenrand

Diese Strecke inklusive der Glacier Point Road ist uns ja von vor 2 Jahren noch wohlbekannt, und ich bin gar nicht böse, dass ich das dieses Mal nicht selbst fahren muss.

Die Busanfahrt zum Glacier Point / Panorama Trailhead

Unser Tourguide und Fahrer erzählt während der Fahrt einiges aus der Geschichte des Yosemite Valleys, und er macht dies auf interessante und amüsante Art und Weise. Zusätzlich zeigt er noch ein Video über Schwarz- und Grizzlybären (ok, Grizzlies gibt es ja nicht in Yosemite), und so geht die Fahrt doch recht schnell vorbei und wir sind am Point angekommen.

Wir nutzen noch einmal die Gelegenheit für einen Toilettengang und gehen anschließend die Aussicht bewundern.

Blick ins Tal. Die schwarze Fläche ist das gestern abgebrannte Meadow.

Das Yosemite Hotel. Unser Zimmer befand sich am hier rechten Flügel oben neben dem geöffneten grünen Sonnenschirm.

Blick auf Half Dome vom Glacier Point aus.

Dabei fällt uns auf, dass wir unsere Hüte im Auto haben liegen lassen. Na toll, da schleppen wir die extra mit aus Deutschland, und dann… Gott sei Dank gibt es am Point eine kleine Verkaufshütte, wo man sich mit vergessenen Notwendigkeiten eindecken kann.

Ein Hoch auf denjenigen, der auf die glorreiche Idee kam, hier eine Verkaufshütte zu platzieren.

Wir besorgen uns jeder ein Yosemite-Käppi, Sandy – die heute ihren Fotorucksack nicht mitgenommen hat – kauft noch einen kleinen Rucksack, in dem wir bei Bedarf unsere Jacken verstauen können.

Denn es ist strahlend blauer Himmel. Im Augenblick ist es noch angenehm, aber es ist zu erwarten, dass es später in der Sonne warm genug sein wird, um ohne Jacke unterwegs zu sein.

Immer diese Touristen…

8 mi/13,5 km Wanderweg liegen vor uns, vom Glacier Point über 3 Wasserfälle zurück ins Tal. Noch unsere Wasservorräte aufgefüllt, und los geht’s.

Unsere Wanderstrecke

Das erste Stück des Weges ist angenehm zu gehen. In Serpentinen geht es abwärts auf flachem Waldboden mit herrlicher Aussicht auf den Half Dome.

Half Dome, rechts daneben das „Little Yosemite Valley“ mit (in der Mitte, dieser „Zuckerhut“) Liberty Cap.

Little Yosemite Valley noch einmal beschriftet und aus etwas anderer Perspektive:
Dann wird der Weg steiniger und schwieriger zu begehen.

Immer noch geht es abwärts. Dies wird so sein bis zu den ersten Wasserfällen, den Illilouette Falls. Von dort an steigt der Weg an bis zu den Nevada Falls am Fuße der Liberty Cap, anschließend geht es wieder abwärts bis zum Talboden. Man kann sagen, der Panorama-Trail ist dreiteilig.

Leider stellt es sich heraus, dass Sandys Füße, ihre Strümpfe und Schuhe mit dem Weg nicht kompatibel sind. Während ich zwar den Weg abwärts in den Zehen spüre, aber keine Probleme habe, fangen Sandys Füße an zu brennen. Keine gute Voraussetzungen für die restliche Strecke.

Denn Umdrehen ist keine Alternative, und abbrechen ist nicht sinnig, es gibt keine „ich wart dann mal auf den Bus“-Möglichkeiten.

Nach über 2 Stunden erreichen wir die ersten Falls und machen hier am Fluss eine Rastpause mit Obst und Müsliriegeln.

Die Illilouette Falls

Blick auf den Fluss oberhalb der Brücke

Wir überqueren den Illilouette auf der Brücke im Hintergrund. Jetzt geht es stetig bergauf.

Inzwischen ist es ziemlich warm geworden, die Sonne scheint. Eigentlich wunderschönes Wetter. Nur: die Sonne scheint nun bei diesem Aufstieg direkt in unsere Nacken. Und der Weg liegt an vielen Stellen voll im Freien, also völlig ohne Schatten. Dazu die Höhe, in der wir uns befinden. Ergebnis: Sandy bekommt Probleme mit dem Kreislauf und muss sich einige Male ausruhen. Dazu kommen sich langsam aber sicher entwickelnde Blasen an den Füßen.

So kämpfen wir uns weiter, die paar Eidechsen und ab und an mal ein Squirrel lenken nicht so recht ab.

Die Aussicht ist zwar schön, aber aufgrund des Weges hat man gar nicht so den Blick dafür, da man die Augen stetig auf die Steine und Steinstufen vor einem richten muss, um nicht zu stolpern.

Trotzdem entdecken wir den versteckten Seitenpfad, von dem wir im Internet gelesen haben. Dieser führt an einen nicht offiziell ausgewiesenen Aussichtspunkt mit Blick auf den Glacier Point und das Little Yosemite Valley entlang zum eigentlichen Yosemite Valley.

Panorama Point. Links Glacier Point Range, der Wald in der Mitte quer ist der Talgrund des Yosemite Valleys.

 

Sandy am Panorama Point

Schließlich haben wir es geschafft. Eine Hinweistafel zeigt uns, dass wir gleich an den Nevada Falls sind.

Liberty Cap (rechts) und Mt. Broderick (links), dazwischen im Hintergrund Half Dome

Auf der Brücke oberhalb der Nevada Falls

Aussicht ohne Absicherung

Wir haben nun die Wahl: entweder wir überqueren die Falls und wandern auf der anderen Seite den Mist Trail entlang, oder wir laufen das kurze Stück zurück bis zur Hinweistafel und folgen dann dem Pfad auf dem John-Muir-Trail bis ins Tal.

Nun, der Mist Trail zählt zu den schwierigen Trails des Parks. Ich habe ihn mir per Street View angeschaut und im Hinblick auf Sandys Schmerzen und die Beschaffenheit des Trails mit sehr hohen Steinstufen und richtigen Kletteraktionen bei der Begehung ist klar, dass wir den (angeblich) angenehm zu laufenden John-Muir-Trail nehmen werden, auch wenn dieser etwas länger ist.

Blick vom John-Muir-Trail zurück auf Liberty Cap und Nevada Falls

Leider erweist sich auch dieser Trail als Quälerei für die Füße, denn er besteht nur aus großen und kleinen Steinen und Stufen, die zwar nicht so hoch sind wie beim Mist Trail, aber deshalb für uns nicht unter die Kategorie „angenehm zu laufen“ fällt.

Trotzdem heißt es: weiter, weiter. Denn es gibt nun einmal keine Alternative. Und es wird immer später. Ich befürchte, dass wir in die Dunkelheit geraten könnten, denn leider geht es Sandys Füßen immer schlechter, sie kommt nur noch mühsam voran. Mir graut bei der Vorstellung, diesen Pfad in Dunkelheit laufen zu müssen, denn „natürlich“ haben wir auch keine Taschenlampen dabei, die liegen brav im Koffer.

Aber nicht nur wir haben solche Probleme, auch andere vor uns scheinen mit dem Weg gekämpft zu haben.

In wie weit der ehemalige Träger dieser Wanderstiefel eventuell barfuß weitergelaufen ist, entzieht sich unserer Kenntnis.

Endlich, nach ewig langer Zeit, kommen wir an die Abzweigung zum 3. Wasserfall, den Vernal Falls. 0,8 mi bis zu den Fällen, zeigt das Hinweisschild. Das scheint nicht weit zu sein, aber rechnet man es in Kilometer um und bedenkt, dass man den Weg ja auch wieder zurücklaufen muss, dann kommt man auf ca. 3,2 km Gesamtstrecke. Und das wollen wir uns wirklich nicht mehr antun.

Daher bleiben wir auf dem Trail, der nun am Bachlauf unterhalb der Vernal Falls verläuft. Ab der Brücke über das Wasser bis zum Talgrund zählt der Weg als „behindertenfreundlich“, er ist geteert und glatt.

Auf der Brücke unterhalb der Vernal Falls

Schön, man muss nicht ständig auf den Boden gucken, aber Sandys Schmerzen lindert das nicht. Schließlich haben wir es geschafft. Wir sind zurück im Yosemite Valley an der Straße. Noch ein kurzes Stück bis zur Bushaltestelle „Happy Isles“. Der dort befindliche Shuttle gibt Zeichen, dass er gleich abfahren wird. Aber wir schaffen es nicht mehr zu rennen.

An der Haltestelle befinden sich Bänke. Oh, wie gut tut es, mal wieder zu sitzen und die Beine von sich zu strecken… Sandy setzt sich einfach nur hin und wartet auf den nächsten Bus.

Dann kommt eine Frau dazu, dreckig, mit riesigem Rucksack und Wanderstöcken. Eine andere Frau fragt sie, ob sie den John Muir Trail gelaufen ist und sie antwortet mit ja. Jaja, wir sind auch den John Muir Trail gelaufen – ein winziges Stückchen davon! Dieser Trail ist ein Fernwanderweg und 211 Meilen lang, das sind etwa 340 km. Sie hat sich Zeit gelassen und 30 Tage gebraucht. Ahahahaha. Wenn wir zu diesem Zeitpunkt vor einem Menschen niedergekniet wären, dann vor ihr.

Während wir auf das nächste Shuttle warten, wird es immer dunkler, und als der Bus da ist, ist es finstere Nacht. Keine Straßenlaternen, kein Licht. Wo sind wir gerade? Keine Ahnung… Gott sei Dank werden die Haltestellen angesagt, so dass wir rechtzeitig an der Lodge aussteigen.

Nun heißt es, Fury zu finden. Solange wir uns im Bereich der Lodge befinden, ist der Weg einigermaßen beleuchtet, aber kaum verlassen wir den Bereich, muss Sandy die Handylampe einschalten, damit wir nicht versehentlich gegen einen Baum laufen. Schließlich reagiert Fury aber auf den Schlüsselfunk und gibt mit Lichtzeichen an, wo er steht.

Als erstes ziehen wir beide nun die Schuhe aus. Ich schlüpfe in die bereitstehenden Sportschuhe, mit den Wanderschuhen könnte ich nicht Auto fahren. Und das muss ich ja nun noch, etwas länger als eine Stunde zu unserem Hotel in Oakhurst außerhalb des Nationalparks.

Weiterfahrt nach Oakhurst

Während ich also unseren Fury auf der Straße halte, streckt Sandy ihre Füße von sich und genießt das Nixtun. Eines steht fest: Sollten wir ein Shirt finden mit „I survived Panorama Trail“, dann kaufen wir das. Egal was es kostet.

Die Fahrt verläuft ereignislos. In Oakhurst habe ich uns in „unserem“ Hotel von 2014, dem „Best Western Yosemite Gateway Inn“, eingebucht. Hier erhalten wir ein Familienzimmer in der ersten Etage. Das bedeutet riesig viel Platz. Nach der Eingangstür befindet sich ein Zimmer mit einem Doppelbett, dann folgt ein Bereich mit Kitchenette, Schrank und Badezimmer und dahinter ein großes Zimmer mit 2 Queensize Betten. Dazu gibt es noch einen kleinen Balkon.

Das Doppelzimmer

Das Bad

Auf dem Balkon neben uns sitzt eine Truppe junger Männer gemütlich beisammen. Es stellt sich heraus, dass auch sie heute auf dem Trail unterwegs waren. Allerdings nur auf dem unteren Bereich bis zu den Vernal Falls.

Zum Abendessen weggehen oder -fahren, dazu sind wir nicht mehr in der Lage. Noch ins Bad, die Reste aus dem Rucksack futtern, und dann ab ins Bett.

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The Mountains are calling

Heute steht uns eine der Strecken bevor, auf die wir uns beide sehr gefreut haben. Gestern hatte ich ja meine Bedenken wegen des Wetters, heute aber strahlt die Sonne bereits am frühen Morgen, und ich hoffe, das ist nicht nur in Mammoth so.

Unser Frühstückslokal “The Stove“ befindet sich direkt gegenüber vom Hotel, daher lassen wir unser Auto nach dem Beladen erst einmal stehen und gehen die paar Meter zu Fuß.

The Stove

The Stove (der Sand vor dem Gebäude liegt nur wegen der Straßenbaustelle da)

Unser Frühstück ist so, wie man sich ein amerikanisches Frühstück vorstellt: schnell gemacht, lecker und reichhaltig.

Frühstück

Frühstück

Und preislich ist es wirklich akzeptabel, so dass wir uns nach dem Bezahlen fröhlich auf den Weg machen.

Erste Strecke ist die Straße 395 nach Norden, die wir gestern ja nach Süden gefahren sind.

Straße nach Norden

In Lee Vining am Mono Lake biegen wir ab auf den Highway 120 nach Westen, auch bekannt als „Tioga Pass Road“. Diese Straße ist eine der wenigen Paßstraßen durch die High Sierra. Und diese Straße ist einfach phänomenal.

Hinweisschild

Allerdings halten wir noch einmal direkt nach der Abzweigung, um unser Pferdchen zu füttern. Mit Blick auf den Mono Lake wartet Sandy im Auto, während ich bezahlen gehe. Heute liegt der See im strahlenden Morgenlicht, kein Vergleich zu gestern.

Dann geht es endlich auf diese wunderschöne Fahrstrecke.

Unsere Stationen am Tioga Pass

Noch 12 Meilen

Hinter jeder Kurve liegt eine neue tolle Aussicht, man fährt sozusagen von einem Ooooh-Anblick zum nächsten Aaaah-Anblick.

Als Fahrer kann ich die Natur nur zum Teil genießen, aber Sandy hat hier den vollen Genuß. Ich richte mich brav nach ihr, wenn sie sagt: „Halten!“, dann halte ich am Seitenstreifen. Den gibt es Gott sei Dank fast überall.

Lee Vining Canyon Falls

Die Lee Vining Canyon Falls führen erstaunlich viel Wasser dank des gestrigen Unwetters.

Am Ellery Lake halten wir das erste Mal an. Es ist total windstill hier im Schatten des Berges, und irgendwie lädt der See optisch direkt zum Baden ein. Wir lassen es aber tunlichst sein, denn es ist noch frisch und wir wissen, dass diese Bergseen sich spätestens beim ersten „Zeh-ins-Wasser-tauchen“ als verdammt kalt für Badegäste herausstellen.

Ellery Lake

Am Ellery Lake

Auto

Fury macht sich gut vor dieser Kulisse.

Weiter geht es, vorbei an schroffen Felswänden und Wasserfällen, die alle erstaunlich viel Wasser führen. Hat das Regen- und Hagelwetter von gestern und vorgestern doch sein Gutes!

Eingang

Endlich erreichen wir den eigentlichen Eingang.

Entweder man kauft hier sein Entry-Ticket, oder man zeigt – so wie wir – den Annual Pass „America the Beautiful“ vor. Dieser ist 12 Monate gültig und kann seit einiger Zeit von 2 verschiedenen Benutzern – die auf der Rückseite unterschreiben müssen – genutzt werden. Ist man Erstnutzer, so darf man den Pass weitergeben/weiterverkaufen. Wir haben so einen „gebrauchten“ Pass im Internet ersteigert und damit rund die Hälfte des Kaufpreises gespart. Eine win-win-Situation für beide Passhalter.

Es riecht praktisch schon nach Yosemite…

Vorbei am Tioga Lake erreichen wir schließlich unser erstes heutiges Zwischenziel: Lembert Dome.

Lembert Dome

Lembert Dome

Lembert Dome ist ein Granitfelsen direkt an der Paßstraße, mit einer Gesamthöhe von 2.880 m. Man hat hier bei entsprechendem Wetter eine Weitsicht bis zu 150 Meilen. Und das Wetter heute ist entsprechend. Daher steht unserem Plan, auf den Lembert Dome zu klettern, nichts im Wege.

Zuerst aber müssen wir unsere Fressalien in einer der Bear boxes an der Rangerstation unterbringen.

Bear Boxes

Bear Boxes

Denn es ist Bear Country, und die Schwarzbären untersuchen schon einmal gerne ein Auto von innen, wenn ihnen ein appetitlicher Geruch in die Nase steigt. Das wollen wir nicht riskieren, weder dass unser Fury kaputt gemacht wird noch dass ein Schwarzbär Probleme mit den Rangern bekommt.

Dann machen wir uns auf den Weg um den Felsen herum, denn der eigentliche Aufstieg befindet sich sozusagen auf der Rückseite.

Unsere Wegwahl trifft die zwar längere, aber gemütlichere Strecke, der Weg liegt größtenteils im Schatten bzw. Halbschatten. Er ist teilweise steil, hat aber auch flachere Strecken, auf denen man wieder zu Atem kommt. Man bedenke die Höhe, auf der wir uns befinden!

Zuerst geht es noch ganz gemütlich voran.

Dann wird der Weg schwieriger und steiniger.

Wir entdecken ein paar Weggefährten:

Ziesel

Kalifornisches Ziesel/ California ground squirrel/Otospermophilus beecheyi

Kleines Streifenhörnchen

Kleines Streifenhörnchen/Least Chipmunk/Tamias minimus

Dann liegt er scheinbar vor uns: der letzte Aufstieg zur Spitze.

Hmm, und wie kommt man da jetzt hoch?

Aber irgendwie haben wir uns das anders vorgestellt? Sind wir wirklich richtig? Nein! Wir müssen noch quasi „einen Felsen weiter“.

Bestimmt hat der uns heimlich ausgelacht…

Jetzt aber! Jetzt sind wir richtig!

Hier muss man sich nun seinen Weg selbst suchen. Stellenweise haben sich durch Erosion eine Art Treppenstufen gebildet. Trotzdem ist der Aufstieg gar nicht so einfach.

Aber dann sind wir oben und genießen die grandiose Aussicht.

Geschafft!

Blick nach Süden

Blick nach Westen

 

Blick nach Norden

Blick nach Osten

Und stand am Abgrund…

Auch nicht viel besser…

In der Sonne ist es inzwischen trotz der Höhe sehr angenehm…

Aber irgendwann müssen wir uns doch losreissen. Vorsichtig suchen wir uns unseren Weg vom Felsen (O-Ton Sandy: „Mit 2 Kameras am Kameragurt nur bedingt empfehlenswert!“) und wandern dann den zweiten, kürzeren Weg zurück an die Straße.

Der Weg abwärts ist nicht besser als der Weg aufwärts.

Dabei kommen wir an „unserer“ Bear Box vorbei, so dass sich ein kurzer Zwischenstopp anbietet.

Bevor wir unser Auto abholen, laufen wir noch ein Stück den Weg von Osten her ins Tuolumne Meadow, vermissen hier allerdings den dort fließenden Tuolumne River.

Wir machen kehrt und mit Blick auf den Lembert Dome kehren wir zurück.

Da oben waren wir!

Am Parkplatz treffen wir diese beiden Herren, die sicherlich einen anderen „Weg“ an die Spitze des Domes planen.

Wir wissen, dass wir nur ein Stück die Straße entlang fahren müssen, um eine Stelle zu finden mit Blick auf das Wasser. Laut Google-View gibt es dort dann eine Abstellmöglichkeit für unseren Fury direkt an der Straße. Und tatsächlich finden wir einen Parkplatz direkt am westlichen Zugang zum Meadow, und nur wenige Meter von der Straße weg fließt das Bächlein, das wir gesucht haben.

Weiter geht es, nächster Halt: Tenaya Lake.

Die Straße liegt (von Norden kommend) zwischen steilen Granitfelsen auf der rechten Seite und dem See auf der linken. Auf beiden Straßenseiten gibt es etliche Halte- und Parkmöglichkeiten. Das ist auch notwendig. Denn der Blick über den See ist wundervoll, und im Sommer ist hier die Hölle los.

Wir stellen unser Auto also in einer Parkbucht ab und überqueren die Straße.

Tenaya Lake

Tenaya Lake

Der Tenaya Lake ist der vielleicht schönste See in Yosemite. Sandy wollte das ja immer gar nicht glauben, weil er eben direkt an der Straße liegt. Aber jetzt ist sie selbst da.

Tenaya Lake

Tenaya Lake

Während wir noch die Aussicht bewundern, bemerken wir, dass die anderen Besucher nicht über den See blicken, sondern gebannt in die Wand oberhalb von Fury starren. Was für uns natürlich bedeutet: umdrehen und nachschauen, was denn da so faszinierend ist.

Wir entdecken in der oberen Hälfte der Wand einige Kletterer mit Seilen, Haken und Schutzkleidung, die dort aktiv sind.

Kletterer

Kletterer im Fels

Fury in Gefahr!

Plötzlich sehen wir, dass ein weiterer junger Mann etwas unterhalb der Gruppe nach oben klettert. Ohne irgendwelche Absicherung, ohne Schutzkleidung, dafür mit Kamera. Und sichtlich keiner dieser Freikletterer, von denen man immer wieder Bilder sieht. Sehr leichtsinnig!

Was ist, wenn der abrutscht und auf unseren Fury fällt? Also nix wie weiter… Allerdings halten wir am südlichen Ende des Sees erneut…

Tenaya Lake

Tenaya Lake

Tenaya Lake

Tenaya Lake

Eigentlich haben wir eine Wanderung zum May Lake ins Auge gefasst, im Hinblick auf die Uhrzeit verschieben wir dies aber auf einen späteren Zeitpunkt und fahren direkt durch zum Olmstedt Point.

Olmstedt Point

Olmstedt Point – Hier sieht man von Norden kommend zum ersten Mal den Half Dome ( links im Hintergrund), das Wahrzeichen Yosemites.

Hier möchte Sandy eine ganz bestimmte Aufnahme nachstellen, die sie im Netz gefunden hat. Während sie also die Perspektive sucht, bleibe ich beim Auto, so sparen wir uns, das Verdeck zu schließen.

Für dieses Bild ist Sandy da hochgekraxelt, denn so eins hatte sie im Internet gesehen und musste es auch haben. Dieser Baum ist einfach saucool, wie er da mitten aus dem Felsen rauswächst.

Ich setze mich auf die Begrenzungsmauer und betrachte die Landschaft und die Besucher. Heute sind etliche Motorradfahrer unterwegs, das Publikum ist international, und „natürlich“ gibt es die üblichen asiatischen Bustouristen: aussteigen, posen, knipsen in allen Variationen, einsteigen und weiterfahren. Keine Zeit, keine Zeit, wir haben noch viel vor…

Auch wir haben noch einiges vor heute. Trotzdem lassen wir uns Zeit und hetzen nicht. Schließlich haben wir Urlaub.

Nachdem Sandy zurückkehrt, fahren wir weiter. Die Landschaft ist und bleibt wunderschön.

Schließlich trifft der Highway 120 auf die Big Oak Flat Road, die nach links ins Yosemite Valley führt. Wir biegen hier allerdings rechts ab und folgen der 120 bis zur Ausfahrt aus dem Park. Kurz nach den Kassenhäuschen fahren wir nun links auf den Parkplatz. Denn hier – und nur hier, an keinem der anderen 3 Eingänge zum Park – befindet sich:

Eingangsschild

Zurück im Park steht als nächster Punkt die westliche Zufahrtstraße auf dem Programm. Dann haben wir den Park durch alle Einfahrten betreten. Warum wir diesen Schlenker machen? Nun, die Straße heißt „El Portal Road“. Und El Portal ist eine Felsformation direkt nach den Kassenhäuschen, durch die man hindurchfährt. Daher kann ich natürlich keine Bilder machen, sitze schließlich am Steuer. Aber Sandy hat fleißig fotografiert.

El Portal

Ein kurzer Stopp am Tunnel View ist natürlich Pflicht. Die Aussicht ist wie immer grandios. Allerdings erschrecken mich die vielen braunen Nadelbäume, so viele Schäden waren vor 2 Jahren nicht sichtbar.

Tunnel View

Tunnel View

Einer Infotafel entnehme ich, dass Yosemite von einem Baumschädling heimgesucht wird. Durch die anhaltende Dürre mit zu geringen Niederschlägen im Winter sind die Bäume teilweise geschwächt und können diesem Schädling nichts entgegen setzen. Es sollen Millionen Bäume im ganzen Park betroffen sein, die Parkverwaltung wollte rund 60.000 Bäume im und um das Tal herum abholzen, um den Befall etwas einzudämmen.

Bridalveil Falls

Bridalveil Falls tröpfeln noch ein wenig.

Nun wollen wir in unser Hotel fahren. In diesem Hotel, dem historischen „Ahwanee Hotel“, das seit März 2016 nun „The Majestic Yosemite Hotel“ heißt, zu wohnen, war ein Traum, den ich mir auf dieser Reise erfüllt habe. Direkt im Yosemite Valley gibt es ja nur zwei Hotels (im Park selbst gibt es noch andere), eben das Majestic und die Yosemite Lodge. Dazu gibt es noch das Housekeeping Camp (einfache Hütten und Zelte) sowie Camp No.4, das von den Kletterern am El Capitan benutzt wird.

Eigentlich ist die Fahrt im Valley ganz einfach, eine zweispurige Straße führt entgegen dem Uhrzeigersinn durch das Tal, und irgendwo an der Nordstraße geht dann die Zufahrt zum Hotel ab. Soweit die Theorie. In der Praxis sieht es allerdings anders aus…

Gerade heute hat die Parkverwaltung nämlich ein Meadow ganz in der Nähe dieser Abfahrt zum Hotel abgebrannt, und aus Sicherheitsgründen wurde natürlich der Verkehr umgeleitet. Wie in früheren Zeiten sind die Wege nun einspurig mit Gegenverkehr, überall sind Absperrungen und Umleitungen. Und irgendwie verliert man da den Überblick, wo man nun gerade ist.

Aber schließlich finden wir die Zufahrt und damit natürlich auch das Hotel. Während Sandy Fury entlädt, checke ich an der Rezeption ein. Wir haben ein Zimmer in der 5. Etage (das Hotel hat 6, in der 6. befinden sich nur Suiten für besondere Gäste, hier dürfte die Obama-Family in der vorigen Woche genächtigt haben bei ihrem Besuch des Parks), mit Terrasse und Sitzmöbeln draußen. Und einer Aussicht, die sich gewaschen hat: freier Blick auf die Wand von Glacier Point im Süden und auf Half Dome im Westen.

Glacier Point Range

Glacier Point Range

Blick auf den Half Dome

Blick auf den Half Dome

Unser Zimmer

Das Bad

Nachdem unsere Sachen im Zimmer sind, machen wir einen kleinen Spaziergang in und um das Hotel. Sehr gediegen, sehr rustikal und sehr beeindruckend.

Unsere Terrasse

Fahrstuhltür von Innen

Fahrstuhldecke

Eingangsbereich – ja, wir wollten schon immer mal über den Roten Teppich laufen.

Kein Spaß! Das sollte man wirklich beachten.

Das Hotel von außen

Dann ist es auch schon Zeit, sich umzuziehen, denn wir haben einen Tisch im Restaurant bestellt und wollen natürlich rechtzeitig unten sein.

Die Architektur des Speisesaals ist weltbekannt.

Speisesaal (Quelle: terragalleria.com)

 

Wir bekommen unseren Tisch zugewiesen und die Karte gereicht. Die Auswahl ist nicht einfach, aber wir finden was, was uns interessiert und unsere Urlaubskasse nicht völlig sprengt (ok, ich habe für diesen Tag den doppelten Basisbetrag für Essen eingeplant). Während wir warten, bewundern wir die herumhuschenden Servicekräfte. Jeder Tisch wird von mindestens 2 Kellnern versorgt. Da die Tische doch recht nah beieinander stehen, entwickelt sich die Anlieferung der Speisen zu einem mittleren Balance-Kraft-Akt. Auf großen Tabletts stehen die abgedeckten Teller in 2-3 Lagen, und die Ober transportieren diese Tabletts auf einer Hand und Schulter knapp über die Köpfe der Gäste. Man muss sich wundern, dass hier keine Unfälle passieren.

Und kaum gedacht, passiert es doch. Die Kellnerin, die auch für unseren Tisch zuständig ist, streift im Vorbeigehen einen Gast am Nebentisch. Ok, nix passiert, niemand verletzt, aber irgendwie peinlich ist es schon.

Sandys Abendessen – heimlich fotografiert (in dieser vornehmen Umgebung…)

Nach dem Essen gönnen wir uns noch einen Nachtisch. Wenn schon, denn schon.

Dann ziehen wir uns in unser Zimmer zurück. Draußen ist es inzwischen stockdunkel und kühl geworden, das geplante gemütliche Sitzen auf dem Balkon entfällt. Dafür bestelle ich für morgen Frühstück als Zimmerservice, das wird nämlich zeitlich früher geliefert als das Frühstücksbuffet im Speisesaal öffnet, und wir haben ja einen Fixtermin für den Bus zum Glacier Point, den wir nicht verpassen dürfen.

zurück: 13. September 2016

weiter: 15 September 2016